Hanauer Hütte und Kogelseespitze, 2647 m

Zur Hütte breite, etwas steinige Bergwege. Auf die Kogelseespitze alpine Pfade, teilweise steil, doch keine anspruchsvollen Stellen. (Autor: Dieter Seibert)
20 km
1280 m
7.00 h
Von Boden zur Hanauer Hütte (1922 m).
Etwa in der Ortsmitte von Boden überqueren wir den Fundaisbach und spazieren dann zwischen Bäumen und über Wiesenböden gemütlich aufwärts ins Angerletal, das schnurgerade nach Süden führt. Man wandert auf einem bequemen, breiten, aber steinigen Weg und hat so ausreichend Muße, schon von hier aus die wilden Felsformationen zu bewundern. Aus dem innersten Talboden mit einem Wasserfall und großen Felsblöcken geht es schließlich auf der rechten Seite im Zickzack über eine Latschenstufe – nun steil aufwärts – zur längst sichtbaren Hütte.
Auf die Kogelseespitze (2647 m).
Von der Hütte wandern wir auf dem rechten Weg nach Südwesten über das wellige, weitgehend freie Gelände auf die Parzinnspitze (2613 m) zu, an deren Fuß der Untere Parzinnsee liegt, der ebenfalls ein lohnendes Ziel abgibt. Etwas oberhalb verzweigt sich der Steig. Links führt der Weg über die im letzten Teil steile Halde ins Gufelseejoch (2373 m); drüben liegt unmittelbar darunter – doch 100 m tiefer – der oft blau leuchtende Gufelsee, und dahinter ragt der Vordere Gufelkopf auf, der geradezu ein Schulbeispiel für verbogene Gesteinsschichten bietet. Über den erst ausgeprägten Grat, dann auf weiter Abdachung steigen wir noch ein gutes Stück zum Gipfel hinauf. Die Abstiege erfolgen auf den gleichen Routen.
Rundtour über die Dremelscharten.
Mit ihrem domartigen, bis zu 600 m hohen Felsbau beherrscht die Dremelspitze (2733 m) das Parzinn. Im Osten und Westen sind tiefe Scharten eingeschnitten, die man zu einer außergewöhnlichen Rundtour nützen kann, bei der man zusätzlich den großflächigen Steinsee kennen lernt. Bei den beiden Verzweigungen auf dem hüttennahen Boden halten wir uns jeweils links und gelangen in etwa 20 Min. zu einer dritten Gabelung am Fuß der Schlenkerspitz-Steilhänge. Hier geht es schräg rechts empor und über eine kurze Stufe in ein schmales, urweltliches Hochkar, einen abgeschlossenen Kessel, gefüllt mit Geröll und Schnee und von hohen, zerborstenen Wänden eingefasst. Steil ist der Anstieg in die enge Hintere Dremelscharte (2470 m), drüben geht es über eine Stufe hinab, dann auf Schutt und Gras zum Steinsee (2222 m; 20 Min. tiefer liegt die Steinseehütte des OeAV). Vom Nordufer steigt man über Gras, Schutt und bröseligen Fels in die Vordere Dremelscharte (2434 m) hinauf. Drüben wandern wir viel über Geröll und zwischen Blöcken bergab, dann über die welligen Böden talaus zur Hanauer Hütte. Die gesamte Gehzeit beträgt gute 4 Std.; Trittsicherheit und zuverlässiges Wetter sind für diese Unternehmung unbedingt nötig.
Rückweg durchs Fundaistal.
Dieser ungewöhnliche, allerdings sehr viel längere Rückweg nach Boden ist eine Tour der großen Eindrücke und der Kontraste. Wie bei der Dremelscharte gehen wir zur dritten Verzweigung. Dort halten wir uns dann links, steigen schräg über den Hang zu einer Geländekante empor, dahinter geht es quer durchs Schlenkerkar und schließlich über recht steile Hänge mit vielen Serpentinen empor ins Galtseitejoch (2421 m) mit seinen quer über den Grat laufenden Gesteinsschichten jeder Dicke von wenigen Millimetern bis zu mehreren Metern. Das ist eine Attraktion ganz eigener Art – Gosauschichten nennt man dieses Konglomerat. Drüben geht es schräg über die steile Flanke hinab auf eine ausgeprägte Geländerippe. Auf ihr steigen wir tiefer, dann nach rechts auf den schönen, grünen Boden des Fundaiskars. Kurz hinter dem Bach biegt unser Weg links ab und führt in dem bald steilen, scharf eingeschnittenen Tal über mehrere Stufen weit hinab in den sehr urwüchsigen, geröllgefüllten Boden des Fundaistals. Etwas mühsam wandern wir talaus, dann folgt eine Querung durch Latschenhänge zur untersten Sektion des historischen Dorfes Pfafflar, und über Wiesen gelangen wir hinab nach Boden.
