Durch die Aschauer Klamm

Klamm-Abenteuer.
Die Ouvertüre von Schneizlreuth zum Haiderhof verläuft auf anfangs geteertem Fahrweg an der Saalach, dann folgt die Durchquerung der Aschauer Klamm auf einem wunderschönen, teils mit Drahtseilen gesicherten Steig. Das Warnschild »Nur für Geübte« ist nur nach oder bei starkem Regen ernst zu nehmen – dann besteht Überschwemmungs- und Rutschgefahr. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
11 km
280 m
3.00 h
Abenteuer Aschauer Klamm.
Um es gleich vorwegzunehmen: Canyoning klingt zwar nach großem Abenteuer mit gewagten Abseilmanövern und Schwimmpassagen, ist aber im unteren Abschnitt der Aschauer Klamm bei niedrigem Wasserpegel eher eine harmlose Wanderung durch ein zugegeben wildes Bachbett. Zwischen Haiderhof und jener markanten Stelle, an der sich die Schlucht V-förmig in zwei Seitenarme teilt, haben wir einige Wanderer zwischen Wasserstrudeln, Gumpen und Steinplatten herumspringen sehen. Begleitet vom ewigen Rauschen des Baches ist dies im Aufstieg eine mehr als lohnende Alternative zum freilich wunderschön angelegten Steig, den wir dann im Abstieg ohnehin noch genießen. Festes Schuhwerk ist in der Bachschlucht jedoch Pflicht.
Von Schneizlreuth zum Haiderhof.
Um zum Haiderhof zu gelangen, wandern wir vom Parkplatz Hubertus auf dem Teerweg über die Bachbrücke der Saalach und parallel zum Fluss angenehm im schattigen Wald talein. An heißen Sommertagen suchen sogar die Kühe von der nahen Weide Erfrischung am steinigen Ufer; zufrieden machen sie es sich dort bequem. Später verlässt der Kiesweg das Flussufer und führt auf eine Lichtung zu. Eindrucksvoll baut sich das 1309 Meter hohe Achhorn mit seiner abschüssigen Nordwand vor uns auf; die dahinter liegenden weit höheren Loferer Steinberge bleiben uns jedoch verborgen. Nach Querung einer Pferdeweide erreichen wir den schön gelegenen Haiderhof, der vorzugsweise nach der Tour zu einer Rast einlädt.
Vom Haiderhof in die Klamm.
Vom Haiderhof geht es auf dem gut angelegten Steig durch das sich zunehmend verengende Tal. Bei Gewitter oder starkem Regen sollte man diese Schlucht tunlichst meiden. Denn öffnet der Himmel seine Schleusen, sammeln sich hier die Wassermassen auch der zahlreichen Nebenbäche in Windeseile und sorgen unvermittelt für reißende Fluten. Auf solche Extremsituationen zielt wohl das Warnschild »Nur für Geübte« ab, das am Schluchteingang aufgestellt wurde.
Bei trockenen Bedingungen ist die Aschauer Klamm jedoch einfach zu begehen, zumal Drahtseile an steileren Abhängen den Unsicheren Halt bieten und auch die Brücken mit einem einseitigen Geländer gesichert sind. Mit ein wenig Trittsicherheit sind die nur mitunter abschüssigen Hänge also leicht zu bewältigen. Schwindel erregende Tiefblicke bleiben aus, da der Weg nie mehr als 20 Meter hoch über dem Bachgrund verläuft.
Zwischen bizarren Felsabstürzen wandern wir in Bachnähe und wechseln über zwei Brücken die Seite. Unterwegs führen immer wieder kleine Stichpfade durch buschartige Vegetation an das Bachufer heran – für einsame Plätze zum Verweilen ist also gesorgt. An der dritten Brücke endet der eigentliche Klammweg; hier machen es sich viele im einladenden Kiesbett bequem. Das Tal teilt sich in zwei Seitenarme, links plätschert uns der Ellbach entgegen, während rechts der Aschauer Bach seinen Lauf nimmt.
Natur pur am Aschauer Bach.
Es folgt eine landschaftlich großartige Wegpassage entlang dem Aschauer Bach: Zunächst erklimmen wir eine kleine Steilstufe, die der Bach spielerisch mit einem Wasserfall meistert. Oberhalb wird das Gelände wieder flacher; hier überwindet der Bach kleinere Stufen kaskadenförmig in kleineren Wasserfällen. In Flachpassagen bilden sich immer wieder fotogene Gumpen. Wasser und Gestein leuchten je nach Sonnenstand in den unterschiedlichsten Farbtönen. Dann entfernt sich der Steig vom Bachufer und strebt zwischendurch außer Sichtweite des Baches durch Wald auf die Aschauer Klause zu.
Die Aschauer Klause wurde Ende des 18. Jh. in Steinquadern errichtet und diente wie die Theresienklause in der Almbachklamm (siehe Tour 1) als Holztrift zur Saline in Bad Reichenhall. Die Tür zur alten hölzernen Schleuserhütte steht offen, die Fenster sind jedoch verriegelt und lassen somit kein Licht in die Räume. Leider haben Umweltsünder im Vorraum ihren Müll hinterlassen.
Gefährliche Holztrift.
Holz war bis Mitte des 19. Jh. die einzige nennenswerte Energiequelle, sodass die Schleuse eine wichtige Funktion einnahm. Allerdings war die Triftholzlänge aufgrund des engen Bachbetts und zum Schutz des Ufers auf drei Schuh bzw. 90 Zentimeter begrenzt. Dennoch kam es bei der Abtrift unter den Arbeitern immer wieder zu folgenschweren Unfällen, wenn sich das Holz verkeilte und an einzelnen Stellen gefährlich staute; der Fachjargon sprach dann immer von der Bildung eines »Fuchses«. Beim Entkeilen jedenfalls stürzte die Holzfracht unkontrolliert zu Tale und erschlug auf diese Weise wiederholt Menschen.
Auf der anderen Bachseite führt ein beschilderter Forstweg über Oberjettenberg zum Haiderhof zurück. Zwar bieten sich von dieser Route, die weit ausholend durch die Ellbachschlucht führt, reizvolle Ausblicke in die Ausläufer der Aschauer Klamm; mit dem prickelnden Hinweg kann diese Route jedoch nicht Schritt halten, sodass der Verfasser dieser Zeilen – sofern das Element Wasser auch im Abstieg unser Begleiter sein soll – für den gleichen Rückweg plädiert.

