Lago di Tenno

Angenehmer leichter Spaziergang um den kleinen See. Sonnenschutz ist zu empfehlen. Auch mit Kinderwagen möglich. (Autor: Joachim Lutz, Sabine Malecha)
4 km
20 m
1.00 h
Einmal rund um den Tennosee.
Wir parken oberhalb von San Antonio unterhalb des Ortes Canale (siehe Tour 38), wandern hoch bis zu einer Informationstafel und gehen dann nach links Richtung Tennosee (Weg Nr. 406). Am Wegweiser Frioc halten wir uns weiter geradeaus und sehen schon den See, den wir rechts oder links herum umrunden können. Die Wege sind gut ausgebaut, und die Flora und Fauna ist wunderschön. Wir genießen die Ruhe und können uns gar nicht satt sehen an den Bergen und Wäldern, die sich im See spiegeln. Unterwegs laden immer wieder Rastbänke zum Verweilen ein. Eine kleine Insel im See erinnert uns an Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer: »Eine Insel mit zwei Bergen ...« Hier ist zwar nicht Lummerland, aber der Tennosee wird sicher, wie früher Jim Knopf, einen Platz in unseren Herzen finden. Eine kleine Snackbar am See sorgt für die nötige Erfrischung von innen und das türkisfarbene Wasser für die Abkühlung von außen. Wegen der vom Türkis bis Himmelblau gehenden Farbe wird der See auch Lago Azzurro genannt. Ob wir zur Insel hinüber oder lieber am Ufer entlang schwimmen – das kühle Bad und die einmalige Ruhe auf der Liegewiese in der Sonne oder unter den Bäumen am schattigen Rastplatz sind Entspannung pur. Nach dem geruhsamen Tag bleibt auf jeden Fall genug Energie, um auf der Rückfahrt nach Riva del Garda noch Tenno und den Wasserfall Cascata del Varone zu besichtigen.
Die Burg Tenno.
Der Ort Tenno – an der Straße Riva–Ponte Arche gelegen – ist wegen seiner Burg berühmt. Sie erhebt sich auf einer felsigen Anhöhe, von der aus man die Ebene um Riva und einen Großteil des Gardasees überblicken kann. Zur Burg gehört auch der im Mittelalter befestigte Ortsteil Frapporta. In ganz alten Zeiten gehörte diese Burg wahrscheinlich den Bürgern der Gemeinde. Später wurde sie Symbol der weltlichen Feudalherrschaft, bis sie im Jahr 1210 in den Besitz des Fürstbischofs Vanga überging. In den darauffolgenden Jahren wurde die Burg durch die Grafen von Tirol besetzt. Durch die verwirrenden Ereignisse des 14. Jh. fielen die Burg und das Gebiet um Riva dem Grafen Mastino della Scala zu. 1388 wurde sie vom Hause Visconti erobert. Im 15. Jh. ging die Burg bis zur Zeit Napoleons wieder in den Besitz des Fürstbischofs von Trient über. Zu Beginn des 18. Jh. fügte der Feldherr Vendôme der Burg beträchtlichen Schaden zu. Während der Napoleonischen Kriege wurde die Burg versteigert und von Privatleuten erworben, doch gelang es ihnen nicht, dieser ihr mittelalterliches und raues Aussehen zu erhalten. So weist sie heute eine Stilmischung von antiken und modernen Elementen auf.
Bis heute ist die Burg Privateigentum und kann nicht besichtigt werden. Sie gehört keinem Geringeren als Klaus Zumwinkel, dem Ex-Vorstandschef der Post, der einer Zeitungsmeldung zufolge auch hier schon einmal Besuch von der Staatsanwaltschaft hatte. Trotz dieser unrühmlichen Geschichte sind Tenno und die Lage seiner Burg einfach wunderschön. Wir aber fahren weiter abwärts Richtung Riva zum Wasserfall von Varone.
Wasserfall und Grotten von Varone.
Die Wasserfälle sind ausgeschildert und gut zu finden. Dieses grandiose Naturschauspiel sollte sich kein Gardasee-Reisender entgehen lassen. Das beherzigten auch schon viele berühmte Persönlichkeiten und hielten ihre Eindrücke in Wort und Bild fest – allen voran Thomas Mann, der sich zwischen 1901 und 1904 des Öfteren am Gardasee aufhielt. In sein Notizbuch schrieb er: »Ganz hinten in der engen, tiefen Schlucht aus nackten Felsen, glitschig wie große, dicke Fischbäuche, stürzen Wassermassen mit ohrenbetäubendem Lärm hinunter. Hinten, oben und überall hörte man bedrohliche und mahnende Rufe, Trompeten und rauhe Männerstimmen.« Schon der Eingang fällt ins Auge, das »Kassenhaus « des Parks. Ein bekannter Architekt hat es Anfang des 20. Jh. gebaut. Im Park besticht sofort die üppige Vegetation. Vielerlei Pflanzenarten wachsen hier nebeneinander, die sonst in der freien Natur so nie zu sehen wären. Über einige Kehren und Stufen gewinnt man schnell an Höhe und steht vor einem Tunnel (Grotta superiore). Schnell merkt man, dass es hier einige Grad kühler ist und Regenbekleidung nützlich sein kann. Nun geht es in den Berg, und man steht auf einem Steg in luftiger Höhe.
Dröhnend rauscht das Wasser an einem vorbei in die trichterförmige Schlucht. Ein besonderes Erlebnis bietet sich, wenn man rechts an das sogenannte Fenster geht. Hier spürt man regelrecht die Wucht des Wassers. Ohrenbetäubend stürzt es in freiem Fall fast 100 m in die Tiefe. Unglaublich beeindruckt kommt man wieder ins Freie und fragt sich: Woher kommen diese Wassermassen? Denn über dem Wasserfall ist kein Fluss. Stattdessen bahnt sich das Wasser unterirdisch aus dem 8 km entfernt gelegenen Tennosee seinen Weg in Richtung Wasserfall, also von da, wo wir nach unserer Wanderung vorher genüsslich gebadet haben. Bereits seit 20 000 Jahren waschen die Wassermassen diese Schlucht tiefer aus – jährlich sind es 4 mm. Auf dem Weg heißt der Sturzbach noch »Magnone « und erst ab dem Wasserfall »Varone«. Da es auf dem Rückweg bergab geht, können wir nun ganz entspannt noch einmal die Pflanzen betrachten. An der unteren Grotte angelangt, betritt man noch einmal die Schlucht auf einem Weg, der ungefähr 1m über dem Ablauf des Wasserfalls errichtet wurde und über einige Biegungen immer weiter in den Berg hinein führt. Am Ende des Weges schaut man nach oben und sieht in 98 m Höhe, wie das Wasser über die Kante fällt. Hier kann der Eindruck entstehen, der Berg sei auseinandergerissen. Die angebrachte Beleuchtung verstärkt den Effekt und bringt überhaupt erst Licht in diese Schlucht. Zuvor war es selbst im Sommer hier stockdunkel. Eröffnet wurde der Naturpark am 20. Juni 1874 mit einem großen Fest. Ehrengäste waren damals der König von Sachsen und Prinz Nikola von Montenegro. Sie verbrachten zu diesem Zeitpunkt ihre Ferien am Gardasee. Infos: www.cascata-varone.com

