Lötschenlücke und Konkordiaplatz

Ausgedehnte »Gletscherwanderung« (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
Bei Gampel (Rhonetal) zweigt nach Norden das Lötschental ab. Von 17 Walliser und Berner Dreitausendern überragt, zählt es zu den ur-sprünglichsten Bergtälern des Wallis. Lange war die Lonzaschlucht wegen ihrer engen Durchfahrt bei Pkw- und Caravanfahrern gefürchtet; doch seit Bestehen des 2,4 Kilometer langen Mittal-Tunnels (1987) gehören heikle Rangiermanöver der Vergangenheit an. Hinter Goppenstein weitet sich das Tal und man gelangt bei Ferden ins eigentliche Lötschental, das nach Nordosten in Längsrichtung bis zur Lötschenlücke verläuft. Hauptort des Tales ist Kippel – weiter talein folgen Wiler, Ried und Blatten. Das einst schwer zugängliche Tal hat sich ein reiches Brauchtum erhalten. Noch heute ist der Dorfplatz Mittelpunkt farbenprächtiger Prozessionen wie Osterspende in Ferden, Allerseelenspende in Kippel, Dreikönigsspiel in Wiler, Kippel und Ferden, oder Roitschäggättä, das berühmte Fasnachtstreiben der Masken (mit Pelzen umhüllte, furchterregende Gestalten tragen fratzenhafte Masken). Aussichtsreiche Bergpfade bringen den Wanderer auf beiden Talseiten über ausgedehnte Almgebiete und durch prächtige Lärchenwälder in luftige Höhen. Lohnend ist der Lötschentaler Höhenweg, der unter den Südflanken von Petersgrat, Birghorn, Sackhorn und Hockenhorn von der Fafleralp nach Ferden führt (7–8 Std.).
Unser Tourenvorschlag Variante B wird Sie über die Lötschenlücke in eine der großartigsten Hochgebirgsregionen geleiten, die zwar noch zum Kanton Wallis gehört, jedoch bereits in die Bergwelt der Berner Alpen übergreift. Es ist das vergletscherte Gebiet über dem Konkordiaplatz, dem Sammelbecken gewaltiger Gletscherströme (zugleich Ende der Nährzone und Anfang der Zehrzone): Jungfraufirn – Ewigschneefeld – Grüneggfirn – Grosser Aletschfirn. Die Route durchzieht das Herzstück der 2001 in die Weltnaturerbeliste aufgenommenen Region Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn (siehe hierzu auch Vorspann Tour 35) und seit Juli den Namen »UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch« trägt. Gletscherunkundige müssen auf diese Route verzichten und sich statt dessen für die Variante A entscheiden. Beim leichten Wandern werden sie das einzigartige Panorama genießen, an kühlen Gebirgsseen rasten, vielleicht sogar auf der gemütlichen Anenhütte nächtigen und innerlich beglückt ins Tal zurückkehren.
Die 1994/95 zuhinterst im wildromantischen Lötschental erbaute Anenhütte wurde in den ersten Märztagen des Jahres 2007 von einer Staublawine restlos zerstört. Nach dem Wiederaufbau steht die Hütte seit September 2008 Bergwanderern und Bergsteigern wieder zur Verfügung. Ihr Markenzeichen sind heimelige Schlafräume, gepflegte Wasch- und Toilettenräume, die exellente Küche sowie ein schöner Gastraum. Sie ist gleichermaßen ideal für leichte Tageswanderungen, Hoch- und Skitouren, Eis- und Felstouren sowie Übergänge zur Hollandia-, Konkordia- und Oberaletschhütte.
Der Wegverlauf.
Wanderung über die Fafleralp zum Anensee.
Von Blatten über Eisten nach Kühmatt, einem Maiensässweiler mit der eindrucksvollen Wallfahrtskapelle Mariä Heimsuchung (17. Jh.; Hochaltar 18. Jh.), die von den Lötschentalern viel besucht wird. Der Weiterweg zieht sich über Weideböden zur Fafleralp hin. Immer rauer wird das von Wildbächen und Gletschern geprägte Landschaftsbild, dabei tut sich den Wandernden sehr unmittelbar die eigenwillige Schönheit dieser Hochgebirgsregion auf. In 2108 Meter Höhe leitet eine Brücke über den vom Jägigletscher gespeisten Anenbach hinweg, und die Route steigt etwas kräftiger an. In der Nähe von Punkt 2366 liegt der kleine Anensee (= Anusee), der bis in den Sommer hinein schneebedeckt sein kann. Wer sich für Variante A entscheidet, genießt von der Anenhütte die Aussicht auf das gesamte Lötschental und die eindrückliche Gletscherwelt, bevor er wieder ins Tal absteigt.
Aufstieg zur Lötschenlücke und Hollandiahütte.
Wir setzen die ge-plante Bergtour auf der Variante B fort. Bei Punkt 2323 endet der Bergpfad: Wir betreten den Langgletscher, queren ihn zur Mitte hin und steigen unter den steilen Felswänden des Schinhorns, die sich auf den Gletscher absenken, zur weithin sichtbaren Lötschenlücke (3173 m) auf. Einem Adlerhorst gleich klebt die Hollandiahütte, die wir wenig später erreichen, an den Felsen (3238 m). Unbeschreiblich ist das Panorama von dieser hochgelegenen SAC-Hütte – am Abend sitzen wir, in unsere Daunenjacken gehüllt, bis zum Sonnenuntergang auf der Terrasse.
Über Grossen Aletschfirn und Grossen Aletschgletscher zum Märjelensee.
