Ex-Comando Austriaco, 1120 m

Caldonazzo – »Hauptquartierstraße« – La Stanga – ex-Comando Austriaco – »Strada del Tomazòl« – Caldonazzo (Autor: Eugen E. Hüsler)
20 km
800 m
5.00 h
Von der Zivil- zur Kriegsstraße.
Mit dem Krieg fand der Tourismus ein vorübergehendes Ende; statt Pferdewagen mit Kurgästen waren nun endlose Trainkolonnen und Infanteristen unterwegs. Zeitweise musste gar eine Einbahnregelung eingeführt werden, damit es auf der schmalen Bergstrecke nicht zu Stauungen kam! Unterhalb von La Stanga (835 m) quert die Straße steile Felshänge und den wilden Geröllgraben des Val Carretta. In diesem Bereich ist sie heute praktisch nicht mehr vorhanden – die gesamte Trasse istabgerutscht. Drahtseile wurden parallel zur verbliebenen schmalen Wegspur angebracht – da sind ein sicherer Tritt und Schwindelfreiheit unerlässlich. Das gilt auch für ein Teilstück des Abstiegs, sofern man die Direttissima des »Sentiero del Tamazòl« wählt.
Ex-comando Austriaco.
Am nordwestlichen Rand der Lavarone-Hochfläche versteckt sich im Wald das ehemalige österreichisch-ungarische Kommando. Von hier aus wurden die Truppen bei der Maioffensive 1916 geleitet. Der wichtigste Beobachtungsposten befand sich einen Kilometer weiter südöstlich auf dem Monte Rust (1282 m); er hatte Sichtverbindung mit allen Festungswerken am Hochplateau.
Das Kommando selbst war bestens gegen Lufteinsicht getarnt; Kavernen wurden beiderseits des künstlich erweiterten Grabens tief in den Fels getrieben. Habsburgs Thronfolger und späterer Kaiser Karl I. war als Chef des XX. Armeekorps kurzzeitig hier stationiert.
Die ehemalige Hauptkommandostraße.
Die Rundwanderung beginnt am Torrente Centa, bei der neuen Straßenbrücke über den Fluss (Hinweistafeln). Auf der Asphaltunterlage wandert man zur ersten Straßenkehre, dann geradeaus zu einer Kreuzung (577 m). Die ehemalige »Hauptquartierstraße« steigt an der bewaldeten Ostflanke des Centatals sanft an, biegt dann in den Graben des Val Floriana ein. Gleich dahinter kommt man an einer Kapelle mit Brunnen vorbei; hier wird aus der Sandpiste ein Weglein, und bald darauf ist dann die gesamte Trasse abgerutscht. Drahtseile sichern die etwas heikle Querung der abschüssigen Geröllhänge, die talwärts in Felsabbrüche übergehen. Auch im Bereich des wilden Val Carretta ist die Straße vollständig zerstört. Über Geröll (Drahtseile) steigt man hier ab in den Schluchtgrund, dann wieder an zu einer gut erhaltenen Brücke und zur ehemaligen Osteria alla Stanga (835 m). Hier wurden einst die Pferde gewechselt, wurde die Maut erhoben und Wein ausgeschenkt. Der Platz eignet sich auch heute noch gut für eine Rast - Tief drunten im Tal rauscht der Wasserfall Valimpech, an der gegenüberliegenden Bergflanke kleben die Häuser des Bergdorfs Centa San Nicolò.
Zum ex-Comando.
Im weiteren Verlauf ist die alte Straße bis auf eine kurze Stelle, wo die Trasse weggerutscht ist, bestens erhalten. Sie windet sich in angenehmer Steigung über ein paar Schleifen hinauf gegen den westlichen Rand des Lavarone-Hochplateaus. Hier weist ein Schild rechts zum »ex-Comando Austriaco«. Eine Karrenspur führt im Wald zum ehemaligen österreichischen Hauptquartier (3 Std.), dessen Zugang erst im letzten Moment sichtbar wird. Üppiges Grün überwuchert Fels und Mauerwerk an diesem schattigen Platz, was ihm fast einen exotischen Touch verleiht: Ruinen eines Maya-Tempels?
Die »Strada del Tomazòl«.
Spätestens an der nahen Hauptstraße, die man in sanftem Anstieg erreicht, verfliegen solche Gedanken. Man folgt dem Asphaltband links bis in die nächste große Schleife, verlässt es hier und steigt auf einem Wiesenweg kurz an zur »Strada del Tomazòl« (Hinweis »Caldonazzo«). Sie läuft, fast unmerklich ansteigend, am Nordwestrand des Altipiano di Lavarone entlang und hinaus zu einem Geländerücken hoch über dem wilden Graben des Val Floriana mit packenden Tiefblicken und freier Sicht auf den Becco di Filadonna (2150 m) mit der eleganten, freistehenden Felsnadel der Madonnina.
Abstieg.
