Geißhorn und Mindelheimer Hütte

Am Beginn und Ende jeweils breite Wege durch zwei hübsche Täler, sonst gut markierte Wanderwege durch offenes alpines Gelände, überwiegend Bergwiesen und Almen. Der steile Abstieg von der Kemptner Scharte ins Wildental setzt gute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus, stellt aber keine höheren alpinen Ansprüche. Der Anstieg zum Geißhorn ist zwar steil, aber technisch einfach. (Autor: Gerald Schwabe)
17 km
1350 m
7.00 h
Durchs Gemsteltal An der Straße hinauf zu den wenigen Häusern von Schwendle gibt es mehrere Parkplätze – da es sich um eine Rundtour handelt, die am oberen Ende der Straße wieder endet, ist es eigentlich unerheblich, wie weit wir hinauffahren. Busfahrer steigen bereits unten in Bödmen aus. Von unserem Parkplatz folgen wir der Straße wieder bergab bis zu ihrem tiefsten Punkt an der Breitachbrücke. Vor der Brücke biegen wir links in einen hübschen, schattigen Waldweg in Richtung Gemsteltal und Widdersteinhütte ein (1140m). Wir wandern gemütlich an der rauschenden Breitach entlang, bis wir das Gemsteltal erreichen, das sich links vor uns öffnet. An der Mündung des Gemstelbaches halten wir uns links, bleiben auf der linken Bachseite und steigen allmählich bergan. Bei der Tonisalpe lassen wir den Wald hinter uns und genießen die vor uns liegenden sonnendurchfluteten, offenen Almwiesen. Der Widderstein bildet den wuchtigen Abschluss des Gemsteltals. Wir passieren die urige Gemstelalpe, überqueren den Gemstelbach und erreichen nach wenigen Minuten die Hintergemstel-Alpe (1320m), schön gelegen unterhalb einer steilen Felswand. Bis hier ist das Tal ein gut besuchter Rundweg für Spaziergänger und Co., ab der Hütte wird es schlagartig ruhiger. Zur Karsthochfläche Koblat Der Weg windet sich einen mit Latschen bestandenen Schuttkegel hinauf, dann steil an einer Felswand entlang. Oberhalb einer Klamm, die der Gemstelbach in das Dolomitgestein gefräst hat, ist der Weg sehr fotogen in den Fels gehauen und erreicht schließlich einen weiten Kessel. Über eine weitere Felsstufe gelangen wir zur Oberen Gemstelalpe (1694m), an der sich der Weg teilt. Rechts geht es hinauf zur Widdersteinhütte und zum Widderstein, der sich drohend über der Hütte erhebt, wir halten uns links in Richtung Geißhorn. In einem weiten Bogen zieht sich der Weg den Nordhang des Kessels aufwärts und führt vorbei an einer einsamen Hütte aus groben Bruchsteinen (1859m) bis zu einem hübschen kleinen Kar mit einem winzigen Tümpel. Ein letzter steiler Anstieg bringt uns hinauf zur Passhöhe des Koblat (2040m), einer wunderschönen, buckligen, teils grasigen Karsthochfläche, die den Übergang zum Hochtannbergpass und zum Rappenalptal bildet. Anstieg zum Geißhorn Der Begriff »Passhöhe« mag etwas irreführend sein, denn für uns geht es noch weiter bergan. Dem Wegweiser »Mindelheimer Hütte« folgend steigen wir über die schönen Wiesenhänge steil hinauf bis zu einer Weggabelung (2123m). Der linke Pfad führt in zahllosen Serpentinen ohne Schwierigkeiten, aber sehr steil zum Gipfel des Geißhorns (2366m) hinauf. Bei hochsommerlichen Temperaturen kann der Anstieg auf dem grasbewachsenen Südhang schon mal einen leicht quälenden Beigeschmack haben, aber der Rundumblick vom Gipfel ist die Mühe allemal wert: Im Westen erstreckt sich die Kette des Allgäuer Hauptkamms von der markanten Trettachspitze bis zum Biberkopf mit seinen auffallenden Felsplatten. Im Süden breitet sich der weite Hochtannbergpass aus, im Osten erhebt sich der dominante Widderstein. Tief unter uns liegt in Spielzeugformat die Mindelheimer Hütte. Zur Mindelheimer Hütte Zurück an der Weggabelung halten wir uns nordwärts, queren die Schutthänge unterhalb des Geißhorns und gelangen zu einer kleinen Scharte (2172m). Es folgt ein kurzer Abstieg durch leicht schrofiges Gelände, dann geht es in weitem Bogen ohne nennenswerte Höhenunterschiede unterhalb der Felswände des Angererkopfes hinüber zur weithin sichtbaren Mindelheimer Hütte (2058m): eine gemütliche Hütte mit schöner Sonnenterrasse und großem Panorama. Einen Aufstieg haben wir noch vor uns. Recht gemächlich zieht sich der Weg hinauf zur Kemptner Scharte (2100m). Wer noch Lust und Puste hat, kann in wenigen Minuten auf den Kemptner Kopf hinaufsteigen. Allerdings könnte einem auch beim Anblick des vor uns liegenden Abstiegs kurz mal die Luft wegbleiben. Direkt hinter der äußerst schmalen Scharte geht es fast schon furchterregend steil hinunter ins Wildental. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier unbedingt erforderlich, Teleskopstöcke sehr hilfreich. Allerdings ist der Abstieg letztlich harmloser, als man auf den ersten Blick befürchten mag. Im Zickzackkurs hinab In unzähligen Serpentinen windet sich der Pfad die Steilwand hinunter, an schrofigen Passagen geben Drahtseile zusätzlich Sicherheit. Schließlich erreichen wir den Almboden der Hinteren Wildenalpe (1800m), durch den sich ein kleiner Bach schlängelt, schreiten zügig voran über die offenen Weideflächen und gönnen unseren Knien ein wenig Erholung. Beim Blick zurück mag es uns fast unwirklich vorkommen, dass durch diese mächtige Felswand tatsächlich ein normaler Weg führt. Direkt hinter der Hütte beginnt der zweite Teil des Abstiegs, der uns erneut in zahllosen Serpentinen durch Latschenhänge steil hinunter ins Wildental bringt. Ab der herausgeputzten Flucht-Alpe (1390m) kommt wieder Spaziergangatmosphäre auf. Ein gemütliches Auslaufen auf einem breiten Weg durch hübsche Almwiesen führt uns zur Oberen Wiesalpe (1298m). Bei der dortigen Wegkreuzung halten wir uns links Richtung Baad und bleiben auf dem breiten Forstweg, bis dieser schließlich in die Teerstraße übergeht, an der unser privater bzw. öffentlicher fahrbarer Untersatz auf uns wartet.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied1350 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortMittelberg; Straße nach Schwendle, 1140m
AusgangspunktMittelberg; Straße nach Schwendle, 1140m
EndpunktGeißhorn, 2366m
TourencharakterEine wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Runde: Zwei hübsche Täler am Anfang und Ende, hochalpine Wiesenwege oberhalb des Hochtannbergpasses und des Rappenalptals, gemütliche Alphütten, prächtige Ausblicke auf die markanten Gipfel von Widderstein und Biberkopf, eine herrlich gelegene Alpenvereinshütte, ein Panoramaberg als Zugabe, ein wenig Kletterei – und fertig ist ein gelungener Tag in den Bergen!
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt; Zumstein Wanderkarte Nr. 4 Oberstdorf
VerkehrsanbindungBus nach Bödmen (bei Mittelberg) oder mit Pkw zum Parkplatz an der Straße nach Schwendle
GastronomieHintergemstel-Alpe, 1320m; Obergemstel-Alpe, 1694m; Mindelheimer Hütte, 2013m (www.mindelheimer-huette.de); Flucht-Alpe, 1390m; Obere u. Untere Wiesalpe, 1298m
Höchster Punkt
Geißhorn, 2366m

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Gerald Schwabe

Vergessene Pfade im Allgäu

Das Paradies vor der Haustür - die schönsten Panoramawege und Gipfel der wildromantischen Allgäuer Bergwelt auf stillen Pfaden neu entdecken!

Jetzt bestellen