Mit Familie und Kindern.
Das Parzinn ist ein Gebiet für die erwachsenen Bergwanderer und Alpinisten. Selbst der rasche Zugang zur Hanauer Hütte ist für Kinder eher langweilig und eintönig. Mit ihnen sollte man lieber rund um Boden auf Entdeckungstour gehen, etwa gleich hinter dem Ort den Tobel des Fundaisbaches erforschen.

Dauer: Gesamtgehzeit 7 Std. Zur Hütte gut 2 Std. Von dort zum Parzinnsee 3/4 Std Auf die Kogelseespitze 1 1/2 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied1280 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBoden (1356 m), Bergbauerndorf im innersten Bschlabertal mit grandioser Felsbergkulisse.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie Lechtaler Alpen bilden das imposanteste Gebirge der gesamten Nördlichen Kalkalpen. Das Ursprüngliche und über weite Strecken völlig Unberührte, das außergewöhnlich Schroffe der Landschaft mit wild eingeschnittenen Tälern und gewaltigen, sehr steilen, unzugänglichen Felsbergen und nicht zuletzt die absolute Höhe rechtfertigen diesen Superlativ. Dazu kommt eine einmalige geologische Vielfalt; so stehen zum Beispiel die eindrucksvollsten Grasberge nicht im Allgäu, sondern in den Lechtaler Alpen.
Der schönste und malerischste Abschnitt in diesem Gebirge ist das Parzinn, ein weit gedehntes Hochkar mit drei Seen, eingerahmt von einem Halbkreis dekorativer Felsgipfel. Hier stehen die Gesteinsschichten senkrecht, und so sind alle Wände und Grate in parallele Rippen und Rinnen aufgegliedert. Dadurch erinnert etwa die Königin im Revier, die Dremelspitze (2733 m), ein wenig an einen gotischen Dom. Doch nicht sie ist die absolute Herrscherin, sondern die Schlenkerspitzen (2827 m), ein 2 km breites Massiv mit einem ganzen Wald von Türmen, Zacken usw.
Der »Grundausflug« bietet drei Stufen: Die Wanderung zur Hütte, die ideal am Rand des Parzinns liegt, den Weiterweg zum sehenswerten Unteren Parzinnsee (2170 m), in dem sich die Parzinnspitze mit ihren Plattenschüssen spiegelt, und schließlich die mächtige, 2647 m hohe Kogelseespitze, der einzige Gipfel im Revier, den auch der Bergwanderer erreichen kann. Aber es wäre schade, diese so ungewöhnliche Hochgebirgswelt nicht näher zu erforschen. So bringen wir wenigstens zwei zusätzliche Möglichkeiten.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, Blatt WK 351 Lechtaler, Allgäuer Alpen.
VerkehrsanbindungIm Lechtal bis hinter Elmen, dann auf der inzwischen bestens ausgebauten Passstraße durch Bschlabs mit schönem Kirchlein nach Boden, 10 km.
GastronomieHanauer Hütte (1922 m), DAV, 132 Schlafplätze, Tel. 0043/664/2669149.
Tipps
Bergbauerndorf Boden. Der Fremde, der von der Passstraße zum Hahntennjoch auf Boden (1357 m) hinunterschaut, wundert sich über das enge »Zusammenkuscheln« der etwa 20 Häuser dort unten. Die Suche nach Nähe? Nein – sondern der Wunsch nach Sicherheit. Die Riesenlawinen, vor allem vom so steilen Massiv des Habarts, ließen keine weitere Ausbreitung des Dorfes zu. Die Menschen dort oben lebten aber auch in anderer Hinsicht lange unter den härtesten Bedingungen. Wegen der so wilden Schlucht, aus der der Streimbach ins Lechtal mündet, wurde Boden über das knapp 1900 m hohe Hahntennjoch besiedelt und über Jahrhunderte auch auf dieser umständlichen Route versorgt. Viele Monate im Jahr war man dadurch völlig von der Außenwelt abgeschnitten, was seinerzeit bei den Menschen keine Platzangst auslöste, sondern eher wie eine Art von Ferien empfunden wurde. Außerdem hatte man dann Zeit, alles Mögliche vom großen Bottich bis zu Teller und Löffel selbst aus Holz herzustellen. Erstaunliche Daten: Im Jahr 1947 konnte erstmals ein Auto nach Boden fahren und erst ab 1955 gab es elektrisches Licht. Noch ein Rekord: Ein Lehrer unterrichtete dort oben drei Schüler.
Höchster Punkt
Hanauer Hütte (1922 m) Kogelseespitze (2647 m)
Unterkunft
Wie Einkehr.
Tourismusbüro
Tourismusverband Boden/Bschlabs, Bschlabs 60, A-6644 Bschlabs/Boden, Tel. 0043/5635/286, E-Mail: info@lechtal.at.
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