Externsteine und Velmerstot

Schönstes Tal und Panoramaberg des Teutoburger Walds Passagenweise steile Waldwanderung, festes Schuhwerk ist empfehlenswert; Anstiege etwa 400 Höhenmeter. Wer abkürzen will, startet an der Silbermühle. (Autor: Bernhard Pollmann)
18 km
400 m
5.00 h
Externsteine Vom Parkplatz führen mehrere Promenaden, ausgeschildert mit »Fußweg Externsteine«, durch alte Buchen- und Eichengehölze, hinter denen sich unvermittelt der Blick auf die malerische Felsgruppe der Externsteine neben dem Wiembecketeich öffnet. Zwei dieser Felsen können auf Stufenanlagen bestiegen werden; oben bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf das Lipper Bergland. Die Externsteine sind eine Gruppe von 13 frei stehenden Sandsteinfelsen auf der Sonnenaufgangsseite des Teutoburger Walds. Vermutlich haben sie in megalithischer, keltischer und germanischer Zeit als Kultstätte gedient, vielleicht waren sie damals ein weit über die Region hinaus bekanntes Heiligtum und zugleich eine astronomische Beobachtungsstation, doch bleiben dies Vermutungen, da durch den Einbau von Kammern, Treppenaufgängen, Balkenlagern und Aussichtsplattformen sowie durch Absprengung von Felspartien nahezu alle Spuren aus vorchristlicher Zeit vernichtet wurden. Die aus grauem, zerklüftetem Eggesandstein bestehenden Felsen sind die Reste einer ursprünglich waagrecht liegenden Sandsteinschicht, die von Naturkräften senkrecht gestellt wurde. Im Verlauf von Jahrmillionen wurde diese senkrecht gestellte Gesteinsschicht freigespült und durch Verwitterungsvorgänge in einzelne Felsen und Felstürme zerlegt, die wie Antennen zum Himmel ragen. Die Wiembecke am Fuß von Fels 1 wurde 1836 »zur Verschönerung der Landschaft« aufgestaut. Der Teich flutet die untersten Partien von Fels 1, darunter das sagenumwobene Teufelsloch. Der Legende zufolge hat der Teufel die Externsteine als »Heidentempel« für die Anhänger des Sachsenführers Wittekind während der Invasion der Franken unter Karl dem Großen während der Sachsenkriege um 780 errichtet. Als sich Wittekind taufen ließ, riss der Teufel den »Heidentempel« voller Wut nieder, sodass nur noch 13 »öde Felsen« übrig blieben. Kreuzabnahmefelsen Das mehrgipfelige Felsmassiv 1 neben dem Wiembecketeich ist der meistbesuchte der Externsteine, das Kreuzabnahmerelief in seiner Ostwand gilt als eines der bedeutendsten europäischen Felsreliefs. Eine frei zugängliche Stufenanlage führt auf den Hauptgipfel, der in eine geländergesicherte Aussichtsplattform umgewandelt wurde. Die Plattform gewährt einen eindrucksvollen Blick zum Sazellumfelsturm mit der Peillochapsis und einen schönen Tiefblick auf den Wiembecketeich sowie hinüber zu den Bärenstein-Wäldern und über Ostwestfalen hinweg bis hin zu den Bergen an der oberen Weser. In der Ostwand befindet sich das 5,5 m hohe Doppelrelief. Eine waagrechte Abbruchkante trennt das Kreuzabnahmerelief (oben) und das stark verwitterte Drachenrelief. Die Kunstwissenschaft datiert das Kreuzabnahmerelief in die Zeit um 1130, wahrscheinlich wurde es von Mönchen aus dem Fels herausgehauen. Nicht öffentlich zugänglich sind die in den Relieffelsen hineingeschlägelten, miteinander verbundenen drei Höhlen (Petrusgrotte, Hauptgrotte und Sakristei). Die Zugänge zu den Höhlen (Portal, Adlertür und Rundbogendurchbruch in der Petrusnische) sind durch Gitter verschlossen. Der Sargstein im Vorfeld von Fels 1 ist ein isolierter Felsblock, in dessen Teichseite ein Rundbogengrab mit Kopfnischen-Sarkophag ausgehöhlt ist. Sazellumfelsen Auch der turmartig schlank aufragende Fels 2 weist eine Vielzahl von Menschen geschaffener Einrichtungen auf. Die bedeutendste ist das Sazellum (»kleines Heiligtum«) mit einem Peilloch zur Beobachtung des mittsommerlichen Sonnenaufgangs. Der Zugang zum Sazellum erfolgt von Fels 3 aus über eine Brücke. Im Sazellumfelsturm sehen einige den Turm der germanischen Seherin Veleda. Veleda »wohnte in einem Turm an der Lippe«, berichtet der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus. Am Ostfuß von Fels 2 erhebt sich direkt unterhalb des Sonnenlochs ein kleiner Vorfels, dessen Gipfel auf einer schmalen Treppe erreichbar ist. Die Sage deutet diesen Vorfels als »Kanzel«, auf der der Cheruskerführer Armin im Jahre 9 – dem Jahr der Schlacht im Teutoburger Wald – zu seinen Kämpfern gesprochen haben soll. Zwischen den Felsen 3 und 4 führt ein breiter Weg zwischen den Steinen hindurch und am Teich entlang. Es ist empfehlenswert, den Teich einmal zu umrunden, um das großartige Naturdenkmal aus verschiedenen Blickwinkeln auf sich wirken zu lassen. Knickenhagen und Silbermühle Von der Verzweigung beim Kiosk am Fuß des Sazellumfelsens (der Felsen mit der Brücke) führt der mit dem Buchstaben »H« markierte Hermannsweg durch den Durchlass zwischen den Felsen und wechselt nach wenigen Metern links auf einen geländergesicherten Pfad, der im Wald auf den von Heidevegetation bedeckten, aussichtsreichen Rücken des Knickenhagen hinaufführt – ein schönes Wegstück, an dem Sitzbänke zur Rast mit Weitblick laden. Der Name Knickenhagen deutet an, dass hier einst eine lebende Hecke um einen Hag wuchs - Die Zweige der hagumgebenden Bäumchen wurden »geknickt« und mit den Zweigen der anderen zu einer Hecke verbunden. Am Lönsstein senkt sich der Wanderweg hinab zum Restaurant Waldschlösschen, unterquert die Bundesstraßenbrücke und erreicht dahinter eine Verzweigung: Während der Eggeweg (x-Markierung) im Südwesthang des Kniebergs weiterführt (die stillere Route), bleibt der Hermannsweg im straßenseitigen Nordosthang. Am Gasthaus Silbermühle vereinigen sich die Routen wieder und treten gemeinsam in das romantische Waldtal des Silberbachs ein, der in malerischen Kaskaden über Blockwerk gischtet. Wie die Sage berichtet, wurden die Müllerstochter und der Mühlteichnöck vor langer Zeit Frau und Mann, daraufhin verwandelte die Silbermühle alles Korn in Silber, unendlicher Reichtum kam über das Lipper Land, die Menschen feierten und arbeiteten nicht mehr. Aber weil die Mühle kein Mehl mehr mahlte, hatten sie eines Tages kein Brot mehr zu essen, und aus dem Lipper Land verschwand das Glück. Da gaben die Menschen in ihrer Not dem Nöck im Mühlteich das Silber zurück. Der Nöck wurde nie wieder gesehen, aber in das Lipper Land kehrten die Arbeit und das Glück zurück. Lippische Velmerstot Im romantischen Waldtal des Silberbachs gischtet der Bach in malerischen Kaskaden über Blockwerk. Kurz vor der zweiten Stegbrücke teilen sich die Routen: Hermannsweg und E1 führen links hinauf (Abkürzung), während der Eggeweg dem Bach weiter aufwärts folgt (urtümlichere Route), nun auf einem wurzeligen Steilhangpfad hoch über dem schluchtartigen Tal. Bei der Kattenmühle wechseln die Markierungen links auf einen Hangweg, auf den bei den idyllisch gelegenen Häusern von Schnat die abkürzende Route einmündet. Bergseitig der Häuser geht es weiter im Hang, bis der steile Schlussspurt zur Lippischen Velmerstot beginnt. Die von einer Bergheide und alten Einzelbuchen bedeckte Lippische Velmerstot-Doppelkuppe mit ihren zerklüfteten Felsen auf der Lippischen und dem Eggeturm auf der Preußischen Velmerstot ist die höchste und aussichtsreichste Erhebung von Teutoburger Wald und Egge. Beide Höhen, die Preußische Velmerstot (468 m) und die Lippische Velmerstot (441 m), gewähren einen einmaligen Blick nordwestwärts auf den Teutoburger Wald mit dem Hermannsdenkmal, nord- und nordostwärts auf das Lipper Bergland mit der Hohen Asch, dahinter zieht sich das Wesergebirge, während sich im Osten die Schwalenburg auf hohem Felsen im Schwalenburger Wald, der kahle Köterberg und die Rundung des Sollings zeigen, im Südosten die Ruine der Desenburg auf dem Desenberg thront und dahinter die Vulkankegel des hessischen Berglands verschwimmen. Eggeturm Von der Lippischen Velmerstot leiten die Markierungen hinab in einen Sattel (hier zweigt der Hermannsweg links Richtung Bahnhof Leopoldstal ab) und hinauf zum Eggeturm, dem Aussichtsturm auf der Preußischen Velmerstot. Zurück zum Sattel und rechts hinab auf dem Hermannsweg Richtung Bahnhof Leopoldstal: An der ersten markanten Kreuzung verlassen wir den Hermannsweg und folgen einem Forstweg (Markierung »20«) links hinab, an der nächsten Verzweigung wiederum links (»A2«) zurück zur Silbermühle. Auf dem mit »x« markierten Eggeweg geht es im bewaldeten Osthang des Kniebergs zurück in Richtung Waldschlösschen. Nach Unterqueren der Bundesstraße verlassen Hermanns- und Eggeweg schräg gegenüber vom Restaurant Waldschlösschen die Parkplatzstraße und führen Richtung Externsteine, wobei sie sich gleich verzweigen: Der Eggeweg führt am Fuß des Knickenhagens unter alten Laub- und Nadelbäumen zurück zu den Externsteinen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied400 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortHorn-Bad Meinberg (210 m), Luftkurort und Staatsbad im Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald.
AusgangspunktParkplatz Externsteine (250 m) in Horn an der Landstraße Richtung Hermannsdenkmal.
TourencharakterVon den Externsteinen, einem der bedeutendsten Kultur- und Naturdenkmäler Deutschlands, führt diese abwechslungsreiche Wanderung durch das Silberbachtal, eines der romantischsten und naturbelassensten Täler Westfalens, auf die Velmerstot, den höchsten und aussichtsreichsten Berg des Eggegebirges.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 6 Lipper Land oder Blatt 11 Eggegebirge/Oberwälder Land, oder Wanderkarte 1:25000 (»Grüne Reihe«), Blatt Hermannsland (alle vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).
VerkehrsanbindungA 29 Bielefeld – Paderborn – Wünnenberg-Haaren, Ausfahrt Paderborn-Elsen, weiter auf der B 1 Richtung Hameln bis zur Ausfahrt Horn-Bad Meinberg.
GastronomieExternsteine, Waldschlösschen, Silbermühle.
Tourismusbüro
Haus des Kurgastes und Gästeinformation, Golfweg 7, 32805 Horn-Bad Meinberg, Tel. 05234/4292, Internet www.horn-badmeinberg.de.

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