Hagelberg im Hohen Fläming

Von der Burgstadt Belzig auf den höchsten Berg Brandenburgs Bequeme Wiesen- und Waldwanderung auf passagenweise sandigen Wegen (nicht zu empfehlen für Fahrräder). (Autor: Bernhard Pollmann)
14 km
100 m
4.00 h
Burg Eisenhardt erhebt sich auf einem spornartig auslaufenden Höhenrücken des Hohen Flämings im Südwesten der denkmalgeschützten Belziger Altstadt. In einer Urkunde Kaiser Ottos III. wird Belzig 997 als Burgplatz erstmals erwähnt. Die Burg wurde um 1200 mit 23m hohem Bergfried errichtet und im 15. Jh. zu einer Festung mit fünf Rondellen ausgebaut. Nach Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1626) und während der napoleonischen Kriege wurde sie mehrfach restauriert und beherbergt heute u.a. ein Hotel und das Belziger Heimatmuseum. Zusammen mit Burg Rabenstein und der Wiesenburg bildet Burg Eisenhardt das »Burgendreieck« des Hohen Flämings. Zu den Höhepunkten im Belziger Veranstaltungskalender zählt Ende August die Burgfestwoche, die mit dem Belziger Altstadtsommer ausklingt - Dann verwandeln sich die Burghöfe in der historischen Altstadt zu Showbühnen. Der 33m hohe, »Butterturm« genannte Bergfried der Burg fungiert als Aussichtsturm und bietet ein exzellentes Panorama des Hohen Flämings und der Stadt, die sich im Schutz der Burg entwickelte. Tritt man nach dem einstimmenden Rundblick vom Butterturm aus der Burg, verzweigen sich hinter der Burggrabenbrücke die Wanderwege: Die Blaustrich-Markierung des E 11 führt über Stufen links hinab und dann auf Nebenstraßen zum Marktplatz in der Altstadt – diesen Weg nehmen wir nicht, sondern entdecken rechts vom Burgeingang die grüne Wanderwege-Markierung »Hagelberg-Kanone«. Sie führt auf Stufen hinab zur Verzweigung am Burgteich am Fuß der Burgmauern. Während der Kanonenweg hier rechts nach Belzig weiterführt, folgen wir der Grünstrich-Markierung links auf dem Naturlehrpfad am Rand der als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Burgwiesen. Im Wechsel von Wäldern, Grünflur und Gehölzen leitet der Grünstrich-Weg völlig einsam in sachtem Auf und Ab westwärts, kreuzt am Franzosenberg im Wald eine schmale Teerstraße und mündet schließlich auf den mit dem Zeichen »Blaustrich« markierten E 11. Er führt rechts in das Kirchdorf Klein Glien, nach Verlassen des Walds mit überragender Aussicht. In Klein Glien quert der E 11 die Bundesstraße 246 und folgt einer kaum befahrenen Straße in aussichtsreicher Feldflur hinauf in das Dorf Hagelberg, wo die Kuppe des Hagelbergs eine hervorragende Aussicht auf den Hohen Fläming gewährt. Hagelberg Der aussichtsreiche Hagelberg (201 m) im Hohen Fläming ist die höchste Erhebung des Norddeutschen Tieflands. Obwohl er eine fantastische Aussicht bietet, ist die Errichtung eines 30 m hohen Aussichtsturms im Gespräch, um ihn als Wanderziel zusätzlich aufzuwerten. Berühmtheit erlangte der Hagelberg durch die »Kolbenschlacht am Hagelberg« während der antinapoleonischen Befreiungskriege: Am 27. August 1813 hieben und stachen hier 22000 Preußen, Russen und Franzosen mit Bajonetten aufeinander ein. Sie wollten sich eigentlich gegenseitig totschießen, aber da starker Regen das Pulver unbrauchbar machte, mussten sie sich mit den Kolben ihrer Mordwaffen umbringen. 3000 überlebten das Blutbad. Der Sieg des preußisch-russischen Korps über die gegen Berlin vorrückende »Armée de Berlin« und weitere Schlachten bewirkten den Rückzug der Franzosen. Im Museum der Burg Eisenhardt in Belzig ist die Kolbenschlacht in einem Zinnfiguren-Diorama nachgestellt. Was die Höhe des Hagelbergs betrifft, der weiträumig als »höchste Erhebung im Land Brandenburg 201 m« ausgeschildert ist, hat das Landesvermessungsamt 2004 einen anderen als »höchsten Berg Brandenburgs« ausfindig gemacht: Der Hagelberg kommt demzufolge nur noch auf 200,24 m, der Kutschenberg bei Ortrand im Landkreis Oberspreewald-Lausitz fünf Meter vor der sächsischen Grenze auf 200,7 m. Während der Ortrander Heimatverein jubelte, ließen sich die Belziger etwas einfallen, um das Schrumpfen ihres Bergs zu erklären: Der Hagelberg werde von so vielen Wanderern »bestiegen«, die sich alle einen Stein mitnähmen, dass er im Laufe der Zeit geschrumpft sei. Klein-Thüringen Vom Hagelberg kehren wir zurück zur Dorfstraße, wenden uns links und folgen der Blaustrich-Markierung rechts Richtung Belzig. In sachtem Abstieg geht es anfangs durch aussichtsreiches Grünland, dann durch die Wälder des Hüttenbergs; dieses waldreiche Gebiet wird wegen seines abwechslungsreichen Reliefs auch Klein-Thüringen genannt. Schließlich verlässt der E 11 den Wald und führt hinab nach Belzig. Direkt vor der Altstadt zweigt er hinter der Wiesenburger Brücke rechts ab und führt durch die autofreie Allee Kämmerer Weg zurück zur Burg Eisenhardt. Belziger Altstadt Geht man geradeaus, gelangt man zum viereckigen Marktplatz im historischen Zentrum von Belzig. Der Feldsteinquaderbau der Pfarrkirche Sankt Marien mit ihrer markanten Turmhaube (1697) stammt im Kern aus dem 13. Jh. Zur Ausstattung gehört eine wertvolle Papeniusorgel (1747). Beim Gang durch die Altstadt fallen an den Bürgerhäusern viele Details auf: Sitznischenportale aus Sandstein, Wasserspeier, Wappen alter Belziger Familien, alte Fenster und Türen und altes Fachwerk.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied100 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortDie Solekurstadt Belzig liegt im Naturpark Hoher Fläming an der Deutschen Alleenstraße und ist die Kreisstadt des brandenburgischen Landkreises Potsdam-Mittelmark (PM).
AusgangspunktWer mit der Bahn anreist, findet vor dem Bahnhof Belzig die Wanderwegeschilder - Links geht es in fünf Minuten hinauf zur Burg Eisenhardt.
TourencharakterVon der Burgstadt Belzig, dem »Tor zum Fläming«, führt diese Wald- und Aussichtswanderung auf den Hagelberg, die höchste Erhebung des norddeutschen Tieflands. Auch der Europäische Fernwanderweg 11 führt auf diesen aussichtsreichen Berg - Ihm folgen wir durch die abwechslungsreiche Waldlandschaft von »Klein Thüringen« zurück nach Belzig, das eine hübsche Altstadt hat. Der Naturpark Hoher Fläming umfasst 827 qkm der höchsten Partie des Flämings, eines glazial überformten Höhenrückens, der im Hagelberg mit 201m die höchste Erhebung des Norddeutschen Tieflands markiert. Alte Buchenwälder und sagenumwobene Findlinge, stille Bachtäler zwischen Wiesen und sanften Hügeln, »Rummeln« genannte eiszeitliche Trockentäler, heckengesäumte Wege und winzige Dörfer mit Feldsteinkirchen sowie der Landschaftspark Wiesenburg und das Burgendreieck Rabenstein – Wiesenburg – Belzig prägen den im äußersten Südwesten Brandenburgs gelegenen Naturpark. Benannt ist der Fläming nach flandrischen Siedlern, die sich in der Zeit der deutschen Ostkolonisation im 12. Jh. hier niederließen.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1 - 50 000 Ausgabe mit Wanderwegen, Blatt Hoher Fläming (Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg), oder Kompass Wander- und Radtourenkarte 1:50 000, Blatt 747 Fläming.
VerkehrsanbindungRegionalbahnlinie Berlin/Potsdam – Dessau bzw. Brandenburg – Belzig. Mit dem Auto A 9 Dessau – Berlin, Ausfahrt Niemegk und auf der B 102 weiter nach Belzig.
GastronomieBelzig.
Tipps
Rabenstein Die zweite der Fläming-Burgen trutzt wenige Kilometer südlich von Belzig - Die aus Granitquadern und Feldsteinen errichtete Burg Rabenstein auf dem 153 m hohen Steilen Hagen wurde im Auftrag der Belziger Grafen als Vorburg an der Straße nach Wittenberg erbaut und wird 1251 erstmals erwähnt. Sie besteht aus Vor- und Hauptburg mit mächtigem Bergfried, Torhaus (18. Jh.) und Kapelle (1717) und sah kriegerische Gäste wie den schwedischen König Gustaf II. Adolf (1631) ebenso wie Zar Peter den Großen (1712) und den schwedischen Kronprinzen Bernadotte und nachmaligen König Carl Johan, der hier während der Befreiungskriege gegen Napoleon sein Hauptquartier hatte (1813). Seit 1956 wird sie als Jugendherberge genutzt und ist alljährlich an Ostern Schauplatz von Ritterspielen. Der 28 m hohe Bergfried kann erstiegen werden und bietet ein erstklassiges Panorama. Die Burg erhebt sich im 35 ha großen Naturschutzgebiet »Rabenstein« mit einer fast mittelgebirgsartigen Reliefausbildung und schönem Traubeneichen-Buchenwald. In Raben am Fuß des Rabensteiner Burgbergs ist in der Alten Brennerei das Naturparkzentrum Hoher Fläming untergebracht. . Im 18. Jh. wurde hier noch Schnaps gebrannt, daher der Name Alte Brennerei.
Tourismusbüro
Tourist-Information Belzig, Straße der Einheit 5, 14806 Belzig, www.belzig.com

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