Gaulihütte und Gauligletscher

Tal-, Hütten- und (fast) Gletscherwanderung in großer Kulisse mit einem absoluten Knaller - dem Tiefblick auf den arktisch anmutenden See vor dem Gauligletscher. Es empfiehlt sich aus »dramaturgischen « Gründen, die Tour im Gegenuhrzeigersinn zu unternehmen; als Zugabe gibt’s dann noch einen Mini- Klettersteig (mit Wasserrauschen im Ohr). Eine Übernachtung in der gemütlichen Gaulihütte ist sehr zu empfehlen – nicht nur wegen der Tourenlänge. Weiter interessant: das Gletschervorfeld mit seinen Tümpeln und einer ortstypischen Flora, die neue Hängebrücke, die luftige Hangtraverse unterhalb des Mattenalpsees. Selbstsicherung für den kurzen Klettersteig nicht erforderlich. (Autor: Eugen E. Hüsler, Markus Meier, Peter Deuble)
Hüttenanstieg Die lange Wanderung zur Gaulihütte beginnt auf einem Sandsträßchen. Hinter den Hütten von Rohrmatten (1043 m) wird aus der Fahrspur ein Alpweg. Er gewinnt an der linken Talflanke in Kehren zügig an Höhe, passiert einen Graben (Undri Schmallaui) und steuert dann über schmale Bänder (Geländer) ohne weiteren Höhengewinn das Almgelände von Schrätteren (1439 m) an. Dahinter quert man den Bach; wenig weiter geht rechts der Zustieg zur Dossenhütte ab. Der Gauliweg steigt in Kehren über einen licht bewaldeten Hang an zu einer steinigen Rinne. Hoch über der wilden Klamm des Urbachs gewinnt man eine kleine Hangterrasse (1850 m), wo sich die Route gabelt - geradeaus zum Mattenalpsee (siehe Abstieg), rechts über den felsdurchsetzten Hang der Hohwang hinauf zu einer markanten Geländeschulter (2216 m). Unter dem Tälligrat flach hinein ins Tälli und mit leichtem Auf und Ab über das vom Gletschereis geprägte Gelände zur Gaulihütte (2205 m). Zum Gauligletschersee Von der ganzen Gletscherpracht ist hier noch kaum etwas zu sehen. Man folgt also den weiß-blau-weißen Markierungen. Sie leiten von der Hütte kurz abwärts zum Chammlibach, jenseits durch ein winziges Tälchen bergan, dann nach links auf ein felsiges Eck und weiter zu einer markanten Terrasse am Chammliegg (2380 m) mit großem Steinmann. Bitte vortreten – und Vorhang auf! Zweihundert Meter tiefer schaukeln die Eisbrocken im milchig-grünen Wasser. Die Zunge des Gauligletschers, der trotz Klimaerwärmung immer noch einen grandiosen Anblick bietet, hängt direkt ins Wasser, kalbt ab und zu. Von dem Aussichtsbalkon steigt man mit Kettensicherung ab zum See, wahlweise zu seinem oberen Ende (weitgehend weglos, Blockwerk, Geröll) oder (weiß-blaue Kreismarkierungen, Sicherungen) zum unteren Ende. Hier stößt man auf eine deutliche weiß-gelbe Markierung. Sie leitet über die Buckellandschaft im Gletschervorfeld zur neuen, etwa zwanzig Meter langen Hängebrücke (Gletscherübergang zur Grubenhütte). Eine Mini-Ferrata Die weiß-gelb-weißen Markierungen folgen dem Gletscherbach weiter bis zu einem markanten Geländeabbruch. Rechts rauscht das Wasser über die hohe Felsstufe hinunter, Bergsteiger finden Halt an den soliden Sicherungen (Ketten, Eisenstiften, Krampen), die hinableiten in den Karboden. Hier ist zunächst Blockhüpfen angesagt, bis man aus dem Trümmerfeld herauskommt. Ein guter Weg führt dann talauswärts zum Mattenalpsee (1874 m) und rechts an dem aufgestauten Ge - wässer vorbei. Auf einer soliden Brücke überquert man den Urbach und folgt dem Weg, der zunächst einen felsdurchsetzten Hang quert, dann über Steinstufen (Drahtseile) ansteigt und flach hi - nüberläuft zur Verzweigung, P. 1850 m unter der Hohwang. Auf dem Hinweg hinab ins Urbachtal und zurück zum Ausgangspunkt der großen Runde.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied1600 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKleiner Wanderparkplatz im Urbachtal (880 m).
EndpunktKleiner Wanderparkplatz im Urbachtal (880 m).
TourencharakterAuf einer Fahrt durch das Haslital gibt es so viel zu entdecken, dass man jenes Seitental, das sich hinter einer bewaldeten Geländestufe südlich von Innertkirchen versteckt, leicht übersehen kann. Das ist schade, auch wenn es hilft, die Ursprünglichkeit dieses Bergwinkels zu erhalten. Denn hinter der Gaulihütte, die nach knapp fünfstündiger Wanderung erreicht ist, am Chamliegg, steht man ganz unvermittelt vor einer Szenerie, die selbst im Berner Oberland ihresgleichen sucht - Gut zweihundert Meter tiefer liegt ein größerer See, in dem mächtige Eisbrocken schwimmen, abgebrochen von der Zunge des Gauligletschers. Da fehlt nur noch ein Eisbär, dann wäre das arktische Bild perfekt… Ein Halbrund von Dreitausendern bildet den Rahmen des grandiosen Bildes, alle mehr oder weniger vergletschert, und das Eis hat auch die Felsen, über die man zum Seeufer absteigt, glatt geschliffen. Markierungen leiten anschließend durch das Vorfeld des Gletschers zu einem steilen Felsabbruch. Rechts stiebt das Wasser in die Tiefe, links helfen Sicherungen hinunter ins Blockgelände: eine Mini- Ferrata. Ein paar Sicherungen gibt’s auch noch am Rückweg, an der längeren Querung mit Gegenanstieg hinter dem Mattenalpsee. Der ist aufgestaut, sammelt das (Schwitz-)Wasser der Gletscher zwischen dem Bärglistock (3655 m) und dem Hiendertelltihorn (3179 m), leitet es dem Kraftwerk Handegg der KWO zu: heile Bergwelt mit kleinem Schönheitsfehler …
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1 - 50 000, 255 T Sustenpass; 1:25 000, 1230 Guttannen.
MarkierungenWeiß-rot-weiße, weißblau- weiße und weiß-gelb-weiße Markierungen, Wegzeiger (gelb am Hüttenzustieg, dann Holzschilder).
Verkehrsanbindungnnertkirchen (625 m) ist Ausgangspunkt der beiden großen Passstraßen über den Susten und die Grimsel, per Postbus gut erreichbar. Südlich führt eine kleine Straße über ein paar Serpentinen in den flachen Boden des Urbachtals, 5 km. Kein Postbus!
GastronomieGaulihütte, Mitte Juni bis Ende September; Tel. +41/33/971 31 66, www.gauli.ch
Unterkunft
Gaulihütte, Mitte Juni bis Ende September; Tel. +41/33/971 31 66, www.gauli.ch
Tourismusbüro
Touristinformation, Bahnhofstraße 22, CH-3860 Meiringen; Tel. +41/33/972 50 50, www.alpenregion.ch