Erlebnisse im Rupertiwinkel

Wir besuchen den Norden des Berchtesgadener Landes, der zum Rupertiwinkel gehört. Diese Region, 1816 von Salzburg an Bayern gekommen, hat eine eigene Ausstrahlung und war schon immer ein beliebtes Ausflugsziel, bietet sie doch anmutige Landschaft und Gebirgssicht ebenso wie einzigartige Freizeitziele. (Autor: Armin Scheider)
5 km
545 m
1.00 h
Malerisches Schauspiel in Höglwörth. Erste Station unserer Reise durch den Rupertiwinkel ist Höglwörth, genauer gesagt Kloster Höglwörth am gleichnamigen See. Ein Augustinerchorherrenstift war es ab 1125 und gehörte zum Erzstift Salzburg. Im 16. Jahrhundert drohte es zu verfallen, erlebte dann aber im 17./18. eine Blütezeit und wurde 1817 – inzwischen zu Bayern gehörend – säkularisiert. Drei Gründe haben die Anlage in unserer Zeit bekannt gemacht - ihre Kirche von 1765 als kunsthistorischer Leckerbissen, vor allem wegen ihrer von Rokokostuck umspielten Fresken und der kunstvollen, mit Gemälden und Figuren geschmückten Altäre. Gleich neben der Kirche der Klosterwirt, ein stattliches bayerisches Wirtshaus mit einem ausnehmend gemütlichen Biergarten. Schließlich die einzigartige Lage des Klosters. An die farbigen Klosterbauten auf einer schmalen Landzunge schmiegt sich der ringsum bewaldete kleine See und lässt deren Silhouette im Wasser spiegeln. Auf einem Uferweg kann man den See in einer halben Stunde umrunden, wobei sich schöne Ansichten, zum Teil auch mit Blick auf den Salzburger Untersberg, eröffnen. Eine einzigartige Verschmelzung von Architektur und Landschaft! Dorfidylle in Anger. Gleich neben Höglwörth gelegen, liefert Anger ein weiteres Beispiel für oberbayerische Dorfidylle. Sein Wahrzeichen, die hoch aufragende Kirche St. Mariä Himmelfahrt verkündet gewissermaßen schon von weitem, dass Anger etwas Besonderes ist. Und das bestätigt sich auch: ein weiter, begrünter Dorfplatz, in der Mitte eine Mariensäule und am Ende die spätgotische Kirche, die in einer Rosenkranzmadonna von 1680 und einem Vesperbild von 1550 ihre besten Stücke hat. Das Ganze wird umstanden von Wohnhäusern des 18./19. Jahrhunderts, wobei der Salzburger Untersberg und der Hochstaufen die Hintergrundkulisse bilden. Ein schmuckes Dorfbild, das ein Gefühl intakter Dorfatmosphäre und heiler Welt vermittelt. Das muss wohl auch der bayerische König Ludwig I. so empfunden haben, der Anger bei einem Besuch als »sein schönstes Dorf« bezeichnet hat. St. Zeno in Bad Reichenhall. Die Stadt wäre einen eigenen Ausflug wert, sie hat viel zu bieten. Dieses Buch hat sich jedoch Superlativen verschrieben und so interessiert uns zunächst einmal nur die ehemalige Stiftskirche St. Zeno, denn sie ist mit den Maßen 90 mal 30 mal 16 Metern (Länge/Breite/Höhe) die größte Basilika Altbayerns. Sie gehörte zu dem im 12. Jahrhundert gegründeten Augustinerchorherrenstift, wurde selbst 1228 fertig gestellt und nach einem verheerenden Brand 1512 unter Erhaltung der romanischen Teile zu einer gotischen Pfeilerbasilika umgestaltet. 1640 wurde sie barockisiert und gut 100 Jahre später im Rokokostil verändert. Blickfang in der Ausstattung sind das romanische Westportal, flankiert von zwei Marmorreliefs (alles um 1200), und im Innern unter anderem die romanische Apsis sowie qualitätsvolle Gemälde und Schnitzwerke vorwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Soweit Sie noch Zeit haben, sind auch das Heimatmuseum (Di.