Hundshorn

Interessante, abwechslungsreiche und ab Roter Herd wenig begangene Tour in einer herben und steinigen Landschaft. Trittsicherheit und vor allem Orientierungssinn erforderlich, beim Abstieg vom Schilthorn über den Westgrat ist trotz guter Sicherungen auch Schwindelfreiheit erforderlich. Bei (Neu-)Schnee und Nässe abzuraten, ebenso bei schlechter Sicht. Man unterschätze die Tour nicht – zwar sind im Aufstieg nicht allzu viele Höhenmeter zu bewältigen, aufgrund der vielen Gegensteigungen und des unwegsamen Geländes handelt es sich trotzdem um eine anstrengende Tour! (Autor: Eugen E. Hüsler, Markus Meier, Peter Deuble)
11 km
1657 m
6.00 h
Zur Chilchflue Vom Schilthorn-Gipfel (2970 m) dem Wegweiser in Richtung Roter Herd folgen. Der zwar leicht ausgesetzte, aber bes - tens gesicherte Weg führt über den Westgrat hinab. Dabei genießt man einen wunderschönen Überblick über die Berner Voralpen – allerdings nicht beim Gehen! Nach einer soliden Metallleiter zum Schluss quert man links unter P. 2828 m vorbei. Wer möchte, kann nun gleich den ersten Gipfel ansteuern. Dazu einfach die Flanke aus Schiefer leicht fallend in nordwestlicher Richtung auf einer schwachen Wegspur in den nächsten Sattel queren. Anschließend geht’s beliebig und problemlos über das breite Gipfeldach zum Gipfel der Chilchflue (2833 m). Die Rundsicht ist ebenso schön wie am Schilt - horn – allerdings ohne Zeugen. Zwischen Wildstrubel und Doldenhorn ist übrigens der Montblanc zu sehen. Dazu gibt’s beeindruckende Tiefblicke ins Hochtal von Hohkien. Zum Hundshorn Wieder zurück bis unter P. 2828 m und dem Weglein folgend steil in Kehren hinab zum Sattel Roter Herd (2683 m) und zur tiefsten Einsattelung zwischen Poganggen und Hohkien. Hier sind in südwestlicher Richtung bereits einige blau-weiße Markierungen erkennbar und bald findet sich rechts auf einem Stein die Aufschrift »Tellipass«. Dieser folgt man durch Blockfelder und teilweise auch über Schnee bis in ein Tälchen, das von einer schmalen Felswand abgeriegelt wird. Die Markierungen leiten links haltend durch diese Felsen. Allerdings wäre hier ein Drahtseil nicht schlecht. So erreicht man eine Hochfläche, die leicht absteigend durchquert wird. Rechts an einem kleinen See vorbei gelangt man schließlich zum Telli oder Tellipass (2709 m). Am einfachsten steigt man von hier durch das Schutttälchen an, welches links vom Hundshorn hinabzieht und erreicht so zwar ein wenig mühsam, aber ohne Probleme, den obersten Nordostgrat. Dieser wird zum Gipfel hin steiler und es müssen noch zwei kleinere Stufen gemeistert werden, dann aber ist das Gipfelplateau erreicht und wenig später auch der Steinmann am Hundshorn (2929 m) mit Gipfelbuch. Die schöne Rundsicht kann man wohl meist allein genießen. Die Blüemlisalp und das Gspaltenhorn im Süden sind schon nahe gerückt und im Nordosten geht der Blick über die soeben durchquerte Steinwüste zu den Bergen zwischen Schilthorn und Schwalmere. Abstieg Zunächst auf derselben Route bis zum Roten Herd. Ab hier dem markierten Wanderweg Richtung Mürren folgen. Der Abstieg ins Tal von Poganggen ist steil und es müssen dabei auch Blockfelder gequert werden. So erreicht man bald den Talgrund und die Rotstockhütte (2039 m). Ab hier gibt es mehrere Möglichkeiten, um nach Mürren zu gelangen. Der bequemste Weg, ohne große Gegensteigungen, führt durch die Südflanke des Schilthorns – immer die Jungfrau und die Lauterbrunner Eiswände im Blickfeld. Unterhalb des Bryndli wartet nochmals ein steiler Abstieg zur Alp Spilboden (1793 m). Abschließend geht’s auf einem der beiden Wanderwege nach Mürren (1638 m), die beide etwa gleich lang sind.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1657 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBergstation Schilthorn (2970 m), Seilbahn von Mürren.
EndpunktMürren (1638 m), Bahn ab/bis Lauterbrunnen.
TourencharakterFür Alpinwanderer beginnt der neue (Berg-)Tag für einmal bereits ganz oben – auf dem Schilthorn. Warum nicht oben starten? Puristen mögen nun einwenden, dass man den Berg nicht wirklich besteigt, wenn man nicht im Tal startet. Schon möglich, aber wie viele der Besteiger von Mönch und Jungfrau starten von ganz unten? Die allermeisten bewältigen den größten Teil des »Anstiegs« mit der Jungfraubahn. Also dürfen Alpinwanderer dies auch einmal tun und einen Tag in einer wunderbar chaotischen Steinlandschaft erleben. Dabei wird mit dem Hundshorn der zweithöchste Gipfel der Berner Voralpen bestiegen. Im Gegensatz zum höheren Schilthorn ist das Hundshorn ein ruhiger, fast schon einsamer Berg. Ohne die Bahn zum berühmten Nachbarn ist es allerdings nur auf sehr langen Anstiegen zu erreichen. Wer partout unten starten will, der kann die hier beschriebene Abstiegsroute via Rotstockhütte und Roter Herd auch für den Aufstieg benützen. Der Ausgangsort Mürren gehört übrigens zu den autofreien Orten der Schweiz und ist nur per (Seil- ) Bahn erreichbar.
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1 - 25 000, 1248 Mürren; 1:50 000, 264 T Jungfrau.
MarkierungenSAW-Wegweiser und weiß-rot-weiße Markierung bis zum Roten Herd und von dort nach Mürren. Weiß-blau-weiße Markierung zum Telli. Gipfelanstiege unmarkiert, teilweise schwache Wegspuren.
VerkehrsanbindungSeilbahn- und Zugverbindung nach Mürren ab Lauterbrunnen mit Umsteigen in Grütschalp. Straße und Zugverbindung von Interlaken nach Lauterbrunnen.
GastronomieDrehrestaurant bei der Bergstation am Schilthorn, Tel. +41/33/856 21 41, www.schilthorn.ch; Rotstockhütte (2039 m), Juni bis Sept. Tel. +41/33/855 24 64, www.rotstockhuette.ch
Unterkunft
Drehrestaurant bei der Bergstation am Schilthorn, Tel. +41/33/856 21 41, www.schilthorn.ch; Rotstockhütte (2039 m), Juni bis Sept. Tel. +41/33/855 24 64, www.rotstockhuette.ch
Tourismusbüro
Mürren Tourismus, CH-3825 Mürren, Tel. +41/33/856 86 86, www.wengen-muerren.ch