Im unteren Sarcatal

Über zwei gesicherte Steige verläuft der Weg hoch über Dro, über Felsen in einer reizvollen Landschaft. Die Tour ist trotz der Felsstrecken für schwindelfreie Wanderer nicht schwierig, allerdings bei Nässe und Gewittergefahr unbedingt zu meiden. Auch an heißen Tagen ist der Weg nicht zu empfehlen. (Autor: Joachim Lutz, Sabine Malecha)
Im Sarcatal.
Dort und in seiner Umgebung gibt es knapp zehn lohnende Klettersteige - von kurz bis lang, von technisch einfach bis schwer und von schön bis noch schöner. Wir wählen als Ausgangspunkt unserer Tour Dro. Nördlich des Gardasees und südlich des Bergmassivs Paganella gelegen, ist es eine der ältesten Ortschaften im Sarcatal. Dro, das heißt Villen und alte, hundertjährige Häuser, traditionelle Portale, kleine Bögen und unregelmäßige Straßen. Dro ist reich an historischen Bauwerken, wie der alten entweihten Kirche S. S. Sisinio, Martirio und Alessandro, der Barockkirche S. Antonio und der Römerbrücke von Ceniga. Die Landschaft ist zudem von großem morphologischen und naturkundlichen Interesse. Die Einheimischen nennen die Gesteinsmassen, die ein ca. 8 km langes und 2 km breites Gebiet zwischen Dro und Pietramurata umfassen, die »Marocche«. Erst vor Kurzem wurden sogar auf verschiedenen Steinen Spuren von Dinosauriern nachgewiesen. Das Gebiet der Marocche ist heute ein Biotop. Rund um Dro gibt es auch eine Vielzahl an Obstbäumen und Weinstöcken. Ebenso bekannt in der Gegend des Garda Trentino sind die Pflaumen aus Dro, denen man eine außergewöhnliche energiespendende, therapeutische Wirkung zuschreibt.
Sentiero degli Scaloni und Sentiero dell’Anglone.
Im unteren Sarcatal gibt es zwei leichte Klettersteige, die auch von einem schwindelfreien Wanderer gut zu meistern sind. Beide Steige lassen sich zu einer herrlichen Runde verbinden. Wir starten in Dro bei der Brücke über die Sarca. Nachdem wir die Brücke überquert haben, wenden wir uns nach links. Wir folgen dem Sträßchen entlang der Sarca Richtung Ceniga, Wegnummer 425. Am Hof Lizzone, einem herrlich renovierten Agriturismo, gehen wir rechts (40 Min.). Die Markierung 428 bringt uns nach oben zu den Felswänden. Über Geröllhalden und eine Reihe von Stufen gelangt man aufwärts. Wir kommen zu dem 1915 von den Österreichern hier angelegten ehemaligen Kriegssteig (1 Std.).
Drahtseilsicherungen.
Diese und zwei lange Leitern bringen uns nach oben. Immer wieder sollte man innehalten und die fantastische Aussicht ins Sarcatal bewundern. Auf 507 m Höhe kommen wir aus der Wand in den Wald. Bald erreichen wir den Abzweig des Weges Nr. 428/bis, dem wir nach rechts folgen und dabei immer wieder schöne Aus- und Tiefblicke genießen. Durch den Wald vorbei an einigen Lichtungen queren wir die Coste dell’Anglone. Absteigend gelangen wir zu einem Forstweg (40 Min.), neben ihm verläuft parallel ein Pfad bis zur Abzweigung des Weges Nr. 425 auf ca. 450m Höhe. Ihm folgen wir nach rechts. Nun steigen wir in einer Runse steil ab. Der kunstvoll angelegte Steig ist an einigen Stellen mit Sicherungsseilen versehen. Es macht Spaß, durch die Felsen abwärts zu klettern. Am Fuß der Wand können wir dann nochmals zurückblicken auf unseren Weg (50 Min.). Kaum zu glauben, dass früher die Bauern von Dro in Trockenzeiten über diesen Steig sogar das Wasser für ihre Felder auf der Coste dell’Anglone hochschleppten. Am Fuß der Wand kommen wir in der Nähe des Olivenhains Oltra zu einem Bildstock. Nun wandern wir ganz gemütlich nach rechts auf einem Feldweg zurück zur Brücke über die Sarca nach Dro (15 Min.). Wir können stolz sein, dass wir heute die steilen Wände von Dro ohne Kletterausrüstung bezwungen haben.
Dro.
