Höhenweg »Lötschberg Südrampe«

gut ausgebaute Wege am Sonnenhang über dem Rhonetal; unschwierig und wenig anstrengend. (Autor: Rose Marie und Gerhard Bleyer)
26 km
300 m
7.00 h
Der Höhenweg -  Hohtenn kurz hinter der Station verlassen und auf einem in den Fels gesprengten Weg zum Lüegilchigraben. Fas-zinierend der Blick auf den 50 Meter hohen Luogelkinviadukt der BLS-Bahn, der sich zum Schlüchjitunneleingang spannt. Über dem Dörfchen Liden steigt die Route etwas an ins Jolital. Nach Überqueren des Jolibaches hoch zum Aussichtspunkt Brägi. An einer Bisse entlang wandert es sich leicht über der Rarnerkumme dahin. Einige hundert Höhenmeter tiefer liegt der geschichtsträchtige Ort Raron. Nach einem Aufstieg von 90 Metern an den Ställen von Ritzubode vorbei zieht sich der Steig ins wildromantische Bietschtal hinein. Wieder folgen wir ein Stück lang einer uralten Bisse und biegen in einer Waldlichtung nach rechts ab (etwa Höhe 1080; geradeaus führt der Weg ins hintere Bietschtal). Nach einer Kurve wird der Wald verlassen zur Brücke über dem Bietschbach hin, eine Sehenswürdigkeit besonderer Art: Hier schlossen sich durch das Ansetzen von Tuffstein die Schluchtwände und es entstand eine natürliche Brücke. An der orografisch linken Bietschtalflanke talaus, unter der Bietschtal-Eisenbahnbrücke hindurch (sie hat eine Spann-breite von 136 m) und zum Aussichtspunkt Riedgarten. Dann steigen wir den breiten Weg gegen St. German hin etwas ab, bis der an der Bisse Manera entlang führende Pfad abzweigt. Bald zieht sich die Route erneut in lichten Bergwald und schließlich ins Mankintobel hinein. Prächtig ist der Blick über das Rhonetal und zu den Bergen des Simplongebietes. Von Ausserberg-Station am Hotel-Restaurant Bahnhof vorbei und hoch nach Ausserberg-Trogdorf (1008 m). Eine Zeit lang begleiten wir die Bisse Undra auf sanfter Route an der Kapelle der heiligen Theresia vorbei. Vom Weiler Milli lenkt der Pfad abwärts in das unter Landschaftsschutz gestellte Baltschiedertal, stößt auf den Hüttenweg zur Balt-schiederklause (SAC-Hütte), der bald wieder verlassen wird, um der gelben Markierung folgend den Baltschiederbach zu queren. Durch einen lieb-lichen Birkenhain wandern wir zum Dörfchen Eggerberg. Wanderung nach Brig: Das letzte Wegstück hat tessi-nischen Charakter und führt über Stadel und Roorli nach Lalden. Nun ist es nicht mehr weit zu den Thermalquellen von Brigerbad. Von hier auf dem von alters her be-stehenden Fußweg nach Brig (oder per Bus), einem der wichtigsten Verkehrsknoten-punkte im Rhonetal. Ein-drucksvoll überragt der Stockalperpalast mit seinen drei Zwiebeltürmen den Ort. Dieser größte Herrensitz der Schweiz, erbaut vom Handels-herrn Kaspar Jodok Stockalper (1609–1682), dem ungekrönten König des Wallis, diente zugleich als Lager- und Umschlagplatz für den Warenverkehr. Am 24. September 1993 wurde Brig, diese historisch so bedeutsame Walliser Kleinstadt, deren Gassen von stattlichen Patrizierhäusern ge-säumt sind, von einer der schlimmsten Naturkatastrophen heimgesucht. Zu dieser Zeit verwüsteten außergewöhnlich schwere Re-genfälle und heftige Stürme auch andere Teile der Schweiz sowie Norditaliens und Frankreichs. Nach ununterbrochenen Regenfällen während drei Tagen verwandelte sich das Flüsschen Saltina, das sonst ruhig durch Brig fließt, in einen reißenden Strom, dabei Unmengen an Sand, Steinen und Holz mit sich führend. Eine unaufhaltsame Schlammlawine (bis zu zwei Meter Höhe) wälzte sich durch den Ort und strömte in die Häuser des tieferliegenden nördlichen Stadtteiles. Für die betroffenen Einwohner der Stadt war es ein schlimmes Unheil, und es bedurfte großen Einsatzes und enormer Kosten, die Schäden in dem schönen Städtchen zu beseitigen. Gleichzeitig wurden anstehende bauliche Probleme in der Stadt gelöst. Unweit von Brig liegt Naters, in dessen Schatten Brig einst stand. Bedeutende Baudenkmäler stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Bei der Unwetterkatastrophe, die am 15. Oktober 2000 über das Wallis hereinbrach, schwebte Brig wieder in großer Gefahr, blieb jedoch vom Schlimmsten verschont. Am schmerzvollsten betroffen war an dem »Schwarzen Sonntag« das Dorf Baltschieder (siehe Tour 33), wo das Hochwasser (über 1 Meter) des gleichnamigen Baches im »Inneren Dorf« ein Bild der Verwüstung anrichtete und eine Schlammschicht von 60 cm hinterließ. Die Bewohner konnten in letzter Minute evakuiert werden und niemand kam zu Schaden. Tragischer wirkte sich die Unwetterkatastrophe in Gondo aus (südl. des Simplonpasses, siehe Tour 38). Hier begrub ein Erdrutsch Teile des Dorfes und Häuser mit deren Bewohnern. Mehr als 10 Menschen fanden dabei den Tod. In jenem Spätherbst waren auch das Saastal und das Mattertal völlig von der Außenwelt abgeschlossen. Tour-Ausgangsort gut erreichbar mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Höhenweg Wanderung

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour26 km
Höhenunterschied300 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHohtenn/Station (1079 m) im Rhonetal.
TourencharakterDas vom Rhonegletscher trogförmig ausgearbeitete Rhonetal ist die Lebensader des Wallis. Diese Bedeutung zeigt sich Jahrhunderte hin-durch in der wechselvollen Geschichte des Landes sowie in den Orten durch Klöster, Kirchen, Burgen und Handelshäuser, die an bedeut-same Zeiten erinnern. Von Martigny taleinwärts ist die Rhoneebene von Berghängen eingerahmt. Obstplantagen und Weinberge prägen das Bild. Bei Sion (Sitten) ziehen die Burghügel von Tourbillon und Valeria den Blick auf sich (siehe Einleitung Tour 18). Oberhalb von Sierre steht der Wohnturm Muzot, hier verbrachte Rainer Maria Rilke einige Jahre seines Lebens. Wenige Kilometer östlich von Sierre zweigt bei Leuk-Susten die Straße in ein nördliches Seitental der Rhone ab - Es führt zum berühmten Badeort Leukerbad unter dem Gemmipass. Der hochgelegene Kurort (1411 m) wurde schon von den Römern ge-schätzt und älteste Urkunden stammen aus dem Jahre 1315. Nahe Gampel (Abfahrt ins Lötschental) liegt Hohtenn, Ausgangspunkt des Höhenweges an der Lötschberg-Südrampe, der sein Gegenstück an der Lötschberg-Nordrampe (von Ramslauenen/Kiental nach Kandersteg/Kandertal) im Berner Oberland findet. Auf einer Länge von 20 bis 25 Kilometern ist der Höhenweg Südrampe einem ständigen landschaftlichen Wechsel unterworfen. Die Wanderung führt entlang des südlichen Randes der 2001 in die UNESCO Weltnaturerbeliste aufgenommenen Region »Jungrau-Aletsch-Bietschhorn« (siehe hierzu auch Vorspann Tour 35). Sie kann an verschiedenen Punkten abgebrochen werden, um von einer der BLS-Bahnstationen mit der Eisenbahn zurückzufahren oder ins Tal abzusteigen (bzw. mit dem PTT-Bus zu fahren). Wie die von 1906 bis 1912 erbaute Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS-Bahn) durchmisst die Route am Rande des eidgenössischen Aletschbannbezirkes Ausläufer der Bietschhornkette gegen das Rhonetal, dabei sämtliche Bergrippen voll ausgehend, die die Bahn unter Tunneln durchfährt. Sanften Grashängen und verträumten Birkenwäldchen folgen ge-waltige Schluchten mit reißenden Wildwassern – hier himmelwärts strebende Felswände, dort lustig sprudelnde oder sanft dahin-plätschernde Suonen. Diese künstlichen Wasserleitungen begleiten uns auf etlichen Wegstrecken im regenärmsten und trockensten Teil des Wallis, ja der gesamten Schweiz. Die Flora an den Sonnigen Halden am Lötschberg zwischen Hohtenn und Mund zeigt sich vielfältig und einzigartig. Die bekannteste Pflanzenkultur der Region ist der Safrananbau bei Mund (einzige Safrankultur in Zentraleuropa). Auf der Kummegge unterhalb von Mund sind im Oktober/November die Safranäcker von einem lila Blütenmeer bedeckt, alljährlich eine Pracht während der Blütezeit. Die Hochernte findet gewöhnlich um den 20. bis 30. Oktober statt. Dauer: gesamt 71/2 Std. (bis Brigerbad 11/4 Std. weniger); Hohtenn – Ausserberg/Trogdorf 3 Std.; Ausserberg – Lalden 21/2 Std.; Lalden – Brig 2 Std. Höhenunterschied: ? 300 n, ? 800 m; Hohtenn – Ausserberg/Trogdorf ? 150 m und ? 250 m; Ausserberg – Lalden ? 100 m und ? 300 m; Lalden – Brig ? 50 m und ? 250 m.
Beste Jahreszeit
KartentippSAW-Wanderkarte 1 - 50000, Blatt 274 T (Visp; mit eingezeichneten Routen).
VerkehrsanbindungVon Gampel/Steg per PTT-Bus oder von Brig, dem Tourenendpunkt, mit der BLS-Bahn nach Hohtenn/Station.
GastronomieHohtenn, Rarnerkumme, Alp Tatz.
Höchster Punkt
Ausserberg-Trogdorf, 1008 m
Unterkunft
Ausserberg und Eggerberg (Stationen der BLS-Bahn; Postbusverbindung nach Visp), Mund und Birgisch (Postbusverbindung nach Brig).
Tourismusbüro
Verkehrsverein Sonnige Halden am Lötschberg. CH-3939 Eggerberg, Tel. 027/9466314, Internet: www.sonnige-halden.ch. Brig Tourismus (681 m). Sehenswert der Stockalperpalast. Verkehrsverein Brig am Simplon: Postfach 688, CH-3900 Brig, Tel. 027/9216030, Internet: www.brig-tourismus.ch. Brigerbad (655 m). Thermalbad, Campingplatz. Verkehrsverein Brigerbad: Postfach 139, CH-3900 Brig, Tel. 027/ 9464688. Visp (647 m). Campingplatz; sehenswert das gräfliche Viertel; »rund um Visp« Tourismus: CH-3930 Visp, Tel. 027/9483333, Internet: www.rund-um-visp.ch

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Caroline Fink, Rose Marie und Gerhard Bleyer

Höhenwege im Wallis

Die 40 prächtigsten Panoramawanderungen, Hüttenwege sowie leichte 4000er im Schweizer Kanton Wallis.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema