Großglockner, 3797 m

Dieser scharf geschnittene, aus hartem Chloritschiefer und Grünstein aufgebaute Felsgipfel versammelt Superlative auf sich. Er steht an topografischer Prominenz auf Platz 2 in den gesamten Alpen und übertrifft damit an Selbstständigkeit sogar Piz Bernina, Monte Rosa und Finsteraarhorn. Er ist der höchste Berg der Hohen Tauern, Tirols und Kärntens, Österreichs und der gesamten Ostalpen östlich des Ortlers. Er holt mit der Pasterze – auch in der geschrumpften Fassung – den Titel des längsten Gletschers der Ostalpen. Und er bietet neben dem landschaftlich großartigen, einigermaßen gezähmten Normalweg auf seinen Graten und Wänden eine breite Auswahl grandioser, sehr anspruchsvoller Routen. Wie eindrucksvoll die Pasterze noch im 19. Jh. gewesen sein muss, lässt sich an der Tatsache erkennen, dass man zur Zeit der Errichtung des Glocknerhauses (1876) den Gletscher noch auf gleicher Höhe – dort wo heute viel tiefer der Stausee Margaritze liegt – überqueren konnte, um zur Stockerscharte zu gelangen. (Autor: Richard Goedeke)
Hüttenzustieg.
Vom Lucknerhaus im Ködnitztal hinauf zur Lucknerhütte und weiter zur Stüdlhütte.
Den Steig hinauf zum Teischnitzkees, rechts (O) über die Scharte (»Schere«, 3087 m) und hinab auf das Ködnitzkees. Auf diesem zuerst nordwärts parallel zum Felsgrat, dann in einem weiten Bogen nach Osten (Spalten!) in die Firnmulde südöstlich der Felsmasse des Großglockners. Über die Randkluft auf den Felssporn rechts (O) der Mulde und den Drahtseilen folgend hinauf zur Erzherzog-Johann-Hütte.
Alternativer Aufstieg über die Hohenwartscharte.
(Fast gletscherfrei und bei schlechter Sicht besser zu finden.) Zur Adlersruhe auch entweder vom altehrwürdigen Glocknerhaus (2132 m, an der Glockner-Hochalpenstraße unterhalb der Franz-Josefs-Höhe, ÖAV Klagenfurt, bew. Mai–Okt., 88 Schlafplätze, Tel. 0043/4824/24666) südwärts hinab, über die Staumauern des Margaritze-Stausees und dann den Steig hinauf (oder von der Pasterze unterhalb der Franz-Josefs-Höhe über den AV-Gletscher-Lehrpfad und dann südostwärts ansteigend) bis in die Nordseite des Mittleren Leiterkopfes. Nun auf dem Wiener Höhenweg (anfangs teils Drahtseile) zum Grat beim P. 2465 oberhalb der Stockerscharte. Hier gelangt man auf die Südseite des Mittleren Leiterkopfes (Drahtseile) und folgt nun dem Steig in westlicher Richtung die Südhänge des Schwertkopfes und Schwerteck querend zur Salmhütte (2638 m, ÖAV Wien, bew. Anf. Juli–Sept., 50 Schlafplätze, Tel. 0043/4824/ 20 89, auch direkt von Heiligenblut in 5 Std. durch das Leitertal zu erreichen). Nun in nordnordöstlicher Richtung auf dem traditionellen Steig der frühen Glocknerbesteigungen durch Moränengelände hinauf, oben über das Hohenwartkees und mit etwas Kletterei (I, Drahtseile) zur Hohenwartscharte (3183 m). Jenseits kurz über Firn hinauf, nach W die Firnmulde unter dem Hohwartkopf durchqueren und über den felsigen Rücken (Salmkamp) zur Erzherzog-Johann-Hütte (»Adlersruhe«, 3454 m, 120 Lager, Tel. 0043/4876/82 72).
Gipfelaufstieg.
Entlang dem Felsrücken zum steilen Firnhang des Glocknerleitls (oft Blankeis, unfallträchtig, besonders bei heiklen Überholmanövern!). Über diesen und das ausgeaperte Schlusswandl (Bohrhaken) auf eine Felsschulter des Ostgrates. Daran in grobgriffiger Kletterei (Eisenstangen zur Sicherung) über zwei heikel tief ausgeaperten Scharten der Schneide des Kleinglockners (3770 m). Von diesem steil hinab (Drahtseil) in die schmale, luftige obere Glocknerscharte (rechts Tiefblick in die Pallavicinirinne!) und jenseits zuerst 20 m steil in Kletterei (II) hinauf zum Gipfel.

Hochtour
3000er Gipfeltour

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied1810 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktLucknerhaus
EndpunktGroßglockner
TourencharakterDie erste Besteigung des Großglockners gelang M. Klotz, S. Klotz (dem »Hoysensepp«), dem Pfarrer Mathias Hautzendorfer und zwei Zimmerleuten am 28. Juli 1800 mit Zustieg über die Hohenwartscharte. Das erste trigonometrische Gipfelsignal wurde 1854 aufgestellt, die ersten Versicherungen an der oberen Glocknerscharte wurden 1869 angebracht. Ein alpiner Meilenstein war die erste Durchsteigung der 600 m hohen, bis über 55° steilen und steinschlaggefährdeten Pallavicinirinne zur oberen Glocknerscharte durch den Markgrafen A. Pallavicini mit den Führern J. Tribusser, G. Bäuerle und J. Kramser am 18. August 1876, bei der der voraussteigende Tribusser entsprechend dem damaligen Stand der alpinen Technik 2500 Stufen ins Eis schlagen musste, bevor er völlig erschöpft in die Randfelsen der Rinne auswich und die Partie über diese den Gipfel erreichte. Der zu Ehren von Johann Stüdl (Mitbegründer des Alpenvereins) benannte lange und luftige Südgrat wurde 1864 durch J. Kerer und P. Kroder erstmals überklettert, der gewaltige Nordwestgrat 1879 durch G. Gröger mit dem Führer Christian Ranggetiner. Die erste Durchsteigung der sehr schwierigen kombinierten Nordwand gelang am 19. September 1926 dem später im Himalaja bei einem der ersten Besteigungsversuche am Nanga Parbat gestorbenen Willo Welzenbach und Karl Wien. Die 1880 erbaute und 1930 erweiterte Erzherzog-Johann-Hütte auf der Adlersruhe am Südostgrat ist die höchstgelegene Hütte der Ostalpen (3454 m).
Hinweise
Siehe Tour 127 in Karte.
KartentippAV-Karte 1 - 25000, Blatt 40 Großglocknergruppe.
VerkehrsanbindungBahn bis Zell am See oder Lienz. Ab dort Busverkehr. Von Matrei in Osttirol nach Kals (1325 m) und auf der »Kalser Glocknerstraße« (Maut!) zum Lucknerhaus (1918 m, priv., bew. Mai–Okt., 52 Schlafplätze, Tel. 0043/4876/8555). Für die Großglocknerstraße (herzhafte Maut!) mit der Anfahrt zur Franz-Josefs-Höhe sind im Norden Krössenbach (südlich von Zell am See) und im Süden Heiligenblut im Mölltal (nördlich von Lienz) die Ausgangspunkte.
GastronomieLucknerhütte (2241 m, privat, 44 Schlafplätze, Tel. 0043/4876/8455). Stüdlhütte (2802 m, DAV Oberland, 104 Schlafplätze, Winterraum 24, bew. Ende Juni–Anf. Okt., Tel. 0043/4876/ 8209). Erzherzog-Johann-Hütte (=»Adlersruhe«; 3451 m, 130 Schlafplätze, bew. Juni–Sept., Winterraum 30 L, Tel. 0043/4876/8500).
Tipps
Aussicht. Grandios nach allen Seiten!
Informationen
Schwierigkeit. Insgesamt PD+ (wenig schwierig), bis 45°. Die starke Ausaperung hat den Grat felsiger und die Kletterei länger gemacht. Mühen: Hüttenzustieg 900+650 mH (3+3 Std.), über Salmhütte 650+800 mH (3+31/2 Std.), Gipfelaufstieg 370 mH (11/2–2 Std.). Gefahren: Ein hochalpiner Anstieg, der allemal Eisausrüstung voraussetzt und bei gutem Wetter mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Stress durch Staus beschert. Verschärft wird dies dadurch, dass die Attraktivität dieses Zieles – ebenso wie am Matterhorn – auch viele Menschen anlockt, die der Tour eigentlich nicht gewachsen sind und dann rasch spannende Situationen erzeugen. Die Eisenstangen und die Nähe zur Adlersruhe mildern zwar die Ernsthaftigkeit dieses Aufstieges bis nahe an die Viertausendmeter-Grenze, sollten aber nicht leichtsinnig machen. Bei Schlechtwetter ist der Gipfel ein unwirtlicher Ort. Freuden: Der Aufstieg auf den wahren Herrscher über alle Bergwelten. Karte: End, AVF Glocknergruppe, Bergverlag Rother, München.
Höchster Punkt
Großglockner, 3797 m
Unterkunft
Lucknerhütte (2241 m, privat, 44 Schlafplätze, Tel. 0043/4876/8455). Stüdlhütte (2802 m, DAV Oberland, 104 Schlafplätze, Winterraum 24, bew. Ende Juni–Anf. Okt., Tel. 0043/4876/ 8209). Erzherzog-Johann-Hütte (=»Adlersruhe«; 3451 m, 130 Schlafplätze, bew. Juni–Sept., Winterraum 30 L, Tel. 0043/4876/8500).
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