Wenig später wird aus der Sandstraße ein Zieh-, dann ein Wanderweg. Absteigend umrundet man den wilden Graben des Val Scura hinaus nach Tomazòl (ca. 1150 m), wo sich die Route verzweigt. Bequemer, aber auch weiter ist der »Friedensweg«, der erst die Nordflanke des Monte Cimone (1525 m) quert und dann in weiten Schleifen absteigt; spannender ist das mit Drahtseilen gesicherte Weglein, das zunächst einen Wiesenrücken ansteuert (was für ein Rastplatz!), sich dann listig zwischen den Felsen hinabschlängelt in den Wald. Nach geschätzten 50 Kehren mündet es in die »Hauptquartierstraße«. Auf ihr spaziert man zurück nach Caldonazzo(5.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour20 km
Höhenunterschied800 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortCaldonazzo (467 m), Dorf am Südufer des gleichnamigen Sees
AusgangspunktParkplatz (493 m) gegenüber vom Centro Sportivo an der neuen Brücke über den Centa-Bach
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterEigentlich müsste man die alte Straße von Caldonazzo hinauf zum Hochplateau von Lavarone in »Strada del Raponzolo di Roccia« umtaufen. Denn im Juni leuchten die lilafarbenen Blüten der Schopfigen Teufelskralle zu Hunderten entlang der Straße aus den senkrechten Felsen - ein echtes Blumenwunder! Und oben am Plateaurand begrüßten uns im Wiesengrün auch noch ein paar Feuerlilien. Fast schien es, als möchte die Natur uns vergessen lassen, dass hier vor bald einem Jahrhundert gestorben wurde, Krieg herrschte und Kanonendonner tausendfach von den Felswänden widerhallte. Kurioserweise ist aber gerade die kunstvoll angelegte Straße zivilen Ursprungs, auch wenn sie später als »Hauptquartierstraße« vom österreichischen Militär genutzt wurde. Als nach der Wende zum 20. Jahrhundert der Tourismus auf dem klimatisch begünstigten, teilweise bewaldeten Plateau Fuß zu fassen begann und die ersten Gasthöfe ihre Pforten öffneten, wurde der Wunsch nach einer direkten Straßenverbindung vom Val Sugana, das seit 1876 Bahnanschluss hatte, immer lauter. Als die erforderlichen Mittel nicht bewilligt wurden, griffen die Gemeinden zur Selbsthilfe und bauten die Straße in Eigenregie. Etwa auf halber Strecke stand die Osteria alla Stanga (heute Ruine), wo von den Durchreisenden eine Maut erhoben wurde. Mehrfach war auch Prominenz aus der Donaumonarchie zu Gast in Lafraun, wie Lavarone damals hieß; so verbrachte Sigmund Freud mehrere Jahre seinen Sommerurlaub hier. Er bezeichnete das Hotel du Lac, wo er wohnte, als sein »rifugio prediletto«, seinen liebsten Zufluchtsort.
Hinweise
Mit dem Ersten Weltkrieg – die technische Entwicklung war rasant – eroberte sich der Mensch auch den Luftraum für militärische Unternehmungen. So mancher Bauer in den Dolomiten dürfte 1915 oder 1916 erstmals in seinem Leben eine der »Fliegenden Kisten« zu Gesicht bekommen haben. In Tirol waren insgesamt acht Flugzeuge stationiert; sie wurden vor allem zur Luftaufklärung an der Alpenfront eingesetzt, wobei man gegnerische Stellungen überflog und fotografierte. Erst gegen Kriegsende kam es vermehrt zu Luftkämpfen, bei denen sich die technische und zahlenmäßige Überlegenheit der Alliierten immer stärker auswirkte. Die Überlebensdauer eines k. u. k. Piloten betrug 1917 gerade einmal vier Monate!
KartentippKompass 1 - 25 000, Blatt 631 »Altipiani di Folgaria, Lavarone e Luserna«
VerkehrsanbindungVon Trento auf der Schnellstraße ins Val Sugana bis zur Ausfahrt »Caldonazzo«, dann südlich um den See herum in den Ort
GastronomieKeine Einkehr unterwegs
Tipps
Soldatenfriedhof von Slaghenaufi. Am Nordrand der Hochebene von Lavarone, ein paar Gehminuten vom Weiler Slaghenaufi (1246 m), liegt ein Soldatenfriedhof, auf dem 748 Gefallene der k. u. k. Armee ihre letzte Ruhe fanden. Während des Krieges befand sich an gleicher Stelle ein Lazarett. Zufahrt von Bertoldi; Parkplatz bei Slaghenaufi.
Informationen
Gehzeit - Gesamt 5.30 Std. Aufstieg 3 Std., Abstieg 2.30 Std.
Tourismusbüro
Azienda per il Turismo Folgaria, Lavarone, Luerna, Via Roma 37, I-38064 Folgaria; Tel. +39/0464/72 41 00, Fax 72 02 50, info@montagnaconamore.it, www.montagnaconamore.it

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