Entdeckungen im Weilheimer Umland

Wir fahren in den Pfaffenwinkel. Aber nicht nur, um Kirchen und Klöster zu besuchen, sondern auch, um Verborgenes abseits der Hauptstraßen aufzuspüren. So reizvolle Wander- und Radlreviere, versteckte Badeseen und Aussichtspunkte, gemütliche Gasthöfe und Biergärten und nicht zuletzt Drumlins, jene stromlinienförmigen Buckel aus der Eiszeit. (Autor: Armin Scheider)
9 km
35 m
2.00 h
Erste Station Eberfing. Wir beginnen in Untereberfing, weil wir Einkehr halten wollen im Gasthof Zur Post, der bereits 1481 erwähnt wurde. Zusammen mit seinem urigen Biergarten wird er heutzutage über den Pfaffenwinkel hinaus gerühmt, weil er noch bayerische Gemütlichkeit vermittelt und schmackhafte bodenständige Kost auf den Tisch bringt. Spezialitäten sind u. a. die Schlachtschüssel, gebackener Kalbskopf und hausgemachter warmer Leberkäs, aber auch Wild- und Fischgerichte. Ruhetag ist der Montag. Eberfing steht aber noch für eine andere Besonderheit dieser Region, nämlich für die Eberfinger Drumlinlandschaft. Drumlins sind flache Höhenrücken, die in der Eiszeit von vorrückenden Gletschern tropfenförmig abgeschliffen wurden. In der Landschaft wirken sie wie ein Walrücken im Meer. Die Gegend zwischen Eberfing und Starnberger See ist voll solcher Drumlins, die u.a. bei Wolfetsried, Magnetsried, Jenhausen, Bauerbach und Haunshofen zu beobachten sind. Wir werden später einige dieser Dörfer berühren, vielleicht entdecken Sie mit etwas Glück einen Drumlin. Am Haarsee. Nach Aufbruch erreichen wir wenig später den Haarsee, einen kleinen, romantisch im Wald gelegenen Badesee zwei Kilometer nordöstlich von Eberfing. Heute sicher kein Ort der Einsamkeit mehr, aber auch nie überfüllt und daher eine gute Wahl, wenn man sich erfrischen möchte. Zudem hat sich das Wasser als bakteriologisch einwandfrei erwiesen. Die Badeplätze liegen am Nord- und Ostufer. Hardt-Wanderung. Wieder machen wir einen Sprung, dieses Mal bis Magnetsried. Dort liegen Start und Ziel einer neun Kilometer langen und landschaftlich besonders reizvollen Wanderung. Sie führt rund um das Naturschutzgebiet Magnetsrieder Hardt und durch die Hardtwiesen. Hinaus geht es an der Kirche Richtung Hardtkapelle und an der Gabelung nach 200 Meter rechts. Wir durchqueren nun ein sanft gewelltes Hügelland, oft parkartig und mit Mooreinschlag. Unterwegs bieten sich schöne Ausblicke auf Land und Berge, ab und an taucht auch ein Drumlin auf. Dann erreichen wir die Straße nach Weilheim, wo rechterhand die Hardtkapelle steht. Ihre Entstehung soll einem fremden Hirten zu verdanken sein, der im 13. Jh. einen Streit zwischen Haunshofen und Weilheim geschlichtet und dabei seinen Fußabdruck in einem Stein (Kapellenmitte) hinterlassen hat. An der Straße biegen wir links und nach 500 Metern noch einmal links ab und treten ein in das Gebiet der Hardtwiesen. Dort, wo Feucht- und Trockenbiotope eng beieinander liegen, entfaltet sich im Frühjahr eine Blumenpracht, und zwar in großer Artenfülle und nicht selten mit botanischen Raritäten. Einen Kilometer nach dem Weiler Hardtwiese geht es links in Richtung Farchenbichl. Noch vor dem Hof führt ein schmaler Pfad geradewegs ins Moor und trifft später wieder auf ein Asphaltsträßchen. Es bringt uns mit Alpenblick zurück nach Magnetsried. Eine so schöne Wanderung haben Sie bestimmt schon lange nicht mehr unternommen! In der Pähler Schlucht. Weiter geht es über Jenhausen, Bauerbach, Haunshofen und Diemendorf nach Pähl, genauer gesagt zur Hirschbergalm an der B 2. Konnten Sie auf der Strecke hierher einen Drumlin erspähen? Am Parkplatz der Hirschbergalm führt ein Weg unter der B 2 hindurch in die unter Naturschutz stehende Pähler Schlucht. Schmelzwässer von Gletschern der Eiszeit haben diese tiefe Rinne ausgefräst. Sacht geht es über Treppen und Stege hinunter zum Bachbett und ans Ende der verwilderten Schlucht. Hier stürzt der Burgleitenbach über eine 15 Meter hohe Nagelfluhwand herunter, im Sommer eher spärlich, kraftvoller dagegen im Frühjahr, wenn auch die Vegetation in der Schlucht erwacht. Rechnen Sie für die Wanderung in die Schlucht ab Hirschbergalm hin und zurück ca. eineinhalb bis zwei Stunden. Zwischenhalt in Weilheim. Die letzte Etappe per Auto führt über Pähl und Weilheim nach Polling. Unterwegs müssen Sie entscheiden, ob Sie in Weilheim einen Halt einlegen wollen. Denn einerseits ist das Zentrum der Kreisstadt recht betriebsam und zur Rushhour auch schon mal hektisch, zum anderen aber gibt es Beachtliches zu sehen. Dazu gehört die Kirche Mariä Himmelfahrt (1631), eine der frühesten süddeutschen Barockkirchen. Aus dieser Epoche stammen auch der