–Fr. 14–18, 1. So/Monat 10–12 Uhr) und die Nikolauskirche besonders lohnende Ziele im Zentrum von Bad Reichenhall. Die älteste Pipeline der Welt. In diesem Beitrag geht es um Salz, dem »weißen Gold« und Luxusgut des Mittelalters. Und es geht um Soleleitungen, also dicke Holzrohre (sog. Deicheln), in denen Sole, ein Wasser-Salz-Gemisch, transpor- tiert wurde. Was hat es nun mit diesen Leitungen auf sich? Im Talbecken von Reichenhall treten rund 15 Meter unter der Erde Solequellen aus, die seit Jahrhunderten zur Salzgewinnung genutzt werden. Die Sole besteht aus einem Viertel Salz und drei Vierteln Wasser, das verdampft werden muss. Früher geschah das in großen, über Holzfeuer erhitzten Eisenpfannen, was riesigen Holzverbrauch zur Folge hatte. Anfang des 17. Jahrhunderts gingen die Holzvorräte in Reichenhall zur Neige und man beschloss, im waldreichen Trauntal eine neue Saline zu errichten. Dazu musste die Sole von Reichenhall nach Traunstein gebracht werden. Ein großes Problem, denn von Reichenhall bis Inzell (höchster Punkt der Strecke) waren 250 Höhenmeter zu überwinden. Ab Inzell konnte wieder das natürliche Gefälle (150 Höhenmeter) bis Traunstein genutzt werden. Hofbaumeister Hans Reiffenstuel gelang das Kunststück. Er errichtete bis 1619 auf der 31 Kilometer langen Strecke sieben Brunnhäuser mit Kolbendruckpumpen, deren Wasserräder von Gebirgsbächen angetrieben wurden. Sie pumpten die Sole zwischen den Gefällstrecken immer wieder hoch, bis sie Traunstein erreicht hatte. Die erste Pipeline der Welt war geboren! Sie sollte bis 1912 in Betrieb bleiben. 1810 wurde diese Leitung von Georg von Reichenbach ab Siegsdorf nach Rosenheim verlängert, wo eine weitere Saline gebaut worden war. Diese 81 km lange Leitung tat ihren Dienst bis 1958. Leitungen Nr. 3 und 4 verbanden Berchtesgaden mit Reichenhall. Zwischen Grassau und Rottau steht das einzige erhaltene Brunnhaus mit Pumpstation (Klaushäusl) und kann besichtigt werden (im Sommer Di.–Sa. 14–17, So./Fei. 10–17 Uhr). Heute dienen Salinenwege nur noch als reizvolle Wanderwege. Zu finden sind sie in Berchtesgaden und Reichenhall sowie im Zuge der B 305/306 bei Weißbach, außerdem in Siegsdorf und Traunstein. Als eine der schönsten Strecken gilt der Salinenweg am Thumsee. Er ist 4,5 km lang mit einem Höhenunterschied von rund 130 Metern (Route siehe Karte rechts). Startpunkt ist an der Westspitze des Thumsees. Da ein Schießstand in der Nähe ist, empfiehlt sich die Wanderung am Wochenende.

Länge - Autorundfahrt: ca. 15 km (Höglwörth–Reichenhall) Wanderung: ca. 4,5 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied545 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKloster Höglwörth Autoanfahrt ab München auf A 8 bis Abfahrt Anger oder B 304 über Traunstein (ca. 120 km) Bahnanfahrt bis Piding
TourencharakterWir besuchen den Norden des Berchtesgadener Landes, der zum Rupertiwinkel gehört. Diese Region, 1816 von Salzburg an Bayern gekommen, hat eine eigene Ausstrahlung und war schon immer ein beliebtes Ausflugsziel, bietet sie doch anmutige Landschaft und Gebirgssicht ebenso wie einzigartige Freizeitziele.
Und das erwartet Sie unter anderem -
das wohl am schönsten gelegene Kloster am Alpenrand;
das schönste Dorf König Ludwigs I.;
die größte romanische Basilika Altbayerns;
die älteste Pipeline der Welt.
Beste Jahreszeit
GastronomieHöglwörth Klosterwirt Biergarten, Di. Ruhetag Anger Alpenhof Terrasse, Mi. Ruhetag Mai–Sept. kein Ruhetag Bad Reichenhall Bürgerbräu Terrasse, kein Ruhetag Hofwirt Biergarten
Tipps
Alte Saline Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Reichenhalls ist die Alte Saline, die frühere Salzgewinnungsstätte. Zentraler Bau ist das Hauptbrunnhaus von 1834, gleichzeitig Salzmuseum (tgl. 10–11.30 und 14–16 Uhr). Dort befindet sich im Erdgeschoss die große Maschinenhalle mit zwei riesigen Wasserrädern, die das Pumpsystem antreiben; darunter der 1509 in Marmor gefasste Hauptbrunnschacht und wiederum darunter der ebenfalls mit Marmor verkleidete Quellenbau. Seit 1926 wird das Reichenhaller Salz in der neuen Saline gewonnen.
Tourismusbüro
Anger/Aufham Tel. 0 86 56/98 89-0 www.anger.de Bad Reichenhall Tel. 0 86 51/6 06-3 03 www.bad-reichenhall.de
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