Gamchigletscher

Landschaftlich sehr abwechslungsreiche Runde im innersten Kiental. Etwas Ausdauer und ein sicherer Tritt sind unerlässlich. Grandios die Fels- und Eiskulisse mit Gspaltenhorn und Blüemlis - alp, faszinierend die Querung des (schuttbedeckten) Gletschers. (Autor: Eugen E. Hüsler, Markus Meier, Peter Deuble)
12 km
840 m
5.00 h
Ins Gamchi Die Tour in das hochalpine innerste Kiental beginnt auf der Griesalp (1408 m) im Grünen und führt, zunächst teilweise auf Sandstraßen, im Wald taleinwärts zu den Lerchböde, dann auf dem Bundstäg (1488 m) über den Gamchibach. Jenseits des Wassers stößt man erneut auf einen Fahrweg, dessen weit ausholende Schleife ein markierter Pfad abkürzt. Bei der Alp Bürgli (1617 m) wird aus der breiten Piste ein Saumpfad, der hoch über dem Bach weiter taleinwärts ins Gamchi (1672 m) leitet. Die Szenerie nimmt mehr und mehr hochalpine Züge an; schroffer Fels an der Bütlasse links und an der Wildi Frau rechts, im Talschluss glitzern weiß die Eiskatarakte des Gamchigletschers. Auf den Gamchigletscher Der Weiterweg führt ansteigend auf ein markantes Felsband in den Sockelfelsen an der linken Talflanke. Es leitet bequem (aber mit ein paar kühlen Duschen von oben) auf eine Hangschulter, die sich bestens als Rast- und Schauplatz eignet. Wenig weiter gabelt sich der Weg, P. 2107 m links bzw. geradeaus zur Gspaltenhornhütte, rechts bergab auf den Geröllmantel des Gamchigletschers. Man quert ihn von Ost nach West, dabei noch etwas absteigend, umkurvt Schutthügel, die das Eis hierher verfrachtet hat, bestaunt ein Gletschertor, aus dem das Wasser fließt, quert schließlich über blanke, vom Eis glatt geschliffenen Felsen zu einer soliden Eisenbrücke, von der sich ein leicht gruseliger Blick in die Tiefe bietet - Der Gletscherbach hat hier einen dreißig Meter tiefen Schlund aus dem Kalkfels gewaschen. Bevor man diese alpine »Baustelle« verlässt, lohnt es sich, weglos noch hinüber zum Gletschertor zu spazieren. Da sieht man dann, dass die Geröllwanderung eigentlich übers Eis führte. Der Gamchigletscher stieß letztmals im Winter 1988/89 vor, seither ist er geschrumpft, insgesamt in den letzten zwanzig Jahren um rund 170 Meter. Murmeltierparadies Aus dem Gletschervorfeld steigt der bestens markierte Weg zu einem breiten Band unterhalb der Bettstatt an, das überleitet in die grüne Mulde des Oberlochs, wo ein direkter Zustieg (weniger lohnend) vom Gamchi mündet. Gut fünfzig steile Höhenmeter bringen den Wanderer hinauf zum Rand der weitläufigen Bundalp, wo links der Weg zum Hohtürli abzweigt. Hier empfängt einen Glockengebimmel; das Vieh genießt die Sommerfrische und das saftige Gras. Die Milch (und natürlich auch Käse) dazu gibt’s dann im Bundläger (1913 m) und im Berghaus Bundalp (1840 m) – beide in schöner Lage über dem Kiental. Und mit etwas Glück kann man im Sommer auf den Wiesen Murmeltiere beim Herumtollen beobachten. Viel Wissenswertes zum Leben auf der Alp vermitteln die Schautafeln des »Alpwirtschafts- und Naturlehrpfads«, von denen ein Dutzend am Abstiegsweg stehen; Thema sind u. a. auch die Murmeltiere und ihr größter Feind, der Steinadler. Abstieg Nach Einkehr, Aus- und Rückblick geht’s hinunter ins Tal, am schönsten mit dem kleinen Umweg zur Dündealp (1725 m). Die Querung wenig oberhalb der Baumwuchsgrenze bietet nochmals freie Sicht auf die Gipfel über der orografisch rechten Talseite, den Zahm und den Wild Andrist. Unterhalb der Alp tauchen Straße bzw. Weg in denWald ein, und auf der Griesalp endet die schöneWanderrunde.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied840 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz bzw. Postbushalt auf der Griesalp (1408 m).
EndpunktWanderparkplatz bzw. Postbushalt auf der Griesalp (1408 m).
TourencharakterWer an einem frühen Morgen von der Griesalp hineinwandert ins Gamchi, rechts den tiefen Schluchtgrund, vor sich riesige Geröllmassen, ein paar graue Nebelschwaden an den Bergflanken und darüber, fast den Himmel berührend, weiß schimmernd im Sonnenlicht, das Blüemlisalp- Massiv, der kann sich mit etwas Fantasie leicht in ein noch größeres Gebirge versetzt fühlen - in den fernen Himalaja. Um hier zu landen, braucht’s allerdings keinen Interkontinentalflug: Eine Fahrt mit dem Postbus durch das Kiental hinauf zur Griesalp reicht. So kann man sich die schönsten Träume fast bis vor die Haustüre holen… Insider wissen natürlich um den besonderen Reiz, die eigenwillige Schönheit des Kientals, das im Schatten der großen Oberländer Destinationen ganz gut lebt, ohne Skizirkus, mondäne Hotels und viele Liftanlagen. Bedroht war die Idylle allerdings vor ein paar Jahrzehnten, als die Berner Kraftwerke hier ein riesiges Wasserkraftwerk planten, Gamchi im Wasser versunken wäre und auch der Tschingelsee. Da hätte auch die Straße ausgebaut werden müssen, die mit (ausgeschilderten) 29 Prozent Steigung die steilste der Schweizer Alpen ist und früher von speziell für diese Strecke gebauten, besonders kurzen Postbussen befahren wurde – auch heute noch für manchen Autolenker aus dem flachen Land eine echte Herausforderung. Zu Fuß geht’s von der Griesalp dann weniger steil weiter, die großen Berge rücken allmählich näher, der Horizont wird höher und schließlich kommt das Gletschereis ins Blickfeld. Winzig klein fühlt sich da der Mensch angesichts einer Natur, die ihn um ein Tausendfaches überragt, unglaubliche Felsmassen auftürmt und Gletscherströme ins Tal schickt. Letzteren kommt man auf dem Weg ganz nahe, auch wenn der erst kürzlich neu trassierte Weg nicht über blankes Eis läuft: Das liegt unter dem Geröll, zeigt sich erst im Zungenbereich, wo es ein schönes Gletschertor bildet (Herbst 2008).
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1 - 50 000, Blatt 264 T Jungfrau.
MarkierungenGelbe Wegzeiger, weißrot- weiße Markierungen.
VerkehrsanbindungVon Reichenbach im Kandertal führt eine Straße via Kiental zur Griesalp (Parkplatz), ab Kiental mautpflichtig und mit Maximalsteigungen von gut 20% (hinter dem verlandeten Tschingelsee). Kreuzen mit dem Postbus nicht gestattet – Fahrplan an der Straße beachten!
GastronomieMehrere Gasthäuser auf der Griesalp. Bundalp (1840 m), Juni bis September; Tel. +41/33/676 11 92, www.bundalp.ch
Unterkunft
Mehrere Gasthäuser auf der Griesalp. Bundalp (1840 m), Juni bis September; Tel. +41/33/676 11 92, www.bundalp.ch
Tourismusbüro
Tourismusbüro, CH-3723 Kiental; Tel. +41/33/676 10 10, www.kiental.ch