Kyffhäuser

Burgen in Barbarossas Reich Waldwanderung auf bequemen Wegen und zum Teil wurzeligen Pfaden, die festes Schuhwerk erforderlich machen. (Autor: Bernhard Pollmann)
20 km
300 m
5.00 h
Zum Schlachtberg Von der Wanderwegetafel am Frankenhäuser Lauftreff am Stadtpark in Bad Frankenhausen leitet die Barbarossaweg-Markierung »X« durch das Wüste Kalktal hinauf zum aussichtsreichen Schlachtberg, auf dem 1975 die Bauernkriegsgedenkstätte »Panorama« errichtet wurde. In der Schlacht auf dem Weißen Berg unterlagen die von Thomas Müntzer geführten ca. 6000 Bauern am 14./15. Mai 1525 den Truppen Landgraf Philipps I. von Hessen und Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen. Mit der Schlacht bei Frankenhausen endete der Bauernkrieg in Thüringen. Die Bauernkriegsgedenkstätte »Panorama« enthält das 123m lange und 14m hohe Panoramagemälde »Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« mit mehr als 3000 Figuren auf 1722 qm Leinwand; dieses größte Ölgemälde der Welt malte 1976–1987 Werner Tübke. Königspfalz Tilleda Aussichtsreich führt der Barbarossaweg vom Schlachtberg auf dem Tilledaer Stieg weiter aufwärts, tritt am Rastplatz am Tilledaer Tor (schöner Blick zurück) in Laubmischwälder mit alten Eichen ein, passiert die Raststelle am Morgenbrotstein und senkt sich in das Pfützental hinab, wo erneut eine überdachte Sitzgruppe zur Rast lädt. Nun folgt ein längerer Anstieg, bis der Barbarossaweg beim Frauengrab den Rennweg kreuzt. Hier ist bei klarer Sicht der ausgeschilderte Abstecher geradeaus zum Gietenkopf hoch über dem Walwedatal zu empfehlen - Er gewährt einen hervorragenden Blick auf die Kyffhäuserruinen; ein weiterer exzellenter Aussichtspunkt mit Rastbänken befindet sich weiter westlich auf den Kautsbergen. Der Barbarossaweg führt abwärts, leitet zwischen Wald und Obstbaumwiesen mit hervorragender Aussicht in das Walwedatal hinab, vereinigt sich dort mit dem Kaiserweg (Blaupunkt), und in gemeinsamer Routenführung geht es hinab zur ottonischen Königspfalz Tilleda auf dem aussichtsreichen Pfingstberg, einem Bergsporn über dem Wolwedatal. Tilleda war bis ins 12. Jh. eine bedeutende Reisepfalz deutscher Könige und römischer Kaiser. Im Jahr 972 schenkte Otto I. die Pfalz seiner Frau Theophanu als Morgengabe (Mitgift), 1174 hielt sich hier Friedrich I. Barbarossa auf. Im Spätmittelalter wurde die ausgedehnte Anlage, bestehend aus Hauptburg und Vorburgen, aufgegeben und verfiel. Nach der Wiederentdeckung (1871) und umfassenden archäologischen Grabungen, bei denen mehr als 200 Häuser (Wachhäuser, Wohnhäuser mit Öfen, Vorratshäuser, Häuser zur Eisenverhüttung, Töpferwerkstätten u. a.) in den Vorburgen nachgewiesen wurden, wurde die Anlage als Freilichtmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einige mittelalterliche Wach- und Wohnhäuser wurden rekonstruiert, jeweils im Juli ist die eindrucksvolle Anlage Schauplatz von Ritterspielen. Das Freilichtmuseum gewährt eine exzellente Aussicht einerseits zum Kyffhäuserdenkmal, andererseits über das Obstplantagendorf Tilleda und die Goldene Aue hinweg auf den Unterharz. Zu den Kyffhäuserburgen Vom Parkplatz vor dem Freilichtmuseum führt der Barbarossaweg am Mühlenmuseum vorbei durch ein Hochstammobstbaumgebiet. Tafeln eines Natur- und Sortenlehrpfads informieren über die Bäume und der Weg gewährt einzigartige Ausblicke. Nach diesem