Münchner Stadtspaziergänge

Glanzlichter in der Münchner City

Wenn von Höhepunkten im Alpenvorland die Rede ist, gebührt München ein Spitzenplatz. Die Stadt ist vollgepackt mit Attraktionen aller Art, weltbekannten Sehenswürdigkeiten ebenso wie verborgenen und kuriosen Kleinodien. Einige davon berühren wir bei unserem Rundgang, sozusagen als Vorgeschmack auf künftige Stadterkundungen (Autor: Armin Scheider)
4 km
42 m
2.00 h

Ein Bummel durch München

München ist eine umschwärmte Stadt, das belegen auch diverse Titel, die sich um die bayerische Metropole ranken: »Weltstadt mit Herz«, »heimliche Hauptstadt«, »Millionendorf« oder »Stadt der Kunst und Lebensfreude«. Sie alle zielen wohl auf diese einzigartige Mischung von Großstadtflair und behaglicher Atmosphäre, wie sie anderswo nicht mehr zu finden ist. So wundert es nicht, dass Europas größtes Immobilien-Magazin BELLEVUE in seinen Städtetests München mehrfach zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Deutschland gekürt hat.

Im Folgenden wird eine Sammlung von Topzielen in München vorgestellt, und zwar unter dem Blickwinkel »das Schönste, das Älteste, das Größte ...«. Dabei bleibt jedem selbst überlassen, welche Punkte er ansteuern möchte, alle an einem Tag geht jedenfalls nicht! Empfehlenswert ist es bei einem ganztägigen Besuch beispielsweise, sein Programm zweizuteilen: vormittags ein Gang durch die Münchner Altstadt, am Nachmittag Abstecher wahlweise zum Englischen Garten, zum Deutschen Museum oder in den Olympiapark.

Altstadtrundgang durch München

Beginnen wollen wir am Karlstor, einem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Teil der alten Stadtbefestigung. Beim Gang in die Fußgängerzone erreicht man wenig später die Jesuitenkirche St. Michael. Im 16. Jahrhundert errichtet und von imponierender Raumwirkung, ist sie eine der größten deutschen Renaissancekirchen und besitzt zudem ein Tonnengewölbe mit über 20 Metern Spannweite, was nach der Peterskirche in Rom Weltrekord ist! Die Kirche birgt Grabmäler unter anderem von Herzog Wilhelm V., Kurfürst Maximilian I. und König Ludwig II.

Am Jagd- und Fischereimuseum beginnt der Altstadtkern aus dem 12./13. Jahrhundert und ein paar Schritte weiter steht man vor der mächtigen spätgotischen Frauenkirche von Jörg von Halspach. Sie ist die größte Kirche der Stadt und ihre knapp 100 Meter hohen Türme mit den Welschen Hauben sind das Wahrzeichen Münchens. Die dreischiffige und ganz in Weiß gehaltene Innenhalle mit ihren vielen Seitenkapellen ist mit kostbaren Kunstwerken ausgestattet. Darunter Gemälde von Peter Candid (um 1620) und Jan Polak (um 1510/20), Schnitzwerke von Erasmus Grasser (um 1502), Hans Leinberger (um 1525) und Ignaz Günther (um 1774) sowie Epitaphien von Hans Krumper (um 1620). Unter dem Chor ruhen Wittelsbacher Herrscher und Münchner Kardinäle.

Wir passieren den Marienplatz mit dem Alten und Neuen Rathaus und der Mariensäule und gelangen auf der Wein- und Theatinerstraße zum Odeonsplatz. Er wird überragt von der mächtigen Theatinerkirche, 1663 bis 1688 von Enrico Zuccalli erbaut und erste Barockkirche nördlich der Alpen. Wirkung erzielt im majestätischen Innern vor allem das triumphale zum Hochaltar hinstrebende Langhaus mit imposanter Kuppel und üppigem Stuck. Weiter draußen in der italienisch anmutenden Ludwigstraße steht die Ludwigskirche von 1844 mit dem Gemälde »Das Jüngste Gericht« von Peter von Cornelius. Es ist nach Michelangelos »Jüngstem Gericht« in Rom das größte Wandfresko der Welt. Wir wenden an der Feldherrnhalle und gehen auf der Residenzstraße wieder stadteinwärts.