Es lohnt sich, nach der Tour noch durch den Ort zu schlendern. Villen und mittelalterliche Türme prägen das Dorfbild. Kulturinteressierte sind hier genau richtig: Die Barockkirche S. Antonio mit ihrem Hochaltar und der Guaita-Turm, eine viereckige Konstruktion aus Naturstein, warten darauf, erkundet zu werden. Auf der Piazza noch einen Cappuccino oder ein Eis. Hier in der Gelateria am Dorfplatz sind alle Sorten lecker, und nach der »Kraxelei« heute darf es ruhig auch ein richtiger Eisbecher sein.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied400 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortDro
AusgangspunktSarcabrücke in Dro
EndpunktSarcabrücke in Dro
TourencharakterWein- und Obstgärten, Zypressenalleen, Steinmauern und die darüber - liegenden braungrauen Felswände prägen das Landschaftsbild des Sarcatales. Als Pendant zum parallelen Nebental mit der Brennerautobahn entlang der Etsch imponiert es durch seine Naturbelassenheit und die sehens- und erlebenswerte Flora und Fauna. Das Sarcatal ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt, der in den Gletscherregionen von Adamello und Presanella entspringt. Die Sarca zieht sich gemächlich durch das Tal, bis sie bei Torbole in den Gardasee fließt. Nach einem Gewitter oder kräftigen Regenschauern kann sie zu einem tosenden, gefährlich wilden Fluss werden. Im Tal der Sarca gibt es tolle Bike- und Wandertouren. Hier ist aber auch die Klettergemeinde zu Hause, vor allem im Frühjahr und im Herbst, wenn in den Dolomiten noch ein kalter Wind weht und die Felsen mit Schnee bedeckt sind. Hier beginnt die warme Jahreszeit schon früher als anderswo, alles blüht und der Fels ist bereits im April von der Sonne erwärmt – ein idealer Spielplatz für Kletterer und Klettersteig-Liebhaber.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte 1 - 35 000, Blatt 096 Alto Garda, Val di Ledro
MarkierungenWeg Nr. 425, 428, 428 bis
VerkehrsanbindungBrennerautobahn A 22, Ausfahrt Trento Centro, und weiter der Beschilderung nach Riva del Garda folgen; in Dro Richtung Ortszentrum. Von Arco kommend ca. 6 km nördlich. Parkmöglichkeit im Ort Dro oder bei der Sarcabrücke.
GastronomieUnterwegs keine Verpflegungsmöglichkeit; in Dro einige Bars und Restaurants
Tipps
OBSTBRÄNDE UND LIKÖRE. Im fruchtbaren Sarcatal macht man aus den Trauben und Früchten nicht nur Marmelade. Auch leckere Obstbrände und Fruchtliköre werden hier hergestellt. Wir empfehlen die einfache, aber sehr gute Distilleria Angeli. Seit 1952 produzieren die Angelis nach alter Tradition spezielle sortenreine Grappe, Obstbrände und Fruchtliköre. Pro Jahr füllen sie ca. 30 000 bis 40 000 Flaschen ab. In einem kleinen Laden im Hof kann man herrliche Mitbringsel erwerben. Es macht allein schon Spaß, die vielen verschiedenen und schönen Flaschen zu bestaunen. Bei unserem Besuch trafen wir einen Herrn aus Düsseldorf, der sich schon seit 15 Jahren ausschließlich bei der Familie Angeli seinen Grappa und seine Liköre holt. Distilleria Angeli, Via Capitelli 11, 38074 Dro, Tel. 0039/0464/50 43 10, Fax 0039/0464/54 32 13
Informationen
AGRITURISMO MASO LIZZONE. Maso Lizzone ist ein altes Bauernanwesen, das herrlich restauriert wurde. Alle Zimmer sind liebevoll gestaltet, und keines gleicht dem anderen. Fünf ruhige Zimmer und eine Ferienwohnung stehen zur Verfügung. Ein wunderschöner Garten und ein kleiner Pool laden dazu ein, die Seele baumeln zu lassen, und eine kleine Bibliothek versorgt den Urlauber mit Tipps. In den angrenzenden Gärten gibt es einige Campingplätze für Menschen, die Ruhe suchen und die Natur respektieren. Es können nur kleine Wohnwagen und Wohnmobile aufgenommen werden, da die Zufahrtsstraße sehr schmal ist. Agriturismo Maso Lizzone, Loc. Maso Tizzone, 38074 Dro, Tel. 0039/0464/50 47 93, mobil 0039/333/ 523 28 46, Fax 0039/0464/50 47 93, E-Mail - info@masolizzone.com, www.masolizzone.com
Tourismusbüro
TOURIST-INFO A.P.T. Ingarda Trentino, Uff. Periferico c/o Municipio, 38074 Dro, Tel. 0039/0464/54 55 11, E-Mail - info@gardatrentino.it, www.trentino.to

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