Durch das Schwarzwassertal

Versteckspiel im Schrattenkalk.
Bis zur Ebene der Melköde auf nur leicht ansteigendem Fahrweg durch den Rüchewald talein, dann geht es auf gut markiertem Steig in Abschnitten steil zur Schwarzwasserhütte. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
10 km
400 m
3.00 h
Im Schwarzwassertal.
Das Bachbett an der Oberfläche trocknet dennoch nur dann vollkommen aus, wenn es einige Wochen wenig oder gar nicht regnet. In niederschlagsreichen Wetterperioden bahnt sich ein Teil des Wassers im ursprünglichen Bachbett seinen Weg und stellt auf diese Weise den Kindern einen natürlichen Abenteuerspielplatz zur Verfügung, denn an manchen Stellen führt der Weg direkt an den Bach heran, an dem an heißen Tagen auch Kühe die Erfrischung suchen. Gleich mehrere flache Wiesen laden in Ufernähe zum Verweilen, Spielen und Erforschen ein. An seichten Stellen lassen sich mit etwas Glück kleinere Bachforellen, Kaulquappen und Bergmolche aufspüren. Selten ist hingegen die dunkle Wasseramsel mit ihrem auffälligen weißen Kehlfleck.
Doch abseits der Wege ist Vorsicht geboten: Felsritzen und Gestrüpp bieten den idealen Lebensraum für die schwarze Teufelsotter. Diese Kreuzotterart ist zwar menschenscheu, zählt aber auch zu den giftigsten Schlangen Europas. Weniger gefährlich ist die Rote Waldameise, die leichtfüßig Beute vom Vielfachen ihrer Körpergröße in die Vorratskammer ihrer Kolonie abtransportiert.
Das Schwarzwassertal ist neben der reichen Tier- und Pflanzenwelt auch für seine geologische Vielfalt bekannt. Der Verein Landschaftsschutz Kleinwalsertal hat aus diesem Grund einen Naturlehrpfad angelegt. Leider sind zum Beispiel Bäume und Sträucher nur mit Nummern und nicht mit erklärenden Schautafeln versehen. Abhilfe leistet die Broschüre »Naturlehrpfad Schwarzwassertal«, die in den talnahen Touristenbüros erhältlich ist. Mithilfe dieser Broschüre können wir die gestellten Naturrätsel lösen und nebenbei die Heidel- und Himbeeren am Wegesrand ernten.
Von der Ifenbahn zur Melköde.
Der Anstieg zur Melköde verläuft vom Parkplatz der Ifenbahn stets in südlicher Richtung durch den so genannten Rüchewald. Zwischen den Bäumen liegen überall gewaltige Gesteinsbrocken herum, die vor vielen tausend Jahren vom Hohen Ifen herabgestürzt sind und heute zusammen mit dem nicht geschlossenen Wald eine märchenhafte Kulisse bilden.
Die Melköde liegt am äußeren Rand eines großflächigen Wiesenplateaus. Während der Schneeschmelze und nach heftigen Regengüssen verwandelt sich die zum Teil moorige Ebene in eine einzige Seenlandschaft. Der Schwarzwasserbach, zuvor hinter der Melköde als Wasserfall zu Tale gestürzt, sprudelt hier gemächlich auf den Rand der Rüche zu und taucht dann durch mehrere Felslöcher in den Untergrund ab.
Frische Sennerbrotzeit auf der Alp.
Doch bevor es so weit ist, lockt erst einmal die Melköde mit einer kurzen Einkehr. Die Melköde ist eine von über 500 bewirtschafteten Alpen in Vorarlberg, die aus silofreier Milch eigene Produkte herstellt. Die rund 20 Kühe auf der Weide laben sich ausschließlich an den Gräsern und Kräutern der Alp und erhalten kein zusätzliches Futtermittel. Auf diese Weise ist für die gesunde Qualität der Erzeugnisse gesorgt. Die deftige Brotzeitplatte mit Schinken und Bergkäse ist hier ebenso gefragt wie Kaminwurzen mit Brot. Buttermilch und Topfen runden das Angebot ab. Bis vor wenigen Jahren stellte auch die höher gelegene Schwarzwasseralpe noch eigenen Käse her. Doch der Alpenverein witterte Konkurrenz, pachtete das Gelände und trieb den frustrierten Alpbauern an den Biertresen in das Tal zurück.
Endspurt zur Schwarzwasserhütte.
Nach der stärkenden Sennerbrotzeit kann der Schlussanstieg zur Schwarzwasserhütte in Angriff genommen werden. Teile der in Abschnitten steilen Weganlage sind aufwändig mit Holzstämmen gestützt, um den Hang vor weiteren Erosionsschäden zu bewahren. Der Schwarzwasserbach verläuft in einem tiefen Taleinschnitt südlich des Anstiegs und ist mehr akustisch als optisch wahrnehmbar. Das Dach der Schwarzwasserhütte ist hingegen schon von weitem zu sehen.
Die Versorgung auf der Schwarzwasserhütte wird durch eine Materialseilbahn sichergestellt. Von der Hüttenterrasse zeigt sich das Felsmassiv des Hohen Ifen von seiner schönsten Seite. Der Berg ist der ganze Stolz der Region, und die Hüttenleute schauen den Fremden fragend an, wenn dieser das nicht entsprechend zu würdigen weiß. Wer an diesem geruhsamen Ort eine Nacht verbringt, kann den Hohen Ifen am kommenden Tag überschreiten und somit per Rundtour in das Schwarzwassertal zurückkehren. Die grandiose Tour führt durch mehrere Tobel über die Ifersguntalpe und in weitem Bogen – zum Teil drahtseilgesichert – zum Gipfel, bevor der Abstieg durch die felsige Nordflanke und über die Ifenhütte erfolgt.
Andernfalls kehrt man am selben Tag auf der Aufstiegsroute zum Ausgangsort zurück. Nachdem die Tagesgäste das Weite gesucht haben, kehrt in und um die Hütte eine wohltuende Ruhe ein.

Dauer: 3 Std.
Auenhütte – Melköde 1 Std., Schwarzwasserhütte 45 Min., Melköde 30 Min., Auenhütte 45 Min. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied400 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAuenhütte im Kleinwalsertal
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDas kalkhaltige Gestein im Schwarzwassertal – der so genannte Schrattenkalk – ist so weich und spröde, dass im Lauf von Millionen von Jahren immer mehr Wasser in sein Inneres eindringen konnte und ein Labyrinth an Höhlengängen und -kammern hinterließ. Auch der Schwarzwasserbach taucht kurz hinter der Melköde ab und fließt fortan ein gutes Stück weit unterirdisch.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 03: Oberstdorf – Kleinwalsertal, 1:30 000
VerkehrsanbindungVon Oberstdorf in das Kleinwalsertal, hinter Riezlern Abzweigung in das Schwarzwassertal. Parkplatz an der Auenhütte (Talstation des Ifen-Sessellifts). Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln steigt man am Bahnhof Oberstdorf vom Zug in den Bus nach Riezlern um; von dort fährt ein Bus zur Talstation der Ifenbahn.
GastronomieMelköde, Tel.: 0043/664/170 84 24, geöffnet während der Alpsaison von Fronleichnam bis Ende Oktober; Schwarzwasserhütte (siehe Übernachtung)
Unterkunft
Schwarzwasserhütte (1651 m), Tel.: 0043/664/3 41 24 57, geöffnet Weihnachten bis Ostern und Pfingsten bis Ende Oktober
Tourismusbüro
Kleinwalsertal-Tourismus, Im Walserhaus, A-6992 Hirschegg, Tel.: 0043/5517/511 40, Fax: 0043/5517/51 14 21, E-Mail: info@kleinwalsertal.com, Internet: www.kleinwalsertal.com

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