Greifensteine

Zu den berühmtesten Felsen des Erzgebirges Wald- und Aussichtswanderung auf meist bequemen Wegen und Pfaden. (Autor: Bernhard Pollmann)
13 km
200 m
4.00 h
Spuren des Bergbaus Vom Altmarkt in Geyer mit der Postmeilensäule von 1730 folgen wir kurz der Ehrenfriedersdorfer Straße Richtung Ehrenfriedersdorf, bis der mit dem Zeichen »Rotstrich« markierte Bergwanderweg Eisenach–Budapest links Richtung Greifensteine abzweigt. Wenig später wechselt der Bergwanderweg rechts hinauf in den Hang des Schlegelbergs, führt an den Skisprunganlagen vorbei und durch Skipisten hinab in das Greifenbachtal und leitet talaufwärts zum Greifensteinstolln. Der Greifensteinstolln zeugt von der bergmännischen Tätigkeit der Jahre 1979–90. Im noch zu befahrenden Teil der Anlage werden verschiedene Ausbauarten zu Schauzwecken demonstriert. Vor dem Stollen laden Sitzgruppen an einem künstlichen Wasserfall zur Rast, während der Blick zum Fichtelberg und zum Keilberg schweift. Beim Greifensteinstolln zweigt am so genannten Teiler der Röhrgraben vom Greifenbach ab. Mitte des 14. Jh. angelegt, ist er der älteste noch in Betrieb befindliche Kunstgraben des Erzgebirges und einer der ältesten in Deutschland. Auf einer Länge von 4,9km wird sein Wasser den Ehrenfriedersdorfer Bergwerken auf dem Sauberg zugeleitet. Das Gefälle beträgt lediglich 23,5m. In schöner Waldwanderung geht es weiter talaufwärts zum Greifenbachstauweiher. Der 23 ha große Weiher (627m), auch Dammteich oder Geyerscher Teich genannt, ist die älteste Talsperre des Erzgebirges und ein bedeutendes Naherholungsgebiet mit Liegewiesen, Bade-, Surf- und Rudermöglichkeiten, Wasserrutsche, Spielplatz und Einkehrmöglichkeiten sowie einem Campingplatz. Errichtet wurde er um 1350, sein Wasser wurde durch den Röhrgraben den Gruben auf dem Sauberg bei Ehrenfriedersdorf zugeleitet. Vom Teich führt der Bergwanderweg hinauf zum Berggasthof, dem Museum und der Naturbühne an den Greifensteinen. Besucherbergwerk am Sauberg Von den Greifensteinen leitet der Bergwanderweg im Wald an der Stülpnerhöhle vorbei. Sie verdankt ihre Entstehung genauso wie ihre Schwester, die Ritterhöhle, dem Bergbau auf Zinn. Als Abbaumethode wurde die des Feuersetzens angewandt. Die Namensgebung für die Höhlen stammt aus der Zeit des zunehmenden Tourismus in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Karl Stülpner soll der Sage nach die Höhle in seiner Wildschützenzeit als Versteck genutzt haben. Von der Stülpnerhöhle senkt sich der Bergwanderweg via Steinbüschel hinab nach Ehrenfriedersdorf, wo sich am Sauberg das Besucherbergwerk befindet. Von Ehrenfriedersdorf folgen wir dem Bergbau- und Naturlehrpfad (Markierung »Grüner Diagonalstrich«) Richtung Geyer (alternativ folgt der Grünstrich-Weg dem Röhrgraben). Wir gelangen in der Nähe der ehemaligen Schmalspurbahnbrücke über das Greifenbachtal zum 1545 erstmals erwähnten Reicher-Silber-Trost-Stolln; an Weihnachten 1769 starben hier sechs Bergleute durch das Einatmen giftiger Gase infolge der Abbaumethode des »Feuersetzens«. Nun gehen wir im Greifenbachtal kurz talaufwärts, sehen an der nächsten Verzweigung die Rotstrich-Markierung des bekannten Bergwanderwegs und folgen ihm links zurück nach Geyer. Dort kann man abschließend die Binge besichtigen. Die Geyersche Binge, ein 50m tiefes Bergbaueinsturzgebiet von 250m Breite und 200m Länge im Granit des Geyersbergs, ist das Wahrzeichen der Stadt Geyer. Für die Gewinnung eines Zentners Zinn mussten am Geyersberg zehn Kubikmeter Gestein abgebaut werden. 1704 erfolgte der erste Zusammensturz von Hohlräumen, am 11. Mai 1803 kam es zum großen Bingebruch. Ab 1851 wurde die Binge als Steinbruch genutzt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied200 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortDie Berg- und Bingestadt Geyer ist Erholungs- und Wintersportort im Naturpark Erzgebirge-Vogtland.
AusgangspunktAltmarkt (610m) in der Ortsmitte von Geyer.
TourencharakterDie Greifensteine oberhalb von Geyer und Ehrenfriedersdorf zählen zu den berühmtesten Felsformationen des Erzgebirges. Der aus dem Greifensteinplateau mehr als 30m aufragende, höchste dieser Granitstöcke (732m) ist durch eine Stufenanlage begehbar und gewährt eine einzigartige Aussicht auf das Erzgebirge und weit nach Böhmen hinein. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jh. schlugen die bizarren Felsen, die im Mittelalter eine Befestigungsanlage trugen, Ausflügler in ihren Bann. 1846 wurden erste Freilichtaufführungen vor der Kulisse der wollsackverwitterten Felsen veranstaltet, doch erst 1923, als bereits sechs der ursprünglich 13 Felsmassive durch einen Steinbruch vernichtet worden waren, konnten Naturfreunde den weiteren Abbau und die Unterschutzstellung erreichen. Seit 1931 finden in der Naturbühne regelmäßig Theateraufführungen statt. Eine schöne Wald- und Aussichtswanderung, teilweise begleitet von den Informationstafeln eines bergbauhistorischen Lehrpfads, bringt uns zu diesen Felstürmen.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1 - 50 000 mit Wanderwegen, Blatt L 5342 Stollberg (Landesvermessungsamt Sachsen).
VerkehrsanbindungB 95 Chemnitz – Ehrenfriedersdorf – Annaberg-Buchholz und kurz hinter Ehrenfriedersdorf abzweigen nach Geyer.
GastronomieGeyer, Greifenbachstauweiher, Greifensteine, Steinbüschel, Ehrenfriedersdorf.
Tipps
Stülpner – Robin Hood des Erzgebirges Der Wilderer und Abenteurer Karl Stülpner (1762–1841) aus Scharfenstein im Zschopautal gilt als »Robin Hood des Erzgebirges«. Im Museum von Burg Scharfenstein ist ihm eine eigene Ausstellung gewidmet, sein Name begegnet vielfach auf Wanderungen. Als Anführer einer Bande von Wildschützen durchstreifte er ab den 1780er- Jahren die sächsischen und böhmischen Wälder, bestrafte eigenmächtig angebliche Diebe und Räuber und drangsalierte anmaßende Forstbeamte, was ihm Sympathien unter den einfacheren Schichten der Bevölkerung eintrug. Im Jahr 1800 gab er das Wildererdasein auf und schloss sich in Chemnitz dem Militär an, 1813 kehrte er heim nach Scharfenstein und wilderte nur noch in der Nachbarschaft - Als 74-Jähriger wurde er ohne die Einwilligung der Auserwählten letztmals Vater. Einige behaupteten, Stülpner habe immer auf Kosten anderer gelebt, die Führer des Proletariats stilisierten ihn zum vorbildhaften »Volkshelden«.
Tourismusbüro
Fremdenverkehrsamt Geyer, Altmarkt 1, 09468 Geyer, www.stadt-geyer.de

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