Gildehauser Venn

Moorwildnis am Dreiländersee Obwohl die Wanderung leicht ist, hat sie ihre Tücken - Die Wege durchs Moors sind gelegentlich feucht und erfordern festes Schuhwerk; hin und wieder fehlen auch die Markierungszeichen, dennoch kann man sich nicht verirren. (Autor: Bernhard Pollmann)
11 km
50 m
3.00 h
Fehnlandschaften Venn, Fehn und Veen sind in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Belgien Bezeichnungen für weitflächige Moorlandschaften, die ab dem 16./17. Jh. entwässert, abgetorft und kultiviert wurden. In die »wüsten Moore« wurden Kanäle mit Schleusen und Klappbrücken hineingebaut, der abgebaute Torf wurde als Brennmaterial in Städten verkauft. Während der Kultivierung entstanden Wiesenland und Äcker, neben den Hauptkanälen wurden die Kapitäns-, Bürger- und Arbeiterhäuser der Fehnsiedlungen errichtet, von denen jede ihre eigene Windmühle hatte. Auf den lang gestreckten Landstellen hinter den Häusern bauten die Fehntjer Gemüse und Kartoffeln an. Viele der alten Kanäle, Torfschiffe und Mühlen sind vor allem in Holland mittlerweile restauriert, die Kanäle sind beliebte Wasserwanderrouten, denen Rad- und Wanderwege folgen. Bei einigen dieser Moorlandschaften wurde der Versuch der Kultivierung aufgegeben, sie stehen heute weitflächig unter Naturschutz. Zu den bekanntesten zählen das Hohe Venn, die »Arktis der Eifel« im Deutsch-Belgischen Naturpark, und das Naturschutzgebiet Gildehauser Venn im deutsch-niederländischen Grenzgebiet zwischen Gronau und Bad Bentheim. Gildehauser Venn Auch die Hochmoore im Gildehauser Venn wurden abgetorft, allerdings lagen sie so ungünstig, dass keine Moorkanäle, Klappbrücken, Siedlungen und andere für Fehngebiete typische Anlagen geschaffen wurden. Die Naturnähe war die Voraussetzung, das Gildehauser Venn 1938 unter Naturschutz zu stellen. Von den Moorflächen, die von Verwaldung frei geblieben sind, bieten sich traumhaft schöne Blicke bis zur Burg Bentheim; am Ostrand des Naturschutzgebiets breiten sich Heideflächen auf Dünensand aus. Hier liegen mehr als 20 Heideweiher und -kolke. Die Torfkuhlen im Hochmoor sind seit der Unterschutzstellung größtenteils verfallen und haben sich mit Moorwasser gefüllt, viele dieser über 1 m tiefen Tümpel wachsen inzwischen wieder zu. In manchen Jahren entstehenden Brände in der Heide, die sich jedoch nach zwei bis drei Jahren wieder regeneriert. Dreiländersee Auf der Rückseite des Parkplatzes erreichen wir in wenigen Minuten das Südufer des Dreiländersees, folgen ihm auf der Promenade im Grünen ostwärts (rechts) und kommen am Bootshafen, einer Gaststätte, einem Sandstrand und Liegewiesen vorbei; der boot- und surfbrettfreie Badebereich des Sees liegt weiter westlich. An dem 23 ha großen See finden sich außer dem Bad ein Bootshafen, Einkehrmöglichkeiten, ein Sandstrand, Liegewiesen, ein Bootsverleih, Tennisplätze, Ferienhäuser und ein Wohnmobilpark; einige Uferbereiche sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Dreiländersee ist ein schönes, viel besuchtes Naherholungsgebiet. Gildehauser Venn Am Ende des Sees biegen wir rechts zur kleinen Straße ab und folgen ihr zwei Minuten links, bis der mit dem Zeichen »x8« markierte Hollandgängerweg links auf einen Waldweg abzweigt und dem Gildehauser Venn zustrebt. Kurz nach Passieren des Naturschutzgebietsschildes verzweigt sich der Weg; die Hollandgängerweg-Markierung »x« wechselt links auf einen sandigen Weg, der zwischen aussichtsreichen Feldern und den Birken am verwaldeten Randbereich des Moors dahinführt. An einer bald erreichten Informationstafel durchschreiten wir eine Absperrung, sind im Gildehauser Venn und genießen von einem hölzernen Aussichtsgerüst einen ersten Überblick über dieses idyllische Gebiet - Birkenwälder, Moorbereiche und Heideflächen mit Weihern. Jenseits des Moors zeigen sich im Norden über den Wipfeln der Bäume die Zinnen von Schloss Bentheim. Vom Aussichtsturm leitet die x-Markierung auf einem Pfad durch das Venn und erreicht am Ostrand einen weiteren Aussichtsturm; von ihm aus sind ebenfalls zahlreiche Heideweiher zu sehen. Vom Aussichtsturm gehen wir wenige Meter zurück und biegen mit dem »roten Punkt« wieder in das Moor ab. Der grasige Pfad folgt einem niedrigen Dünenrücken zwischen den Mooren, rechts liegen zahlreiche Seen. Wenn der Pfad den Waldrand erreicht – links ein kleiner See –, verzweigt er sich unmarkiert: Hier gehen wir rechts und biegen nach ein bis zwei Minuten auf den ersten Weg links ab, wo wieder die Markierung »x« auftaucht. Schnurgerade zieht der Waldweg auf einem Damm im entwässerten und mit Kiefern aufgeforsteten Moor dahin, dann wechselt der »rote Punkt« links auf einen grasigen Waldweg, biegt bald darauf rechts ab und mündet schließlich auf eine kleine Fahrstraße; hier wenden wir uns mit dem »roten Punkt« und der Markierung »12« links, und auf die wunderschöne Moor- und Heidewanderung folgt eine Viertelstunde Asphalt (außer Fahrrädern so gut wie kein Verkehr), ehe die »12« wieder auf einen Waldweg wechselt und zurück zum Dreiländersee leitet. Dort erwartet zum Abschluss der erfrischende Sprung in den Badesee. Bad Bentheim Wer dem Hollandgängerweg weiter nordwärts folgt, gelangt zur Gildehauser Windmühle auf dem Bentheimer Berg und erreicht nach 12 km ab Drilandsee Bad Bentheim mit dem sehenswerten Schloss. Vom Rathausplatz beim Schloss fährt der Regionalbus 400 in einer halben Stunde zurück zum Dreiländersee. Von der Gildehauser Mühle folgt die T-Markierung der auf dem Kamm verlaufenden, von alten Kastanien gesäumten Bergstraße und durch das auf dem Berg liegende Dorf, dann geht es auf dem Sieringhoeker Weg aussichtsreich abwärts, an der Verzweigung beim Ortsausgangsschild geradeaus zwischen Feldern, alten Bäumen und Höfen, bald lädt bei einer Gruppe von sieben mächtigen Eichen eine Sitzbank zu aussichtsreicher Rast. Schließlich wechselt der Töddenweg links auf den Alten Postweg und beim nächsten Gehöft rechts auf einen Feldweg (Pfad), der in einen alten Buchen-Stechpalmen-Wald führt. Am Ende geradeaus durch die Glückaufstraße/Leberichstiege am Landhaus zur Müst vorbei, wo sich nun die Zinnen der Burg zeigen. Nach einem lauten Straßenstück zweigt der Weg »T« rechts in die ruhigere Gildehauser Straße ein, die als kopfsteingepflasterte Gasse zum Schloss hinaufführt. Burg Bentheim Die Höhenburg Bentheim, im 18. Jh. zum Schloss umgebaut, thront auf einem isoliert aufragenden Sandsteinrücken. Vom 30 m hohen Bergfried, dem so genannten Pulverturm mit vorgelagerten Festungswerken, schweift der Blick weit hinaus auf das Münsterland, ins Emsland und in die Niederlande. Die ausgedehnte Wehranlage mit ihren zwei Torhäusern und den zinnenbewehrten Türmen vereinigt Baustile von der Romanik bis zu Gotik und Renaissance; Kernstück der Anlage ist die im 19. Jh. neugotisch umgebaute Kronenburg. Sie diente den Burgherren ab dem Mittelalter als Wohngebäude und war mit Empfangsräumen ausgestattet. Das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt Bad Bentheim bildet den Rahmen für Kammermusikkonzerte und beherbergt das Schlossmuseum mit Sammlungen zur Landesgeschichte der Grafschaft Bentheim. Der Herrgott von Bentheim, eines der ältesten Zeugnisse des Christentums auf dem Gebiet der Grafschaft, ist ein romanisches Steinkreuz, in dem germanische und christliche Vorstellungen verschmolzen sind. Der fast vollplastisch herausgearbeitete »Herrgott« ist nicht gekreuzigt und weist weder Wundmale noch Lendentuch auf, sondern steht, bekleidet mit einer Ärmeltunika, auf einem Rundsäulenpodest vor einem gleicharmigen Kreuz; die Arme hält er in der »Knickarm«-Stellung, mit der germanische Richter in Illustrationen des »Sachsenspiegels« (um 1230) dargestellt sind. Die Armhaltung versinnbildlicht das unparteiische Abwägen von Recht und Unrecht. Möglicherweise handelt es sich bei diesem Steinkreuz ursprünglich um ein Gerichtskreuz. Während der Bilderstürmerei der Reformation wurde diese romanische Plastik als Zeugnis finsteren katholischen Aberglaubens und Götzendienstes auf dem Kreuzkamp in der Nähe der Burg verscharrt und erst 300 Jahre später – im Jahr 1828 – beim Pflügen wieder aufgefunden. Seit 1868 steht der Herrgott von Bentheim im Hof von Burg Bentheim am Aufgang zum Pulverturm.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied50 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortGronau (40 m), Stadt im äußersten Nordwesten des Münsterlands an der Grenze zu den Niederlanden, Sitz der grenzüberschreitenden deutsch-holländischen Euregio.
AusgangspunktParkplatz (40 m) am Dreiländersee bei Gronau.
TourencharakterVom Dreiländersee bei Gronau, einem Bade- und Wassersportsee an der westfälisch-holländisch-niedersächsischen Grenze, leitet diese Moor- und Heidewanderung durch das Gildehauser Venn, eines der landschaftlichen reizvollsten und zugleich botanisch und ornithologisch interessantesten Naturschutzgebiete Nordwestdeutschlands.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 3 Westmünsterland (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).
VerkehrsanbindungA 31 Ruhrgebiet – Emden Ausfahrt Gronau/Ochtrup. Bahnlinie Münster – Steinfurt – Ochtrup – Gronau.
GastronomieAm Dreiländersee.
Tourismusbüro
Touristik Service der Stadt Gronau, Bahnhofstraße 45 (neben dem Bahnhof), 48599 Gronau, Tel. 02562/3600, Internet www.gronau.de.

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