Höllentalangerhütte

Die Urgewalten der Natur (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
13 km
650 m
3.00 h
Woher kommt der Name Rinderweg?
Ende des 18. Jahrhunderts waren den Menschen weder Milchquoten noch BSE ein Begriff. Ganz im Gegenteil, selbst die entferntesten Almwiesen wurden intensiv beweidet, auch wenn das Vieh auf abenteuerlichen Wegen dorthin gebracht werden musste. Eine dieser Weiden befand sich im oberen Höllental und die Rinder kamen vom Osterfelderkopf über die Rinderscharte in den Höllentalanger. Heute erinnert nur noch der Name Rinderweg daran, dass die Tiere damals den steilen Abhang überwinden mussten. Damit die Hirten während des Sommers eine Unterkunft hatten, wurde im Höllental eine kleine Hütte errichtet.
Den höchsten Gipfel Deutschlands erklimmen.
Doch nicht nur die Bauern interessierten sich für die alpine Berglandschaft, auch die Bergsteiger hatten ein Auge auf das Höllental. Von dort lässt sich die Zugspitze erklettern, mit 2962 Meter der höchste Berg in Deutschland. Im Gegensatz zum alten Weg durch das Reintal ist der Aufstieg zur Zugspitze durch das Höllental wesentlich kürzer. Das Interesse der Bergsteiger nahm zu und so wurde 1895 bei der kleinen Almhütte die Höllentalangerhütte erbaut. Als dann 1905 auch die Höllentalklamm begehbar gemacht wurde, war die Höllentalangerhütte dem Ansturm nicht mehr gewachsen. Sie musste in mehreren Bauabschnitten deutlich erweitert werden.
Das Erzbergwerk im Höllental.
Eine weitere Aktivität im Bereich des Höllentals ging schon 100 Jahre früher von den Bergwerkern aus. Nachdem insbesondere Bleierz gefunden wurde, startete 1841 der professionelle Erzabbau. Dabei wurde auch eine Holzbrücke über die Höllentalklamm sowie der heute noch erhaltene Stangensteig errichtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat man in dem Bleierz das damals sehr begehrte Molybdän gefunden, das zur Härtung von Stahl benötigt wurde. Zum Betrieb der Presslufthämmer baute man 1917 im Fels ein vom Wasser aus dem Hammersbach angetriebenes Elektrizitätswerk. Reste des Staubeckens und der Zuleitung sind heute noch zu sehen, wenn man am oberen Ende aus der Höllentalklamm herauskommt. Der Erzabbau wurde hingegen bereits 1918 wieder eingestellt, nachdem die Vorräte im Berg zur Neige gegangen waren.
Aufstieg durch die Höllentalklamm.
Seit 1905 ist die Höllentalklamm durchgängig begehbar, eine Meisterleistung, die dem Ingenieur Adolf Zoeppritz und mehreren einheimischen Bergführern zu verdanken ist. Insgesamt wurden 2500 Kilogramm Sprengstoff verbraucht, 14.000 Kilogramm Eisenteile, 2000 Meter Wasserrohr und 750 Meter Drahtseil verbaut sowie 140 Zentner Zement und 70 Kilogramm Kohle zum Schmieden aufgewendet, um durch zwölf Stollen, über zwei Brücken sowie mehrere Wandstege einen Weg durch die etwa einen Kilometer lange Klamm errichten zu können.
An dem enormen Aufwand kann man leicht erkennen, wie schwierig die Baumaßnahmen waren. Manchmal mussten sich die wagemutigen Männer von oben über die Felsen abseilen, um überhaupt an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.
Noch heute zählt die Höllentalklamm zu den beliebtesten Zielen im bayerischen Alpenraum. Eng an den Fels gepresst, um sich vor den herabfallenden Wassertropfen ein wenig zu schützen, schauen die Menschen fasziniert auf den schäumenden Hammersbach, der seinen Weg zwischen den riesigen Felsblöcken hindurch sucht. An einigen Stellen ist der Abstand zwischen den Felswänden so eng, dass gerade noch Platz für das Wasser vorhanden ist; die Wanderer müssen mit einem düsteren, feuchten Stollen vorlieb nehmen. Atemberaubend ist der Gang über die beiden Brücken, während tief darunter der Hammersbach tobt.
Ruhe auf den Almwiesen.
Etwas durchnässt wird nach etwa einer halben Stunde, die wie im Flug vergangen ist, das obere Ende der Höllentalklamm erreicht. Vollkommen ruhig, als wäre nichts geschehen, plätschert der Hammersbach vor sich hin. Die wärmende Kraft der Sonne tut gut. Die Ersten packen hier bereits ihre mitgebrachte Brotzeit aus, die meisten steigen jedoch gleich hinauf zur Höllentalangerhütte.
Der Blick von der Terrasse ist einmalig: Eingerahmt von der Alpspitze auf der linken und dem Waxenstein auf der rechten Seite breiten sich die schmalen Almwiesen Richtung Zugspitze aus. Die steil aufragende Felswand des höchsten Berges in Deutschland scheint auf den ersten Blick unüberwindbar. Erfahrene Bergsteiger wagen dennoch den Aufstieg, bisweilen kann man einige davon mit dem Fernglas von der Hütte aus beobachten. Sie haben in der Hütte übernachtet und sind bereits frühmorgens aufgebrochen, um nicht nachmittags von einem Gewitter im Fels überrascht zu werden.
Von der Höllentalangerhütte zum Kreuzeck.
Eine sehr beliebte Wanderung führt über das Hupfleitenjoch hinüber zum Kreuzeck. Von dort bringt einen die Bahn rasch zurück ins Tal. Wer an den Ausgangspunkt in Hammersbach zurück möchte, kann dazu die Zugspitz-Zahnradbahn nehmen. Alternativ dazu kann man auch übers Höllentor zur Osterfeldbahn wandern. Eine ebenfalls gerne gewählte Route hinunter nach Hammersbach ist der Stangensteig, von dem aus man einen imposanten Tiefblick in die Höllentalklamm hat. Für Kinder ist es jedoch das Schönste, auf dem Rückweg nochmals durch die Höllentalklamm zu gehen.

