Hochlandhütte

Ruhe und Abgeschiedenheit vor fantastischem Gebirgspanorama (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
16 km
550 m
4.00 h
Gemütliche Abgeschiedenheit.
Neben der herrlichen Aussicht kommen die Menschen auch gerne wegen der ruhigen und abgeschiedenen Lage auf die Hochlandhütte. Es gibt weder eine Zufahrtsstraße, auf der Fahrzeuge ihren störenden Lärm verbreiten, noch eine Seilbahn, die Heerscharen von Touristen heraufbringt. Lediglich drei verschiedene schmale Steige führen zur Hütte hinauf. Dadurch werden Mountainbiker selten dort oben angetroffen.
Von Mittenwald auf die Hochlandhütte.
Der kürzeste Anstieg zur Hochlandhütte ist über den Gassellahnbachweg, der am nördlichen Ende von Mittenwald unmittelbar an der Umgehungsstraße beginnt. Der Fahrweg geht zunächst am Gassellahnbach und später am Anderkarbach entlang bis zur Oberen Kälberalm. Von dort erreicht man die Hütte über einen steilen Steig.
Etwas weiter südlich führt ebenfalls ein Güterweg zum so genannten Bankle. Von dort kommt man auf einem sehr schönen Steig durch die Latschen mit guter Aussicht auf das Wettersteingebirge zur Hochlandhütte. Man ist etwa eine halbe Stunde länger unterwegs, hat aber gute Chancen, unterwegs einen Birkhahn zu entdecken. Der Steig nähert sich der Hütte von oben, im Sommer weiden hier etwa 500 Schafe.
Versorgung aus der Luft.
Da die Hochlandhütte aufgrund ihrer Lage weder mit Fahrzeugen zu erreichen ist noch über eine Materialseilbahn verfügt, bringt dreimal im Jahr ein Hubschrauber alle notwendigen Güter hinauf. Das ist immer wieder ein spannender Moment für die Wirtsleute, wenn die Transportkisten geöffnet werden. Sie können nur hoffen, nichts Wichtiges vergessen zu haben. Ansonsten ist die Hütte vollkommen unabhängig: Der Strom wird über eine Fotovoltaik-Anlage erzeugt, das Trinkwasser aus einer Quelle aufbereitet, und gekocht wird mit Gas.
Die Geschichte vom Adler.
Auch ein Adler ist von Zeit zu Zeit in dem Revier um die Hochlandhütte zu sehen. Dazu erzählt der Hüttenwirt eine nette Geschichte: »Ausgerechnet an dem Tag, als ein amerikanischer Journalist als Gast zu Besuch auf der Hütte war, flog der mächtige Raubvogel ganz in der Nähe vorbei. Der Reporter notierte sich diese Beobachtung und schrieb sie später in einem Reisebuch über Deutschland nieder. Seitdem kommen jedes Jahr etliche Amerikaner vorbei und wollen den Adler sehen.« Der zeigt sich jedoch äußerst selten und nur mit sehr viel Glück bekommen ihn die Hüttengäste zu Gesicht.
Die Westliche Karwendelspitze.
Immer wieder schweift der Blick zur steil abfallenden Felswand der Westlichen Karwendelspitze, einem der imposantesten Gipfel der gleichnamigen Gebirgskette. Lange Zeit war die Herkunft des Namens »Karwendel« umstritten. Ursprünglich glaubte man, der Begriff stamme aus der Sprache der Veneter, die als erste das Gebirgstal bei Mittenwald besiedelten. Sie bezeichneten den Felsen als »Kar«. Später schrieb man die Herkunft einem Bajuwaren mit dem althochdeutschen Namen »Gerwntil« zu, was übersetzt »Speerschüttler« bedeutet. Er soll im Gebiet der heutigen Hochalm gelebt haben und zunächst nur dem dortigen Tal diesen Namen gegeben haben, der nach und nach auch auf die ganze Gebirgskette übergegangen ist.
Direkter Übergang zu fünf weiteren Hütten.
Am nächsten zur Hochlandhütte liegt die Dammkarhütte, die man in etwa zwei Stunden erreichen kann. Es gibt zwei Wege dorthin, die beide ungefähr gleich weit sind. Einmal geht man auf dem Steig durch den Latschenwald hinunter bis fast zum Bankle und dann in steilen Serpentinen wieder hinauf zur Dammkarhütte, die eindruckvoll unterhalb der Westlichen Karwendelspitze liegt. Wer trittsicher ist, kann kurz nach der Hochlandhütte auch einen schmalen Steig aufwärts nehmen, hinter dem Gipfel des Predigtstuhls queren und über ein Geröllfeld zur Dammkarhütte absteigen Leider wird der Aufenthalt in der prächtigen hochalpinen Bergkulisse an manchen Tagen durch übende Bundeswehrsoldaten etwas getrübt, wenn sie nach einer Maß Bier auf der Terrasse lautstark über das Geröllfeld wieder zu Tal rutschen.
Weitere Hüttenziele.
Ebenfalls zwei Wege stehen zur Brunnsteinhütte zur Wahl, der Heinrich-Noé-Steig (5 Std.) und der Mittenwalder Höhenweg (Mittenwalder Klettersteig, 8 Std.). Beide sind aufgrund der überwältigenden Blicke in die Tiefe sehr reizvoll, erfordern aber alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Einfacher zu erwandern sind hingegen zwei weitere Hütten, die man über den Wörnersattel erreichen kann: Soiernhaus (5 1/2 Std., siehe Seite 106) und Karwendelhaus (5 Std.).
Nach der Bergtour zum Baden.
Westlich von Mittenwald gibt es zwei idyllisch gelegene Badeseen, die sich für einen Ausklang der Wanderung anbieten: Zum Lautersee sind es von der Ortsmitte in Mittenwald etwa 45 Minuten zu Fuß, der Weg zum Ferchensee dauert ungefähr eine Dreiviertel Stunde länger. Beide Seen bieten von ihrem Ufer aus eine fantastische Aussicht auf das Karwendelgebirge.

