Durch die Breitachklamm nach Riezlern

Die donnernde Naturgewalt.
Die Durchschreitung der Klamm erfolgt auf einem engen, zum Teil treppenförmig angelegten Steig. Oberhalb der Klamm öffnet sich das Tal, der Weg wird breiter und führt meist nur gering ansteigend stets am Fluss entlang dem Ziel entgegen. Bei gutem Wetter ist die Klamm oft überlaufen; bei Regen ist gutes Schuhwerk erforderlich. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
6 km
300 m
3.00 h
Gefahren in der Breitachklamm.
Seit 1905 ist die Breitachklamm – früher als »Große Zwing« bekannt – als Wanderweg erschlossen. Unter großem Aufwand bahnten sich die Tiefenbacher, ermutigt von ihrem Pfarrer Johannes Schiebel, einen gangbaren Weg durch die gewaltige Schlucht. Dabei mussten sie vor mancher Gefahr auf der Hut sein: Im Sommer schwoll der Wasserpegel nach Gewittergüssen dramatisch an, auch drohten massive Felsstürze; im Winter und Frühjahr stürzten hingegen Lawinen und Eiszapfen herab und veränderten immer wieder das Gesicht der Schlucht.
Derlei Gefahren sind auch in der heutigen Zeit zu beachten, weshalb die Breitachklamm während der Schneeschmelze und nach Unwettern aus Sicherheitsgründen geschlossen bleibt. Die Weganlangen jedenfalls müssen immer wieder mal erneuert oder zumindest in Schuss gehalten werden. Um die Kosten im Zaum zu halten, wird für die Besichtigung der Klamm Eintritt erhoben. Hinter dem Parkplatz am Gasthof Breitachklamm passieren wir das Kassenhäuschen (Erwachsene 2,50 Euro, Kinder bis 15 Jahren 1,20 Euro, letzter Einlass 17 Uhr), dann erreichen wir rasch den Eingang zur düsteren Schlucht.
Im Bann der Naturgewalt.
Dort werden wir gleich von der Kulisse der fast 100 Meter hohen senkrechten und überhängenden Klammwände gefangen genommen. Die Klamm selbst ist teilweise nur wenige Meter breit; manche tiefgrünen Moose und zierlichen Farne haben noch nie das Sonnenlicht erblickt. Blickt man nach oben, lugt der Himmel wie ein verschmitzt lachendes Auge durch den dunklen Felsspalt. Einige unerschrockene Fichtenbäume erheben sich kühn auf kleinsten Felsvorsprüngen. An engen Stellen ist Vorsicht bei Gegenverkehr geboten: Eine Kopfnuss von der überhängenden Felswand kann leicht zu einem Brummschädel führen.
Die Breitach ist in der Schlucht eng in ihr felsiges Flussbett gepresst und bahnt sich unter lautem Getöse ihren Weg. Dabei überwindet sie mehrere Wasserfälle und sammelt sich immer wieder in smaragdgrünen Gumpen. Nördlich von Oberstdorf vereinigt sich der Fluss mit seinen Geschwistern Trettach und Stillach zur Iller.
Bei Unwettern schwillt der Wasserpegel im engen Flussbett dramatisch an. Im Jahr 1996 ergoss sich eine Flutwelle von ca. 300 000 Kubikmeter innerhalb weniger Minuten durch die Klamm; der Wasserstand-Rekord von 4,74 Meter über dem Weg ist bis heute ungebrochen. Dabei riss die Urgewalt des Wassers alles Erdenkliche gnadenlos mehrere Kilometer weit fort – Menschen hätten in diesem Strominferno nicht die geringste Chance gehabt.
Ein andere Naturgewalt offenbart sich im Winter: Die Bäche, die im Sommer in die Klamm herabrinnen, verwandeln sich in bizarre Eisströme, und an den tropfnassen Felswänden bilden sich gewaltige Eiszapfen – man fühlt sich wie in einem majestätischen Eispalast. Zudem türmt sich in niederschlagsreichen Wintern der Schnee unter Umständen meterhoch.
Bald nehmen die beengten Verhältnisse in der Schlucht jedoch ein Ende: Flussaufwärts wird das Tal der Breitach immer breiter. Treppenartig führt der Steig zum Kassenausgang und weiter über eine Brücke auf die andere Seite des Bachs. Über Wurzeln, Stock und Stein geht es fortan dem Ziel entgegen. Immer wieder führen Pfadspuren in das einladend breite Bachbett hinab. Hier hat die Natur mit klarem Quellwasser, mannshohen Felsbrocken und zurückgebliebenem Schwemmholz einen aufregenden Abenteuerspielplatz hinterlassen. In dieser reizvollen Landschaft schmeckt die mitgebrachte Brotzeit noch besser als gewöhnlich.
Über das Waldhaus nach Riezlern.
Eine andere Möglichkeit, sich zu stärken, bietet die idyllisch in einer Waldlichtung gelegene Gaststätte Waldhaus. Auf der Terrasse kann man abseits von Verkehr und Lärm entspannt alle viere von sich strecken und sich mit Milchreis mit Zimtzucker und Kirschen oder Erdbeerbuttermilch stärken. Für Kleinkinder steht ein Puppenhäuschen mit Sandkasten, Minirutsche und Spielsachen bereit. Im Schlussabschnitt der Wanderung ändert sich der Charakter der Tour nur geringfügig. Der munter sprudelnde Bach wird permanent unser Begleiter sein, bevor uns die gut markierte Route zuletzt ansteigend aus der bewaldeten Schlucht in den Ortskern von Riezlern führt. Die Gemeinde besteht aus den weit verstreuten Weilern Inner- und Außerschwende, Egg, Seite und Straußberg, die sich rund um die Schlucht gruppieren. Vom Zentrum gelangen wir mit dem Bus über Oberstdorf wieder zum Ausgangsort zurück. Wer in Riezlern die Bachwanderung noch fortsetzen möchte, kann als Zugabe die Strecke nach Hirschegg in Angriff nehmen.
Rückfahrt.
Von Riezlern mit dem Bus über Oberstdorf zum Ausgangsort zurück (hoch frequentierte Strecke)

