Durchs Dalatal nach Leuk

Auf historischen Wegen durchs Dalatal – eine landschaftlich sehr abwechslungsreiche, wenig anstrengende Wanderung. Für die Leiternpassagen braucht’s einen sicheren Tritt, die fast senkrechten Varner Leitern können auf einem Wanderweg umgangen werden. Alte Bausubstanz in Albinen, Varen und Leuk: Bergdorf, Weindorf, Städtchen. (Autor: Eugen E. Hüsler)
15 km
920 m
4.00 h
Holz- und Eisenleitern Die Route folgt historischen Wegen und weist zwei besonders interessante Passagen auf: die Albinen- und die Varner Leitern. Jene auf der Ostseite des Tals gelten als älteste Verbindung zwischen Leukerbad und Albinen, der westseitige Leiternsteig überwindet eine Felsstufe am Übergang aus dem Dalatal nach Varen. Während die Albinenleitern noch heute aus Holz sind, also sanft renoviert und durch einige Drahtseile ergänzt wurden, verfielen die kürzeren, aber fast senkrechten Varner Leitern, nachdem 1754 ein bequemer Pfad aus dem Fels geschlagen worden war. Als Goethe auf seiner Walliser Reise vorbeikam, waren sie längst verschwunden. Seit einigen Jahren hängen zwei stabile Eisenleitern am Steilfels, Zugang und Ausstieg sind mit Fixseilen versehen. Wer keine Lust auf diesen luftigen Abstecher hat, kann auf den Pfad aus dem 18. Jahrhundert ausweichen. Die LLB Wer schon einmal in Leukerbad war, kennt das Kürzel, prangt es doch auf allen Linienbussen, die zwischen dem Rhonetal und dem berühmten Kurort verkehren. Und es weist auf ein Stück schweizerischer Eisenbahngeschichte zurück. 1915, nach dreijähriger Bauzeit, bekam Leukerbad Bahnanschluss, wurde die Leuk-Leukerbad-Bahn eröffnet. Exakt 10,4 Kilometer lang war die Strecke, bei einer Spurbreite von einem Meter und Maximalsteigungen von 16 %. Die Steilstrecken meisterten drei je 500 PS starke Triebwagen an der Zahnstange (System Abt) mit einer Maximalgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Um Kosten zu sparen, wurden größere Abschnitte der Trasse auf die bereits bestehende Straße verlegt, nach der starken Zunahme des Autoverkehrs ein auf Dauer unhaltbarer Zustand. Da das Geld für eine komplette Sanierung der LLB fehlte, wurde der Betrieb 1967 eingestellt, die bestehenden Anlagen überwiegend abgebaut. Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Inden dient heute als Dorfladen; ein Triebwagen des Typs ABFe 4/4 10 ist ab und zu auf der Museumsbahn Blonay-Chamby über dem Genfer See unterwegs. Nach Albinen Die Wanderung startet auf Asphalt, führt vom modernen Kurzentrum in Leukerbad (1402 m) zunächst flach – vorbei an der Talstation der Torrent-Seilbahn – talauswärts in den Lochwald und oberhalb der Straße zum Beginn der Albinen leitern bei einer kleinen Grotte. Auf den soliden Holzkonstruktionen (zusätzlich Seilgeländer) übersteigt man die steile Felsrampe, dann geht’s im Wald weiter bergan zur Seilbahnstation Flaschen (1540 m; Restaurant). Vom großen Parkplatz leiten die Markierungen auf der Straße abwärts zu einer Verzweigung, dann wenig oberhalb des Asphaltbandes mit schöner Aussicht ins Dalatal quer über die Gräben von Dorbu und Lirschi nach Albinen (1274 m; 2.15 Std.). Beim Gang durch das stattliche Dorf entdeckt man so manches alte Walliserhaus mit Steinplattendach. Wie ein Fremdkörper wirkt dagegen die moderne Pfarrkirche (1959) mit ihrer halbrunden Haube (»gestrandetes Dampfschiff« – Kunstführer durch die Schweiz). Die Varner Leitern Von Albinen geht’s steil hinunter zur großen Straßenbrücke über die schluchtartig eingerissene Dala (Tiefblick!). Man folgt der Straße bergan bis zur ersten Kehre (982 m) oberhalb von Rumeling. Unter der Schatteflüe führt ein breiter Weg links zur markierten Abzweigung der Varner Leitern (3.15 Std.). Ein schmales Felsband (Drahtseil) leitet zur ersten der beiden soliden Eisenleitern, die recht spektakulär den Felsaufschwung überwinden. Anschließend quert man links zurück zum Wanderweg. Man folgt ihm hinunter nach Varen (760 m), das mitten in den Weinbergen liegt. Reben begleiten den Wanderer auch beim Weiterweg: auf einem Fahrweg erst hinab zur Mündung der Dala, dann zwischen Bahn und neuer Straße über den Bach und ansteigend hinein nach Leuk (731 m; 4.15 Std.). Kunst und Geschichte Das Städtchen darf mit Fug und Recht als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden. Mittelpunkt ist die Pfarrkirche, ein schöner Bau der Spätgotik mit romanischem Turm; einen kräftigen Akzent im Ortsbild setzt neben dem ehemaligen Turm der Viztume das Bischöfliche Schloss, erst recht, seit ihm der Tessiner Architekt Mario Botta eine gläserne Kuppe verpasst hat. Ein anderer berühmter Baumeister seiner Zeit, Ulrich Ruffiner, hinterließ ein halbes Jahrtausend früher hier seine Spuren, er war maßgeblich am Umbau von Pfarrkirche und Viztume-Turm beteiligt. Er plante und leitete auch den Bau der alten Dalabrücke bei Rumeling, über die bis Mitte des 19. Jahrhunderts der gesamte Verkehr nach Leukerbad ging. Südlich vor dem Städtchen steht auf freiem Feld die Ringackerkapelle, der prächtigste Barockbau des Oberwallis (1690–94) mit überreichen Stuckaturen und monumentalem Hochaltar.

weinwandern

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied920 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortLeukerbad (1402 m) im inneren Dalatal
AusgangspunktBushalt im Dorf
EndpunktLeuk (731 m), winziges, historisch bedeutendes Städtchen im Rhonetal
Tourencharakter»Vom Wasser zum Wein«. So könnte das »flüssige«, aber durchaus zutreffende Motto für diese Wanderung lauten, die vom berühmten Thermalkurort Leukerbad durch das Dalatal hinunter in die Rebberge von Varen und Leuk führt, vom Berg, aus dem warme Quellen sprudeln, zu den Weinbergen, die den im Wallis sehr beliebten Rebensaft liefern.
Hinweise
Der Roggen – ein Ur-Walliser Roggen wird im Wallis nachweislich seit Jahrtausenden angebaut. Die genügsame Pflanze, der auch raue Winter und trockene Sommer wenig anhaben können, gedeiht im Rhonetal bis in alpine Regionen. Ein Dokument aus dem Jahr 1879 beschreibt einen Roggenacker oberhalb von Findeln bei Zermatt; es dürfte sich dabei um den höchstgelegenen Getreideacker Europas handeln (2120 m). Insgesamt ist der Getreideanbau im Kanton aber stark rückläufig, weshalb dem Sortengarten in Erschmatt besondere Bedeutung zukommt. Hier werden auf kleinen Parzellen die Walliser Getreidelandsorten angebaut, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Der Garten kann besichtigt werden; jeweils am ersten Samstag im Juni, Juli und August finden Führungen statt. Und jene, die es ganz genau wissen wollen, können in Erschmatt ihr Roggenbrot auch gleich selbst backen (drei Backtage). Infos über www.erschmatt.ch oder bei Erschmatt Tourismus, Tel. 027/9325500. Erschmatt (1228m) erreicht man von Leuk über eine gut ausgebaute Straße (Abzweigung in der großen Kehre der Leukerbadner Straße). Sehenswert unterwegs: die Hohe Brücke über der Feschilju-Schlucht.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blätter 263 T und 273 T
MarkierungenWeiß-rot-weiße und gelbe Markierungen, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungIns Dalatal führt eine gut ausgebaute Straße. Linienbus Susten (Bahnhof) – Leuk – Leukerbad
GastronomieEinkehrmöglichkeiten in Leukerbad, Albinen, Varen und Leuk
Tipps
Naturpark Pfynwald Ganz unten im Oberwallis, an der Grenze zum französischsprachigen Teil des Kantons, ist die Rhone (Rotten) nicht kanalisiert, da fließt sie frei und bildet mit ihren Sandbänken, Föhrenwäldern (den größten der Schweiz), Auen, Brackwassern, Steppen und Magerwiesen ein einzigartiges Biotop, in dem der Wiedehopf und der Biber ebenso heimisch sind wie Schlangen und Krebse. Im Naturpark Pfyn-Finges sind über 130 Vogelbrutarten nachgewiesen; 1977 entdeckte ein Zoologe hier sogar ein weltweit unbekanntes Insekt! Einmalig ist auch die Pflanzenvielfalt mit manchen Raritäten der mediterranen wie alpinen Flora. Der Regionalpark befindet sich noch im Aufbau, kann aber bereits auf markierten Wegen besucht werden. Besonders lohnend: eine Wanderung von Sierre nach Susten (etwa 2 Std.) und ein Abstecher zur großen Bhutan-Hängebrücke am Eingang in den Illgraben. Letzterer gilt mit einer Fläche von rund zehn Quadratkilometer als größter Erosionstrichter der Schweiz. Das Natur- und Landschaftszentrum in der 300 Jahre alten ehemaligen Johanniterkomturei in Salgesch informiert über alle Aspekte des Parks: Natur, Kultur, Aktivitäten und Zukunftsperspektiven. Angeschlossen ist ein Shop, der neben Souvenirs auch einheimische Produkte anbietet. Das Zentrum ist Montag bis Freitag 8.30–12 und 13–17 Uhr, Samstag 10–16 Uhr geöffnet.
Informationen
Tourist-Info Leukerbad Tourismus, Rathaus, CH-3954 Leukerbad, Tel. 027/472 71 71, E-Mail: info@leukerbad.ch, www.leukerbad.ch