Kemptner Hütte und Strahlkopf

Wegen der Länge nur in Verbindung mit Fahrradanfahrt zu empfehlen; hochalpine, sehr lohnende Tour auf gut markierten Wegen, technisch einfach, aber anstrengend und lang. Gute Kondition erforderlich. (Autor: Gerald Schwabe)
22 km
1700 m
8.00 h
Anfahrt mit dem Fahrrad Es ist empfehlenswert, die etwa acht Kilometer von Oberstdorf bzw. sechs Kilometer vom Parkplatz Renksteg mit dem Fahrrad zu bewältigen. Die für den Autoverkehr gesperrte Strecke bis nach Spielmannsau ist auch für normale Fahrräder problemlos zu bewältigen, da es sich überwiegend um asphaltierte Straßen weitgehend ohne größere Steigungen handelt. Die kürzeste Entfernung hat man vom Parkplatz Renksteg (an der Straße zur Fellhornbahn) zurückzulegen; dort erwartet uns allerdings gleich zu Beginn ein zwar kurzer, aber recht steiler Anstieg. Etwas schöner und leichter ist der Weg entlang der Trettach ab Oberstdorf (Beginn in der Nähe der Nebelhornbahn-Talstation). Ab Dietersberg verlaufen die letzten vier Kilometer bis zum Gasthaus Spielmannsau identisch. Auf beiden Strecken kann man sich eigentlich nicht verfahren, sodass hier auf eine nähere Beschreibung verzichtet wird. Durch den Sperrbachtobel Wir beginnen die eigentliche Wanderung in Spielmannsau (985m), einer kleinen Häusergruppe inmitten einer idyllischen Ebene, vor uns der spektakuläre Talschluss mit Trettachspitze und Kratzer. Auf breitem Fahrweg wandern wir zügig taleinwärts über die Wiesen, vorbei an einer fotogenen Kapelle und der Alpe Oberau, der letzten Einkehrmöglichkeit vor der Kemptner Hütte. Die Straße steigt danach leicht an und endet an der Materialseilbahn der Hütte. Wir umgehen diese rechts und wandern auf schmalem Pfad hoch oberhalb der wild rauschenden Trettach weiter, bis zur Einmündung des Sperrbachtobels. Auf einer Brücke überschreiten wir den Sperrbach und steigen an den steilen, rechten Tobelhängen anstrengend zum Marterl »Am Knie« hinauf. Danach sanft etwas abwärts, und auf einer weiteren Brücke über den Sperrbach auf die linke Seite. Drahtseile geben uns auf dem oft nassen Untergrund zusätzlichen Halt. Häufig finden sich im Sperrbachtobel bis weit in den Hochsommer meterdicke Schneereste, die gelegentlich sogar den eigentlichen Weg verdecken und uns über Behelfspfade ansteigen lassen; diese sind aber in der Regel gut ausgetreten und stellen keine Schwierigkeiten dar. Kemptner Hütte Nach einem langen Aufstieg, teils auf einem in die Felswand gesprengten Steig mit Drahtseilsicherung, teils entlang steiler Wiesenhänge, kommt schließlich rechts oben die Kemptner Hütte (1844m) in Sicht. 20 Minuten später haben wir die Hütte erreicht. Der weite Wiesenkessel wird von mächtigen Gipfeln überragt, im Süden der zerklüftete Kratzer, im Norden die Kette der Krottenspitzen, im Osten Muttlerkopf und Ofnerspitze. Der Weg zieht sich mit geringer Steigung in weitem Bogen den Nordhang des Talkessels empor. Bei der nächsten Weggabelung halten wir uns links, bei der folgenden Kreuzung nur wenige Minuten später entscheiden wir uns für rechts (Wegweiser »Krottenkopf«). Steile Serpentinen bringen uns hinauf zum Östlichen Mädelejoch (2033m). Ein Blick zurück lässt die Kemptner Hütte fast zerbrechlich wirken angesichts des mächtigen Kratzers, der sich über ihr auftürmt. Jenseits des Hauptkamms Über einen breiten, buckeligen Wiesensattel gelangen wir auf die Südseite des Allgäuer Hauptkamms. Einige Kehren abwärts, dann in weitem Bogen leicht ansteigend durch das hintere Rossgumpental. Vor uns erhebt sich der gewaltige Klotz des Großen Krottenkopfes, mit 2656 Metern der höchste – wenn auch in Österreich liegende – Gipfel der Allgäuer Alpen. Vorbei am Abzweig zum Krottenkopf gehen wir in leichtem Auf und Ab auf angenehmen Wegen weiter, umrunden halb die Ramstallspitze und sehen plötzlich die beeindruckende Spitze des Strahlkopfes vor uns, die sich kühn in den Himmel reckt. Die uns zugewandte Bergseite ist kaum zu erklimmen, sodass wir den Gipfel erst an seiner Westseite umlaufen. Die benachbarte Rothornspitze bietet ein völlig anders Bild: Einer riesigen Haifischflosse gleich ragt sie vor uns auf, mit einem extrem steilen und gefährlich rutschig wirkenden Flyschhang. Wir steigen auf einem schmalen Pfad zum Gumpensattel zwischen Strahlkopf und Rothornspitze hinauf und erklimmen von dort weitgehend weglos, aber ohne Probleme den von Steinen durchsetzten Wiesenrücken des Strahlkopfes (2388m). Der Rundumblick von oben ist überwältigend: Die lange Kette der Lechtaler Alpen breitet sich vor uns aus, und im Westen genießen wir das relativ unbekannte Panorama des Allgäuer Hauptkamms »von hinten«. Von Kratzer bis Biberkopf sind alle üblichen Verdächtigen versammelt, und wer bereits den Heilbronner Weg gegangen ist, kann seine Tour noch mal aus ungewohnter Perspektive Revue passieren lassen und sie in ihrer gesamten Länge bewundern. Irgendwann müssen wir aber auch diesen großartigen Platz wieder verlassen. Der recht weite Rückweg erfolgt auf dem gleichen Weg wie der Hinweg, bietet aber auch in dieser Richtung immer wieder neue Motive und genug Abwechslung.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour22 km
Höhenunterschied1700 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortOberstdorf, 813m
AusgangspunktNebelhornbahn-Talstation
EndpunktStrahlkopf, 2388m
TourencharakterEine wunderschöne alpine Tour auf einen wenig bekannten Gipfel auf der Südseite des Allgäuer Hauptkamms mit einem großartigen Panorama von Trettachspitze, Mädelegabel und Co. Wegen des recht weiten Anmarsches durch das Trettachtal erwartet uns eine erstaunlich stille Ecke des Allgäus – trotz der Nähe zur Kemptner Hütte und zum Heilbronner Weg.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt
VerkehrsanbindungBus und Bahn nach Oberstdorf; Parkplatz an der Nebelhornbahn- Talstation
GastronomieSpielmannsau, 985m Alpe Oberau, 1004m; Kemptner Hütte, 1844m div. Gasthäuser im Trettachtal
Höchster Punkt
Strahlkopf, 2388m

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Gerald Schwabe

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