Wessobrunner Stuck und die Deckenfresken. Hervorzuheben außerdem die Schnitzwerke namhafter Bildhauer dieser Zeit, so u. a. von Franz Xaver Schmädl an den Altären, eine Madonna an der Turmwand von Hans Degler sowie eine Schmerzhafte Muttergottes und ein Kruzifixus von Bartholomäus Steinle. Das Stadtmuseum (Di–So 10–12 und 14–17 Uhr, Sa 10–13 Uhr) im Alten Rathaus am Marktplatz zeigt neben früh- und stadtgeschichtlichen Sammlungen auch Bestände zum örtlichen Handwerk. Unter den wertvollen Skulpturen des Museums sind Werke von Franz Xaver Schmädl sowie ein Engelsrelief von Hans Krumper (1620) und der berühmte Schmerzensmann von Hans Leinberger aus dem Jahre 1527. Pollinger Attraktionen. In Polling angekommen, empfiehlt sich zuerst ein Besuch in der Kirche Hl. Kreuz, der Klosterkirche des ehemaligen Augustinerchorherrenstifts. Ursprünglich spätgotisch, wurde die Kirche bis 1628 tiefgreifend umgestaltet und erhielt von 1761–1765 ihre prachtvolle Rokokoausstattung. Mitgewirkt hat die Künstlerelite der damaligen Zeit. Ins Auge fällt zuerst der prunkvolle Hochaltar, auf dem das Tassilokreuz von 1180 hängt. Es ist mit Pferdehaut überzogen und zentrales Heiligtum der Kirche. Auch der Wessobrunner Stuck, die vergoldete Kanzel sowie die Schnitzwerke und Gemälde der Kirche ringen Bewunderung ab. Fraglos einer der schönsten Kirchenräume Südbayerns. Polling besitzt auch ein beachtliches Heimatmuseum und als Einkehr die Alte Klosterwirtschaft. Herausheben wollen wir aber das parkartige Wanderrevier südlich des Ortes und dazu eine Wanderung vorschlagen. Sie hat das Dorf Berg mit seiner großartigen Aussicht auf Murnauer Senke und Bergkette zum Ziel und ist ca. neun Kilometer lang. Man verlässt das Dorf auf der Probst-Gerhoh- und Hofmarkstraße und biegt direkt nach dem Anwesen Nr. 28 rechts ab in die Wiesenlandschaft (siehe Karte). Auf dem Rückweg entlang des Rettenbachs hat man einen schönen Blick auf den Hohen Peißenberg. Radtour um Weilheim. Zum Schluss eine wunderschöne Radtour, die Ihnen die unterschiedlichen Facetten des Weilheimer Umlandes in gedrängter Form nahe bringt. Ab Ortsmitte Polling folgen wir der Probst-Gerhoh-, Hofmark- und Obermühlstraße, queren die B 2 und verhalten vor Eintritt in das Feichtet-Holz kurz, um das erhabene Landschaftsbild mit der Gebirgskette in uns aufzunehmen. Dann, ab Deutenhausen, folgen wir dem Prälatenweg bis Marnbach. Hier geht es auf der Hardtstraße Richtung Hardtwiese und Farchenbichl wieder hinaus, durch die Hardtwiesen und weiter über Gut Raucherberg nach Wilzhofen. Sollte die Kirche St. Anna dort offen sein, sind auf dem Hochaltar zwei Schnitzfiguren von Franz Xaver Schmädl zu bewundern. Wir setzen die Rundfahrt fort, gelangen über Wielenbach und Unterhausen ins weite Weilheimer Moos und stoßen bald danach auf die Straße Weilheim – Wessobrunn. Dort rechts auf den Radweg und nach 300 Meter links über die Straße und geradewegs nach Süden, auf einem angenehm zu fahrenden Radlsträßchen. Bei schöner Alpensicht erreicht man eine Bahnunterführung, folgt davor dem Weg links entlang der Bahn zur Ammer und fährt am diesseitigen Ufer – links abdrehend – ins Zentrum von Weilheim. Ob Besichtigung in der Stadt oder nicht, die Schlussphase dieser Tour beginnt an der Ostseite der Kirche nach Süden bis zum Prälatenweg. Ihm folgen wir und kehren bei großartigem Bergpanorama nach Polling zurück. Länge der Tour ca. 40 Kilometer. Die Steigungen der ersten Tourhälfte halten sich in Grenzen.

Länge - Autoroute ca. 40 km (Eberfing-Pähl-Polling) Radtour: ca. 40 km Wanderung 1 gut 9 km Wanderung 2 ca. 3 km Wanderung 3 ca. 9 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied35 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktUntereberfing, 6 km südöstlich von Weilheim Anfahrt auf B 2 über Starnberg oder auf Nebenstrecke über Straßlach-Egling-Münsing-Seeshaupt
TourencharakterWir fahren in den Pfaffenwinkel. Aber nicht nur, um Kirchen und Klöster zu besuchen, sondern auch, um Verborgenes abseits der Hauptstraßen aufzuspüren. So reizvolle Wander- und Radlreviere, versteckte Badeseen und Aussichtspunkte, gemütliche Gasthöfe und Biergärten und nicht zuletzt Drumlins, jene stromlinienförmigen Buckel aus der Eiszeit.
Beste Jahreszeit
GastronomieUntereberfing Gasthaus Zur Post Biergarten, Mo Ruhetag Pähl Hirschbergalm Terrasse, kein Ruhetag Weilheim Hotel Vollmann Terrasse, So Ruhetag Allgäuer Hof kein Ruhetag Polling Alte Klosterwirtschaft Biergarten, kein Ruhetag
Tourismusbüro
Pähl Tel. 0 88 08/92 04-0 Weilheim Tel. 08 81/682-136 www.weilheim.de Polling Tel. 08 81/93 90-0 www.polling.de
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