Eine geistige Wanderung im Vinschgau

Leichte Wanderung auf einem teilweise

eigens errichteten Rundweg, der ab und zu bestehende Wanderwege mit verwendet; Rückweg auf Asphaltstraße. (Autor: Peter Mertz)
3 km
150 m
1.00 h
Ein durchdachter Aufbau Als Kennzeichnung des Weges hat man das älteste Christus-Monogramm gewählt, das an einem römischen Sarkophag im 4. Jahrhundert aufgetaucht ist. In Methode und Aufbau folgt der Weg den altbewährten und in der Volksfrömmigkeit tief verwurzelten Gebetsformen des Rosenkranzes und dem traditionellen Kreuzweg. So stammt die Zahl 15 als Anzahl der Besinnungspunkte ebenso vom Rosenkranz wie die Unterteilung in drei Abschnitte. Das Wandern zwischen den Stationen entspricht dem Betrachten im Gehen und den Geheimnissen des Rosenkranzes. Sie wurden zu sogenannten »Mitgehsätzen« zusammengefasst und werden den Wanderern von einer Station zur nächsten mitgegeben. Jeder der 15 Besinnungspunkte besteht aus drei Bereichen, der Schriftsäule samt den Informationen, dem Symbolgegenstand und einer Sitzgelegenheit zum Verweilen (mit Ausnahme der Station 13 – Kreuzigung). Die Schriftsäule ist in ihrer äußeren Form bei allen Stationen gleich gestaltet als zwei Meter hoher, der Länge nach geteilter Zirbenstamm, auf dessen flacher Seite die jeweiligen Informationen zu lesen sind. Diese Säulen enthalten auch die Mitgehsätze. Der Symbolgegenstand ist vielfältig gestaltet und im Aussehen dem Inhalt der Säule verpflichtet. Man war ausdrücklich bemüht, diesen eng an die umgebende Natur anzupassen und in die Aussage der Station mit einzubeziehenMenschwerdung und Verkündigung Wir starten am Fuß des Nörderbergs etwa 120 Meter nach dem Gasthaus Zollwies zu dieser knapp zweistündigen Rundwanderung und biegen sogleich nach links auf den von der Asphaltstraße abzweigenden Wanderweg ab. Bald erblicken wir das große Eingangstor, bei dem auch eine Säule mit Informationsblättern aufgestellt ist. Dem alten Wanderweg folgend steigt der Besinnungsweg auf dem bewaldeten Schwemmkegel des Kellerbachs langsam bergan. Schon die einzelnen Wegstrecken spiegeln in gewisser Weise den Lebensweg Jesu wider. Die ersten drei Besinnungspunkte beschäftigen sich auch mit dem ersten Lebensabschnitt Jesu – Verkündigung, Geburt und Darstellung im Tempel. Neben einem großen Steinkreis, der die Weltreligionen symbolisiert, treffen wir bei den drei Stationen auch auf eine in einen Hügel eingebaute Steinhöhle als Symbol der Krippe. Nach der dritten Station durchqueren wir das Bett des Kellerbachs, in dem Station 4 an die Taufe im Jordan erinnert. Das Wasser des Kellerbachs wird zum Befüllen eines Beckens genützt, der Kellerbach wird gleichsam zum Jordan. Über mehrere Serpentinen führt der Weg in die dicht bewaldeten Hänge hinauf und erreicht bei einem Aussichtspunkt die Station 5 – Versuchung.Die Gute Nachricht und die Bergpredigt Die Wegroute läuft leicht abwärts wieder dem Taleinschnitt des Kellerbachs zu und trifft bald auf die Station 6, die sinnbildlich auf einem Felsvorsprung angelegt ist und den Titel »Sendung und Auftrag« trägt. Leicht ansteigend passieren wir die Station 7, wo eine Naturarena mit 3 x 7 Sitzbänken für die »Bergpredigt« eingerichtet ist. Die Zahl Sieben steht in der Bibel häufig für unbegrenzt und Drei für Heiliges, Göttliches. Damit wird die Bergpredigt gut charakterisiert als »Gottes befreiendes Wort für unbegrenzt viele Menschen«. Später queren wir die Asphaltstraße, die hinauf zu den Weilern des Nörderbergs führt und kommen zur Station 8 – Der verlorene Sohn. Weiterhin parallel zum Kellerbach ansteigend beschäftigt sich der Besinnungspunkt 9 mit dem Aufruf Jesu, die Kinder zu ihm zu schicken. Dazu hat man eine Geländemulde mit Moos und Waldstreu genutzt, in der Baumhocker aufgestellt sind. Nur wenig später erinnert Station 10 an die Heilung der Gelähmten.Die Vollendung: Alles strahlt, alles atmet, alles spricht: Leben Wir steigen noch ein wenig im Taleinschnitt bergan, um bei der Station 11 einen Eckpunkt des Besinnungswegs zu erreichen. Ein riesiger Holztisch symbolisiert an diesem Rastplatz das Abendmahl, das laut Evangelium von Markus und Lukas im Obergeschoss eines Hauses stattfand und deshalb auf einer Geländeplattform errichtet wurde. Ganz im Sinne der Evangelisten spielt sich der folgende Abschnitt des Besinnungswegs ab. Der Evangelist Johannes schreibt in Zusammenhang mit dem Gang zum Ölberg »Jesus ging mit seinen Jüngern hinaus auf die andere Seite des Baches Kidron«, und ebenso überschreiten wir nach der Station den Kellerbach. Die Landschaft verdichtet sich zu einer symbolträchtigen Kulisse, die zuerst Raum für die Station 12, den Ort der Verurteilung gibt, und dann einen dramatischen Punkt – Golgatha – erreicht. Auf Schritt und Tritt lässt sich nun der Inhalt der heiligen Schrift spüren, bis wir stets ansteigend einen markanten Felsvorsprung mit unzähligen Kreuzen erreichen und sich der Wald zu einem weiten Sichtfeld über Naturns öffnet. Der zerrissene Felskopf hätte nicht besser gefunden werden können, um diesen mystischen Ort zu gestalten. Es ist ein schwindelerregender Punkt, der an den Tod, den Schmerz und das Leid erinnert. Ein gleichsam erholsamer Quergang bringt uns vorbei an einer Abzweigung in Richtung Gsindboden zur überraschenden Station des Besinnungswegs, der Auferstehung. Nach dem Durchschreiten des dunklen Tores mit den schwarzen Ketten des Todes vernehmen wir plötzlich sanftes Wasserrauschen und stehen auf einem paradiesisch gestalteten Platz, den ich nicht näher beschreiben möchte, um das Erleben der Überraschung nicht vorwegzunehmen. Von hier aus geht es stets abwärts zur Station 15, der Geistsendung. Die Landschaft bietet dazu einen eindrucksvollen Ort, nämlich einen kleinen Hügel inmitten des Waldes, der zu einem symbolträchtigen, lichtdurchfluteten und jedem Windhauch ausgesetzten Ort ausgestaltet wurde. Von hier führt uns die Wegroute hinab zur Asphaltstraße, auf die wir nach links einbiegen und in 20 Minuten zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Thermentour

Rundwanderung ca. 1.45 Std.; Variante über den Gsindboden zusätzlich 1.30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour3 km
Höhenunterschied150 m
Dauer1.00 h
AusgangspunktNaturns, Sportplatz/Waldcamping (550 m).
EndpunktNaturns, Sportplatz/Waldcamping (550 m).
TourencharakterGehen wir gemeinsam Das Konzept des Jesus-Besinnungswegs in

Naturns wurde anlässlich der Zweihundertjahrfeier des Herz-Jesu-Gelöb-

nisses von Tirol 1996 beschlossen und bis 1999 umgesetzt. Die gemütliche Wegrunde durchquert die unteren Hänge südlich von Naturns, also auf

der Schattenseite, und bewegt sich stets in Flaumeichen- und Hainbuchenwäldern. Beginnend mit einem Eingangstor hat man 15 Stationen entlang der etwa drei Kilometer langen Schleife angeordnet, die in drei Abschnitte mit je fünf Haltepunkten unterteilt sind. Der erste Abschnitt befasst sich mit der Menschwerdung, der zweite mit dem Sendungsauftrag (»Gute Nachricht«) und der dritte mit der Vollendung. Die Wegroute will aber auch die Umgebung mit der besonderen Eigenart des Geländes samt dem Bewuchs und der Stimmung, die die Landschaft ausstrahlt, in die Vermittlung der Botschaft einbeziehen. Die Natur selbst soll zur Überbringerin der Botschaft des Weges werden, eine Idee, die meiner Ansicht nach sehr gut gelöst wurde. Denn die einzelnen Stationen wurden mit viel Gefühl in die Landschaft eingebaut und topografische Vorgaben ideal integriert. Die wechselnden Ausblicke auf die Talschaft rund um Naturns, die sich immer wieder an Aussichtspunkten ergeben, bereichern die spannende Wegrunde noch zusätzlich.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt, Blatt WKS 12 Naturns – Schnals – Latsch, 1:50 000; Kompass Blatt Naturns, 1:35 000.
MarkierungenEigene Markierung zum Besinnungsweg, Wegweiser zu den Wanderwegen.
VerkehrsanbindungÜber die Vinschgauer Staatsstraße vom Reschenpass oder von Meran kommend bis Naturns, dort der Beschilderung »Sportplatz/ Waldcamping« folgen, Parkplätze beim Sportgelände. Anfahrt mit der Bahn Bahnverbindung von Bozen/Meran nach Naturns, Bahnstation ganz nahe dem Ausgangspunkt.
GastronomieGasthäuser und Restaurants in Naturns, Gasthaus Zollwies nahe dem Ausgangspunkt, Waldschenke am Ausgangspunkt zum Gsindboden.
Tipps
Der Themenweg zum Gsindboden Der Gsindboden befindet sich ebenfalls am Naturnser Nörderberg in einer Höhe von 675 Metern und präsentiert sich uns als Waldlichtung mit historischem Hintergrund. Der Sage nach soll sich hier das Gesinde der umliegenden Höfe getroffen und allerlei Teufeleien getrieben haben. Heute informiert uns eine traumhafte Aussichtsplattform über dem Vinschgau samt Schautafeln über die reiche Kulturgeschichte der Talschaft. Der als Naturlehrpfad Gsindboden ausgeschilderte Rundweg beginnt entweder in Tschirland oder beim Gasthaus Waldschenke (Parkmöglichkeiten) und kommt auch an einem Stolleneingang eines alten Quarzsteinbruchs (Info-Tafel) vorbei. Am Rückweg nach der Aussichtsplattform durchqueren wir die Tschirlander Heide, die als alte bäuerliche Kulturlandschaft unter Schutz steht und eine vielfältige Fauna und Flora beinhaltet. Gesamtgehzeit 1.30 Std.
Informationen
Tipp: Nach der Tour entspannen in der Therme von Naturns

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Peter Mertz

Wandern am Wasser in Südtirol

Wasser ist nicht nur für Kinder faszinierend. Die familienfreundlichen Wanderungen führen zu den schönsten und reizvollsten Wasser-Schauplätzen Südtirols.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema