Ein einmaliger Naturraum: die Adelegg

Wegen des hügeligen Geländes nicht ganz einfache Wanderung auf Wald- und Wiesenwegen (Autor: Martina Gorgas)
7 km
496 m
3.00 h
Lassen Sie sich von der etwas verwirrenden Ausschilderung nicht stören: Wenn Sie unserer Beschreibung folgen, wandern Sie jenseits der Ströme auf Forstwegen und schmalen Pfaden hinauf zum 28,5 m hohen Aussichtsturm am Schwarzen Grat. Unterwegs laden eine Hängematte und eine Nestschaukel zum Entspannen und Spielen ein, oben erwarten Sie eine Turmbesteigung mit Panoramablick, ein kleiner Kiosk zur Versorgung und viel Platz zum Picknicken und Lagern.
Die landschaftlich reizvolle Rundwanderung beginnt am Ortsende von Bolsternang, vor dem Eingang zum Klinikgelände Überruh. Ein schmaler, ausgeschilderter Pfad führt ein kurzes Stück bergauf, um dann auf einen etwas erhöht verlaufenden, sonnigen Weg am Waldrand zu stoßen. Kurze Zeit später zweigt links ein steil ansteigender Weg Richtung Schletteralpe ab, dem wir folgen. Der Schwarze Grat, das Ziel unserer Wanderung, liegt in der Adelegg, einem 112 km² großen Höhenrücken der Alpen zwischen Kempten, Isny und Leutkirch. Das hügelige Land ist ein alpiner Ausläufer der Nagelfluhkette und steht seit 1994 unter Landschaftsschutz.
Früher Tourismus auf der Schletteralpe
Unser Weg stößt auf einen nach rechts führenden Schotterweg, der nur noch sanft bergauf bzw. eben verläuft, eine Wohltat nach dem recht steilen Aufstieg. An einer Bank nehmen wir den Pfad links in den Wald (Höhenweg 9). Über Stock und Stein geht es durch lichten Mischwald, bis wir einen breiteren Schotterweg kreuzen. Wir folgen diesem exponierten, sonnigen Weg und erfahren auf einer Infotafel Wissenswertes über die Adelegg. Weiter geht es links auf einem Schotterweg, wo wir mit einem Panoramablick auf die ersten Berggipfel hinter den bewaldeten Höhenzügen belohnt werden. Wenig später führt ein schmaler Pfad rechts bergauf und wir haben die ehemalige Schletteralpe erreicht, von der allerdings nichts mehr zu sehen ist.
Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieses Waldstück gerodet und als Weidegebiet genutzt. Rund 100 Jahre lang stellten die Bauern hier Käse her. Dann wurde die Käseproduktion ins Dorf verlagert und das Hauptgebäude der Schletteralpe zum Ausflugslokal umgestaltet. Der Tourismus entdeckte die Schletteralpe. Es war die Zeit des beginnenden Trendsports Skifahren, und die Adelegg war als »Schneeloch« bekannt. Auch Sommerfrischler und Wanderfreunde freuten sich über die traumhaften Aussichten über die Alpen und die angenehme Kühle des Waldes. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, mit dem Einsetzen des Wirtschaftswunders, verlor die Adelegg ihren Reiz, im Jahr 1962 wurden Alpe und Weide aufgegeben. Die Gebäude verfielen, die Weide wurde größtenteils wiederaufgeforstet – jetzt erinnert nur noch eine Schautafel an die Schletteralpe.
Heutige Wanderfreunde freuen sich über den schönen Picknick und Rastplatz, den die Schletteralpe bietet, sogar Hängematte und Nestschaukel fehlen nicht. Kinder finden hier Platz zum Spielen, die Erwachsenen genießen den traumhaften Ausblick auf die bewaldeten Höhenzüge und die dahinter liegenden Alpengipfel.
Zum Aussichtsturm Schwarzer Grat
Nach einer gemütlichen Pause folgen wir dem breiten Forstweg, den wir uns hier leider mit Mountainbikern teilen müssen, zum Schwarzen Grat. Dafür liegt der Weg angenehm im Halbschatten des Nadelwaldes und führt nur sanft bergauf; an einigen wenigen exponierten Stellen ist er mit einem Seil abgesichert, aber immer gut zu gehen.
Nach ca. zwei Stunden Gehzeit taucht er wenig später vor uns auf, der graue Aussichtsturm am Schwarzen Grat, unser Ziel. Dort angekommen haben wir die Qual der Wahl: Zuerst auf den Turm mit seinen 156 Stufen? Oder lieber die Picknickdecke ausbreiten und Getränke, Würstchen oder Kuchen am Kiosk holen? Die Kinder zieht es sicher auf den weitläufigen Spielplatz. Kein Wunder, dass es hier an schönen Wochenenden auch mal etwas voll werden kann. Wer sich für die Turmbesteigung entscheidet, wird bei entsprechendem Wetter mit einem grandiosen Bergpanorama belohnt: Zugspitze, Grünten, Nebelhorn, Pfänder sind nur einige der Gipfel, die man von hier oben sehen kann.
Durch den Wald zurück nach Bolsternang
Auch auf dem Rückweg vermeiden wir die »Rennstrecke« nach Bolsternang und halten uns an den linken Waldweg, der recht abwechslungsreich über Wurzeln und Steine bergab führt. Mehrere Schautafeln versorgen uns mit Wissenswertem über die Geschichte sowie die Tier- und Pflanzenwelt der Adelegg. Wir queren eine Forststraße, bleiben aber auf unserem Pfad, der mit einem roten Kreuz markiert ist. Er führt uns angenehm bergab, bis er nach ca. 30 Minuten in einen breiteren Schotterweg übergeht, der halbschattig im Mischwald angelegt ist. Kurz danach erreichen wir den als Weg A ausgeschilderten Weg nach Bolsternang und wandern entspannt über mehrere sich kreuzende Forststraßen talwärts. Das Hinweisschild auf den Waldseilgarten Überruh macht zwar neugierig, dieser ist aber leider nur für erlebnispädagogische Aktionen freigegeben. Im weiteren Verlauf stoßen wir auf das Asphaltsträßchen, das uns wenig später zur Klinik zurückbringt

