Drei Schlösser auf einer Tour

Forstwege und alpiner Steig (Autor: Martina Gorgas)
Wenn Sie in Füssen am Hohen Schloss den Drei-Schlösser-Weg ansteuern, werden Sie am Ende des Tages genau das erlebt haben und eine Vielzahl schöner Bilder im Kopf mitnehmen. Allerdings müssen Sie sich auf einigen Trubel einstellen. Daher unser Tipp: Brechen Sie möglichst früh morgens auf und vermeiden Sie die Hauptsaison. Die Wanderung ist übrigens auch ohne Besichtigung der Schlösser sehr zu empfehlen.
Ausgangspunkt der Wanderung ist das Hohe Schloss in Füssen, das majestätisch auf einem Bergsporn oberhalb der Altstadt thront. Ende des 13. Jahrhunderts begann Herzog Ludwig der Strenge von Bayern mit dem Bau des Schlosses. Nach der Verpfändung Füssens an das Augsburger Hochstift wurde es erweitert und ab 1500 in seine heutige Form umgestaltet. Das Hohe Schloss ist eine der bedeutendsten spätgotischen Schlossanlagen Deutschlands. Besonders hervorzuheben sind die farbigen Illusionsmalereien an den Fassaden. Heute befinden sich im Schloss die Bayerische Staatsgemäldesammlung und die Städtische Gemäldegalerie. Beeindruckend ist auch der Rittersaal mit seiner geschnitzten spätgotischen Kassettendecke. Vom Uhrturm aus hat man einen schönen Blick über Altstadt und den Forggensee.
Panoramablick vom Kalvarienberg
Nach der Besichtigung des Hohen Schlosses laufen wir hinunter in die Altstadt und folgen ab dem Rathaus der Ausschilderung des Drei-Schlösser-Wegs in Richtung Lech. Es geht über die Theresienbrücke, dann rechts und ein kurzes Stück an der Straße entlang. An einer Kapelle führen links Stufen und später ein Steig bergauf zu einer Steinsäule mit einem Goldkreuz, das, wie wir lesen können, dem Geistlichen Rathe John. Bapt. Graf gewidmet ist. Unser Weg führt auf den Kalvarienberg, was die verschiedenen Stationen des Kreuzwegs, die die Leidensgeschichte Jesu dokumentieren, belegen. Nach etwa 30 Minuten erreichen wir den gleichnamigen Aussichtspunkt, von dem wir einen Panoramablick auf die drei Schlösser, die imposante Bergkulisse und das Allgäuer Voralpenland mit seinen Seen haben.
Zum Schloss Hohenschwangau
Vom Kalvarienberg geht es bergab, auf teilweise ausgesetztem Pfad. Bei Sonnenschein wandern wir sehr schön durch lichten Wald, bis unser Pfad in einen breiteren Schotterweg mündet. Dort halten wir uns links und gehen auf dem Forstweg sanft bergauf. Nach etwa einer Stunde kommen wir zum romantisch gelegenen Schwansee, der von einem breiten Schilfgürtel umgeben ist. Darüber thront vor imposanter Bergkulisse das Schloss Hohenschwangau, unser nächstes Ziel. Wir laufen auf dem Schotterweg am See entlang, im Hochsommer befindet sich hier eine Badestelle, im Herbst genießen wir die Ruhe. Wenig später erreichen wir das Ende des Naturschutzgebietes und unser Weg entfernt sich, nach links führend, vom See. Zuerst geht es durch den Wald, dann ein kurzes Stück an der Straße und am Parkplatz entlang. Im weiteren Verlauf folgen wir dem Weg Nr. 18 zum Schloss Hohenschwangau, das wir über Stufen und mehrere Serpentinen erreichen.
Das Schloss Hohenschwangau geht auf die Ruine der mittelalterlichen Burg Schwanstein zurück, die ab 1833 vom Kronprinzen Maximilian, dem späteren König Maximilian II. und Vater Ludwigs II., zu einem Schloss im neugotischen Stil umgebaut wurde. Die Königsfamilie nutzte das Schloss als Sommerresidenz, Ludwig II. verbrachte hier große Teile seiner Kindheit. Die Innenräume wurden im Stil der Romantik mit Wandgemälden aus der mittelalterlichen Sagenwelt ausgestattet.
Wir verzichten auf die Schlossführung und begnügen uns mit einem Blick von außen auf das romantische Schloss und den reizvollen Schwanseegarten, der vom italienischen Theaterarchitekten Domenico Quaglio angelegt wurde. Mehrere Springbrunnen sorgen für Abwechslung, besonders imposant ist der Löwenbrunnen, der an die Alhambra in Spanien angelehnt ist. Er steht für den Orient, während der Marienbrunnen als Symbol für den christlichen Glauben dient.
Wenn wir uns satt gesehen haben, gehen wir auf dem gleichen Weg wieder zur Straße zurück, überqueren diese und machen uns an den Aufstieg zum Schloss Neuschwanstein, der am Hotel Lisl vorbeiführt.
König Ludwigs Märchenschloss
Wir folgen den Stufen bergauf, gehen ein kurzes Stück am Fahrweg entlang, der auch von den Pferdekutschen benutzt wird, um dann rechts den zur »Jugend« führenden Fußweg einzuschlagen. Zur Linken haben wir immer wieder einen schönen Blick auf Schloss Hohenschwangau und werden damit vom kontinuierlich steil ansteigenden Weg abgelenkt. Wenig später trifft unser Weg auf den Teerweg zum Schloss, jetzt sollten wir unbedingt den Abstecher zur Marienbrücke (ausgeschildert) machen. Maximilian II. hatte die Brücke, die sich über der imposanten Pöllatschlucht erhebt, in den 1850er-Jahren als Geburtstagsgeschenk für seine Gemahlin errichten lassen. Von der Brücke aus haben wir einen fantastischen Blick auf das Schloss und die dahinter liegende Alpekette – der Blick nach unten in die Schlucht ist weniger zu empfehlen …
Dann geht es wieder zurück auf den Weg zum Schloss, das wir wenig später erreichen. Das berühmteste Schloss König Ludwigs II. gilt als ein Meisterwerk des Historismus, seine Architektur und Innenausstattung sind vom romantischen Eklektizismus des 19. Jahrhunderts geprägt. Ludwig II. ließ das oft als »Märchenschloss « bezeichnete Neuschwanstein ab 1869 als idealisierte Vorstellung einer mittelalterlichen Ritterburg errichten, lebte allerdings nur wenig Monate dort und starb noch vor der Fertigstellung der Anlage. Wir werfen einen Blick in den schönen Innenhof und berauschen uns an der spektakulären Lage des Schlosses vor der Bergkulisse der Allgäuer Alpen. Einen besseren Platz hätte Ludwig II. kaum auswählen können.
Rückweg durch die Pöllatschlucht
Vom Schloss Neuschwanstein gehen wir ein kurzes Stück auf dem Hinweg zurück, bis wir den Abzweig zur Pöllatschlucht erreichen, dem wir folgen. Auf einem alpinen Steig geht es teilweise recht steil und ausgesetzt bergab in diese grandiose Schlucht mit ihrem imposanten Wasserfall, die wir bereits von der Marienbrücke aus kennen. Kinder und Erwachsene sind gleichermaßen begeistert von der klammartigen Schlucht und dem damit verbundenen Naturerlebnis. Besonderen Spaß macht es, an der seichten Stelle ans Wasser hinunter zu gehen und die bereits vorhandenen Steinmännchen um neue Exemplare zu ergänzen. Hier lässt sich im Sommer auch schön Picknick machen. Unser Weg führt uns weiter oberhalb des Wasserfalls, der sich in mehreren Stufen bergab stürzt. Am Ende der Schlucht wagen wir uns sogar auf Metallstege, die oberhalb des Wasserfalls vor den Felsen gebaut wurden. Ein echtes Erlebnis!
Am Ende der Schlucht entfernt sich unser Weg vom Wasser und führt angenehm schattig am Waldrand entlang zurück nach Hohenschwangau. Dort befindet sich gegenüber vom Info-Center die Bushaltestelle, wo wir den Bus nach Füssen nehmen, der etwa einmal pro Stunde fährt (ca. 40 Minuten nach der vollen Stunde)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour5 km
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortHohes Schloss Füssen
AusgangspunktHohes Schloss Füssen
EndpunktBahnhof Füssen
TourencharakterWo gibt es das sonst auf der Welt? Eine Wanderung, bei der man drei Schlösser in traumhafter Lage und eine beeindruckende Schlucht mit einem wilden Wasserfall erreicht?
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 4, Füssen Außerfern, 1:50 000
VerkehrsanbindungAuto. Auf der A 96 München– Lindau bis Ausfahrt Jengen-Kaufbeuren; weiter über Marktoberdorf nach Füssen; in Füssen am Bahnhof parken, von dort wenige Minuten Fußweg zum Hohen Schloss Bahn. Bahnlinie München– Kaufbeuren; von Kaufbeuren mit der Regionalbahn nach Füssen, vom Bahnhof wenige Minuten Fußweg zum Hohen Schloss
Tipps
Schlossbesichtigung Neuschwanstein und Hohenschwangau Geöffnet Apr.–Sept. 9–18 Uhr, Kassenöffnung: 8 bis 17 Uhr, Okt.–März 10–16 Uhr, geschlossen am 1. Jan., 24., 25. und 31. Dez.; Eintrittspreise pro Schloss € 9, ermäßigter Preis € 8, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren freier Eintritt; »Königsticket « für den Besuch der Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau am gleichen Tag € 17 bzw. € 15 (ermäßigt); Eintrittskarten sind nur im Ticketcenter Hohenschwangau erhältlich. Eine Reservierung von Eintrittskarten ist gegen einen Zuschlag bis spätestens einen Tag vor dem gewünschten Schlossbesuch möglich. Ticketcenter Neuschwanstein- Hohenschwangau, Alpseestraße 12, 87645 Hohenschwangau, Tel. 08362/93 08 30, Fax 08362/930 83 20, www.ticket-center-hohenschwangau.de
Informationen
Tourist Information, Seeweg 4, 87629 Füssen-weißensee, Tel. 08362/65 00, Fax 08362/392 65, www.fuessen-weissensee.de, touristinformation@fuessen-weissensee.de
Tourismusbüro
Tourist Information, Seeweg 4 , 87629 Füssen-Weißensee, Tel. 08362/65 00, Fax 08362/392 65, www.fuessen-weissensee.de, touristinformation@fuessenweissensee.de

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