Weiter am nächsten Morgen über den Grossen Aletschfirn hinunter zum Konkordiaplatz. Je nach Verhältnissen muss der Gletschersumpf nördlich oder südlich umgangen werden (ca. 2750 m; evtl. von hier über eine 1975 gebaute Stahltreppenanlage – vorher aus Holz – zur Konkordiahütte hoch). Vom Konkordiaplatz über den aperen, besonders am Rande von einem Spaltensystem durchzogenen Grossen Aletschgletscher abwärts. In etwa 2340 Metern Höhe wird zwischen Strahlhorn und Eggishorn ins Märjelentälchen hinübergewechselt (entweder direkt über das Eis oder in den Felsen des Strahlhorn-Südwesthanges).
Über die Märjelenalp zum Kühboden.
Es ist noch gar nicht lange her, da schwammen mächtige Eisblöcke im Wasser des Gletscherrandsees, der heute je nach Witterung und Temperatur bis in den Juli hinein Wasser hat, danach jedoch zumeist völlig ausgetrocknet daliegt. Jedoch bleibt die zauberhafte Landschaft nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel auf trockenen, unschwierigen Wegen (siehe Tour 35). Kurz darauf sind wir am oberen See, dem aufgestauten Vordersee. Seit Frühjahr 1987 werden im Vordersee 500?000 Kubikmeter Wasser gestaut für die Trinkwasserversorgung mehrerer Gemeinden des Aletschgebietes. Über die weite Märjelenalp geht es in sanftem Auf und Ab um den Tälligrat herum. Vom Kühboden (Mittelstation der Fiesch-Eggishornbahn) mit der Seilbahn hinab nach Fiesch (Goms/Rhonetal).
Weitere Tourenvorschläge.
• Lötschentaler Höhenweg, am besten in dieser Richtung: Fafleralp – Tellialp – Weritzalp – Hockenalp – Kummenalp – Ferden (7–8 Std.);
• Wiler – Lauchernalp – Lötschenpass (4 Std. Aufstieg, 3 Std. Abstieg oder 4 Std. Abstieg nach Norden ins Kandertal);
• Wanderung am orografisch linken Ufer der Lonza unter der Bietschhornkette von Goppenstein nach Blatten (3 Std.);
• Mörel – Breiten – Goppisberg – Golmenegg (3 Std.);
• Lax – Martisberg – Bettmeralp (4 Std.; zurück 2½ Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour36 km
Höhenunterschied1700 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
StartortBlatten (1540 m) oder Fafleralp (1788 m) am Ende der Fahrstraße im Lötschental (Parkplatz; im Sommer mit eigenem Pkw und Postbus zu erreichen).
AusgangspunktBlatten (1540 m) oder Fafleralp (1788 m) am Ende der Fahrstraße im Lötschental (Parkplatz; im Sommer mit eigenem Pkw und Postbus zu erreichen).
EndpunktKühboden
Tourencharaktera) bis zur Anenhütte unschwierig und für jeden trittsicheren Geher äußerst lohnend; b) bei der vorgeschlagenen Fortsetzung handelt es sich um eine kombinierte Bergwander-/Hochgebirgstour (2 Tage); Berg- und Gletscher-erfahrung Voraussetzung, sonst mit Bergführer.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 264 T (Jungfrau; mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungÖV: mit der Bahn nach Goppenstein (Station der BLS-Bahn), weiter mit dem PTT-Bus zu den Ausgangspunkten. Auto: von Norden (Kandersteg) per Bahnverladung nach Goppenstein oder aus dem Rhonetal (Gampel/Steg) auf kehrenreicher Straße dorthin; weiter ins Lötschental nach Blatten oder zur Fafleralp. Rückkehr: von Fiesch (Station der Matterhorn Gotthard Bahn) per Bahn und/oder Postbus zurück nach Gampel/Steg.
GastronomieAnenhütte (2358 m; über dem rechten Rand des Langgletschers), 51 Schlafplätze, bewartet: März bis Ende Oktober, Tel. 079/354?58?90. Hollandiahütte (3238 m), Sektion Bern, 100 Schlafplätze, bewartet: Mitte Juli bis Mitte August, Tel. 027/939?11?35 (Hütte), 027/973?21?28 (Tal). Konkordiahütte (2850 m, letzter Umbau 1996), Sektion Grindelwald, 165 Schlafplätze, bewartet: Juli bis September, Tel. 033/855?13?94 (Hütte), 081/384?64?62 (Tal). Schutzhütte Gletscherstube am (gestauten) Vordersee/Märjelenalp, Hüttenwart: Juni bis Oktober, Tel. 027/971?47?83; Kühboden (2212 m): Hotel-Restaurant Jungfrau, Hotel Alpina, Hotel Eggishorn.
Unterkunft
Anenhütte (2358 m; über dem rechten Rand des Langgletschers), 51 Schlafplätze, bewartet: März bis Ende Oktober, Tel. 079/354?58?90. Hollandiahütte (3238 m), Sektion Bern, 100 Schlafplätze, bewartet: Mitte Juli bis Mitte August, Tel. 027/939?11?35 (Hütte), 027/973?21?28 (Tal). Konkordiahütte (2850 m, letzter Umbau 1996), Sektion Grindelwald, 165 Schlafplätze, bewartet: Juli bis September, Tel. 033/855?13?94 (Hütte), 081/384?64?62 (Tal). Schutzhütte Gletscherstube am (gestauten) Vordersee/Märjelenalp, Hüttenwart: Juni bis Oktober, Tel. 027/971?47?83; Kühboden (2212 m): Hotel-Restaurant Jungfrau, Hotel Alpina, Hotel Eggishorn.

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