Durch den Radein-Cañon

Der »Grand Canyon« von Südtirol.
Großteils leichte Wanderung auf Wald- und Bergpfaden; in der Schlucht auf Bachschotter und kaum sichtbarer Wegtrasse; Eisenleitern und seilgesicherter Steig an der Geländestufe des Butterlochs, die jedoch bei einigermaßen guter Trittsicherheit problemlos zu bewältigen sind (Autor: Peter Mertz)
5 km
445 m
2.00 h
Zum Cañon.
Der größte Teil unseres Wegs führt durch Fichtenwälder und lässt zuerst kaum etwas von dem erkennen, was der Cañon eine Stunde später zu bieten hat. Wir steigen zuerst vom Gasthof Zirmerhof bei der Kirche in Oberradein entlang einer Forststraße bergan und folgen den Markierungen des Wegs Nr. 4, der gleichzeitig die Route des Europawanderwegs 5 ist. Immer auf dem Weg Nr. 4, der uns weiterhin leicht ansteigend zu den oberen Hängen des Cañons bringt, queren wir Forststraßen und Seitenwege. Zuletzt über Latschenfelder erreichen wir den Einstieg in die Bletterbachschlucht. Gleich am Beginn verlangt der schwierigste Abschnitt des Wegs ein wenig Geschick, denn wir müssen über zwei Leitern und seilgesicherte Passagen eine Steilstufe parallel zum Bletterbach überwinden. Der Bach stürzt mit einer schleierförmigen Kaskade gut 50 Meter ins Butterloch hinein, in das auch unser Weg hinabführt. Umgeben von hoch aufragenden Felswänden wandern wir von nun ab relativ weglos an der Basis der Schlucht. Der Bach hat hier den Grödner Sandstein und Muschelkalke freigelegt, die sich farblich abwechseln und wie bunte Papierstapel übereinander geschichtet sind. Das Bachbett selbst liegt hingegen innerhalb eines harten Porphyrsockels. Auch der Laie erkennt, dass es sich hier um unterschiedliche Gesteinsschichten handelt, die im Zuge ihrer Bildung sowie der alpidischen Gebirgsbildung übereinander gepackt wurden. Innerhalb der Schlucht lassen sich versteinerte Schalen von Kopffüßern (Ammoniten) oder anderen Meeresbewohnern und sogar Salzeinschlüsse finden, die anschaulich belegen, dass unser Wandergebiet einmal von Meer bedeckt war. Die Funde sind sogar so bedeutend, dass die Paläontologen von der »Radeiner Flora« sprechen. Früher baute man in kleinen Stollen innerhalb des Sandsteins auch noch Kupferausblühungen und Gipse ab.
Zurück nach Oberradein.
Wir folgen der aufregenden Schlucht abwärts bis zum Weg Nr. 3. Auf diesem steigen wir nach links steil aus der Schlucht hinaus und gelangen wieder in Waldgelände. Immer auf dem Weg Nr. 3 und durch Fichtenwald mäßig bergab wandernd gelangen wir wieder auf den Weg Nr. 4, dem wir nach rechts bis Oberradein folgen.

Dauer: Oberradein – Butterloch 1 Std. – Bletterbachschlucht – Ende 45 Min. – Oberradein 1 Std.; Gesamtgehzeit 2.45 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Höhenunterschied445 m
Dauer2.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktOberradein (1580 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterEin Erlebnis besonderer Art bietet sich vom aussichtsreichen Radein im Südtiroler Unterland. Denn die halbtägige Rundtour durch den RadeinCañon zwischen Aldein und Radein östlich von Auer führt durch die einzigartige Schlucht des Bletterbachs, die unterhalb des Weißhorngipfels (2317 m) beginnt und beinahe bis ins Etschtal reicht. Nicht ganz nebenbei erlangen wir einen Einblick in den Gebirgsaufbau der Dolomiten sowie der westlich anschließenden Berge. Die Gesteinsschichten liegen waagrecht übereinander und zeigen gleichsam Blatt für Blatt, Schicht für Schicht die Erdgeschichte Südtirols. Auch die Färbung der einzelnen Gesteine, eine Mischung aus Weiß, Grau und Rot, lassen Erinnerungen an die Cañonlandschaften Nordamerikas aufkommen.
Die Schlucht wird heute von zahlreichen Besuchereinrichtungen begleitet. Das Besucherzentrum Geoparc Bletterbach befindet sich in Aldein unterhalb der Lahneralm und bietet geführte Touren durch die Schlucht an. Schautafeln und Dioramen zeigen die Vorgänge, die zur Entstehung der Gesteine im Radein-Cañon geführt haben. In Radein selbst befindet sich das Geomuseum, in dem vor allem fossile Funde aus der Schlucht, wie Saurierspuren, versteinerte Fische, Muscheln und Pflanzen, gezeigt werden.
Hinweise
Hinweis. Bei Schlechtwetter oder nach Regenfällen kann diese Tour nicht unternommen werden, weil der Bach unberechenbar anschwellen und den gesamten Schluchtboden überfluten kann. Die Wanderung kann auch von Aldein unternommen werden, sie beginnt dann am Parkplatz bei Lerch. Man folgt einem Forstweg, der beim Abstieg zur Schlucht endet, durchquert den Cañon, steigt beim »Taubenleck« aus der Schlucht aus und kehrt zum Ausgangspunkt zurück. Nach Aldein gelangt man von Bozen aus auch mit dem Bus.
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:50000, Blatt WKS 5 (Gröden); Kompass Wanderkarte 1:50000, Blatt 59 (Sellagruppe, Marmolada)
VerkehrsanbindungVon der Brennerautobahn A 22 bzw. der Brennerbundesstraße SS 12 in Auer auf die SS 48 in Richtung Cavalese, kurz nach Kaltenbrunn über Radein nach Oberradein Keine Busverbindungen nach Radein
GastronomieOberradein, Gasthof Zirmerhof, traditioneller Gasthof mit hervorragender Küche, alter Stube und Sonnenterrasse
Tourismusbüro
Besucherzentrum Aldein, Lerch 40, I–39040 Aldein, Tel.: 0471/886946 Geomuseum Radein, Peter-Rosegger-Haus, Oberradein, I–39040 Aldein; Geoparc Bletterbach, www.bletterbach.info

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