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied20 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
StartortCanale
AusgangspunktParkplatz vor dem Ort Canale
EndpunktParkplatz vor dem Ort Canale
TourencharakterDer Tennosee ist durch einen Erdrutsch entstanden und liegt wunderschön hoch über dem nördlichen Gardasee. Erst kürzlich wurde bewiesen, dass er der sauberste Süßwassersee Italiens ist. Also heißt es heute unbedingt auch Badesachen einpacken.
Der Tennosee ist wahrlich eine Perle inmitten der Trentiner Landschaft. Der nahezu perfekt runde See liegt auf 570 m Meereshöhe, eingebettet in eine unberührte Naturlandschaft am Fuße des Monte Misone. Die Fläche des Tennosees beträgt durchschnittlich 2,5 km2, sein Wasserstand variiert jedoch erheblich je nach Niederschlagsmenge. Verglichen mit seinem Pegelstand im Sommer lassen die zahlreichen Niederschläge den See im Herbst z. B. um 15 m ansteigen. Im Winter sind von der kleinen Insel im See, die im Sommer zu Fuß erreichbar ist, nur mehr einige Baumkronen zu sehen, die aus dem Wasser ragen.
Im Gegensatz zum Gardasee ist hier alles viel geruhsamer. Das Seeufer ist nicht bebaut und auch nicht direkt mit dem Auto erreichbar. Eingefasst ist der See von einem dichten Wald, der dem See – zusammen mit den weißen Steinen am Seegrund – seine einmalige Farbe verleiht. Der Tennosee ist ideal zum Entspannen.
Dank der angenehmen Wassertemperatur im Sommer ist er auch zum Baden geeignet. Zudem lässt er sich bequem auf einem gut einstündigen gemütlichen Spaziergang umrunden.
Hinweise
Baden möglich
KartentippKompass-Wanderkarten - 1:25 000, Blatt 690 Alto Garda e Ledro; 1:35 000, Blatt 096 Alto Garda, Val di Ledro
MarkierungenWeg Nr. 406, 401
VerkehrsanbindungBrennerautobahn A 22, Ausfahrt Rovereto Sud, nach Riva del Garda, dort weiter auf der Staatsstraße Richtung Tenno und über den Abzweig San Antonio nach Canale.
GastronomieBar am See; in Tenno; in Gavazzo
Tipps
RUSTICO MEDIOEVO. Canale di Tenno kehrt jedes Jahr im August ins Mittelalter zurück. Ritter, Hofnarren und Hofdamen beherrschen dann das Dorf. »Rustico Medioevo«, wörtlich übersetzt »ländliches Mittelalter«, heißt das Festival, das sich mit dem Mittelalter im Trentino beschäftigt und fast zehn Tage dauert. Kulturelle Begegnungen, Straßenveranstaltungen, Ausstellungen, Vorführungen, Tanz und Musik rund um das Mittelalter erwarten Besucher dann in Canale di Tenno. Weitere Infos - Casa Artisti, Tel. 0039/0464/50 20 22; Comune di Tenno, Tel. 0039/0464/50 32 20; Gardatrentinoinfo, Tel. 0039/0464/55 44 44, www.gardatrentinonline.it
Tourismusbüro
Riva del Garda, Largo Medaglie d’Oro al V. M. 5, 38066 Riva del Garda, Tel. 0039/0464/55 44 44, E-Mail - info@gardatrentino.it, www.gardatrentino.it

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