Hoher Seblaskogel (3235 m)

Bis zur Hütte raue Bergwege, am Seblaskogel selbst nur kleine Pfade oder Steigspuren in steinigem, blockreichem Gelände, Begehung eines relativ sanften Eisfeldes, hochalpine Erfahrung und stabiles Wetter wichtig! (Autor: Dieter Seibert)
Zur Winnebachseehütte (2.30 Std.).
Vom Parkplatz auf dem Sträßchen quer über den Hang hinauf nach Winnebach (1691 m), dessen stattliche Häuser auffallend über dem Sulztal thronen. Hinter dem Gebäude auf einem anfangs breiten Weg durch lichten Lärchenwald mit schönen Gletscherschliffen hinein in das auffallend scharf eingeschnittene Winnebachtal. Immer links hoch über dem wild schäumenden Bach schräg durch die Hänge aufwärts, die üppig mit Alpenrosen und Buschwerk bewachsen sind. Bei einem Vorsprung öffnet sich der Blick talein auf das Massiv des Hohen Seblaskogels und den mächtigen Wasserfall im Talhintergrund mit dem ungewöhnlichen Namen »Bachfalle«. Weiterhin schräg durch die Hänge empor, dann links in einer Einbuchtung zur Hütte hinauf, die frei auf einer Geländeschwelle liegt.
Auf den Hohen Seblaskogel (gut 3 Std.).
Hinter der Hütte über den Ausfluss des Winnebachsees und genau nach Osten auf einem Steig über den Rücken aufwärts. Dann etwas nach rechts zu einem kleinen Boden mit Gletscherschliffen und Miniseen. In dem stark gegliederten Gelände, das zusehends steiniger wird, über Böden, Moränenflächen und eine Stufe hinauf in das Vorfeld des Bachfallenferners. Bei der Verzweigung links und auf nun nur noch bescheidenem Steig unter den Felsen entlang, bis sich bei den Grünen Tatzen überraschend das erwähnte Tälchen öffnet. In dem steinigen Gelände in einem weiten Bogen teilweise steil empor bis auf den Grat. Kurz über die Schneide, dann rechts im wackeligen Blockwerk in den Kessel des Grüntatzenferners, der stark abgeschmolzen ist. Auf den Grat rechts des Gipfels und steil zum Kreuz hinauf.
Rückweg auf der gleichen Route (3.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied1620 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortGries (1569 m) im Sulztal, Bergdorf in einem Seitenast des Ötztals, große Bergkulisse
AusgangspunktAm Ortsende von Gries links ab und auf dem Fahrweg empor zum kleinen Hüttenparkplatz (1630 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterHoher Seblaskogel – das ist nicht einfach ein Berg, sondern ein gewaltiges Massiv mit nicht weniger als 6,4 Kilometer langen Graten und fünf Wänden bis zu 500 Meter Höhe! Es füllt ganz alleine den gesamten Raum zwischen dem Winnebachkar im Westen und den Böden des obersten Längentals auf der Ostseite.
Außerdem verteidigt sich dieses Ziel wie eine perfekte Festung. Von welchem Tal aus man den Seblaskogel auch betrachtet, es gibt nur steile, hohe Flanken und Wände über kleinen, manchmal schneegefüllten Hochkaren und nicht eine einzige Bresche, die einen einfachen Zugang verspricht. Man müsste schon auf den fast unbekannten Bachfallenkopf steigen, um die »schwachen Stellen« dieses Monarchen zu entdecken.
Den Seblaskogel schätzen die Skitourengeher – vor allem jene, die hohe Steilhänge lieben – mehr als die Bergsteiger im Sommer. Ein ganz schmales Kar zieht von Osten und Süden zum Gipfel hinauf, das man vom Westfalenhaus aus erreicht und das eine Abfahrt der Extraklasse bietet. Die beste Route in der warmen Jahreszeit, zu der man von der Winnebachseehütte aus startet, ist nicht weniger pfiffig und ungewöhnlich. Sie wird nicht allzu oft begangen, vielleicht, weil es sich um eine Art Zwitter zwischen Bergwanderung und schon etwas anspruchsvollerer Bergtour handelt. Es gibt nur kleine Pfade, und man muss den Grüntatzenferner, beziehungsweise die bescheidenen Reste dieses Gletschers, überqueren.
So geheimnisvoll und ungewöhnlich wie die Bezeichnung »Grüne Tatzen« (so heißen Grasstreifen im sonst nackten Felsgebiet südlich unseres Gipfels) ist diese Tour. Hier wird alles geboten - vom Hüttenzugang durch ein richtig urweltliches V-Tal mit bis zu 1000 Meter hohen darüber aufragenden Steilhängen über eine urgemütliche Hütte und viele Bergseen bis hin zu einem recht anspruchsvollen Gipfelanstieg. Unterwegs kommt man zudem an einem neu geborenen Moränensee vorbei, der durch das Zurückschmelzen der Gletscherzunge entstanden ist. Der Bachfallenferner füllt aber auch heute noch ein weiträumiges Becken, das in die Küalakarscharta (so steht es auf der AV-Karte) mündet. Sie wissen nicht, was dies bedeutet? Das ist das Produkt eines eifrigen Namenserhebungs-Forschers und heißt auf Hochdeutsch »Kühlehnkarscharte«. Dort oben lüftet sich dann allmählich auch das Geheimnis des Hohen Seblaskogels: Neben den Grünen Tatzen öffnet sich ein ganz schmales Hochkar, das zwischen den Wänden einen – allerdings recht langen und etwas mühsamen – Zugang zum Grat freigibt.
Hinweise
Siehe Tour 4 in Karte.
KartentippAV-Karte, Stubaier Alpen, Blatt 31/2 (Sellrain)
VerkehrsanbindungDurch das Ötztal nach Längenfeld und auf gut ausgebauter, aber serpentinenreicher Bergstraße 5 km nach Gries
GastronomieWinnebachseehütte (2361 m), DAV, 41 Schlafplätze, Tel. - 05253/5197
Tipps
Aufgabe für den Nachmittag. Wem der Hüttenaufstieg als Tagespensum zu wenig ist, dem sei der Gänsekragen (2915 m), ein wuchtiger Felsberg, empfohlen. Bei trockenem Wetter und einiger Geschicklichkeit bietet der angelegte Steig (Achtung, bei Nässe schmierig) mit seinen schönen, festen Gneisfelsen eine reizvolle Aufgabe, die sogar mit einer Reihe einfacher Kletterstellen (I) aufwartet! Von der Winnebachseehütte kurz empor, dann quer durch die erst steinigen, später mit Gras überzogenen Steilhänge zu einem ersten Felsstreifen. Auf eine Ecke hinauf, dann ziemlich gerade aufwärts auf erdigem Steig an den Fuß der Gipfelwände. Immer wieder über kleine Felsstufen mit leichter Kletterei in die Rinne, die aus der Gipfelscharte herabkommt. Rechts neben ihr steil zum Grat und etwas rechts der Kante in schönem, festem Fels auf den schmalen Gipfel mit kleinem Kreuz – 1.30 Std.
Höchster Punkt
Hoher Seblaskogel (3235 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.

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