Gotzenalm

Zwischen Hochplateau und Felsabsturz (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
17 km
1080 m
6.00 h

Stützpunkt für Streckentouren

Die Hochfläche rund um die Gotzenalm stellt eine gewaltige Tafellandschaft dar, die nach Süden und Westen mit Steilwänden jäh abbricht. Die umliegenden Wälder bieten ideale Schlupfwinkel für das Gamswild, das sich am ehesten in der Dämmerung blicken lässt. Besonders viele Übernachtungsgäste zählt die Gotzenalm in der Regel dennoch nicht, wohl weil es in der näheren Umgebung an klassischen Berggipfeln mangelt. Dabei ist die Hütte gerade für Streckenwanderer vom Hagengebirge zum Steinernen Meer oder umgekehrt ein wichtiger Stützpunkt. Selbst der stolze Hochkönig, der die Gotzenalm aus der Ferne grüßt, ist in einem langen Tagesmarsch erreichbar.

Viele Aufstiegsmöglichkeiten

Die Gotzenalm als Tagestour lohnt sich am ehesten in Kombination mit einer Rundtour durch das Hagengebirge oder mit einer Schifffahrt auf dem Königssee. Das Schiff legt an den Stationen Kessel und Saletalm an, von denen jeweils steile Wege zur Gotzenalm führen. Noch reizvoller als der in langen Kehren angelegte Anstieg von Kessel über die Gotzentalalm ist der Anmarsch von der Saletalm auf dem in den 1930er-Jahren angelegten Reitweg. Auf diese Weise nähert man sich der Gotzenalm von Süden an und kann dann im Abstieg den Weg 493 auf dem Fahrweg und zuletzt auf schönem Steig bequem zur Talstation der Jennerbahn wandern.

Eine alpine Variante

Alternativ zum Fahrweg kann man den Unteren Hirschenlauf nehmen. Hierfür zweigt man nach der ersten Steilstufe an der verfallenen Seeaualm nach rechts ab und quert über dem so genannten Abwärtsgraben erst ab-, dann aufsteigend zur Priesbergalm. Viele lassen sich durch das Schild »Nur für Geübte« abhalten, doch ist der Weg so gut angelegt, dass man nicht einmal seine Hände zu Hilfe nehmen muss. Nur wer schwindelanfällig ist, sollte diese Route angesichts der Tiefblicke in die Schlucht meiden. Über die bewirtschaftete Königsbachalm gelangt man schließlich wahlweise zur Jennerbahn-Mittelstation oder auf den Fahrweg zurück.

Bergauf mit der Bahn

Wer die Jennerbahn als Aufstiegshilfe nutzt, kann sich auch den einen oder anderen Gipfel des Hagengebirges vornehmen und dann über die Gotzenalm absteigen. Zur Wahl stehen Schneibstein (2277 m), Windschartenkopf (2213 m) und Kahlersberg (2350 m), die allesamt eine grandiose Aussicht bieten. Das Gebirge ist nicht sehr erschlossen, viele Gipfel sind weglos geblieben. Manchmal könnte man sich geradezu in das 14. Jahrhundert zurückversetzt fühlen, als die ersten Hirten die üppigen Weiden rund um die Gotzenalm besetzten und Jäger des Erzbistums Salzburg auf die Pirsch gingen.

Herausforderung für Biker

Viele Wanderer fahren auch mit der Jennerbahn zur Mittelstation oder stellen in Hinterbrand ihr Auto ab, um sich rund 600 Höhenmeter Anstieg zu sparen. Der Hüttenfahrweg, der sich allein von Hinterbrand 12 Kilometer in die Länge zieht, ist jedoch allenfalls in einer Richtung zu empfehlen. Vielmehr ist er eine Herausforderung für couragierte Biker, die sich auch von einer 25-prozentigen Steigung nicht entmutigen lassen. Tatsächlich werden auf den letzten 4 Kilometern von der Gotzentalalm bis zur Gotzenalm 600 Höhenmeter erklommen, in den Steilpassagen hat man schon viele Flüche vernommen. Eine echte Herausforderung also für konditionsstarke Biker. Wer die Tour am Bahnhof von Berchtesgaden beginnt, ist insgesamt 35 Kilometer unterwegs und überwindet rund 1700 Höhenmeter.

