Grand Dru, 3754 m

Eleganter Doppelgipfel aus bestem Granit, mit jähen Platten und Verschneidungen, griffarmen Rissen, kompakten Überhängen, und in einer Höhenlage, wo die dünne Luft schon schnaufen lässt und wo Wetterstürze mit Sturm, Hagel, Gewitter, Eisglasuren und Lawinen im Nu alle Höllen der Welt entfesseln können. Dies ist einer der legendenumwobenen Symbolberge der Alpen. Hier wurde mehrfach Alpingeschichte geschrieben. Und mit der Wiederholung von solchen großen klassischen Routen lässt sich – wenn wir davon wissen – auch heute etwas davon nacherleben. (Autor: Richard Goedeke)
Auf dem zerrissenen Gletscher aufsteigen, bis man links eine Felszunge am Fuß des steilen Südpfeilers erreichen kann. Auf geneigten Platten und Bändern queren und im linken (westlichen) von zwei geneigten plattigen Couloirs hinauf zur Scharte zwischen den vorgelagerten Fiammes de Pierre und dem Berg (2 Std., Biwakplätze). Am Grat um den schroffen P. 3361 (über eine Scharte seines SO-Grates und danach absteigend) herum und an weiterem Grat zur Schulter. 30 m nach rechts (O) queren, in Kaminrinne hinauf und gestuft zu einem tiefen Kamin mit Klemmblöcken. Darin ruppig hinauf (IV) zu Band. Dieses nach rechts zu Felscouloir. Darin ganz hinauf zu Absatz (hier verliert sich der SW-Grat). Durch zwei senkrechte Kamine von je 60 m zu ebener Plattform. Gerade über hohen Block mit Haken und weitere Blöcke zu steiler Plattenwand. Risse und Verschneidungen nach links hinauf (IV) zu Band. Dieses links zu Couloir, das nach Norden abbricht. Hier beginnen zwei Kamine. Im linken (IV) hinauf und über Schutt zurück zur Südseite. Zwei Stufen gerade, eine dritte nach rechts (Haken) erklettern. Dann rechts zu Couloir. Darin zum Gipfel des Petit Dru (3733 m).
Leicht, aber luftig hinab zur Scharte (3697 m) vor dem Grand Dru. Nun das »Z« - einen 6 m hohen Risskamin hinauf. Schräg rechts über zwei meterhohe Stufen zu 30 cm breitem Band. Dieses 10 m nach rechts. 2 m vor engem Riss über 3 m hohe Platte, dann schrägen Riss nach links und an einem horizontalen Riss links zur Gratkante (25 m oberhalb der Scharte). Senkrecht (IV) zu gutem Stand bei Block. An Rissen und Rillen (IV) 9 m schräg rechts bis unter auffallenden großen Überhang. Darunter durch kriechend (IV) nach links zur Gratkante (Ende des »Z«). Links der Kante zu Stand in der Nordwand. Senkrechte Risse und gebogenen Kamin (IV) zu Plattform mit Abseilstelle. Grat zum Gipfel des Grand Dru (3754 m).
Abstieg.
