Leiten- und Berkwaal

Spannende Waale im oberen Vinschgau.
Der Anstieg zu Beginn des Leitenwaals ist teilweise steil und der Sonne ausgesetzt, ebenso der Abstieg vom Vernalhof über die Churburg; ansonsten leichte und überaus bequeme, unterhaltsame Wanderung auf gut begehbaren Waalbegleitwegen; Beschilderung im Bereich des Aufstiegs etwas undeutlich (Autor: Peter Mertz)
9 km
555 m
3.00 h
Eine Quelle für zwei Waale.
Die Besonderheit beider Waale liegt darin, dass sie nicht nur beide das Wasser vom selben Bach, in diesem Fall dem Saldurbach, beziehen, sondern nur von einem »Einkehrwaal« (siehe Wasserwege-ABC) gespeist werden. Der Leitenwaal wird wenige hundert Meter nach der Einkehr vom Berkwaal mittels einer Rohrbrücke abgeleitet. Dies gab natürlich in der Vergangenheit immer wieder Anlass zu Streitereien, denn die Wassermenge, die jedem der beiden Waale zugeleitet wurde, war nur schwer zu kontrollieren. Deshalb besitzen fast alle anderen Waale eine eigene Einkehr – vielleicht auch, weil man aus dieser seltenen und strittigen Ausnahme am Berkwaal gelernt hatte. Weil beide Waale im Tal zusammentreffen, ermöglichen die Begleitwege eine eindrucksvolle Rundwanderung, wobei wir dem Leitenwaal 3,5 Kilometer taleinwärts folgen und am Berkwaal drei Kilometer talauswärts wandern. Beide Waale verlaufen eindrucksvoll an den Flanken des steilen Matschertales und ermöglichen schöne Blicke zum tief unten rauschenden Saldurbach. Darüber hinaus bieten uns beide Kanäle interessante Einblicke in das Waalwesen wie Rohrbrücken, Schussstrecken, schroffe Rohrleitungen durch Steilrinnen und Überleitungen von Seitenbächen. Am Beginn des Leitenwaales begegnen wir einer prähistorischen Siedlung, die wie ein kleines Freilichtmuseum mit Schautafeln präsentiert wird.
Zum Leitenwaal.
Vom Zentrum von Schluderns wandern wir zuerst auf die Westseite des Saldurbachs bis zum Hotel Mühle und beginnen durch die schmale Gasse den Aufstieg auf die Sonnenhänge (Weg Nr. 18). Zuerst passieren wir den Abzweig zum Griggwaal, der einst zwischen Saldurbach und Leitenwaal das Wasser auf die Sonnenhänge leitete und heute zur Gänze aufgeschüttet ist. Von hier aus steigen wir noch gut eine halbe Stunde einen Wiesen- und Hohlweg entlang aufwärts, kommen an einem Bildstock vorbei, ehe der Weg Nr. 18 auf die Route des Waalwegs trifft. Zuerst gelangen wir zum Areal der prähistorischen Siedlung am Ganglegg-Hügel, wo unter Leitung des Vinschger Museums von Schluderns die ehemaligen Behausungen im Zuge der Ausgrabungsarbeiten nachgebaut wurden.
Nach einem kleinen Gatter beginnt der Waalweg, der zuerst in leichtem Auf und Ab durch lichten Lärchenwald zieht. Durch idyllische, wildromantische Szenerie folgen wir dem Waal, der mit abwechslungsreichem Verlauf über immer steiler werdende Hänge zieht. Ab und zu laden Bänke zum Verweilen ein.
Wir wandern gut 45 Minuten das im ursprünglichen Zustand belassene Gerinne entlang, an dem wir schön gepflasterte Einfassungen, Abdeckungen aus Steinplatten und Gerinnestrecken aus Holzkandeln bewundern können, bis wir schließlich in den finsteren und schroffen Bachgraben des Saldurbachs hineinsteigen. Der Waal überbrückt über uns den Bach, bevor er dort in den Berkwaal einmündet. Unser Pfad bringt uns an das ostseitige Ufer, wo wir nach kurzem Anstieg den Einkehrwaal überqueren, der hundert Meter zuvor das Wasser des Saldurbaches abgeleitet hat. Nun geht es bequem talauswärts, vorbei an dem Ableitungswehr des Leitenwaals. Bald durchwandern wir das Seitental des Flitterbachs, was dem Waal durch eine Rohrbrücke erleichtert wird. Wenig später führen Holzkandeln über den Aviunsbach, aus dem eine zusätzliche Zuleitung in den Waal mündet. Immer wieder windet sich der Weg um Hangnasen herum, die vom Kanal teilweise mit kleinen Tunnelstrecken umgangen werden. Bisweilen hat man das Gerinne auch in Rohrleitungen vor den abschüssigen Hängen geschützt. Doch bald hat der romantische Weg ein Ende, da man den Waal Anfang der 1980er-Jahre um ein großes Stück verkürzte und im äußeren Verlauf verrohrte. So endet der Waal heute nach nur drei Kilometern beim Vernalhof auf 950 Meter Seehöhe – sein Wasser hat dort von der Ausleitung aus dem Saldurbach auf 1220 Meter Seehöhe eine rauschende Talfahrt von mehr als 270 Höhenmetern erlebt.
Zurück nach Schluderns.
Wir folgen der Hofstraße durch die Wiesenhänge mit stetem Blick auf die Churburg abwärts, wobei wir einerseits einige Serpentinen durchlaufen, andererseits einem steilen Hohlweg folgen. Nach einiger Zeit gelangen wir an eine asphaltierte Straße, die uns nach rechts in zehn Minuten zur Churburg bringt. Wir können entweder über die gepflasterte Auffahrt in den Ort zurückkehren oder – wenn wir das Auto auf dem Parkplatz beim Bahnhof abgestellt haben – den Stiegenaufgang nützen, der auf Höhe der unteren Burgmauer nach rechts abzweigt und in die Koflerstraße mündet.