Linkerhand erstreckt sich die über mehrere Jahrhunderte entstandene und von Innenhöfen aufgegliederte Schlossanlage der Residenz. Sie war Wohn- und Regierungssitz der Wittelsbacher Herrscher. Ältester Teil der Anlage ist das prunkvoll ausgestattete Antiquarium von 1571, das mit seiner Länge von fast 70 Metern als größter Profanraum der Renaissance gilt. Es wird auch heute noch zu festlichen Anlässen genutzt. Die in Rokokopracht erstrahlenden Raumschöpfungen, wie die Reichen Zimmer oder der Kaisersaal, gehören zum Residenzmuseum und können vormittags oder nachmittags besichtigt werden. Ein weiterer Glanzpunkt ist die Schatzkammer, in der Zierstücke und Kleinodien aus zehn Jahrhunderten zu bewundern sind.

Im 18. Jahrhundert entstand das Alte Residenztheater, zunächst nur dem Hof vorbehalten, später auch dem Volk zugänglich. Nach den verheerenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg 1951 neu errichtet, wird heute das Cuvilliés-Theater als schönstes Rokokotheater Europas bezeichnet. Nun geht es am Nationaltheater, einem der führenden Opernhäuser Europas, vorbei und ein Stück die Maximiliansstraße hinauf, die Münchens edelste Einkaufstraße ist. Auf Höhe des Nobelhotels »Vier Jahreszeiten« biegt man Am Kosttor rechts ab und gelangt zum Hofbräuhaus. Das im 16. Jahrhundert entstandene, aber erst im 19. Jahrhundert öffentlich zugängliche Wirtshaus soll das berühmteste der Welt sein.

So bevölkern den Festsaal auch unzählige Touristen aus aller Herren Länder, während in der Schwemme mit typisch bayerischer Atmosphäre durchaus noch Münchner anzutreffen sind. Im Sommer herrscht im gemütlichen Biergarten Hochbetrieb. Der Route weiter folgend, passiert man den Alten Hof, der im 13. Jahrhundert erste Residenz der Wittelsbacher war, sowie – in der Burgstraße – den Weinstadl, einst Sitz der Stadtschreiberei (1552) und heute ältestes Haus Münchens.

Wenn wir den Turm des Alten Rathauses unterquert haben, halten wir einen Moment inne. Am Ende des Straßenzugs Tal steht das Isartor mit dem Valentinmusäum. Man könnte es auch das kurioseste Museum Deutschlands nennen. Schon die Öffnungszeiten von 11.01 bis 17.29 Uhr oder der Eintrittspreis von 1,99 Euro, aber auch Ausstellungsstücke wie der mit Pelz umhüllte Winterzahnstocher oder der viel zitierte Nagel, an den Karl Valentin seinen Schreinerberuf hängte, lassen einen vergnüglichen Museumsbesuch erwarten.

Ein paar Schritte abseits vom Alten Rathaus breitet sich der Viktualienmarkt aus, heute größter Markt Münchens für frische Lebensmittel und Blumen. Ursprünglich war es ein Bauernmarkt rund um den Marienplatz, ab 1807 wurden die Stände auf den Hof des ehemaligen Heiliggeistspitals verlegt. Heute ist die Budenlandschaft ca. drei Hektar groß, wird von über 100 Anbietern bewirtschaftet und bietet Obst und Gemüse, regionale Spezialitäten und internationale Delikatessen. Dementsprechend trifft man dort Gourmets ebenso wie normale Genießer. Beobachten lässt sich das bunte Treiben am besten vom Biergarten in der Mitte des Marktes aus, wo auch sechs Brunnen mit Standfiguren populärer Volkssänger aus München stehen.

Einen Steinwurf entfernt erhebt sich die Peterskirche, älteste und volkstümlichste Pfarrkirche der Stadt. Entstanden ist sie im 13. und 14. Jahrhundert, ihre kunstgeschichtlich hochrangige Ausstattung ist barock. An ihr haben unter anderem Erasmus Grasser, Egid Quiriam Asam und Johann Baptist Zimmermann mitgewirkt. Einmalig schön ist der Blick vom »Alten Peter«, dem Turm der Kirche auf München. Wir gehen hinüber zur Sendlinger Straße, in der Münchens schönste Rokokokirche, die Asamkirche, steht. Erbaut wurde sie von den Gebrüdern Asam und besitzt ihre Glanzpunkte vor allem im Stuck und im Deckengemälde.

Letzte Station unseres Altstadtrundgangs ist die Hundskugel in der Hotterstraße. 1440 erbaut, ist sie nicht nur das älteste noch in Betrieb befindliche Münchner Wirtshaus, sondern auch eines der drei ältesten Häuser der Stadt. Das Lokal zeichnet sich durch bayerisches Kolorit, freundlichen Service und gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Inhaber war seit 1983 der 2005 verstorbene Münchner Modezar Rudolph Moshammer.

Im Englischen Garten

Wenn Sie der Stadtrundgang angestrengt hat, ist ein Spaziergang im Englischen Garten der richtige Ausgleich. Er misst knapp vier Quadratkilometer Fläche und ist damit die größte innerstädtische Parkanlage der Welt, noch größer als der Londoner Hyde Park oder der Central Park in New York! Entstanden ist sie Ende des 18. Jahrhunderts auf Initiative des Reichsgrafen von Rumford, angelegt wurde sie vom Gartenarchitekten Sckell. Das Wegenetz des Parks ist knapp 80 Kilometer lang, sein größtes Gewässer ist der Kleinhesseloher See (acht Hektar). Die meistbesuchten Anlaufpunkte sind die Biergärten am Chinesischen Turm (1790) und beim Seehaus am Kleinhesseloher See sowie der Monopterus, ein Rundtempel im griechischen Stil mit Aussicht auf München. Wie beliebt der Park ist, zeigen rund dreieinhalb Millionen Besucher pro Jahr.

Besuch im Deutschen Museum

Es war im Juni 1903, als auf Initiative Oskar v. Millers das Deutsche Museum gegründet wurde. Heute ist es das größte technisch-naturwissenschaftliche Museum der Welt: 55 Ausstellungen auf 50000 Quadratmeter Fläche. Historische Originale (z. B. erstes Auto, erstes Telefon) und zahllose Exponate und Modelle vom Bergbau über Maschinen, Fahr- bzw. Flugzeuge und Schiffe aller Art bis hin zur Computertechnik und Raumfahrt bieten Einblick in fast alle Gebiete der Technik und Naturwissenschaft von den Ursprüngen bis heute. Was dabei besonderen Spaß macht: Viele technische Vorgänge können selbst per Knopfdruck ausgelöst werden. So bringt es das Museum immerhin auf rund eineinhalb Millionen Besucher pro Jahr. Zweigstellen des Deutschen Museums befinden sich auf der Theresienhöhe (Verkehrszentrum) und in Schleißheim (Flugwerft).

Olympiapark

Es ist keineswegs übertrieben, wenn man den für die Olympischen Spiele 1972 angelegten und rund drei Quadratkilometer großen Olympiapark im Norden der Stadt als einen der weltweit schönsten Sportparks bezeichnet. Auf engem Raum bilden herausragende Architektur, Sport, Kultur und Unterhaltung eine einzigartige Mischung, die sich immerhin in fünf Millionen zahlenden Besuchern pro Jahr manifestiert, unzählige Spaziergänger, Jogger und Radler nicht eingerechnet. Highlights des Parks sind das Dreigestirn Olympiastadion, Olympiahalle, Olympiaschwimmhalle, alle überspannt vom weltberühmten Zeltdach, außerdem der 289 Meter hohe Olympia- und Fernsehturm mit Traumaussicht über München bis zur Alpenkette und am Fuß dieser Einrichtungen eine kleine Seenplatte, wo man Boot fahren oder schwimmen kann.

Einen wunderbaren Überblick über das Gelände bietet auch der Olympiaberg, der aus Schutt und Trümmern der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Stadt entstanden ist.

Öffnungszeiten der einzelnen Stationen

  • Residenz: täglich 8–18, Do. bis 20 Uhr
  • Residenzmuseum: Vormittagsrundgang bis 13.30, Do. bis 14.30, Nachmittagsrundgang ab 13.30, Do. ab 14.30 Uhr
  • Schatzkammer: täglich 9–18, Do. bis 20 Uhr
  • Cuvilliéstheater: Sommer täglich 9–18, Winter bis 16 Uhr
  • Hofbräuhaus: täglich 9–23.30 Uhr
  • Valentinmusäum: Mo., Di. und Sa. je 11.01–17.29 Uhr. Fr. 11.01–21.59 Uhr. So. 10.01– 7.29 Uhr
  • Viktualienmarkt: Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sa. 10–15 Uhr
  • Peterskirche: täglich 7.30–19 Uhr, Mi. 12–17 Uhr
  • Alter Peter: Mo.–Sa. 9–19 Uhr, So./Fei. 10–18 Uhr, im Sommer bis 19 Uhr
  • Hundskugel: täglich 10–24 Uhr
  • Deutsches Museum: täglich 9–17 Uhr, Mittwoch; Öffnung einer ausgewählten Abteilung bis 20 Uhr
  • Englischer Garten: frei zugänglich
  • Olympiapark: frei zugänglich
  • Olympiaturm: täglich 9–24 Uhr.

Länge - Altstadtrundgang: ca. 7 km. Marienplatz bis – Dtsch. Museum: gut 1 km – Engl. Garten: ca. 1,5 km – Olympiapark: ca. 5 km (Anfahrt mit U 3)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied42 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktStadtmitte München (Stachus bzw. Marienplatz) Anfahrt nach München mit Auto/Bahn aus allen Richtungen möglich.
TourencharakterWenn von Höhepunkten im Alpenvorland die Rede ist, gebührt München ein Spitzenplatz. Die Stadt ist vollgepackt mit Attraktionen aller Art, weltbekannten Sehenswürdigkeiten ebenso wie verborgenen und kuriosen Kleinodien. Einige davon berühren wir bei unserem Rundgang, sozusagen als Vorgeschmack auf künftige Stadterkundungen.

Und das erwartet Sie unter anderem:
  • das größte technische Museum der Welt;
  • die weltweit größte innerstädtische Parkanlage;
  • das kurioseste Museum Deutschlands;
  • das älteste Wirtshaus Münchens;
  • das schönste Rokokotheater Europas.
Beste Jahreszeit
GastronomieIm Altstadtbereich stehen u. a. zur Auswahl - Augustinergaststätten (Neuhauser Str. 27); Andechser am Dom (Weinstr. 7); Bratwurstherzl (am Dom und am Viktualienmarkt); Ratskeller (Marienplatz); Zum Spöckmeier (Rosenstr. 9); Donisl (Weinstr. 1); Pfälzer Weinprobierstuben (Residenzstr. 1); Spatenhaus (Residenzstr. 12); Hofbräuhaus (Am Platzl); Weißes Bräuhaus (Tal 7); Pfistermühle (Pfisterstr. 4); Hackerhaus (Sendlinger Str. 14); Hundskugel (Hotterstr.).
Tipps

Stichwörter zur Geschichte Münchens

Das Dorf »Munichen« (9. Jh.) gewinnt ab 1158 Bedeutung, nachdem die Isarbrücke bei Freising zerstört und der Übergang nach Minichen verlegt worden war. 1214 erste Nennung der Stadt, sie geht 1240 in den Besitz der Wittelsbacher über. 1255 wird sie Herzogsresidenz. In den Jahrhunderten danach erlebt München unter den Wittelsbacher Herzögen und den Bayernkönigen Blütezeiten in allen Stilepochen, in denen führende Künstler ihrer Zeit stadtprägende Bauten und Anlagen errichten. Letzter König war Ludwig III., der 1918 abdankt. 1946 wird München Hauptstadt des Freistaates Bayern.

Münchner Festkalender

Das Münchner Jahr ist prallvoll mit »Events« - Der Faschingszeit und ihren glanzvollen Maskenbällen folgt im März die berühmte »5. Jahreszeit«, also die Starkbierzeit, und wieder sind die Bierhochburgen jeden Abend überfüllt. Während Auer-, Jakobi- und Kirchweihdult steigen, übt sich auch die Kunst im Feiern: Brunnenhofkonzerte, Opernfestspiele, Gemäldeschauen und Freilichttheater. Dann das Oktoberfest, größtes Volksfest der Welt. 16 Tage dauert das Spektakel und zieht Besucher aus aller Welt an. Im Dezember schließlich beherrscht der Christkindlmarkt die Altstadt um den Marienplatz.

Münchner Biergärten

Zu den beliebtesten Biergärten in und außerhalb der City zählen: Augustinerkeller (Arnulfstr. 52); Viktualienmarkt; Chinesischer Turm und Seehaus am Kleinhesseloher See (beide Engl. Garten); Aumeister (Sondermeierstr. 1); St. Emmeramsmühle (St. Emmeram 41); Grüntal (Grüntal 15); Hirschgarten (Arnulfstr.); Flaucher (Isarauen 8); Großhesseloher Waldwirtschaft.
Tourismusbüro
im Neuen Rathaus, Eingang Marienplatz. Mo.–Fr. 10–20, Sa. 10–16 Uhr. Tel. 089/2 33-3 02 72/73. Fremdenverkehrsamt der Stadt München Tel. 089/2 33-03 00, www.muenchen-tourist.de
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