Hoher Wasserfall (3003 m)

Kleiner Steig, manchmal auch nur Pfadspuren in einsamer, imposanter Urlandschaft. Schnee bis in den Sommer, Steilrinne zum Grat; Trittsicherheit, Erfahrung und nebelfreies Wetter notwendig (Autor: Dieter Seibert)
17 km
1500 m
8.00 h
Durchs Horlachtal zur Guben-Schweinfurter-Hütte (2 Std.).
Von Niederthai stets auf dem Talsträßchen im fast immer waldarmen oder gar ganz freien Gelände zum Larstighof und weiter talein bis unmittelbar vor die Brücke. Rechts des Baches bleibend über Mattenböden und einen Hang zur Hütte mit eindrucksvollem Blick talein etwa auf den Zwieselbacher Grießkogel mit seiner 700 m hohen Westwand.
Auf den Hohen Wasserfall (3 Std.).
Von der Hütte auf dem Fahrweg kurz wieder hinab zur ersten kleinen Bachbrücke, dann auf einem Steig durch Zirbenbestände schräg aufwärts ins Finstertal. Bei der bescheidenen Sennhütte über den Bach und am Rand der sumpfigen Fläche talein. Dann mehr nach links, über Mattenhänge ins Wannenkar und über Grasböden zum Beginn chaotischer Moränenfelder. Zwischen gewaltigen Blöcken ins Langewannenkar, das von wilden, roten Granitfelsen begleitet wird. Flach im Karboden über Geröll (und Schnee) in den hintersten Winkel, über eine Trümmerhalde und eine Steilrinne zum Grat und nach rechts auf den Gipfel.
Abstieg über das Gruejoch (3.30 Std.).
Zurück bis 2500 m Höhe am Oberrand des Wannenkars. Gegenanstieg von 40 Minuten durch einen schmalen Einschnitt mit viel Schutt, der den Namen »Kuglates Wannenkar« trägt, ins Gruejoch (2710 m). Abstieg zum nahen Gruesee auf flachem Absatz im sonst recht steilen Gelände. Weiterer Abstieg ins folgende Kar und über sehr hohe, üppig bewachsene Steilhänge ziemlich gerade hinunter ins Horlachtal und auf dem oberen Weg noch 2 Kilometer talaus nach Niederthai.
Dreitägige Rundtour von Kühtai.
Ganz Unternehmungslustigen können wir diese Rundtour empfehlen. Man begeht dabei den Höhenweg von der Bielefelder Hütte zur Hochreichscharte, der zum eindrucksvollsten dieser Art gehört, aber auch unbedingt einen erfahrenen, konditionsstarken Bergwanderer und bestes Wetter erfordert.
1. Tag: Zur Bielefelder Hütte (4 Std.).
Den Auftakt bildet der Gang von Kühtai durch das Mittertal hinauf in die tief eingekerbte Mittertalscharte (2630 m), dann geht es – vorbei an Windegg und Wetterkreuz – hinab zur Bielefelder Hütte (2112 m) des DAV.
2. Tag: Zu Hochreichscharte und Schweinfurter Hütte (8 Std.).
Man folgt dem erwähnten Super-Höhenweg, der zur Achplatte (2423 m) emporsteigt, dann die wild zerklüftete Südwestflanke des Acherkogels zum Lauser (2616 m), einem Vorsprung im Gelände himmelhoch über dem Ötztal, quert. Von der folgenden Niederreichscharte geht es durch zerborstenen Fels (Sicherungen) in die Hochreichscharte, von der man in 20 Minuten den Hochreichkopf (3010 m) besteigen sollte. Der letzte Abschnitt, die Route durchs Finstertal zur Guben-Schweinfurter Hütte, ist oben beschrieben.
3. Tag: Zurück nach Kühtai (4.30 Std.).
Der Rückweg ist relativ gemütlich: Übergang über die Finstertalerscharte (2777 m) – von hier Abstecher auf den Schartenkopf (2855 m; 15 Minuten) und auf die Kraspesspitze (2953 m; 45 Minuten) möglich – nach Kühtai.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1500 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortNiederthai (1538 m), kleiner Bergort, der auf einem weiten Wiesenboden abseits allen Trubels an der Ausmündung des Horlachtales liegt
AusgangspunktNiederthai, kleiner Parkplatz nahe der Kirche
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterNiederthai, Horlachtal, Guben-Schweinfurter-Hütte – mit diesen Namen können wohl die wenigsten etwas anfangen. Guben heißt eine Stadt in der Niederlausitz, die sich dies- und jenseits der Neiße ausbreitet und deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg halb zur einstigen DDR und halb zu Polen gehörte. Da gab es natürlich keine Möglichkeit, sich um die Hütte in den Stubaier Alpen zu kümmern, das übernahm die fränkische Sektion Schweinfurt. Trotzdem sollte sich jeder den Namen merken - Dort gibt es nämlich nicht weniger als drei Dreitausender, die mit Steigen oder Steiglein erschlossen sind. Manchem macht es sicher auch Spaß, in einer wenig bekannten und damit relativ ruhigen Region unterwegs zu sein.
Den Namen »Guben« konnten wir erschöpfend erklären, gänzlich unverständlich ist hingegen die Bezeichnung »Hoher Wasserfall« oder gar »Hohe Wasserfalle« für einen Dreitausender. Der eigentümliche Name dürfte auf einem Irrtum beruhen; vielleicht wäre Hoher Wasserfallkogel richtig. Auf diesen fast unbekannten Berg mit seinen kantigen Felstürmen à la Montblanc führt ein ganz bescheidenes, aber gut markiertes Steiglein.
Sehr Kräftige könnten am gleichen Tag noch den 3010 Meter hohen Hochreichkopf, eine Art Zwillingsgipfel zu unserem Hohen Wasserfall, besteigen. Sie müssen allerdings bis auf 2140 Meter wieder hinab, bevor sich die neue Tour beginnen lässt. Die Sache könnte man auch viel rascher und dabei noch ungleich eleganter erledigen, doch das kommt leider für den Bergwanderer nicht in Frage: Geschickte klettern – im Schwierigkeitsgrad II – über den langen Verbindungsgrat mit all seinen Zacken und Blöcken.
Hinweise
Siehe Tour 2 in Karte.
KartentippAV-Karte, Stubaier Alpen, Blatt 31/2 (Sellrain)
VerkehrsanbindungIm Ötztal nach Umhausen, dort links ab und auf guter Straße an den berühmten Stuibenfällen vorbei 5,5 km nach Niederthai
GastronomieGuben-Schweinfurter-Hütte (2028 m), DAV, 50 Schlafplätze, Tel. - 05255/5702
Tipps
Hochreichkopf (3010 m). Diesen behäbig-breiten Dreitausender kann man am nächsten Tag (oder sogar am gleichen, falls man 1800 Höhenmeter schafft) besteigen. Bei der oben erwähnten Sennhütte im Finstertal auf der Nordseite des Baches bleiben und über die teilweise steilen Weidehänge hinauf auf eine Geländestufe unter den Plattkögeln. Durch die Hänge erst noch auf Gras, später vermehrt in Schutt und zwischen Blöcken ins sehr wellige Steinkar mit zwei neu entstandenen Seen und den Resten eines Gletscherchens. Von dort steil in die Hochreichscharte (2912 m) und nach rechts über den Trümmerhang auf den Gipfel gehen (3 Std. ab Hütte).
Höchster Punkt
Hoher Wasserfall (3003 m)
Unterkunft
Guben-Schweinfurter-Hütte (2028 m), DAV, 50 Schlafplätze, Tel. - 05255/5702

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