Hochfeiler (3510 m)

Alpine Steige oder Steigspuren bis in Gipfelnähe, letzter Anstieg ganz von den Verhältnissen abhängig, alles möglich, von Schuttgrat bis zu ganz scharfer, ausgesetzter Firnschneide (Autor: Dieter Seibert)
16 km
1820 m
9.00 h
Zur Hochfeilerhütte (3 Std.).
Vom Ausgangspunkt nur 200 Meter hinein ins Oberbergtal, dann über die Brücke zu einer schönen Wiese. Von dort schräg rechts über die steilen Buschwerkhänge zu ein paar Hütten empor und weiter aufwärts über kleine Rampen und Stufen. Anschließend unter einer Wandfluh in den sehr steilen Hängen, teilweise mit etwas Auf und Ab, um die Geländebiegung hinein ins Glidertal. Etwas abwärts in den Bereich der Moränen unter dem Weißkarferner. Im nun wieder grünen Gelände empor und nach rechts zum stattlichen Steinbau der Hochfeilerhütte (2710 m), die auf einem Absatz mitten in den Hängen thront.
Auf den Hochfeiler (2.30 Std.).
Von der Hütte hinauf zu einem Geländevorsprung, der nach Süden mit senkrechter Wand abbricht. Auf deutlichem Trampelpfad über die folgende Rampe, die mit Sand, schieferigem Fels und Blöcken bedeckt ist, hinauf zu einem Köpfchen. Noch ein Stück weiter empor über kleine Absätze, dann nach links auf den Grat. Auf oder rechts knapp unterhalb der von Schieferschutt bedeckten Schneide zum letzten Aufschwung. Der nun ganz ausgeprägte Grat fällt links in eine Firnwand, rechts mit steilem Fels ab. Bei entsprechenden Verhältnissen kann man mittelsteil in der Einbuchtung zwischen Eis und Fels zum Kreuz hinaufsteigen, bei ungünstigen Bedingungen ist für den Bergwanderer am Gipfelfuß die Tour zu Ende.
Abstieg (3.45 Std.) wie Aufstieg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1820 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortSt. Jakob (1449 m) im inneren Pfitschtal
AusgangspunktDritte Kehre (1718 m) der Passtraße oberhalb von Stein
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDen Hauptgipfel der Zillertaler Alpen umfließen auf drei Seiten große Gletscher, es gibt eine besonders eindrucksvolle, 300 Meter hohe, von Felsstreifen schräg durchsetzte Eiswand und einen messerscharfen, ungemein ausgesetzten Grat hinüber zum Hohen Weißzint. Aber selbst ein König hat seine schwache Seite. Beim Hochfeiler ist es die Südwestflanke. Dort schmelzen in warmen Sommern die Firnfelder ziemlich ab, und es kommen Schutthänge zum Vorschein, die auch der Bergwanderer begehen kann. Es bleibt schließlich nur der allerletzte Gipfelgrat, der sich – je nach Verhältnissen – zu einer scharfen Firnschneide ausprägen kann und dessen Begehung dann Erfahrung, eventuell auch einen Eispickel erfordert. Unter diesen Bedingungen gibt sich der weniger Geübte (und Vernünftige) mit der obersten Schulter zufrieden und genießt von dort die »unendliche« Aussicht. Wer sichergehen will, ruft vor dem Start in der Hochfeilerhütte an, um sich über die Verhältnisse zu informieren.
Apropos Hütte. Bis 1986 wurde der Hochfeiler nur wenig bestiegen; zu umständlich war der einstige Zugang von der Edelrautehütte mit Zwischenabstieg und Querung des Gliderferners. Dann errichtete der Alpenverein Südtirol auf der Südwestseite die schmucke neue Hütte, die fast ausschließlich von denen genützt wird, die unseren Gipfel besteigen wollen.
Hinweise
Siehe Tour 45 in Karte.
KartentippAV-Karte, 35/1 (Zillertaler Alpen West)
VerkehrsanbindungVon Sterzing südlich des Brenners 23 km durchs noch recht ursprüngliche Pfitschtal nach St. Jakob und zum Ausgangspunkt
Tipps
Abstecher zum Pfitscherjoch. Wer schon einmal in das abgelegene, noch sehr ursprüngliche Pfitschtal kommt, mag vielleicht die Möglichkeiten dort noch besser ausnützen. Da gibt es zum Beispiel die ziemlich holperige Straße, die aus dem Pfitschtal in weiten Serpentinen ins Pfitscher-Joch (2246 m) auf der Grenze zwischen Nord- und Südtirol mit dem auf einem Vorsprung thronenden Pfitscher-Joch-Haus (2276 m, privat, 40 Schlafplätze, Tel. - 0472/60119) führt. Von dort kann man in gut zwei Stunden und ohne Schwierigkeiten auf einem Pfad die Rotbachlspitze (2897 m) erreichen, eine Aussichtsloge ganz eigener Art: Gleich vis-à-vis ragt dann die Hochfernerspitze (3470 m) auf, die auch heute noch mit zwei ungewöhnlich eindrucksvollen Hängegletschern, Grieß- und Hochferner, geschmückt ist. Bis über 1000 Meter hoch sind die Wände, diese eigenartige Mischung aus zerborstenen Schieferzonen und malerischen Eisflächen. Fußweg vom Joch nach Osten über den zuerst breiten, ganz von Gras überzogenen Rücken – stets mit schönsten Ausblicken –, dann links an einem Köpfchen vorbei und schließlich relativ steil im Schutt zum Gipfel der Rotbachlspitze (2897 m). Für den Namen sorgt eine ganz auffallend rotbraune Schuttzunge, aus der ein Bächlein fließt, dessen Wasser wirklich eine rötliche Färbung zeigt.
Höchster Punkt
Hochfeiler (3510 m)
Unterkunft
Hochfeilerhütte (2710 m), AV Südtirol, 95 Schlafplätze, Tel. - 0472/646071

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