Dauer: Schluderns – Ganglegg 1 Std. – Saldurbach 1 Std. – Vernalhof 45 Min. – Churburg 30 Min. – Schluderns 15 Min.;
Gesamtgehzeit 3.30 Std.
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied555 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSchluderns (921 m), Parkplatz am Bahnhof oder im Ortszentrum
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterEiner der schönsten Waalrundgänge Südtirols befindet sich in Schluderns im oberen Vinschgau. Das Örtchen wird von der erhabenen Churburg beherrscht, die oberhalb des Ausgangs des Matschertals auf der Sonnseite steht. Neben Mals und Schlanders gehört Schluderns ebenfalls zu den »Waalhochburgen« des Vinschgau, denn einst leiteten hier fünf Waale das Wasser des Saldurbachs in Bewässerungskanäle. Während der Griggwaal zur Gänze verrohrt ist, der Quairwaal aufgelassen wurde und der Gschneirer Waal nur mehr teilweise besteht, blieben die eindrucksvollsten Passagen des Leiten- und Berkwaals als Kulturgut erhalten.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:50000, Blatt WKS 2 (Vinschgau); Kompass Wanderkarte 1:50000, Blatt 52 (Vinschgau)
VerkehrsanbindungAuf der Vinschgau-Staatsstraße (SS 38) nach Schluderns zwischen Schlanders und Mals Von Mals, der Endstation der Vinschgaubahn Meran – Mals, mit dem Bus durch das Münstertal bis Zernez im Unterengadin
GastronomieGasthäuser und Hotels in Schluderns (z.B. Gasthof Mühle oder Burg-Gasthof Weißes Rössl mit Burgstube); unterwegs besteht keine Einkehrmöglichkeit
Tipps
Kultur in Schluderns. Im Vinschger Kulturmuseum in Schluderns oberhalb der Pfarrkirche informiert eine Dauerausstellung über das Vinschgauer Waalwesen. Darüber hinaus sind hier sämtliche Fundstücke von der prähistorischen Siedlung am Ganglegg ausgestellt. Ein Juwel besonderer Art ist die Churburg, die um das Jahr 1255 von Heinrich von Montfort, Bischof von Chur, errichtet wurde und heute von den Grafen von Trapp bewohnt wird. Die Burg ist in einem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand, ihre Innenräume mit kostbarem Mobiliar, der Waffensammlung und Kunstgegenständen können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Quairwaal Unterhalb des Berkwaals verlief früher der Quairwaal. Dessen oberirdischer Verlauf wurde durch den Bau der Beregnungsanlage an den Hängen oberhalb der Churburg überflüssig, sodass man ihn verrohrte. Einst leitete er das Wasser auf 950 m Seehöhe vom Saldurbach ab und endete nach 5,5 km in der Nähe von Spondinig. Heute hat man am Begleitweg einen didaktischen Lehrpfad mit Schautafeln errichtet, die über die wichtigsten Aspekte des Waal- und Bewässerungswesens Auskunft geben. Man erreicht den Waal von Schluderns aus, wenn man von der Straße zur Churburg nach links abzweigt und der Beschilderung zum Quairwaal folgt. Die kurze Waalstrecke ist in 15 Minuten zu bewältigen.
Tourismusbüro
Tourismusverband Vinschgau, Kapuzinerstraße 10, I–39028 Schlanders, Tel.: 0473/737000, www.vinschgau.is.it, info@vinschgau.is.it

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