Panorama-Auftakt taucht der Barbarossaweg auf einem Hohlweg in Buchenwälder ein, passiert den schönen Rastplatz Rosengarten und erreicht, steiler werdend, die Imbisskioske bei der Kyffhausen-Unterburg. Sie ist der am besten erhaltene Teil des mittelalterlichen Burgensembles, vor ihrer Nordmauer bietet sich erneut ein hervorragender Blick auf die Goldene Aue und den Unterharz. Von den Ruinen der Unterburg steigen wir an den Ruinen der Mittelburg vorbei aufwärts zum Kyffhäuserdenkmal (Eintritt) mit dem Barbarossaturm in der Oberburg. Wir verlassen das Denkmalsgelände wieder an der Kasse und folgen der Promenade geradeaus abwärts bis zu einer Wandertafel im Gaststätten, Kioske- und Parkplatzbereich. Dort orientieren wir uns an der Markierung »blaues X« (Richtung Bad Frankenhausen). Sie leitet in schönen Buchen-Eichen-Wäldern sacht abwärts in das Lange Tal, wo der Kaiserweg kreuzt, und dann aufwärts zum Bundesstraßenparkplatz am Naturdenkmal Ententeich. Weiter geht es durch die Wälder zum Rastplatz am Dreiforststein und zum Naturdenkmal Eichen-Linden-Gruppe bei Rathsfeld, ehe sich unser »blaues X«-Wanderweg nach Queren der B 85 mit dem Geologischen Lehrpfad Bad Frankenhausen vereinigt. Vorbei am Galgenberg, auf dem 1824 die letzte Hinrichtung stattfand, geht es zurück zum Ausgangspunkt am Stadtpark von Bad Frankenhausen.

Thermentour

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied300 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortBad Frankenhausen ist Solekurbad am Südfuß des Kyffhäusergebirges.
AusgangspunktFrankenhäuser Lauftreff (160m) am Stadtpark von Bad Frankenhausen an der B 85.
TourencharakterVon der Solekurstadt Bad Frankenhausen führt der Barbarossaweg zur eindrucksvollen Königspfalz Tilleda und zu den aussichtsreichen Kyffhäuserburgen. Der »rabenumkreiste« Kyffhäuser mit der Ruine der Reichsburg Kyffhausen und dem 64m hohen Kyffhäuserdenkmal erhebt sich im Norden Thüringens wie eine grüne Insel aus fruchtbaren Niederungen, die zu den ältesten deutschen Siedlungsgebieten zählen. Er ist Namensgeber des 1990 gegründeten Naturparks. Ähnlich aufgebaut und geformt wie die Pultscholle des Harzes, bricht der im Kulpenberg (473m) gipfelnde Kyffhäuser nordwärts mit einer bis zu 300m hohen Steilstufe zur Goldenen Aue ab, die ihn vom Harz trennt, während er im Süden vergleichsweise sanft in das Frankenhäuser Tal abdacht, das den Übergang zur Hainleite bildet. Das nur 19km lange und bis zu 7km breite Laubwaldgebirge trug im Mittelalter vier Burgen - Die als Freilichtmuseum eingerichtete ehemalige Kaiserpfalz Tilleda, die Ruinen der Rothenburg und vor allem die Ruinen der Reichsburg Kyffhausen sind viel besuchte Ausflugsziele. Charakteristisch für dieses nur 230 qkm kleine, außerordentlich abwechslungsreiche Gebiet sind neben den Buchen- und Eichenwäldern – mehr als die Hälfte des Naturparks ist bewaldet – zum Teil tief eingeschnittene Bachtäler, Trockenrasen, Grünland, Streuobstwiesen und Ackerflächen. Vor allem die sonnenreiche Südabdachung des Kyffhäusergebirges mit ihren Gipskarstwäldern zeichnet sich durch eine vielfältige Naturausstattung aus. Hier befindet sich auch die im 19. Jh. entdeckte Barbarossahöhle, eine der größten Gipsschauhöhlen Europas.
Beste Jahreszeit
VerkehrsanbindungB 85 Bayreuth – Weimar – Bad Frankenhausen – Kelbra.
GastronomieSchlachtberg, Pfalz Tilleda, Kyffhäuserburgen.
