Kuenser Waalweg

Romantik pur im Burggrafenamt.
Einfache Wanderung mit relativ geringen Höhenunterschieden auf Waldpfaden und Wirtschaftswegen; durchgehend markiert (Autor: Peter Mertz)
7 km
585 m
2.00 h
Unterer Waalweg.
Wir sparen uns gleichsam das Gustostück für den Rückweg auf. Zunächst windet sich der breite und bequem begehbare Weg durch das grüne Spronser Tal, wobei wir durch das Gestrüpp herrliche Blicke auf das Meraner Becken werfen können. Wir kommen dem Finelebach immer näher und queren ihn schließlich auf einer modernen breiten Brücke. Nun folgen wir ein wenig dem Forstweg talauswärts und treffen nach etwa 200 Metern auf den breiten Wirtschaftsweg, der auf der rechten Bachseite steil ins Tal hinaufführt. Der kräfteraubende Anstieg wird durch einige Haltepunkte aufgelockert, deren Flurnamen auf Schildern aufscheinen.
So wandern wir zum Beispiel an einem alten Wasserschloss vorbei, an dem eine Tafel an den Besuch von Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, erinnert, oder an einer romantischen Quelle. Nach etwa 25 Minuten verlassen wir den Fahrweg, der weiter ins Spronser Tal und hinauf in die Texelgruppe führt, queren den Bach und treten in die Wiesen rund um den Longfallhof ein. Diese geschätzte Ausflugsgaststätte mit ihrer aussichtsreichen Terrasse liegt am Meraner Höhenweg, dem wir nun durch ein Gatter in den Wald folgen. Ein leichter Anstieg bringt uns durch einen Taleinschnitt auf schmalem Waldpfad zur Abzweigung des Wegs, der hinab zur Fassung des Kuenser Waals führt. Ein 15-minütiger Abstieg bringt uns ins dunkle Tal hinab, das vom fischreichen Finelebach schluchtartig durchflossen wird.
Entlang der Wegroute hat der Tourismusverein die Stellen mit den alten Flurnamen beschildert, die interessante kulturhistorische Aspekte während der Wanderung bescheren:
Flurnamen am Waalweg.
Felsnase am Unteren Waalweg nach 15 Min. Zeilele-Egg.
Einmündung in den Weg von Dorf Tirol: Wegschoad
Bank mit Wegkreuz 10 Min. nach der Kreuzung: Kluane Kraizl
Wasserfassung links am Wegrand: Sollries
Brunnen mit Holzrinne links am Wegrand: Koltbrunnen
Querung des Oberen Waalwegs: Mihlsteig
Beginn des Kuenser Waals (Einkehrwaal): Geisler Mihl
Trockenhang nach dem Ende des Kuenser Waals: Dournries
Felspassage 15 Min. vor Mutlechnerhof: Goasknott
Hügel mit Holzkreuz oberhalb Mutlechnerhof: Josephsberg
Den Kuenser Waal entlang.
Dann folgt eine regelrechte Genusswanderung entlang des romantischen Pfads. Heute sind noch 2,6 Kilometer des Waalwegs erhalten, dessen Anfänge schon mehr als 600 Jahre zurückreichen, wie eine Informationstafel am Beginn des Kanals berichtet. Wir schlendern etwa eine dreiviertel Stunde den Waal entlang und genießen das Lichtspiel, das von den sich stets bewegenden Lücken im Blätterdach der Edelkastanien auf das Rinnsal gezaubert wird. Einem Waldbach gleich durchbricht der Waal die üppige Vegetation, umfließt Felsrippen und Felsen. Manchmal sind Passagen mit Holzgeländern gesichert, weil die Hänge stellenweise steil und abschüssig sind.
Den letzten Höhepunkt bieten ein paar kleine Erdpyramiden, die von Regenwasser aus dem Moränenschutt herausmodelliert wurden. Schließlich lädt der Waal seine kühle Fracht in der Bewässerungsanlage des Mutlechnerhofs (937 m) ab, die es auf die ausgedehnten Apfelbaumkulturen verteilt. Entlang einer solchen Kultur steigen wir zum Hof hinab, bei dem die eigentliche Route unserer Tour endet. Zum Ungerichthof zurück folgen wir der asphaltierten Fahrstraße, die uns mit einigen Serpentinen durch Obstkulturen bald den Ausgangspunkt erreichen lässt.

