Hochrieshütte, 1568 m

Überzeugend das Konzept, empfehlenswert die Küche, freundlich die Hüttenwirtin – das einzig Störende sind der Bekanntheitsgrad der Hochrieshütte sowie ihre bequeme Erreichbarkeit per Bahn ... Aber ein kühles Helles auf der geräumigen Terrasse »entschädigt« dafür allemal! (Autor: Martina Gorgas)
11 km
885 m
4.00 h

Aufstieg zur Hütte

Am Wanderparkplatz Spatenau, dem Ausgangspunkt der Tour, folgen wir zunächst der Forststraße, bis wir wenig später einen steilen Abzweig in den Wald erreichen. Hier haben wir die Wahl, ob wir den steileren Abkürzer nehmen oder auf der Forststraße bleiben. Wenig später treffen sich beide Wege wieder. Weiter geht es in Serpentinen bergauf, über meist freies Gelände und an mehreren Almhütten vorbei.

Unser Weg steigt öfters recht steil an, teils über Stufen und Stiegen, und an manchen Stellen ist Trittsicherheit erforderlich. Unterwegs haben wir immer wieder reizvolle Ausblicke auf die umliegenden Gipfel, auf den Sims- und den Chiemsee, bis wir unser Ziel, die schön gelegene Hochrieshütte, erreicht haben. (Gleich unterhalb der Terrasse liegt ein Startplatz für Drachen- und Gleitschirmflieger. Bei entsprechender Witterung kann man gemütlich dort oben sitzen und den Fliegern mit ihren bunten Fluggeräten beim Start und Flug über dem Samerberg zusehen.)

Qualität spricht sich herum

Wer eine kleine, urige Berghütte in ruhiger Natur sucht, wird auf der Hochrieshütte eher nicht fündig, denn die Hütte ist rund ums Jahr gut besucht – nicht zuletzt dank der Anbindung an die Hochriesbahn. Wer also kann, sollte möglichst nicht am Wochenende hier heraufkommen und auch eher im Frühling oder Sommer als im Herbst, wenn es so richtig »brummt«. Denn: Die gute Küche und den freundlichen Service auf der Hochrieshütte schätzen auch die Einheimischen. Sie steigen gern abends nach der Arbeit noch zur Hütte zum Abendessen auf oder lassen es sich dort an Geburtstagen, zur Hochzeit oder Taufe gut gehen.

Entsprechend großzügig ist die Hütte angelegt: mit zwei schönen Terrassen – eine mit Berg-, die andere mit Seeblick –, einem geräumigen, etwas nüchternen Aufenthaltsraum sowie einer gemütlichen Stube. Doch bei allem Trubel bleiben die Wirtsleute Monika und Heinz gelassen und freundlich, sind stets für einen kleinen Plausch zu haben und engagierte, aufmerksame Gastgeber.

Kräutergarten mit Aussichtsplatz

Am Abend, wenn die Tagesgäste gegangen sind, widmet sich Hüttenwirtin Monika ihrer Leidenschaft: den Kräutern. »Schon als Kind war ich mit meinen Eltern unterwegs, um Wildkräuter zu sammeln«, erzählt sie. Das tut sie auch heute noch, und darüber hinaus hat Monika in mühevoller Arbeit einen kleinen Kräutergarten hinter der Hochrieshütte angelegt. Dort wachsen unter anderem Thymian, Rosmarin, Minze und Schokominze, aber auch Rucola und verschiedene Blattsalate. (Und für die seltenen Momente der Muße stehen ein paar Liegestühle inklusive traumhaftem Bergpanorama bereit.)

»Wir verwenden in der Küche so gut wie kein Salz«, verrät die sympathische Wirtin, »wir würzen stattdessen mit frischen Kräutern.« Im Tal hat ihre Familie noch einen zweiten Garten in einer ehemaligen Kiesgrube. Von dort bezieht die Küche Zucchini, Paprika, Kürbis und anderes Gemüse.Saisonale Küche mit frischen Produkten Auf der Hochrieshütte gibt es keine gedruckte, feste Speisekarte: Gekocht wird das, was gerade im Garten wächst und von den Bauern in der Umgebung kommt.

Bei unserem Besuch gab es zum Beispiel leckere Kartoffelpflanzerl mit Hirse und Kürbiskernen, dazu Kräuterquark und gemischten Salat. Für die Salatsauce stellt die engagierte Hüttenwirtin ihr eigenes Kräuteröl her, das sie mit Oliven- oder Kürbiskernöl mischt. Häufig werden die überbackenen Hirtennudeln angeboten: Sie wurden aus der Not heraus geboren, als einmal überraschend viel los war auf der Hütte, wurden aber sofort zum Renner.

Lieferanten aus der Region

»Wir waren von Anfang an bei ›So schmecken die Berge‹ mit dabei«, erinnert sich Monika, die nach einer Pause mittlerweile zum zweiten Mal Wirtin auf der Hütte ist. »Wir haben schon immer in der Region eingekauft: unser Rindfleisch vom Bauern aus Riedering, unseren Käse vom Bauern am Samerberg oder unser Brot vom Dorfbäcker in Grainbach. Unser Bier kommt aus Rosenheim, vom Flötzinger Bräu, und unseren Schnaps kaufen wir am Samerberg und in Tirol.

«Diese regionale Verbundenheit hat die Hüttenwirtin ebenso geprägt wie die orientalische Küche, die sie bei einem längeren Auslandsaufenthalt kennen- und schätzengelernt hat. In der Küche der Hochrieshütte geht beides eine harmonische geschmackliche Verbindung ein, zum Beispiel, wenn die Hirtennudeln mit Ingwer zubereitet werden.

Übernachten auf der Hochrieshütte

Und wer gern länger im Hochriesgebiet wandern möchte, findet auf der Hochrieshütte liebevoll eingerichtete Zimmer und Lager vor, inklusive gepflegter sanitärer Anlagen.

Aufstieg: 2.30 Std., Abstieg: 2 Std.; insgesamt 4.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied885 m
Dauer4.00 h
AusgangspunktGrainbach (684 m)/Wanderparkplatz Spatenau
TourencharakterMittelschwere Tour, die wegen ihrer steilen Passagen und der zu überwindenden Höhenmeter gute Kondition erfordert. Trittsicherheit ist nötig 
Beste Jahreszeit
KartentippAV-Karte Bayerische Alpen BY 17 »Chiemgauer Alpen West«; UKL 7 Chiemsee/Chiemgauer Alpen, 1:50 000
VerkehrsanbindungAuto: Auf der A 8 München–Salzburg bis zur Ausfahrt Achenmühle, von dort Richtung Törwang nach Grainbach. In Grainbach der Ausschilderung zum Gasthof Duftbräu folgen bis zum Wanderparkplatz Spatenau  
Zug: Bahnlinie Mün- chen–Rosenheim, vom Bahnhof Rosenheim mit dem Bus nach Grainbach
Tipps
Wem Auf- und Abstieg zu anstrengend sind, der kann auch von Grainbach mit der Hochriesbahn zur Mittelstation oder zur Hochrieshütte fahren (Infos unter www.hochriesbahn.de). 
Unterkunft
Hochrieshütte, Hochries 1, 83122 Samerberg, Tel. 08032/82 10, Fax 08032/70 74 33, www.hochrieshuette.de
Hüttenwirte: Monika Wallner und Heinz Meyrl
Öffnungszeiten: Ganzjährig geöffnet; Betriebsferien im April
Schlafplätze: 15 Zimmerlager, 25 Matratzenlager

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