Hüttenwandern in den Mieminger Bergen

Eine Runde in den Miemingern

Die Mieminger Berge stehen zwar angeblich immer im Schatten des beliebteren und auch beeindruckenderen Wettersteingebirges, doch die Schar der Bergwanderer, die von der Ehrwalder Alm über den Seebensee zur Coburger Hütte aufsteigt, widerspricht ganz offenbar dieser Einschätzung. (Autor: Heinrich Bauregger)
Die Mieminger Berge stehen zwar angeblich immer im Schatten des beliebteren und auch beein-druckenderen Wettersteingebirges, doch die Schar der Bergwanderer, die von der Ehrwalder Alm über den Seebensee zur Coburger Hütte aufsteigt, widerspricht ganz offenbar dieser Einschätzung. Für den großen Rest dieser Berggruppe mag dies gelten, nicht aber für den Felsenzirkus rund um die Coburger Hütte.

Denn hier oben finden wir ein alpines Juwel, das zu Recht eine große Wertschätzung erfährt. Nicht nur ist der Blick auf die Zugspitze von dieser Seite besonders beeindruckend, es erwartet uns auch eine gemütliche Alpenvereinshütte auf der Nordseite dieser Berggruppe sowie eine private Unterkunftshütte auf der Südseite.

Almidylle auf der Marienbergalm

Und wer es lieber almtypisch mag, ist mit einer Einkehr und Übernachtung auf der Marienbergalm gut bedient. Früher wurden auf einem Teil dieser Route, die wir auf dieser Hüttenrunde begehen wollen, die Schafe und Ziegen der Obermieminger Bauern über den Grünsteinsattel zur Seebenalm getrieben. Heutzutage erfolgt dies per Viehtransporter, also nicht ganz so romantisch.

Auf unserer Route liegen ein paar anspruchsvolle Gipfel, wie z. B. die Ehrwalder Sonnenspitze, die allerdings den erfahrenen Berggänger voraussetzt, der Hintere Tajakopf, der auch Normalbergsteigern zugänglich ist oder die Wankspitze. Diesen beliebten Gipfel können wir als Überschreitung in unsere Tour einbauen, dann müssen wir allerdings einen Klettersteig bewältigen können, oder wir nehmen ihn uns als Hüttengipfel des Lehnberghauses vor; von dort führt ein leichter Bergwanderweg hinauf.

Auf unserer Rückrunde durchstreifen wir altes Bergbaugebiet, von dem noch Überreste zu sehen sind. Der Knappenweg weist auf die frühere Bedeutung hin.

Routenverlauf der Mieminger Hüttenrunde

1. Etappe - Ehrwalder Alm – Seebenalm – Coburger Hütte

Von der Talstation der Ehrwalder-Alm-Bahn wandern wir auf ausgeschildertem Wirtschaftsweg meist links der Bahntrasse in Kehren hinauf zur Bergstation und der Berggaststätte. Von dort folgen wir weiterhin dem Almfahrweg bergan, queren am oberen Rand der Bergwiesen den Gaißbach und folgen dem Sträßchen durch den Seebenwald zur Ganghofersrast und weiter zur Seebenalm und zum Seebensee (parallel dazu führt auch der alte, schmälere Almweg). An dessen oberen Ende führt ein steiler Serpentinenweg durch einen Latschenhang hinauf zur Coburger Hütte.

2. Etappe: Coburger Hütte – Grünsteinscharte – Lehnberghaus

Von der Alpenvereinshütte auf Pfad hinab zum Drachensee, links um diesen herum und in Serpentinen (Mark.-Nr. 812 bis Lehnberghaus) über eine Geländestufe hinauf bis ins Kar unterhalb der Griesspitzen, wo wir auf einen quer führenden Steig stoßen (links geht es weiter zum Tajatörl). Wir halten uns rechts und queren das weite Kar hinüber bis unter den Übergang. Zuletzt steil hinauf zur Grünsteinscharte (2272 m). Jenseits in kurzen Serpentinen runter in das Kar »Hölle« und weiter in gerader Linie hinab zum Lehnberghaus.

3. Etappe: Lehnberghaus – Arzkasten

Vom Lehnberghaus führt ein breiter Hüttenweg durch Wald hinab, macht weit unten eine Schleife, quert den Sturlbach und erreicht dann das Berggasthaus Arzkasten (parallel dazu führt auch der Bachweg hinab zum Gasthaus; hier muss allerdings mit viel Geröll und Verwaschungen gerechnet werden).

4. Etappe: Arzkasten – Marienbergalm – Marienbergjoch – Ehrwald

Falls wir direkt zur Marienbergalm ansteigen wollen, zweigen wir kurz vor dem Gasthaus Arzkas-ten rechts ab und folgen dem markiertem Alpsteig (Mark.-Nr. 813) nach rechts (es gibt allerdings auch einen parallel dazu verlaufenden Almfahrweg). Er führt uns rechts des Marienbergbaches durch Wald hinauf zur gleichnamigen, bewirtschafteten Alm. Jenseits der Alm dann auf schmalem Fahrweg hinauf zum Marienbergjoch (1796 m). Vom unbewirtschafteten Gipfelhaus folgen wir rechts dem markierten Jubiläumsweg (Mark.-Nr. 28), der uns zuerst nahezu eben durch das Kar auf der Westseite der Rotspitzen leitet und dann nach links zum Schachtkopf abbiegt (diesen kleinen Gipfel können wir mit einem kurzen Abstecher ersteigen). Am Gipfelfuß zweigt links der Knappenweg ab, der uns weiterhin durch Wald hinabführt und auf den Knappensteig mündet. Links auf diesem weiter (einige verfallene Stollen am Weg) bergab. Wir treffen auf den quer führenden Panoramaweg, der uns rechts haltend durch Wald zurück nach Ehrwald leitet.

