Krickenbecker Seen

Im Nettetal - Die bequeme Waldwanderung lässt sich abkürzen auf der Allee, die am Wasserschloss Krickenbeck vorbeiführt. Wer die Wanderung verlängern will, umwandert zusätzlich den De-Wittsee; dort besteht auch Bademöglichkeit. (Autor: Bernhard Pollmann)
14 km
100 m
3.00 h
Leuther Mühle Die Mühlräder und die Mahlwerke mit tonnenschweren Blaubasaltsteinen, einer sechs Meter langen Eichenstammachse und eichenen Zahnrädern im fast 300 Jahre alten Wassermühlengebäude des Vier-Sterne-Hotels »Leuther Mühle« zählen zu den bedeutenden historischen Technikdenkmälern am Niederrhein. Nach 30-jähriger Bauzeit wurde die kombinierte Korn-Öl-Mühle 1734 in Betrieb genommen und lieferte bis 1962 Roggenmehl in einer Qualität, die von keiner Großmühle erreicht wird. Ihre Entstehung »verdankt« sie dem Frieden von Utrecht (1713), durch den das heute nordrhein-westfälische Gebiet an das Königreich Preußen fiel - Der Befehl aus Berlin, die Nettemoore zur Gewinnung von Brennmaterial abzutorfen und den Kohlenhandel mit Venlo zu verbieten, wurde unverzüglich umgesetzt. Bereits ein Jahr später zeigten sich die verheerende Auswirkungen. Um Überschwemmungen und Erdrutschen vorzubeugen, musste die Nette reguliert werden, die Leuther Mühle wurde an einem neu angelegten Kanal inmitten der weitflächig abgetorften Landschaft erbaut. 1752 befahl König Friedrich der Große, die durch die Abtorfung verwüsteten Areale mit Eichen zu bepflanzen. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Eichenveteranen im Bereich der Krickenbecker Seen. Plankenheide Vom Wanderparkplatz neben dem Restaurant »Leuther Mühle« führt der mit dem Zeichen »x« markierte »blaue« Wanderweg im Wechsel von artenreichen Laubwäldern, von Feldern, Wiesen und Pferdekoppeln durch die nahezu ebene Netteniederung; viele Bäume sind efeuumrankt. Altholzbestände mit zum Teil mehrhundertjährigen Eichen und Buchen bieten Fledermäusen und höhlenbewohnenden Vogelarten wie Schwarzspechten und Hohltauben Lebensraum. In den verlandenden Gewässern jagen Steinbeißer, Bitterling und Bachneunauge. Kurz nach Passieren der Tüschenmühle schwingt der Weg vor dem Gestüt Seehof links und zweigt vor der Straße rechts ab in die Wälder der Plankenheide. Heideflächen prägten seit dem Mittelalter das Aussehen weiter Teile des heutigen Naturparks Maas-Schwalm-Nette, ehe im 19. Jh. die Aufforstung mit Kiefern und Fichten begann. Die Heideflächen befanden sich Allgemeinbesitz, wurden von Schafen beweidet und dienten der Entnahme von Brennmaterial und Streu für die Ställe. Während die Heidelandschaft auf deutscher Seite aufgeforstet wurde und nur noch in Namen wie Heronger Heide, Venloer Heide und Plankenheide fortlebt, prägen Heideflächen, Felder, Weideflächen und Sandmagerrasen das Naturschutzgebiet Groote Heide direkt hinter der deutsch-niederländischen Grenze. Krickenbecker Allee Da gleich in der Nähe die Bundesstraße hörbar ist, geht man an der Stelle, wo der »blaue« Waldweg von der Straße wegschwingt, automatisch in diese ruhige Richtung. Vor dem Schroliksee mündet der Waldweg auf die autofreie Krickenbecker Allee, die auch rege von Radwanderern genutzt wird. Zwischen Schroliksee, Hinsbecker Bruch und Glabbacher Bruch führt sie ostwärts; Sitzbänke laden zur Rast. In Sicht ist auch der Aussichtsturm auf dem Taubenberg, während Schloss Krickenbeck sich meist hinter Bäumen dem Blick entzieht. Das im 16. Jh. erbaute Wasserschloss Krickenbeck beherbergt eine Managementakademie. Noch in den 80er-Jahren war es weitgehend verfallen, der Schlosspark verwildert. Die WestLB ließ den Bau aufwändig sanieren und bietet hier seit 1991 Führungs- und Management-Seminare an. Auch der weitläufige Schlosspark wird zu Seminarzwecken genutzt. Taubenberg Am Ende der Krickenbecker Allee erreicht der Weg den Parkplatz an der Naturschutzstation. Bei klarer Sicht lohnt hier der Abstecher zum Aussichtsturm auf dem Taubenberg in der Hinsbecker Heide: Kurz geradeaus auf der Parkplatzzufahrt, dann halb links (Markierung: E8) und der Ausschilderung zum Aussichtsturm folgen. In einer Höhe von 110 m bietet er einen herrlichen Blick auf Schloss Krickenbeck und die Krickenbecker Seen sowie eine für den Niederrhein einmalige Aussicht über das Rhein- und Maas-Tal, wo sich die Häuser von Venlo in den Niederlanden zeigen. Naturschutzzentrum Vom Taubenberg führt derselbe Weg zurück zur Naturschutzstation am Hinsbecker Bruch. Die biologische Station am Strandbad informiert mit Ausstellungen, einer interaktiven Präsentation zu heimischen Vögeln und Fledermäusen und einem »Naturhörraum« über die Geologie, die Pflanzen- und Tierwelt und die ökologischen Zusammenhänge im Naturschutz- und Naherholungsgebiet Krickenbecker Seen. Themen wie kontinentale Plattenverschiebungen, Meeresüberflutungen, Flussterrassenlandschaften, Moorbildung und Torfabbau werden anschaulich dargestellt, ein Landschaftsmodell informiert über das Relief des Nettetals, in einem nachgebauten Erdtunnel wird veranschaulicht, wie die Netteseen entstanden sind. Hinzu kommt ein Aussichtssteg mit Blick über das Hinsbecker Bruch: Am Ende des 31 m langen Stegs befindet man sich auf einer Aussichtsplattform 4,30 m über dem Wasserspiegel. Zurück zur Leuther Mühle Aus der Naturschutzstation tretend geht es auf dem Europäischen Fernwanderweg 8 rechts weiter am Hotel-Restaurant »Krickenbeck« vorbei und in den Wald hinein. Bei Haus Bey zweigt der E8 rechts ab und führt durch ein idyllisches Wiesen- und Waldland zur Bundesstraße. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße lädt der Gasthof »Secretis« zur Einkehr ein, während der E8 dem Fuß- und Radweg längs der Bundesstraße einige Minuten Richtung Leuther Mühle folgt und dann links in den Wald abzweigt. Nach Überqueren der Nette auf der Stegbrücke geht es kurz talabwärts zurück zum Ausgangspunkt, der Leuther Mühle.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied100 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortNettetal (59 m), Seenstadt im Niederrheinischen Tiefland im deutsch-niederländischen Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Die dörflich geprägten Stadtteile Leuth und Hinsbeck an den unter Naturschutz stehenden Krickenbecker Seen sind staatlich anerkannte Erholungsorte.
AusgangspunktWanderparkplatz »Leuther Mühle« (35 m) in Nettetal-Leuthe.
TourencharakterWie ein Kleeblatt liegen die vier Krickenbecker Seen rund um das Wasserschloss Krickenbeck, Kern und Namensgeberinnen eines der ältesten (1938) und größten Naturschutzgebiete Nordrhein-Westfalens. Die uferbegleitenden Erlenbruch-, Sumpf- und Auenwälder, Gebüsche, Schilfgürtel und Wasserpflanzen haben dieses 1170 ha große Naturschutzgebiet zu einem der wichtigsten Vogel-Rückzugsgebiete am Niederrhein werden lassen. In der Moor- und Bruchlandschaft hecken Rohrschwirl, Rohrdommel, Fischreiher und Blaukehlchen, in den Erlenbruchwäldern nistet die größte Graureiherkolonie des Niederrheinischen Tieflands, und in der kalten Jahreszeit fliegen Durchzügler und Wintergäste ein wie Gänse- und Zwergsäger, Fischadler, Rohrdommel, und Trauerseeschwalbe.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 17 Naturpark Maas-Schwalm-Nette (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).
VerkehrsanbindungA 61 Viersen – Venlo (Niederlande) Ausfahrt Kaldenkirchen und auf der B 221 nach Nettetal-Leuth, dort abzweigen auf die B 509 zur Leuther Mühle. Der nächste Bahnhof befindet sich in Kaldenkirchen an der Linie Düsseldorf – Mönchengladbach – Nettetal-Kaldenkirchen – Venlo/NL.
GastronomieHotel-Restaurant Leuther Mühle, Strandbad Hinsbecker Bruch, Hotel Krickenbeck, Restaurant Secretis.
Tipps
Alter Nordkanal Wer auch den Poelvenn umrundet, wandert zwischen dem See und den Buschbergen ein kurzes Stück am Alten Nordkanal entlang. Der als Kulturdenkmal unter Schutz stehende Kanal wurde während der napoleonischen Kriege ab 1807 angelegt als Teilstück einer geplanten Kanalverbindung zwischen dem Rhein bei Neuss und der Maas bei Venlo. Als 1810 die politische Grundlage für den Bau des Kanals entfiel, stoppte Napoleon den Bau des »Canal du Nord«. Heute folgt dem Kanal der 100 km lange Radwanderweg »Fietsallee« von Neuss nach Mönchengladbach, zu den Krickenbecker Seen und weiter ins niederländische Nederweert. Tausende von Sumpfdotterblumen, Schwertlilien und Seerosen auf den Stillgewässern und längs des Alten Nordkanals verwandeln die Landschaft im Frühling und im Frühsommer in ein gelbes Blütenmeer. Vom Alten Nordkanal führt der Wanderweg auf die Buschberge hinauf, wo sich ein prachtvolles Panorama der Krickenbecker Seen mit dem Wasserschloss bietet. Wenig später liegt bei der Kreuzung mit der Jülicher Straße der Teufelsstein. Der Teufelsstein am Wallfahrtsweg nach Kevelaer zeigt der Legende zufolge die Abdrücke des Pferdefußes des Teufels.
Tourismusbüro
NetteAgentur Stadt Nettetal, Doerkesplatz 3, 41334 Nettetal, Tel. 02153/8980, Internet www.nettetal.de.

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Bernhard Pollmann, Matthias Wibber u.a.

Deutschlands Wanderparadiese

Deutschlands Wanderparadiese stellt 200 Touren für jeden Geschmack in Deutschlands schönsten Wanderregionen vor.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema