Via ferrata Renè De Pol

Im Gemärk – Pian del Forame – Einstieg – »Via ferrata Renè De Pol« – Forcella Verde – Im Gemärk (Autor: Eugen E. Hüsler)
Frontgebiet.
Die Überschreitung des Foramestocks zur »Grünen Scharte« (Forcella Verde) vermittelt einen guten Eindruck von diesem Abschnitt der Cristallofront. Der steile Aufstieg (»Via ferrata De Pol«) verläuft über die schattig-düstere Nordflanke. Was für ein Kontrast dazu der Blick über das Val Felizon hinweg zum markanten, in der Sonne stehenden Felshorn der Hohen Gaisl, das seinen italienischen Namen Croda Rossa dem rötlichen Fels verdankt!
Von der Grünen Scharte aus überblickt man dann größere Teile der Cristallofront - die italienischen Stellungen vom Col dei Stonbe über Zurlòn, Vecio del Forame bis zur Forcela Stounies (siehe Tour 15), den von österreichischen Truppen besetzt gehaltenen Schönleitenkamm. Eine Seilbahn mit Talstation beim Feldlager Gemärk (Sorabances, 1530 m) versorgte die Truppen mit Nachschub. Sie wurde am 20. Juni 1916 in Betrieb genommen. Ausgerüstet mit einem 16-PS-Benzinmotor, schaffte die Bahn in 20 Minuten rund 250 Kilogramm Last über eine fast zwei Kilometer lange Strecke hinauf zum Lager Schönleiten. Der landschaftlich sehr reizvolle Abstieg durch das wilde Val Prà del Vecia führt an der Station Forame, deren Fundamente noch stehen, vorbei. Beim Weiterweg hinaus zur Wasserscheide Im Gemärk entdeckt man am östlichen Hang mehrere gegen die Schönleitenschneid ansteigende, weitgehend verfallene Wege, an der Talmündung dann Überreste des Lagers Gemärk (Fundamente, Kavernen).
Bahnwandern.
Die Runde startet oben an der weiten Wasserscheide Im Gemärk(1530 m), folgt zunächst der ehemaligen Bahntrasse, die heute eine frequentierte Radlroute ist, und führt vorbei an den seichten kleinen Quellseen des Rufiedo: drei Kilometer flache Strecke. Rechts, nur wenig höher, verläuft die stark frequentierte Strada statale No. 51, die »Alemagna«. Am Pian del Forame wechselt das Sandsträßchen auf die linke Talseite; direkt an der Brücke weist ein Schild zur »Ferrata Renè De Pol« (0.45 Std.).
Zum Klettersteig.
Die deutliche Spur leitet im Wald bergan, teilweise parallel zu einem ziemlich verwachsenen Schützengraben der ehemaligen Rufreddo-Stellungen (Rufiedo). Über kurze, steile Kehren kommt man zu einer Abzweigung (ca. 1820 m; alte Hinweistafel »Forcella Verde«), an der sich der Weg nach links wendet und einen Geröllgraben quert. Drei Kavernenlöcher (Tre Fori) machen deutlich, dass man sich den Kriegsstellungen nähert. Der Lärchenwald geht in Latschenbewuchs über, zuletzt steigt man auf einer Geröllspur hinauf zum Fuß der Forame-Westwand. Jenseits des Val Felizon thront als echter Blickfang die Hohe Gaisl (3146 m), weiter links, durch die markante Senke der Forcella Lerosa (2020 m) abgesetzt, erhebt sich der breite Rücken der Croda de r’Ancona(2366 m). Über ihn verlief eine Verteidigungslinie der Österreicher.
Auf Schützengräben stößt man auch am Fuß der Foramewand. Sie erstrecken sich – teilweise noch recht gut erhalten – links bis zum ehemaligen Kommando der österreichischen Truppen (Tafel; ca. 1980 m; 2.15 Std.).
Via ferrata Renè De Pol.
Über eine kleine Felsstufe (Drahtseil) steigt man an zu der Kaverne (Comando Austriaco) mit dem Routenbuch. Wenig weiter links mündet unter der »Pareta nera« (Schwarze Wand) eine Schlucht. Drahtseile leiten ansteigend zu einer senkrechten Leiter, die über einen Felsriegel hinweghilft. Man verlässt den Graben nach rechts und folgt der ausgetretenen Spur, die über einen Geröllhang und eine harmlose Felsstufe ansteigt und anschließend rechts zu weiteren Stellungen führt. Links von ihnen mündet eine enge Rinne mit Klemmblock: die Schlüsselstelle. Ein paar lange Eisenstifte entschärfen diese Passage, wenig höher in dem Graben ziehen Drahtseile nach rechts auf eine Geländeschulter mit schöner Aussicht. Eine ausgetretene Spur führt zur nächsten Felsstufe, von der aus man auf eine Kuppe steigt. Rechts in der senkrechten Wand ragen rostige Eisenstangen aus dem Fels – Überreste eines halsbrecherischen Zugangs zu einem Handgranatenwurfstand.
Weit weniger spektakulär gestaltet sich die Fortsetzung der Ferrata; mit Drahtseilsicherung leitet sie auf eine Kuppe, die im Krieg ein Beobachtungsposten war (ca. 2340 m,3.45 Std.). Über einen Geröllhang gewinnt man schließlich die Punta Forame Ovest (2385 m) mit bemerkenswerter Umschau. Gut einzusehen ist auch der Weiterweg in die Forcella Verde. Er führt vom Gipfel zunächst hinab in die Scharte vor der Punta Forame de Inze (2445 m), dann weiter absteigend rechts unter dem abweisend felsigen Bergstock hindurch und mit einem recht anhänglichen Gegenanstieg zurück auf den Kamm. Nächste Wegstation ist die Forcella Gialla, die »Gelbe Scharte« (ca. 2400 m; Tafel) mit Stellungsresten. Hier widersteht man trotz einer Wegspur besser der Versuchung, ins oberste Val Prà de Vecia abzusteigen (unangenehmer Geröllhang), folgt vielmehr weiter dem »De-Pol-Steig«, der mit leichtem Zwischenabstieg auf gesicherten Bändern den südlichen Vorgipfel (2450 m) der Punta Forame de Fora umgeht und auf der Forcella Verde (2380 m) ausläuft (Wegweiser; 4.30 Std.).
Hinab durchs Val Prà de Vecia.
Auf den Wiesensattel gucken aus den Felsen düstere Kavernenlöcher. Nach Süden öffnet sich die riesige Geröllschüssel des Foramekars, umrahmt von einem Gipfelhalbrund, und im Osten zeichnet sich der lange Felsrücken der Schönleitenschneid (2722 m) gegen den Himmel ab.
Der Abstieg zur Wasserscheide Im Gemärk ist rot-weiß markiert. Er leitet aus der Grünen Scharte zunächst über einen Schrofenhang hinunter zum ehemaligen Lager Forame, dann in vielen kurzen Kehren durch das oberste Val Prà de Vecia abwärts. Eine Klammstrecke umgeht der alte Militärweg links in den Latschen, ehe er wieder in den Talgrund absteigt. Man quert das Bachbett nach rechts und wandert weiter talauswärts. Im Mündungsbereich der Val Prà de Vecia wird aus dem Weg schließlich eine Sandpiste, die zurückführt zum Ausgangspunkt der Tour am Sattel Im Gemärk (1530 m; 6.15 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour0 km
Höhenunterschied1000 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortCortina d’Ampezzo (1211 m), berühmter Ferienort in den östlichen Dolomiten
AusgangspunktIm Gemärk (Sorabances, 1530 m), Wasserscheide zwischen Boite und Rienz
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie nach Norden, zum Gemärk und nach Schluderbach ausgreifenden Grate des Foramestocks, der Schönleitenschneid (2722 m) und des Rauchkofels (2126 m) waren in den Jahren 1915 und 1916 Schauplatz heftiger Kämpfe. Nach dem Kriegseintritt Italiens kam es zunächst zu Angriffen auf die österreichischen Stellungen im Rücken der alten Festung Peutelstein. Nach der Besetzung des schroffen Foramestocks und der Schönleitenschneid durch k.u.k. Truppen im August 1915 konzentrierten sich die Kämpfe auf diese vordersten Stellungen.
Hinweise
Zitat. Eine neue schreckliche Nacht begann. Schwarze Wolken ballten sich zusammen. Regen und Schnee wirbelten durcheinander. Der Wind fuhr dazwischen und trieb das nasse Element stürmisch herum. Die Italiener setzten nun an, uns erbarmungslos und ohne Unterlass mit Granaten zu befetzen und mit grellen Scheinwerfergarben zu belichten. Von unten herauf und von der Foramestellung her trafen unausgesetzt Zuzüge neuer Angriffskräfte ein. Ich hatte, völlig durchnässt, von der Zehnerscharte zu jener ersten Feldwache der vorigen Nacht hin- und herzuwechseln – gerade an jenem Band, wo die Granaten der Italiener präzise explodierten –, um den Leuten zu zeigen, wohin sie zu gehen hatten. [...] Hänge und Spitzen waren eine einzige heulende Hölle in kaltemwässerigem Gestöber. Aus den Erinnerungen des Kaiserjägers Johann Mittermaier, eingesetzt am Cristallomassiv
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
VerkehrsanbindungVon Toblach durch das Höhlensteintal nach Schluderbach, dann auf der »Strada d’Alemagna« weiter bis zur Wasserscheide Im Gemärk, 17 km; von Cortina d’Ampezzo 15 km
GastronomieUnterwegs keine Einkehrmöglichkeit, nur am Ausgangs- und Endpunkt
Tipps
Die Schmalspurbahn Toblach–Cortina d’Ampezzo–Calalzo di Cadore. Als 1956 die Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo eröffnet wurden und Toni Sailer wie ein »Blitz« von der Tofana herunterraste, konnte man noch per Eisenbahn anreisen - gemütlich und mit viel Aussicht auf die Ampezzaner Dolomiten, sowohl von Toblach als auch von Calalzo di Cadore aus. Was würden die Tourismusmanager in dem Dolomiten-Nobelort heute dafür geben, wenn sie ihre Bahn noch hätten! Doch die knapp 65 km lange Strecke, die aus zwei militärischen Nachschublinien hervorging und 1921 eröffnet und bereits 1929 elektrifiziert wurde, fiel in den 1960er-Jahren dem Autowahn in Italien zum Opfer. Heute dient sie als Radlstrecke (im Sommer) und als Langlaufloipe (im Winter). Ob die Strecke jemals wiederhergestellt wird, steht in den Sternen. Die Kosten beliefen sich nach einer inzwischen veralteten Schätzung von 1999 auf fast 140 Mio. Euro.
Informationen
Gehzeit - Gesamt 6.15 Std. Zustieg 2.15 Std., Klettersteig – Col Verde 2.15 Std., Abstieg 1.45 Std.
Tourismusbüro
Ufficio Informazioni, Corso Italia, I-32043 Cortina d’Ampezzo; Tel. +39/0436/2711, cortina@infodolomiti.it, www.dolomiti.org

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