Gipfelabstecher in den Mieminger Bergen

Hinterer Tajakopf, 2408 m: Der kleinere der beiden Tajaköpfe, die aus einem Seitenzweig der Östlichen Griesspitzen herausragen. Beliebter Hüttengipfel der Coburger Hütte. Der Vordere Tajakopf ist übrigens durch einen rassigen Klettersteig erschlossen. Der Hintere Tajakopf liegt nahezu an unserem Weg zur Grünsteinscharte hinüber auf die Südseite der Mieminger Berge. Also machen wir von dort einen Abstecher. Von der Coburger Hütte folgen wir zunächst dem Pfad hinab zum Drachensee, gehen links um diesen herum und in kurzen Serpentinen über eine Geländestufe hinauf ins Kar unterhalb der Griesspitzen, wo wir auf den von der Grünsteinscharte kommenden Pfad treffen. Hier nun links nahezu eben weiter bis knapp vor das Hintere Tajatörl (2259 m). Hier beginnt der Gipfelanstieg: Links auf dem markierten Pfad um den ersten Felsaufbau herum und hinauf zum begrünten Sattel am Beginn des eigentlichen Gipfelgrates. Auf diesem hinauf zum höchsten Punkt.

Wankspitze, 2209 m: Schroffer und mächtiger, der Griesspitze vorgelagerter Kopf mit großartiger Aussicht über das Inntal hinweg auf die Zentralalpen. Hüttengipfel des Lehnberghauses. Von Süden leicht, von Norden über Klettersteig zu ersteigen.Anstieg vom Lehnberghaus: Kurz hinter der Hütte rechts auf markiertem Weg über eine Lichtung, dann weiter durch Wald in Richtung Osten und hinauf zum Aussichtspunkt »Lacke« (1704 m). Dort schwenkt der Weg nach Norden und wir steigen weiter durch Wald an. Dieser lichtet sich allmählich und wird durch Latschen ersetzt. Wir erreichen den Sattel zwischen der Wankspitze und einem Vorgipfel und folgen nun links dem Pfad hinauf zum Gipfelkreuz.

Anstieg von Norden: Am Abstiegsweg von der Grünsteinscharte, im Kar mit dem abschreckenden Namen »Hölle«, zweigt am Beginn des Latschenfeldes links ein Pfad ab, der uns zunächst hinaufbringt zum Stöttltörl (2036 m). Dort befindet sich der Einstieg (Hinweistafel!). Gleich der Anfang ist anspruchsvoll und karg gesichert; wer den geschafft hat, hat im weiteren Verlauf des Klettersteigs keine Probleme mehr bis zum Gipfel. Der Weg führt dabei seitlich am Grat vorbei bzw. über diesen hinweg. Nach mehrmaligem Auf und Ab ist dann der Nordhang der Wankspitze erreicht, wo uns Trittspuren zum höchsten Punkt leiten.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied2180 m
Dauer10.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktEhrwald (994 m)
EndpunktEhrwald (994 m)
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag&Berndt-Wanderkarte Nr. 322, 1 - 50000 »Wetterstein – Karwendel – Seefeld«
VerkehrsanbindungAuto: Auf der A 95 München – Garmisch bis zu deren Ende, dann über Oberau, Farchant und Garmisch-Partenkirchen in Richtung Griesen. Über die Landesgrenze bis zur Weggabelung kurz vor Ehrwald, dort links nach Ehrwald. In Ortsmitte wieder links halten und den Schildern zur Ehrwalder-Almbahn bis zum Ende der öffentlichen Straße folgen; großer Parkplatz an der Talstation.

Bahn/Bus: Mit der Bahn bis Garmisch-Partenkirchen; dort umsteigen in die Regionalbahn nach Reutte bis zur Haltestelle Ehrwald-Zugspitzbahn. Von dort mit Bus oder Taxi zur Talstation der Ehrwalder Almbahn.
GastronomieSeebenalm (1566 m), privat, von Ende Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet
Gasthaus Arzkasten (1151 m), privates Berggasthaus, nahezu ganzjährig bewirtschaftet; Tel. 0043/5264/8121
Unterkunft
  • Ehrwalder Alm (1502 m), privates Berggasthaus, von Ende Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet, 38 Betten; Tel. 0043/5673/2534
  • Coburger Hütte (1917 m), AV-Hütte, Kat. I, von Anfang Juni bis Anfang Oktober bewirtschaftet, 80 Lager; Tel. 0043/664/3254714
  • Lehnberghaus (1554 m), privat, nahezu ganzjährig bewirtschaftet, von Anfang November bis Weihnachten und die letzten Wochen im April geschlossen, 7 Betten, 17 Lager; Tel. 0043/5264/8333
  • Marienbergalm (1622 m), privat, von Mitte Juni bis Anfang Oktober bewirtschaftet, 20 Schlafplätze; Tel. 0043/5265/5291

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