Dauer: 3 Std.
Schneizlreuth – Haiderhof 30 Min., Aschauer Klause 1:45 Std., Haiderhof 45 Min., Schneizlreuth 30 Min.;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied280 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktWanderparkplatz Hubertus
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDas an der Deutschen Alpenstraße gelegene Schneizlreuth liegt am Scheitelpunkt mehrerer reizvoller Bachschluchten. Die bekanntesten sind die tief eingeschnittene Weißbachschlucht im Norden und die Aschauer Klamm in südlicher Richtung. Letztere ist zum Wandern, Gumpenbaden und Canyoning wie geschaffen.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 14: Berchtesgadener Land und Chiemgauer Alpen, 1:50 000
MarkierungenAschauer Klamm, Wanderweg Nr. 1
VerkehrsanbindungMit der Bahn stündlich von München nach Freilassing (Richtung Salzburg), dort Anschluss nach Bad Reichenhall; weiter mit dem RVO-Bus 9526 zur Station Schneizlreuth Hubertus. Mit dem Auto auf der A 8 Ausfahrt Piding und auf der B 21 über Bad Reichenhall und Unterjettenberg nach Schneizlreuth.
GastronomieHaiderhof, Tel.: 08652/77 05 67, Mi Ruhetag. Schön gelegene Einkehr mit gemütlichem Biergarten am Eingang der Aschauer Klamm. Empfehlenswert sind die Fruchtsäfte und der Most vom Biobauern sowie die hausgemachten Kuchen.
Tipps
Gletschergarten. Bei der Anfahrt nach Schneizlreuth passieren wir südlich von Inzell den Gletschergarten. Der glatte und ausgewaschene Fels ist bereits von der Alpenstraße gut zu erkennen. An dieser Stelle war das Eis während der Eiszeit über 400 Meter dick. Faszinierend sind die so genannten Riesentöpfe – skurril geformte Felsblöcke, die durch die Wucht des Wassers entstanden sind. Ein fantastisches Naturdenkmal, das in den Ostalpen seinesgleichen sucht. Ein beschilderter Weg führt von zwei Seiten zum Denkmal hin.
Tourismusbüro
Verkehrsamt Weißbach, Berchtesgadener Str. 12, 83458 Schneizlreuth, Tel.: 08665/74 89, E-Mail: verkehrsamt.weissbach@bgl-net.de, Internet: www.schneizlreuth.de

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