Dauer: Ungerichthof – Spronser Tal 45 Min. – Longfallhof 30 Min. – Beginn des Kuenser Waalwegs 20 Min. – Mutlechner Hof 50 Min. – Ungerichthof 20 Min.; Gesamtgehzeit 2.45 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied585 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktUngerichthof oberhalb von Kuens (592 m), kleinste Gemeinde Südtirols, im vorderen Passeiertal an der Mündung des Spronser Tals gelegen
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Kuenser Waal bezieht sein Wasser aus dem Finelebach, der in der Spronser Seenplatte hoch oben in der Texelgruppe entspringt. Man kann mit guter Gewissheit behaupten, dass jeder Waalweg seinen eigenen Charakter hat. Mit dem Kuenser Waalweg haben wir einen besonders romantischen Wasserweg gewählt, obwohl man dieses auf den ersten Blick kaum erwarten würde. Denn die Anfahrt zum Ausgangspunkt führt vom Passeiertal aus steil in den Ausgang des Spronser Tals hinauf. Zugleich haben wir es aber auch mit einem der ältesten Wasserkanäle Südtirols zu tun, denn die ersten Erwähnungen reichen bereits auf das Jahr 1386 zurück. Damals hatten die Bauern die Erlaubnis erhalten, den Finelebach zwecks Bewässerung der Fluren anzuzapfen. Dafür mussten sie im Dorf Tirol jedes Jahr bei der Christmette in der St.-Johannes-Kirche »eine Kerze von einem Pfund Wachs« opfern. So steht es zumindest im Wasserbrief zu lesen. Aus dem Jahr 1534 findet man im Dorfbuch von Kuens eine Eintragung, die die Nutzung des Wassers regelt und somit einen geordneten Betrieb zusichert. »Es soll«, so ist sehr deftig zu lesen, »kein Nachbar seine Weiber oder Dirnen vor Sonnenaufgang waschen lassen, und auch niemand sein unsauberes Geschlänz oder Prunzkachl darain schitten, bei der Pöns [Pöns = Geldbuße] von 5 Pfund Berner.« Früher führten mehrere Waale vom Finelebach ins Tal nach Riffian, Dorf Tirol und zu anderen Gemeinden. Vom malerischen Ort Kuens aus folgen wir noch weiter der schmalen Asphaltstraße bis zum Gasthaus Ungerichthof (770 m), wo ein kleiner Parkplatz zur Verfügung steht. Am Beginn dieser Tour steht zunächst eine erste spürbare Steigung, die zum Abzweig des Unteren Waalweges führt. Hier biegen wir nach links auf den Waldpfad ein und folgen der Route des alten, aufgelassenen Waals.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco Wanderkarte 1:25000, Blatt 011; Freytag & Berndt Wanderkarte 1:50000, Blatt WKS 1 (Bozen–Meran)
VerkehrsanbindungVon Meran auf der SS 44 (Meran–Sterzing) ins Passeiertal; 4,5 km hinter Meran in westlicher Richtung nach Kuens und weiter zum Gasthaus Ungerichthof Busverbindungen von Meran Bahnhof nach Kuens bzw. zu den Orten im Passeiertal; im Sommer verkehrt ein Gästebus einige Male am Tag bis zum Ungerichthof (Fahrpläne in den Tourismusbüros bzw. an den Haltestellen)
GastronomieUngerichthof am Beginn der Route, Longfallhof zur Halbzeit an der Wende und zugleich am höchsten Punkt, Gasthäuser in Kuens
Tipps
Riffian. Etwas taleinwärts von Kuens folgt der älteste Pilgerort des Burggrafenamts, Riffian. In der der Schmerzhaften Muttergottes geweihten Pfarrkirche aus dem Jahr 1310 verehrt man eine Gussstein-Pietà aus der Zeit um 1420. Ebenso sehenswert sind die freskierten Motive in der Friedhofskapelle zu Unseren Lieben Frau, die um 1415 Meister Wenclaus virtuos in lebhaften Farben und atmosphärisch dichten Kompositionen schuf.
Tourismusbüro
Tourismusverein Kuens, I–39010 Kuens, Tel.: 0473/241076, www.riffian-kuens.com, info@riffian-kuens.com

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