Fährtensuche zwischen Trauttmansdorff und Meran

Meran hat viele Geschichten. Eine davon erzählt von Sissi, der populären Kaiserin von Österreich, und ihrer Liebe zu Meran. Vorbei an stillen Winkeln, herrschaftlichen Villen, verwunschenen Ansitzen und alten Parkanlagen wandeln wir entlang dieses historischen Weges auf den Spuren der Monarchin durch die Kurstadt an der Passer. Schilder mit der Aufschrift »Sissi-Weg« erleichtern die Orientierung entlang der Route, die problemlos auch mit Rollstuhl und Kinderwagen befahren werden kann. (Autor: Peter Mertz)
4 km
80 m
1.00 h

Sissi ist und bleibt eine Ikone. Nicht zuletzt hat die Verfilmung der Sissi-Figur mit Romy Schneider das naive Bild der schönen, aber einsamen Kaiserin von Österreich neu aufleben lassen. Kaiserin Elisabeth, wie sie eigentlich richtig hieß, versuchte dem höfischen Leben von Wien zu entfliehen und war sehr reiselustig. Sie gab das habsburgische Vermögen mit vollen Händen aus, pflegte ihre Schönheit und Fitness und unternahm stundenlange Gewaltmärsche oder Reitausflüge. 

Ein Ziel ihrer zahlreichen Reiseausflüge waren das Burggrafenamt und insbesondere Meran, wo die Monarchin 1870/71 mehrere Monate verbrachte. Dazu ließ sie im Schloss Trauttmansdorff eigens einige Zimmer neu möblieren. Die Verbundenheit der Kaiserin von Österreich und der Königin von Ungarn nahm die Meraner Tourismusvereinigung zum Anlass, einen Sissi-Wanderweg auf deren Spuren durch Meran einzurichten.

Die unterhaltsame Wegstrecke beginnt unmittelbar am Schloss Trauttmansdorff und seinen fabelähnlichen Gärten und endet auf der berühmten Kurpromenade von Meran. Dass wir dabei auch am Kaiserin-Elisabeth-Park mit der Sissi-Statue vorbeikommen, bekräftigt die Verbundenheit der österreichischen Monarchin mit der Kurstadt an der Passer.

Beim Kaiserin Sissi auf Schloss Trauttmansdorff

Am außergewöhnlichen Sonnenhang oberhalb von Meran befindet sich der Ausgangspunkt unserer historischen Wanderung, der wir gut eineinhalb Stunden widmen sollten. Seit 2001 zeigt man hier eine schier unermessliche Gartenpracht, der das submediterran angehauchte Klima zur kunstvoll-virtuosen Entfaltung verhilft. Hier gedeihen Pflanzen aus aller Welt und bilden ein blühendes Ensemble zu jeder Jahreszeit.

Mitten in der botanischen Wunderwelt steht das von Graf Trauttmansdorff 1850 restaurierte Schloss, in dem heute das Touriseum, ein historisches Museum zur bewegten 200-jährigen Tiroler Tourismusgeschichte untergebracht ist. Und, wie könnte es anders sein, einige Räume sind der prominenten Tourismus-Pionierin Sissi gewidmet, an die auch noch die Sissi-Terrasse oder ein Thron erinnern.

Mit ihrem hohen Besuch 1870 stieg Meran rasch zum »Curort mit europäischem Rufe« auf und bald traf man auf Repräsentanten höchsten Adels.

Auf noblen Spuren zum Nobelkurort

Vom Schloss folgen wir der Beschilderung in die St. Valentinstraße und später nach rechts in die Seilbahnstraße. Dort biegen wir nach links in die Pienzenaustraße ab und gelangen direkt zum Schloss Pienzenau, einem verborgenen Kleinod, dessen Garten unsere Wanderroute durchquert. Im üppigen Park wachsen Zedern und Mammutbäume. 1870 wurde die Scheune von Pienzenau zu einer Remise für den ansehnlichen Wagenpark und die 27 Pferde von Sissi umgebaut.

Auf der Theodor-Cristomannos-Straße weiter zum Schloss Rubein, dem märchenhaften Refugium aus dem 12. Jahrhundert, das ebenfalls inmitten eines ausgedehnten Parks liegt. Ein Teil des aus 102 Personen bestehenden Hofstaates von Sissi fand hier 1870 eine Unterkunft.

Zum Brunnenplatz in Obermais

Wir verlassen die Theodor-Cristomannos-Straße gemäß der Wegweisung und biegen nach rechts hinüber zum Ansitz Reichenbach aus dem 14. Jahrhundert, in dem der legendäre Kurarzt von Meran, Franz Tappeiner, von 1854–1902 lebte. Tappeiner war Wegbereiter des Kurbetriebs von Meran und Gründer des noch heute sehr beliebten Tappeinerwegs oberhalb von Meran.

Noch etwas abwärts durch die Reichenbachgasse und wir erreichen den Brunnenplatz von Obermais, dem Ortsteil von Meran links der Passer. Der mondäne und heute sehr modern gestaltete Platz hieß früher nach dem Schwager von Sissi »Erzherzog-Karl-Ludwig-Platz«. Hier wurde 1869 das erste Kurhotel errichtet, das »Erzherzog Rainer«. Ganz in der Nähe treffen wir auf das Schloss Rottenstein, in dem Sissi sich während eines ihrer Meranbesuche aufhielt.

Zur Kurpromenade

Wir verlassen Obermais über den Kirchsteig, der abwärts in Richtung Passer führt. Knapp vor dem Flusstal, das von Promenaden gesäumt wird, kommen wir am Hotel Bavaria vorbei, das an Sissis Lieblingsbruder Karl Theodor erinnert. Der bayerische Herzog war in Meran als angesehener Augenarzt tätig. Schließlich haben wir nach Querung der Passeirerstraße die Passer erreicht und überqueren die Lebensader von Meran am Steinernen Steg, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine Verbindung zwischen den Grünanlagen von Obermais und dem Stadtzentrum herstellt.

Hoch über der Brücke und der Klamm thront die Zenoburg. Wir folgen nun der Passerpromenade abwärts ins Stadtzentrum. Bald flanieren wir an der Wandelhalle vorbei, die 1889 im Jugendstil errichtet wurde und vor allem im Winter von den Kurgästen aufgesucht wird. Die schattige Sommerpromenade erstreckt sich hingegen auf der gegenüberliegenden Flussseite. Dort können wir auch im Kaiserin-Elisabeth-Park geradezu majestätisch lustwandeln und in der 1860 anlässlich Sissis Besuchs geschaffenen Anlage die Marmorstatue der Kaiserin bewundern.

Sie stammt vom Wiener Künstler Hermann Klotz und wurde 1903 enthüllt. Zurück zur Passerpromenade, steht nun noch das Kurhaus auf dem Programm, das an der seit 1850 bestehenden Kurpromenade liegt. Bis 1918 trug diese Promenade zu Ehren Sissis bzw. der Kaisertochter den Namen »Gisela-Promenade«. Sissi war mit Gisela und ihrer jüngeren Schwester, der Herzogin Sophie von Alençon, fast täglich in den Kuranlagen zu sehen. Das Prunkstück der Stadt ist aber zweifelsohne das 1874 errichtete Kurhaus im neoklassizistischen Stil, das 1914 um einen prachtvollen Jugendstilbau nach den Plänen des Wiener Architekten Friedrich Ohmann erweitert wurde.

Wir kehren auf gleichem Wege zum Ausgangspunkt zurück oder benützen den Linienbus, der gegenüber der Meraner Therme eine Station hat (Via Piave).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour4 km
Höhenunterschied80 m
Dauer1.00 h
AusgangspunktSchloss Trauttmansdorff bei Meran (370 m), Kurpromenade (300 m).
EndpunktSchloss Trauttmansdorff bei Meran (370 m), Kurpromenade (300 m).
TourencharakterEinfache Wanderung auf Gassen, Straßen und Parkwegen in bebautem Gebiet
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt, Meran, 1:30 000.
MarkierungenWegweiser zum Themenweg, Schilder mit Straßennamen.
VerkehrsanbindungVon Bruneck oder von Corvara/St. Martin in Thurn kommend bis Zwischenwasser, dort Richtung St. Vigil abzweigen; in St. Vigil auf die Straße Richtung Furkelsattel, von dieser Straße nach Enneberg Pfarre (4 km ab St. Vigil); Achtung: in Pfarre nur wenige Parkmöglichkeiten. Anfahrt mit dem Bus Stadtbusse nach Trauttmansdorff und in die umliegenden Dörfer (Lana, Dorf Tirol, Verdins, Schenna).
GastronomieCafés, Restaurants und Gasthöfe entlang der Wanderroute, vor allem aber an der Passerpromenade.
Informationen
Tipp: Nach der Tour entspannen in der Therme von Meran

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