Kaunersteig und Hochlafeld

Unterwegs in den südlichen Gotzenbergen (Autor: Joachim Burghardt)
18 km
1600 m
9.00 h
Das aussichtsreiche Plateau der Gotzenalm mit all seinen Vorzügen muss kaum extra gerühmt werden - Man kennt es aus vielen Publikationen als Wanderparadies und Mountainbike-Revier, und auch der Feuerpalfen mit seinem Tiefblick nach St. Bartholomä ist kein Geheimtipp mehr. Dennoch haben die südlichen Gotzenberge auch ihre stille Seite, denn es gibt dort weglose Gipfel und wenig bekannte Pfade.
Hinauf in die Almlandschaft.
Bei der Anlegestelle Salet widersetzen wir uns gern dem Sog der Touristenströme, die nach rechts in Richtung Gasthaus wabern, und verschwinden gleich links in den Wald. Sofort kehrt die Stille ein, die für die dunklen Wälder am Königsseeufer so charakteristisch ist. Der Weg führt kurz am See entlang, bevor er sich rechts bergauf windet und als sogenannte Steinstiege und Kaunersteig die Steilwand emporkriecht.
Nach dem anstrengenden und stufenreichen ersten Teil geht es zuletzt flacher zur Regenalm und links oberhalb weiter in Richtung Gotzenalm. Mit genügend Proviant und Kondition ist nun gleich der Aufstieg aus der Rosengrube zum Hochlafeld möglich, andernfalls spaziert man erst zur Gotzenalm, stärkt sich und kehrt dann zurück. Auf etwa 1660 m Höhe verlassen wir den markierten Weg in östlicher Richtung und steigen auf geeigneter Route zunächst weglos durch den lichten Wald auf. Im Laufe des Aufstiegs werden dann Spuren sichtbar, die in Richtung Kindlerbalfen hinaufführen.
Auf dem Hochlafeld.
Obwohl der Pfad in Richtung Gipfel nun immer deutlicher wird, beeindruckt die Umgebung in ihrer Stille und Einsamkeit. Am karstigen Gipfelhang setzen sich die Steinmänner nicht bis zum höchsten Punkt, sondern in Richtung Frauenwand fort, wo man auf einem unschwierigen Steilpfad zum Hochgschirr absteigen könnte. Daher heißt es auf dem letzten Stück weglos aufsteigen, bis wir dann auf jenem eigenartigen Gipfel stehen, der strenggenommen keinen eigenen Namen trägt. Denn benannt sind ursprünglich nur die weiten Hänge des Berges, die im oberen Bereich »Hochlafeld« (früher auch »Hohes Lauffeld«), weiter unten »Mitter-« und »Unterlafeld« heißen. Der Kahlersberg beherrscht die Szenerie, aber nach Süden und Westen ist der Blick völlig frei: Das gesamte Steinerne Meer und der Watzmann liegen uns gegenüber und erzählen von unzähligen Tourenmöglichkeiten! Der Abstieg zur Gotzenalm erfolgt auf dem Aufstiegsweg. Bevor es wieder zu Tal geht, ist ein kurzer Besuch des Feuerpalfens (15 Min. ab Gotzenalm, am schönsten zum Sonnenaufgang!) fast obligatorisch. Sein Name kommt übrigens von den weithin sichtbaren Johannisfeuern, die traditionell auf ihm entzündet wurden. Als weiterer Abstieg ins Tal kann die Fahrstraße zur Gotzentalalm und im Anschluss der Reitweg hinab nach Kessel empfohlen werden – völlig unschwierige Wege, auf denen diese Rundtour durch die Gotzenberge schön ausklingt.

GEHZEITEN.
Salet – Kaunersteig – Regenalm 3 Std., Gotzenalm 0:45 Std., Hochlafeld 1:30–2 Std., Gotzenalm 1–1:30 Std., über die Gotzentalalm nach Kessel 2:30 Std.; insgesamt 9–10 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied1600 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortDorf Königssee, 604 m
AusgangspunktSchiffsanlegestelle Salet, 604 m
EndpunktHochlafeld (Hohes Laafeld), 2074 m; Warteck, 1741 m
TourencharakterWandertour, die alle Facetten der Gotzenberge aufzeigt - steile Weganlagen am Kaunersteig, wegloses Gelände am Hochlafeld, breite Almwege und Fahrstraßen im Bereich der Gotzen- und Gotzentalalm. Für wegfindige und erfahrene Bergsteiger besteht mehrmals die Gelegenheit zu interessanten, teilweise anspruchsvollen Abstechern und Alternativabstiegen. Wird die Tour auf die einfachste Art und Weise durchgeführt, stellt lediglich die Orientierung bei der Besteigung des Hochlafelds eine kleine Herausforderung dar, Kletterstellen gibt es nicht. Die Übernachtung auf der Gotzenalm ist zu empfehlen.
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. Ende Mai bis Oktober
KartentippAV-Karte 10/2 »Hochkönig/Hagengebirge« 1 - 25 000, Ausgabe 2008. Umgebungskarte 1:25 000 »Nationalpark Berchtesgaden«
VerkehrsanbindungMit Auto oder Bus zum Königssee, weiter mit dem Schiff bis Salet
GastronomieBerggaststätte Gotzenalm, 1685 m. Privathütte, bew. von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Tel. - 08652/69 09 00
Tipps
Die Karten und AV-Führer verzeichnen noch einige andere Routen unterschiedlicher Qualität. Der bei der alten Kauner-Holzstube (P. 1351) abzweigende Pfad, der direkt zur Gotzenalm führt, ist teils verwachsen und unkenntlich – wenig lohnend! Interessanter ist die Pfadspur, die von der Gotzenalm direkt zur Regenalm führt, jedoch nur schwer und in umgekehrter Richtung fast gar nicht zu finden ist – ein Weg, der sich bestenfalls für sehr wegfindige Liebhaber eignet. Am Hochlafeld führt eine anspruchsvolle und beeindruckende Variante von den Hängen unterhalb des Kindlerbalfens weglos nach Norden und in unschwieriger Querung zur sogenannten Flins und zum wild-einsamen Gotzentauern. Der weitere Abstieg über dessen Nordwestflanke und (ab einer Höhe von ca. 1670 m) den Mittleren Hirschenlauf ist teilweise weglos, steil und verwachsen; sicherer ist es, zum Normalweg des Hochlafelds zurückzukehren. Sogar der längst aus allen Karten und Führern getilgte, verfallene Obere Hirschenlauf ist noch auffindbar. Auch der Abstieg über Mitterlafeld und Unterlafeld, der in alten Führern als Aufstiegsroute empfohlen wird, kommt in Betracht. Allesamt nur für geübte Bergsteiger mit besten Orientierungsfähigkeiten!
Informationen
Der Feuerpalfen mit seiner berühmten Aussicht zur Watzmann-Ostwand

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Tassilo Wengel

Rheinsteig

»Deutschlands schönster Wanderweg 2006« bietet auf 320 km zwischen Bonn und Wiesbaden schönste Naturerlebnisse und spektakuläre Ausblicken auf den Rhein.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema