Ins Jungtal

Spektakuläre Wanderrunde über St. Niklaus, bei der man das Pensum ganz nach Gusto variieren kann: von kurz bis ganz lang, mit oder ohne Aufstieg. Schön angelegte Wege zu den beiden Terrassenweilen Jungu und Sparru; der Verbindungsweg verlangt einen sicheren Tritt und Schwindelfreiheit. Für die ganze Runde braucht’s auch eine ordentliche Kondition. Im Sommer prächtige Flora. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Gut 800 Höhenmeter liegen zwischen dem Bahnhof und dem kleinen, schneeweißen Kirchlein oben am Berg – und ein wunderschöner, optimal ins Gelände trassierter Pfad. Mit jeder Kehre wächst die Bewunderung für das Geschick der Alten, in dieses felsige Steilgelände einen gut gangbaren Weg zu legen. Etwas ins Schwitzen kommen kann man allerdings schon, vor allem im Sommer, wenn die Sonne früh über der gezackten Horizontlinie auftaucht. Da steigt dann manche/r lieber in die kleine Seilbahn, die in kühnem Schwung den Graben des Jungbachs überspannt und knapp oberhalb des Weilers ihre Bergstation hat. Wege und Suonen Südlich dieser Schlucht liegt das Pendant zu Jungu, auch mit Bergweg und Seilbahn: Sparru (1905 m). Und es gibt sogar eine Verbindung zwischen den beiden Weilern, was die Möglichkeit zu einer spannenden Runde eröffnet, mit oder ohne luftige Seilbahnfahrt. Sie tangiert das Jungtal, einen lang gestreckten Graben zwischen dem Steitalgrat und dem Wasuhorn (3343 m). An dessen Nordflanke schmiegt sich ein Gletscher, und sein Schmelzwasser wird über Suonen auf die Felder von Jungu und Sparru geleitet. Besonders kühn trassiert ist die »Sparru«; ihr folgt der Wanderweg von der Schöpfe im Jungtal quer über ein paar abschüssige Gräben – ein Spaziergang zwischen Himmel und Erde, 1000 Meter über dem Grund des Mattertals und fast einen Kilometer unter den Gipfelgraten. Nach Jungu Die ersten Schritte führen unter den Geleisen des Bahnhofs St.Niklaus (1127 m) hindurch. Gleich dahinter gabelt sich der Weg, biegt man rechts ab. Über Wiesen geht’s schräg bergan, vorbei an einer Lamaweide, zur Mündung des wilden Sparrugrabens. Hier plätschert eine Suone im Schatten der Bäume. Der Weg folgt ihr ein Stück weit, steigt dann an gegen die Felsen und biegt schließlich ein in den Graben des Jungbachs. Nach ein paar kurzen Kehren folgt eine Verzweigung (Schilder). Der Weg nach Jungu führt geradeaus, quert den Bach, gewinnt dann in Schleifen an dem licht bewaldeten Hang zügig an Höhe. Schließlich kommen die Häuser von Jungu (1955 m; 2.30 Std.) ins Blickfeld. Weiß leuchtet das winzige Kirchlein, ein schöner Kontrast zu den von Wind und Wetter dunkel gefärbten Holzbauten. Von der Terrasse des Jungerstübli bietet sich ein packender Blick übers Mattertal zur Mischabel; im Osten zeigt sich über vorgelagerten Höhen der Monte Leone (3553 m). Ins Jungtal Der weitere Anstieg führt über künstlich bewässerte Wiesen bergan gegen die Mündung des Jungtals. Eine der Suonen hat ihre Schöpfe auf rund 2300 Metern. Wenig höher, am Weg ins Talinnere, steht eine Alphütte (2387 m; 3.45 Std.); ziemlich genau südlich ragt das Sparruhorn (2988 m) in den Himmel. Schroffe Felsen, kühne Suonen Der Weiterweg führt nicht mehr bergauf, dafür aber in steiles, teilweise felsiges Gelände. Hinter der Alphütte überquert man auf einer Brücke den Jungbach, dann geht’s in ein paar Kehren über einen steilen Hang hinunter zur Sparru-Suone, die ihr Wasser ebenfalls am Jungbach schöpft. Der Weg folgt ihr bis in eine Rinne, verlässt sie dann nach oben und quert in abschüssigem Gelände (Drahtseil), in etwa die Höhe haltend, zum Ansatzpunkt eines wilden Grabens. Ein paar Meter tiefer schießt das Wasser der Suone in den Abgrund, wo es tiefer wieder gefasst und den Wiesen von Sparru (1905 m) zugeleitet wird. Die dünne Wegspur steigt zwischen Felsen über den teilweise licht bewaldeten Hang, Felsabbrüchen elegant ausweichend, hinunter zur Sommersiedlung (5 Std.), folgt dann dem breiten Grasrücken bis zur Bergstation der Seilbahn. Kurz zuvor knickt die Route links ab. In endlosem Zickzack läuft der kunstvoll angelegte Pfad durch den Sparruwald hinunter zur Mündung des Junggrabens, wo man auf den Anstiegsweg stößt. Mit ihm zurück nach St. Niklaus (1127 m; 6.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour2 km
Höhenunterschied940 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortSt. Niklaus (1127 m)
AusgangspunktBahnhof St. Niklaus (Parkplatz)
EndpunktBahnhof St. Niklaus (Parkplatz)
TourencharakterWer in St. Niklaus dem roten Züglein der Matterhorn-Gotthard-Bahn entsteigt und hinaufguckt zu den Häusern von Jungu (1955 m), mag fast nicht glauben, dass dieser Adlerhorst hoch über dem unteren Mattertal ein Wanderziel sein soll. Doch der gelbe Wegweiser lässt keinen Zweifel: »Jungu, 2.20 Std.«
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 274 T
MarkierungenWeiß-rot-weiße Markierungen, gelbe Wegzeiger; am Höhenweg nur wenige Markierungen
VerkehrsanbindungSt. Niklaus erreicht man von Visp sowohl mit der Schmalspurbahn als auch über eine gute Straße.
GastronomieJungerstübli, Anfang Juni–Mitte Okt.
Informationen
Tourist-Info Tourismusverein St. Niklaus & Region, CH-3924 St. Niklaus, Tel. 027/956 36 63, E-Mail: info@st-niklaus.ch, www.graechen.ch