Tipps
Barbarossahöhle Die auf 800m begehbare Barbarossahöhle bei Rottleben ist eine der größten Gipsschauhöhlen Europas. Hallenartige Hohlräume, kristallklare Seen und lappenartige Deckengewölbe zählen zu den Hauptsehenswürdigkeiten dieses Naturdenkmals von internationaler Bedeutung. Entdeckt wurde sie im Jahr 1865, als beim Bergbau auf Kupferschiefer eine Schlotte angefahren wurde. Bereits 1866 konnten die ersten Besucher die »Falkenburger Höhle«, wie sie damals noch hieß, betreten, doch schnell bürgerte sich der plakative Name »Barbarossahöhle« ein, obwohl die Höhle mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa historisch nichts zu tun hat. Die Kyffhäusersage Als der vom Papsttum gebannte Stauferkaiser Fried- rich II. im Jahr 1250 starb, gab es niemanden mehr, der das Heilige Römische Reich macht- und glanzvoll repräsentierte. Die Wahlkönige während des Interregnums (»Zwischenherrschaft«) von Friedrichs Tod bis 1273 hinterließen kaum Spuren, keiner von ihnen wurde zum Kaiser gekrönt. In dieser Zeit entstand die Kaisersage - Die Nachricht vom Tod des Staufers Friedrich wurde angezweifelt und das Gerücht in Umlauf gebracht, Friedrich habe sich aus taktischen Gründen in einen Berg zurückgezogen (Ätna, Kyffhäuser), werde aber wiederkehren als Retter Deutschlands, Italiens, Europas und der Welt. Im 16. Jh. wurde diese Sage auf den ersten Stauferkaiser, Friedrich I. Barbarossa, übertragen. Jahrhundertelang symbolisierte der Kyffhäuser die Sehnsucht nach einem einigen, friedlichen Deutschland, einem deutschen »Friedensreich«. Die Sage erhielt politische Aktualität, als Friedrich Rückert das Gedicht »Kaiser Friedrich im Kyffhäuser« (1817) veröffentlichte. Es erschien nach den antinapoleonischen Befreiungskriegen und in der Anfangszeit des 1815 unter österreichischer Führung gegründeten antiliberalen Deutschen Bunds, eines von absolutistischen Fürsten regierten Polizeistaats. Von da an durchzog das Barbarossa-Kyffhäuser-Thema wie ein roter Faden die politische Dichtung; je nach Standpunkt spiegelte es Hoffnung oder Enttäuschung, ob bei August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1840), in Heinrich Heines Verssatire »Deutschland, ein Wintermärchen« (1844) oder in Ernst Moritz Arndts »Deutscher Kaiserfahrt« (1849). Der Kyffhäuser wurde ein Symbol für die deutsche Einigung in einem freiheitlichen Rechtsstaat. Die Ruinen auf dem Kyffhäuser waren damals Treffpunkt von Liberalen, Turnern und Demokraten. Während der 1848er-Revolution fanden hier zahlreiche Kundgebungen statt. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs während des Deutsch-Französischen Kriegs 1871 wechselte die Symbolfunktion des Kyffhäusers: Er wurde eine Kultstätte des preußisch- militärischen Obrigkeitsstaats und zum Symbol für den siegreichen Kaiser »Wilhelm den Großen« und seine Armeen, die das Reich mit »Eisen und Blut« zusammengeschmiedet hatten. Wilhelm I. Barbablanca wurde zum wieder erwachten Friedrich I. Barbarossa stilisiert. Das 64,25m hohe Kyffhäuserdenkmal – 4m höher als die Berliner Siegessäule – wurde 1896 eingeweiht, den Entwurf lieferte Bruno Schmitz, der auch für das Deutsche Eck in Koblenz und für das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig verantwortlich zeichnete. Die Skulpturen sollen einen gedachten Zusammenhang zwischen Staufer- und Hohenzollernreich verdeutlichen: In einer Rundbogennische sitzt Friedrich I. Barbarossa, der Kaiser des I. Reichs; darüber reitet Wilhelm I., der Kaiser des II. Reichs. Das Denkmal erhebt sich auf dem Gelände der Burgruine Kyffhausen, genauer gesagt auf dem Gelände der Oberburg dieser weitläufigen mittelalterlichen Reichsburg. Beim Bau des Denkmals wurden Teile der Oberburg und die Mittelburg fast vollständig zerstört. Ein Museum im Denkmalsbereich informiert.
Informationen
Tipp - Nach der Tour entspannen in der Kyffhäuser-Therme
Tourismusbüro
Kyffhäuser Fremdenverkehrsverband Bad Frankenhausen, Anger 14, 06567 Bad Frankenhausen, www.bad-frankenhausen.de

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