Gamsspitzl (3052 m)

Von der Dresdner Hütte bis in die Grünau Bergwege teilweise schmale und alpine Steige, Trittsicherheit notwendig; am Gamsspitzl Hochkar mit mittelsteilem Schnee, der sich nur bei guten Verhältnissen einfach begehen lässt (Autor: Dieter Seibert)
Über den Großen Trögler zur Sulzenauhütte (3 Std.).
Wir fahren nach dem Abstecher zum Wasserfall ganz faul mit der Seilbahn zur Mittelstation empor, lassen kurz den Trubel mit all den Ausflüglern und Skifahrern im Gebiet der Dresdner Hütte auf uns wirken, um dann die Stille des Hochgebirges umso mehr zu genießen. Gleich von der Mittelstation der Bahn (2280 m) nach Osten über einen kleinen Boden, dann über die Halde empor in ein Felstor. Bei der Wegverzweigung geradeaus weiter und in vielen Kehren durch ein schuttgefülltes, ganz schmales, anfangs sehr steiles Kar ins oberste Becken und über die Flanke auf den Großen Trögler (2902 m), die Aussichtsloge für die 500 Meter hohen Eisabbrüche des Sulzenauferners, die im Gegenlicht leuchten. Darüber lugt das Zuckerhütl (3505 m), der Stubaier Hauptgipfel. Auf und rechts neben dem hohen Kamm – knapp unter dem Kleinen Trögler hindurch – weit hinab, dann nach Süden über die Steilflanke und über Gletscherschliffe zur Sulzenauhütte (2191 m). 1975 zerstörte eine Riesenlawine diesen beliebten Stützpunkt; doch alles hat auch eine gute Seite – so entstand ein wirklich gelungener, attraktiver Neubau. Empfehlenswert: in 15 Minuten die Blaue Lacke (2289 m) besuchen.
Auf das Gamsspitzl (3.30 Std.).
Ein besonderes Kleinod wird uns am nächsten Tag geboten: der von einem scharfen Moränenkamm »beschützte«, 300 Meter lange Grünausee, in dessen türkisfarbenem Wasser sich die Eiskaskaden des Wilden-Freiger-Ferners spiegeln. Über dem See ragt auch unser Ziel, das Gamsspitzl, auf. Doch eine Warnung: Nur wenn es Schnee gibt, durch den man gut stapfen kann (eine dicke Spur ist stets vorhanden), kommt für uns der Aufstieg von hier über die Seescharte in Frage. Bei schlechteren Bedingungen benützen die Vernünftigen die ebenfalls sehr eindrucksvolle Route mit ihren Plattenschüssen von der Nürnberger Hütte. Man erreicht diese vom Grünausee über das Niederl (2683 m).
Von der Hütte mit etwas Auf und Ab nach Osten über die sehr unregelmäßigen Schuttböden unter den Felsen des Wilden Freigers. Man folgt dann kurz einem alten Moränenkamm und erreicht schließlich über schöne Gletscherschliffe den Grünausee (2330 m) am Fuß des eindrucksvollen Wilder-Freiger-Ferners. Links über dem See vorbei, über die Schutthänge empor und in das kleine Kar unter der Urfallspitze, dort über Schutt und mehr oder weniger, aber nicht allzu steilen Schnee (einst der Kleine Grünauferner) zum Kamm empor. Er zeigt auf der anderen Seite erstaunlich bequemes Gelände, und man trifft dort auf den von der Nürnberger Hütte kommenden Weg. Auf Schutt und Felsplatten zu einem kleinen Schneebecken, auf dessen Firn unter unserem Gipfel hindurch zum Grat und nach rechts schnell auf das Gamsspitzl (3052 m). Das ist die ideale Loge, um den Bergsteigern bei ihrem Weg über die weiten Gletscherflächen am Wilden Freiger (3418 m) zuzuschauen.
Abstieg (3.15 Std.).
Auf der gleichen Route zurück, dann östlich der Urfallspitze unter deren Wänden auf dem Weg weiterer Abstieg, schließlich über Schutt, bald aber über schöne Gletscherschliffe und Mattenflächen hinab zur Nürnberger Hütte (2280 m). Schräg über die Hänge auf die Flächen der Grüblalm und über eine dicht bewachsene Steilstufe ins Langental bei der bewirtschafteten Bsuchalm (1580 m). Im Talboden nach Norden, dann rechts im Wald ins Haupttal (1370 m, Buslinie) hinab, das man oberhalb von Ranalt erreicht.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied1520 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
StartortNeustift (993 m), Zentrum des Stubaitals, ein sehr beliebter Ferienort am Fuß der Kalkkögel
AusgangspunktTalstation der Stubaier-Gletscherbahn (1748 m, 18 km ab Neustift)
EndpunktHaupttal (1370 m, Buslinie) oberhalb von Ranalt
TourencharakterRund um die Sulzenau breitet sich ein Gebiet aus, so richtig geeignet zum Schauen, Staunen, Erleben ... Es fällt schwer, aus der Fülle von Attraktionen das Maximale auszusuchen und es zu einer sinnvollen, möglichst abwechslungsreichen Tour zusammenzustellen. Schon bei der Zufahrt bekommt man ein echtes Naturschauspiel serviert, den Sulzenau- oder Grawawasserfall.
Der ungemein wasserreiche Bach stürzt über eine 80 Meter hohe Stufe herab, die 50 Meter breit ist. Dieser weite Fächer gibt dem Wasserfall seine einzigartige Note. Niemand sollte die zehn-Minuten-Wanderung – von der Jausenstation Grawaalm hinab zum Ruetzbach, über die Brücke und nach links bis unmittelbar vor die staubenden Kaskaden – versäumen. Aus dieser Nähe wirkt das Schauspiel noch viel eindrucksvoller.
Hinweise
Siehe Tour 8 in Karte.
KartentippAV-Karte, Stubaier Alpen, Blatt 31/1 (Hochstubai)
VerkehrsanbindungVon der Autobahnausfahrt Schönberg nach Neustift und durch das gesamte innere Tal zur Gletscherbahn
Höchster Punkt
Gamsspitzl (3052 m)
Unterkunft
Sulzenauhütte (2191 m), DAV, 150 Schlafplätze, Tel. - 05226/2432. Nürnberger Hütte (2280 m), DAV, 136 Schlafplätze, Tel.: 05226/2492

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