Länge.
Von der Talstation der Karwendelbahn über Ochsenbodensteig und Bankle (2 3/4 Std.); vom Wanderparkplatz auf dem Güterweg über Ochsenboden und Bankle (2 1/4 Std.); vom Rehbergwald auf dem Gassellahnbachweg über die Obere Kälberalm (2 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied550 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMittenwald
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie herrliche Lage am westlichen Rand des Karwendelgebirges macht die Hochlandhütte zu einem beliebten Wander- und Übernachtungsziel. Mehrere Gipfel sowie andere Berghütten sind bequem von dort aus zu erreichen. Der schönste Platz auf der Hochlandhütte ist die Bank vor dem Haus. In der Nachmittagssonne sitzend reicht der Blick hinunter nach Mittenwald, dahinter sieht man die Gipfel von Wettersteingebirge, Tannheimer Bergen und Ammergauer Alpen sowie vom Estergebirge. Dreht man den Kopf etwas nach links, blickt man direkt auf die steil abfallende Felswand der Westlichen Karwendelspitze, schaut man nach rechts, sind Wörnerspitze, Wörnerkopf, Schwarzkopf und Zunderweitkopf wie Orgelpfeifen nebeneinander aufgereiht. Man kann sich kaum satt sehen an diesem herrlichen Panorama.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 26, Karwendelgebirge, 1:50.000
VerkehrsanbindungStündliche Verbindung mit der Deutschen Bahn auf der Strecke von München über Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald. Mit dem Auto fährt man von Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald und parkt am besten entweder bei der Talstation der Karwendelbahn oder etwa 500 Meter zuvor auf einem kleinen Wanderparkplatz auf der anderen Seite der Bundesstraße.
Tipps
Traditioneller Almabtrieb. Im Herbst erfolgt der Abtrieb der Rinder, Schafe und Ziegen, die den ganzen Sommer über auf den Almen rund um Mittenwald waren. Wenn während des Sommers auf der Alm kein Tier zu Schaden kam, werden die Tiere bunt geschmückt mitten durch den Ort in ihre Ställe gebracht, anschließend trifft man sich mit den Almhirten im Wirtshaus, die dort von ihren Erlebnissen erzählen. Wann dieses große Ereignis stattfindet, erfährt man in der Kurverwaltung Mittenwald, Dammkarstr. 3, Tel.: 08823/ 339 81, Internet: www.mittenwald.de.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1623 m. Erbaut: 1909, 1985 komplett renoviert (DAV-Sektion Hochland). Bewirtschaftet: Täglich von Ende Mai bis zum zweiten Sonntag im Oktober. Kulinarischer Tipp: Kaiserschmarrn. Hüttenwirtin: Irmtraud Dressl-Kasy. Telefon: 0174/9 89 78 63. Betten: Keine. Lager: 40. Materialbeschaffung: Dreimal in der Saison per Hubschrauber. Besonderheit: Sehr schöne Alleinlage mit gutem Fernblick.
Tourismusbüro
Kurverwaltung, Dammkarstr. 3, 82481 Mittenwald, Tel.: 08823 / 3 39 81, Fax: 08823 / 27 01, E-Mail: info@markt-mittenwald.de, Internet: www.mittenwald.de

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