Grimselpass, 2165 m

Passwanderung weitgehend abseits der Straße, teilweise auf dem historischen Saumpfad. Sie vermittelt neben schönen Hochgebirgsbildern auch Einblick in die Geschichte des Oberhasli und der Grimselroute. Verschiedene Teilbegehungen möglich. (Autor: Eugen E. Hüsler)
16 km
1110 m
4.00 h
In Guttannen (1057 m) überquert man zunächst die Aare zum Ortsteil Sunnsyten (= Sonnseite), dann geht's auf Fahrwegen sanft ansteigend taleinwärts. Links mündet die Rotlaui, einer der vielen Lawinenstriche rund um Guttannen (laui = Lawine). Hinter der Tschingelbrigg (1137 m) stößt man wieder auf die Passstraße. Die markierte Wanderroute verläuft nun mehr oder weniger parallel zum Asphaltband, das am »Staibenden« in einem Tunnel verschwindet. Wenig weiter liegt links die Kraftwerkszentrale Handegg; der Fußweg kürzt die große Straßenschleife ab und steigt an dem bewaldeten Hang steil an zum Hotel Handegg (1401 m; 1:30 Std.).
Lohnender Abstecher zum Handeggfall (Hängebrücke). Quer durch das Blockfeld der Handegglauenen führt der Saumpfad abseits der Straße weiter zum »Säumerstein«, wo früher Rast gemacht wurde (Grillplatz), dann über die aus dem Granit gehauenen Stufen der »Hälen Platten« in die Talweitung von Chüenzentennlen. Hier überquert man die Aare zweimal auf den historischen Bögli-Brücken; dann steigt der Pfad an zum Räterichsbodensee (1767 m). An seinem Westufer geht's weiter zum oberen Seeende, wo die beiden Betonsperren des Grimselsees (1909 m) ins Blickfeld kommen. Die Markierungen leiten bergan zur Passstraße; man verlässt sie aber in der Linkskehre gleich wieder und steigt auf zur Krone der Seeufereggmauer (1912 m). Auf dem Granitbuckel des Spittelnollen thront das Grimsel-Hospiz (3:45 Std.). Von der großen Terrasse dahinter bietet sich ein stimmungsvoller Blick über den Stausee.
Die Grimselstraße steigt in vier weiten Schleifen vom Stausee zur Wasserscheide hinauf; Wanderer folgen ihr bis zur ersten Kehre (1968 m), biegen dann wieder in den alten Saumpfad ein, der in kurzem Zickzack über den felsdurchsetzten Hang ebenfalls den Grimselpass (2165 m; 4:30 Std.) ansteuert. Knapp jenseits der Scheitelhöhe liegt der Totensee (2162 m) zwischen Grasflecken und vom Eis rundgeschliffenen Felsbuckeln. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Gewässer zu umrunden: Von der Anhöhe über dem Südufer hat man freie Sicht auf die (stark geschwundene) Zunge des Rhonegletschers.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied1110 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGuttannen (1057 m) im Haslital.
EndpunktGrimselpass (2165 m).
TourencharakterDie Grimsellandschaft wird in ganz besonderem Maß von der Wasserkraft geprägt: Das Eis hat Bergflanken abgehobelt und die Talmulden geformt, es befördert tonnenweise Geröll ins Gletschervorfeld. Hier übernimmt das Wasser den Weitertransport, talwärts und schließlich hinaus zum Brienzer See, wo es dafür sorgt, das dessen Volumen Jahr für Jahr ein bisschen kleiner wird. Und dann die großen Stauseen am Oberlauf der Aare und ihrer Quellbäche! Sie sind aus dem großartigen alpinen Ensemble nicht mehr wegzudenken, vor allem natürlich der fast sechs Kilometer lange Alpenfjord des Grimselsees (1909 m). Die verzweigten Kraftwerksanlagen wurden hier in mehreren Etappen realisiert; Baubeginn war 1925. Das umstrittene Projekt Grimsel-West dürfte allerdings nicht mehr verwirklicht werden.
Lange vor den Kraftwerksbauern waren die Wegbauer da. Obwohl bereits in gallorömischer Zeit benützt, erlangte die Route erst im Spätmittelalter einige Bedeutung. 1397 schlossen die Anrainer einen Vertrag über Bau und Unterhalt eines durchgehenden Saumpfades vom Brienzer See via Grimsel und Griespass bis ins Pomat (heute: Val Formazza). Eine echte Konkurrenz zum Gotthard bildete diese Strecke allerdings nie. Teile des historischen Grimselweges sind noch erhalten; der Abschnitt von Innertkirchen bis Guttannen wurde fast durchgehend wiederhergestellt.
Berühmt ist das Oberhasli auch für seinen Kristallreichtum. Eines der größten Vorkommen wurde 1974 beim Kraftwerksbau an der Gerstenegg entdeckt. Die über 20 Meter lange Kluft liegt tief im Berginnern und dürfte etwa 16 Millionen Jahre alt sein. Infotafeln am »Grims-Kristallweg« vermitteln allerhand Wissenswertes zu diesem Thema. So erfährt man beispielsweise, dass in der Schweiz Mineraliensucher als »Strahler« bezeichnet werden, dass früher viele Bergkristalle exportiert wurden, vor allem nach Italien.
Hinweise
Schönster Aussichtspunkt über der Stausee-Landschaft Grimsel ist das Sidelhorn (2764 m); markierter Anstieg vom Grimselpass knapp 2 Std. Neben dem Tiefblick auf den Grimselsee fasziniert vor allem die Schau auf die schroffen Viertausender der Berner Alpen.
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000, Blätter 255T »Sustenpass« und 265T »Nufenenpass« mit Wanderwegeaufdruck; Kompass 1:50 000, Blatt 108 »Gotthard – Grimsel«.
MarkierungenGelb, weiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger.
VerkehrsanbindungDie Grimselstraße verbindet das Haslital mit dem Oberwallis (Goms); Meiringen – Grimselpass – Gletsch 38 km. Über den Pass fährt im Sommer ein Linienbus.
GastronomieGasthöfe und Hotels in Guttannen, Handegg, Grimsel-Hospiz und Grimselpass.
Tipps
Die KWO (Kraftwerke Oberhasli) bieten Führungen ihrer Kraftwerksanlagen und der Kristallkluft an der Gerstenegg an. Juni bis Oktober jeweils Sonntag bis Mittwoch, Juli/August täglich ab KWO Innertkirchen. Voranmeldung unerlässlich; Tel. 033/982 20 11.
Informationen
Kleine Variante: »Grims-Kristallweg« von Handegg zum Grimsel-Hospiz; 2 1/2 Std.
Tourismusbüro
Touristinformation, Bahnhofstraße 22, CH-3860 Meiringen, Tel +41/033/972 5050, info@haslital.ch, www.alpenregion.ch

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