Am Ostgrat des Grand Dru hinab, bis er steil in Richtung Col du Dru abbricht. Nun in der Südostseite steil absteigen zum 30-m-Kamin. Diesen und die folgenden Kamine hinab abseilen. Vom Band in das steile Felscouloir abseilen. Der Firn oberhalb des Bergschrundes wird gleichfalls durch Abseilen über große Platten erreicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied2100 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMontenvers
EndpunktGrand Dru
TourencharakterDer faszinierende Felsbau der Drus – mit Grand Dru und Petit Dru – ragt in dem riesigen, von der Aiguille Verte nach Südwesten ziehenden und bizarr zerhackten Gratkamm auf, hoch über dem Mer de Glace. Dass er keine höhere Prominenz besitzt, wird durch die Schwierigkeit und Wildheit des Verbindungsgrates zur Verte und der Umgebung voll kompensiert. An dem lange als unnahbar eingeschätzten Berg unternahm C. H. Dent im Laufe von fünf Jahren nicht weniger als 17 vergebliche Versuche, ehe er zusammen mit J. W. Hartley mit dem meisterlichen Führer Alexander Burgener und K. Maurer am 12. September 1878 erfolgreich auf dem Gipfel des Grand Dru stand. Die erste Besteigung des noch schwierigeren Petit Dru gelang den Bergführern J. E. Charlet-Straton, P. Payot und F. Follignet am 29. August 1879, die erste Überschreitung vom Petit Dru zum Grand Dru erst 1903 E. Fontaine mit J. und J. Ravanel. Als eine der großen klassischen Extremrouten wurde die Nordwand dann am 1. August 1935 durch Pierre Allain und R. Leininger erstmals durchstiegen. Nachdem André Contamine und M. Bastien am 30. Juni 1952 in einem Tage in bestem klassischen Stil mit nur wenigen Hilfsmitteln den Südpfeiler eröffnet hatten, gelang L. Bernardini, A. Dagory, M. Laine und dem Spiritus Rector Guido Magnone im Juli 1952 die erste Begehung der 1100 m hohen Westwand – nach wochenlanger Belagerung mit bis dahin unbekanntem Materialaufwand. Dagegen gelang dem Italiener Walter Bonatti die erste Begehung des 800 m hohen Südwestpfeilers vom 17.–21. August 1955 als eine der unglaublichsten alpinen Taten in einem Zug und im Alleingang.
Die starke Ausaperung hat inzwischen die Situation an den Drus deutlich verändert. Der ursprünglich als AD bewertete Normalweg auf den Grand Dru ist durch den Gletscherrückgang deutlich schwieriger geworden, sodass inzwischen die Durchsteigung der Südwestseite des Petit Dru (D) und die Überschreitung zum Grand Dru (D) mit anschließendem Abseilen über den alten Normalweg zur Normalroute geworden ist.
Eine noch eindrücklichere Veränderung erfuhr der Berg 1997 durch einen riesigen Bergsturz in der Westwand, der die alte Westwandroute und den Bonattipfeiler erst einmal ungenießbar machte.
Hinweise
Siehe Tour 60 in Karte.
Kartentippign-Karte 1 - 25000, Blatt 3630 Ouest Chamonix – Mont Blanc
VerkehrsanbindungMit Bahn und Bus oder Auto nach Chamonix (1040 m). Altehrwürdige Zahnradbahn nach Montenvers (1900 m)
Tipps
Aussicht. Mit den Nahblicken auf die Zackengrate der Aiguille Verte und ihre eisigen Flanken einer der bizarrsten Orte der gesamten Alpen. Wenn man in die Ferne schaut, dann bieten der eisige Mont Blanc und die Felszacken der Aiguilles de Chamonix ein Bild wilder Kontraste.
Informationen
Schwierigkeit. Insgesamt D (sehr schwierig), mit zahlreichen ruppigen Kletterstellen IV+ und IV. Eingebettet in jede Menge gleichfalls ernsthaftes Gelände III und II und wegen der Höhe allemal für Überraschungen aller Art gut. Mühen: Hüttenaufstieg 1000 mH (3 Std.), Gipfelaufstieg 1100 mH (9 Std.) Gefahren: Alle hochalpinen. Eine Route, die unbedingt apere Verhältnisse und sicheres Wetter verlangt. Helm! Unbedingt Doppelseil benutzen, weil beim Abstieg oder Rückzug nur mit Doppelseil Chance auf genügend Aktionsradius für sicheres Abseilen besteht. Freuden: Wohl zusammen mit dem auf die Meije der schwierigste Normalweg auf einen der wesentlichen Dreitausender der Alpen. Und eine der großen klassischen Routen der Alpen überhaupt. Wer vor der Besteigung alpine Literatur dazu studiert, hat mehr davon! Spezialführer: Eberlein, GF Mont-Blanc-Gruppe, Bergverlag Rother; Devies et Henry, Guide Vallot, La Chaîne du Mont Blanc III, Arthaud
Höchster Punkt
Grand Dru, 3754 m
Unterkunft
Refuge de la Charpoua (2841 m; 12 L, Juni–Sept.).

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