Mit dem Rad zu Fuß

Beim Abstieg von der Gotzenalm trauten wir unseren Augen nicht: Wir hatten gerade die sanften Almwiesen verlassen und waren in die schattige Steilflanke marschiert, als wir eine Bikerin mit Satteltaschen beim Abwärtsschieben überholten. In umgekehrter Richtung wäre uns eine derartige Kapitulation ja noch eingegangen, aber schindet man sich den Berg hinauf, um das Rad dann über viele Kilometer abwärts zu schieben, und das über wirklich guten Belag? Erst in der genussvollen Flachpassage zur Königsbachalm hatten sich ihre »Knieschwammerl« wieder gelegt.

Abstecher zum Feuerpalfen

Ob Biker oder Wanderer, Pflicht ist für jeden der Abstecher zum Feuerpalfen. Der Aussichtspunkt ist zu Fuß von der Gotzenalm in gut zehn Minuten zu erreichen und bietet einen gigantischen Tiefblick zum über 1100 Meter tiefer gelegenen Königssee und zur Kirche St. Bartholomä. Nicht zu verachten ist auch der Blick in die 1800 Meter hohe gewaltige Watzmann-Ostwand, um die sich viele Legenden ranken. Noch imposantere Fleckchen hat Bayern kaum zu bieten.

Länge: Von der Jennerbahn-Talstation auf dem Weg 493 (3 1/2 Std.); von der Mittelstation über Priesbergalm und Hirschenlauf (3 1/4 Std.); von Kessel am Königssee über Reitsteig und Gotzentalalm (3 Std.); von der Saletalm (Südende Königssee) auf Weg 492 (3 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1080 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktTalstation der Jennerbahn in Königssee oder Wanderparkplatz in Hinterbrand
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie private Gotzenalm liegt abseits des großen Rummels hoch über dem Königssee. Nachdem die Tageswanderer wegen des langen Abstiegs am späten Nachmittag das Weite gesucht haben, kehrt eine wohltuende Ruhe über dem weitläufigen Almplateau ein. Dann genießen die verbliebenen Hüttengäste gemeinsam mit den Kühen ausgiebig das warme Abendlicht. Vor allem im Sommer dauert es lange, bis die Sonne hinter dem Watzmannkamm verschwindet. Wenn dann auch noch Trompeten- oder Alphornklänge aus der Ferne ertönen, ist das romantische Alpenglück perfekt.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr.14, Berchtesgadener Land – Chiemgauer Alpen, 1:50.000
VerkehrsanbindungMit der Bahn stündlich von München nach Freilassing (Richtung Salzburg), dort Anschluss nach Berchtesgaden; weiter mit dem RVO-Bus Nr. 9541 nach Königssee. Mit dem Auto auf der A 8 Ausfahrt Piding, auf der B 20 über Bad Reichenhall und Berchtesgaden zum Königssee (Parkplatz Jennerbahn) oder wahlweise von Berchtesgaden auf der Vorderbrandstraße nach Hinterbrand.
Tipps
Fahrplan Königssee-Schifffahrt. Besonders reizvoll ist die Wanderung zur Gotzenalm in Kombination mit einer Bootsfahrt auf dem Königssee. Das erste Boot zum so genannten Kessel und zur Saletalm, wo man jeweils den Anstieg zur Gotzenalm beginnen kann, legt im Sommer je nach Saison um 8.00 bzw. 8.30 Uhr ab. Die Einzelfahrt kostet bis zum Kessel 4,80 Euro und bis zur Saletalm 7,50 Euro. Info: Schifffahrt Königssee, 83471 Schönau, Tel.: 08652/96 36 18, Fax: 647 21, koenigssee@bayerische-seenschifffahrt.de, www.bayerische-seenschifffahrt.de
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1685 m. ERBAUT: Unbekannt (OeAV-Sektion Salzburg, in der Stube »1862« eingeritzt). Bewirtschaftet: Von Pfingsten bis Mitte Oktober. Kulinarischer Tipp: Spezielle Knödelgerichte wie Kaspressknödel oder Speckkaspressknödel, wobei der Bergkäse in den Semmelknödel gepresst und anschließend gebraten wird. Hüttenwirt: Rudi Klecker. Telefon: 08652/69 09 00. BETTEN: 4. Lager 79. Materialbeschaffung: Auf der Fahrstraße. Besonderheit: Tiefblick vom nahen Aussichtspunkt auf den Königssee, weiter Panoramablick mit Hochkönig.
Tourismusbüro
Berchtesgaden Tourismus, Königsseer Straße 2, 83471 Berchtesgaden, Tel.: 08652 / 96 70, Fax: 08652/96 74 02, Internet: www.berchtesgadener-land.com

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