Länge.
Von Hammersbach durch die Höllentalklamm (2 Std.); von Grainau über den Stangensteig (2 3/4 Std.); von Garmisch-Partenkirchen mit der Kreuzeckbahn zum Kreuzeck und von dort über das Hupfleitenjoch (2 1/2 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied650 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGrainau, Ortsteil Hammersbach
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterAllein schon der Aufstieg durch die Höllentalklamm ist ein Abenteuer für sich. Mit ohrenbetäubendem Getöse stürzt der Hammersbach durch den schmalen Spalt zwischen den turmhohen Felswänden. Bei der anschließenden Brotzeit auf der Terrasse der Höllentalangerhütte gibt es als Zugabe einen herrlichen Blick auf die Zugspitze.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 07, Werdenfelser Land mit Zugspitze, 1:35.000
VerkehrsanbindungStündliche Bahnverbindung von München nach Garmisch-Partenkirchen und von dort mit der Bayerischen Zugspitzbahn oder dem Eibsee-Bus nach Hammersbach. Mit dem Auto nimmt man entweder von München die A 95 bis Garmisch-Partenkirchen und dann die Bundesstraße über Grainau nach Hammersbach oder fährt aus Richtung Ulm über die Autobahn A 7 bis Kempten und dann weiter auf der Bundesstraße über Reutte/Tirol und Grainau nach Hammersbach. In der Nähe des Bahnhofs gibt es einen großen Parkplatz.
Tipps
Nach der Tour im Eibsee baden. Von Hammersbach sind es mit der Zugspitzbahn oder dem Auto nur etwa 10 Minuten bis zum Eibsee, einem idyllisch unterhalb der Zugspitze gelegenen Bergsee. Die ersten Badeplätze gibt es gleich vorne am See; wer es gerne etwas ruhiger möchte, kann auf dem Rundweg ein Stück in westlicher Richtung gehen. Unterwegs gibt es immer wieder schöne Badestellen.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1387 m. Erbaut: 1894, erweitert 1907, 1909 und 1925 (DAV-Sektion München). Bewirtschaftet: Täglich zwischen Mitte Mai und Anfang Oktober. Kulinarischer Tipp: Erbsensuppe mit Würstel. Hüttenwirt: Richard Prommer. Telefon: 08821/88 11. Betten: Keine. Lager: 65. Materialbeschaffung: Über Materialseilbahn von der Höllentalklamm-Eingangshütte.
Tourismusbüro
Kurverwaltung, Parkweg 8, 82491 Grainau, Tel.: 08821 / 98 18 50, Fax: 08821 / 98 18 55, E-Mail: info@grainau.de, Internet: www.grainau.de

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