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied496 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortKlinik Überruh bei Bolsternang
AusgangspunktKlinik Überruh bei Bolsternang
EndpunktKlinik Überruh bei Bolsternang
TourencharakterViele Wege führen auf den 1118 m hohen Schwarzen Grat - das gilt auch für unseren Ausgangspunkt, die Klinik Überruh.
Hinweise
Ein Paradies für Tiere und Pflanzen. Der bewaldete Höhenzug der Adelegg ist noch in unseren Tagen Lebensraum für eine Vielzahl von Tierund Pflanzenarten und stellt damit ein einzigartiges Biotop dar. Neben dem recht häufigen Rotwild, also Hirsch und Reh, leben hier sonst seltene Gämsen und große Kolkraben. Über 64 verschiedene Brutvögel sind auf der Adelegg heimisch. Seltene Insekten tummeln sich hier, außerdem flattern über 200 Schmetterlingsarten über die Bergweiden. In den kleinen Bächen, die zu Kürnach und Eschach fließen, schwimmen Forellen, auch die auf der roten Liste stehende Wasseramsel ist hier noch öfter zu finden. In den feuchten Tobeln sind Amphibien wie der Bergmolch und der Feuersalamander zu sehen. Auf sonnigen Waldwiesen trifft man oft auf Blindschleichen. Diese unter Naturschutz stehenden Tiere bilden einen Schatz, den es zu erhalten gilt. Im Jahr 2003 wurde daher der »Adelegg- Verein – Initiative Kreuzthal- Eisenbach« gegründet, dessen Ziel es ist, den einzigartigen Naturraum Adel - egg neu zu beleben und zu schützen. Informationen unter www.kreuzthal.de/initiative/
KartentippKompass Nr. 187, Oberschwaben (Isny - Wangen - Leutkirch), 1:50 000
VerkehrsanbindungAuto. Auf der A 96 München– Lindau bis Ausfahrt Jengen/Kaufbeuren; weiter Richtung Jengen/Kaufbeuren, dann über Auffahrt Füssen/ Lindau auf die A 7; bei der Ausfahrt Dreieck Allgäu auf die A 980 Richtung Lindau/Oberstdorf, weiter links in Richtung Seltmans; bei der Kreuzung mit der St 2055 rechts, dann links über Toracker nach Bolsternang; im Ort der Ausschilderung zur Klinik Überruh folgen Bahn. Bahnlinie München– Kempten; Haltestelle Kempten Hauptbahnhof; 3 Min. Fußweg; Bus 50 Richtung Kurhaus, Isny im Allgäu; ab Isny mit Bus 1 zur Klinik Überruh
Tipps
»Lug ins Land« – Aussichtsturm am Schwarzen Grat. Durch den Bau der Eisenbahnlinie Isny–Leutkirch im Jahr 1874 entdeckten Wanderer und Sommerfrischler den Schwarzen Grat als Ausflugsziel. Bereits um 1880 wurde an seiner höchsten Stelle ein Aussichtspavillon erbaut, der jedoch im Herbst 1967 durch Blitzeinschlag abbrannte. Der heutige, 28,5 m hohe Holzturm mit seiner Plattform wurde am 20. Mai 1971 eingeweiht. Der Turm ist ständig geöffnet, die Turmstube mit Kiosk bei gutem Wetter vom 1. Mai–1. Nov. (So + Fei)
Informationen
Isny Marketing, Unterer Grabenweg 18, 88316 Isny im Allgäu, Tel. 07562/97 56 30, Fax 07562/975 63 14, info@isny-tourismus.de, www.isny.de
Tourismusbüro
Isny Marketing, Unterer Grabenweg 18, 88316 Isny im Allgäu, Tel. 07562/97 56 30, Fax 07562/975 63 14, info@isny-tourismus.de, www.isny.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Martina Gorgas, Georg Hohenester u.a.

Meine Lieblingsalm

Urige Gemütlichkeit, kulinarische Schmankerl, geniale Aussicht: Wer etwas Besonderes sucht, erliegt dem Charme der Lieblingsalmen in diesem originellen Hüttenführer

Jetzt bestellen