Dauer: 3 Std.
Breitachklamm – Ausgang Schlucht 1 Std., Gaststätte Waldhaus 30 Min., Riezlern 1:30 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied300 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGasthof Breitachklamm südlich von Tiefenbach
EndpunktRiezlern
TourencharakterIn der Breitachklamm stürzt das klare Bergwasser tosend durch die enge Schlucht, sammelt sich in tiefen Gumpen und versprüht feinste Tröpfchen in alle Richtungen, was gelegentlich ein prachtvolles Lichtspiel hervorruft. Seit der Eiszeit hat sich das Wasser nahezu 100 Meter tief in das erosionsanfällige Gestein eingefräst. Nach der prickelnd-spritzigen Durchquerung öffnet sich das Tal, und die Sonne begrüßt uns durch lichtes Baumgeäst.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 03: Oberstdorf – Kleinwalsertal, 1:30 000
MarkierungenDie Breitachklamm und Riezlern sind gut ausgeschildert.
VerkehrsanbindungMit dem Auto über Oberstdorf und Tiefenbach zum Gasthaus Breitenklamm (großer Parkplatz); mit dem Zug bis Oberstdorf, dort weiter mit dem häufig verkehrenden Bus
GastronomieGaststätte Waldhaus, Tel.: 0043/8329/68 23
Tipps
Der Schuhgigant in Oberstdorf. Wir wissen ja aus eigener Erfahrung, dass der Wanderschuh immer gut passen muss, um vor lästigen Wehwehchen gefeit zu sein. Doch welchem Riesen soll bitte der 1,65 Meter lange Schuh passen, der als Leihgabe des Hauensteiner Schuhmuseums in Oberstdorf gelandet ist? Immerhin war dem größten Schuh der Welt ein Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde sicher. 216 Menschenfüße würden in diesen Schuh passen oder anders herum: Man müsste 10,80 Meter groß sein und die Schuhgröße 247 haben, um in diesem Schuhgiganten laufen zu können. Zu sehen ist das lederne Kunstwerk im Heimatmuseum Oberstdorf, Oststraße 13.
Tourismusbüro
Verkehrsamt Oberstdorf, Marktplatz 7, 87561 Oberstdorf, Tel.: 08322/70 00, Fax: 08322/70 02 36, E-Mail: info@oberstdorf.de, Internet: www.oberstdorf.de

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