Die Sorgschrofenüberschreitung

Eine kurze, landschaftlich sehr reizvolle Tour, mit Ausnahme der Gratüberschreitung auf markierten Wegen. Der Verbindungsgrat ist klettermäßig leicht, erfordert aber etwas Übung im Schrofengelände. (Autor: Günther Laudahn)
8 km
600 m
3.00 h
Ausgangsort für unsere Tour ist Unterjoch mit Anfahrt über Wertach oder Hindelang – Oberjoch. Die Tour von hier aus anzugehen ist wesentlich günstiger als der Aufstieg von Jungholz, der nur dann sinnvoll ist, wenn man allein den Nordostgipfel besteigen und den Gratübergang nicht ausführen will. Der Grat ist vom Zinken zum Nordostgipfel leichter als in der Gegenrichtung, weil der kurze, sehr steile Schlußhang im Aufstieg angenehmer ist als im Abstieg. Zudem ist die unumgängliche Wanderung von Unterjoch auf der Asphaltstraße zu den Zehrerhöfen in der morgendlichen Kühle viel besser als beim Rückweg am Nachmittag. Vor allem aber wäre die abschließende Wanderung von Unterjoch nach Jungholz erheblich länger und anstrengender. Parken kann man im gesamten Ortsbereich von Unterjoch nur noch mit Parkschein, es sei denn, daß es Ihnen gelingt, den Wagen in Ortsmitte auf privatem Parkgrund abzustellen. In der Vorsaison, etwa bis Ende April, wird Ihre Bitte um Parkerlaubnis wohl Erfolg haben, in der Saison kaum noch. Am besten parkt man dann auf dem Parkplatz am Ortseingang (1999 - 4 Stunden 3, 10 Stunden 5 DM). Im Bereich der Kirche, wo die eigentliche Tour beginnt und endet, ist das Parken wesentlich teurer. Vom Parkplatz am Ortseingang sind es fünf Minuten zur Kirche. Hier geht es auf der erwähnten Straße, die für den allgemeinen Verkehr gesperrt ist, mit hübscher Aussicht auf den westlichen Teil des Tannheimer Tals zu den Zehrerhöfen, einer kleinen Häusergruppe am Südosthang des Sorgschrofenmassivs. Ein gut markierter Weg führt an den bewaldeten Hang heran, beginnt nun stärker zu steigen und leitet dann in langer ansteigender Querung aussichtsreich und trotz der Südostlage weitgehend schattig zu einem freien Grashang, wo er in vielen kurzen Kehren zur Kammhöhe emporzieht. Unterhalb des mit einigen markanten Felsköpfen bestückten Grats gelangen wir, immer auf deutlichem Steig, zum Gipfelaufbau des Zinken und hier über gutgestufte steile Schrofen durch ein Fenster im Fels auf die Nordseite. Zwei Drahtseile sichern die letzten Höhenmeter über plattige Stufen zum Gipfel hinauf. Dieses ausgesetzte letzte Stück ist bei normalen Verhältnissen problemlos. Bei hartem Schnee oder gar Vereisung, die im Frühjahr durchaus gegeben sein kann, selbst wenn die anderen Passagen der Tour schneefrei sind, ist diese Stelle trotz der Seilsicherung heikel. Geübte brauchen dennoch nicht zu verzichten, denn es gibt eine Umgehung auf der Südseite: Am Fuß der Schrofen unterhalb des Felsfensters zieht ein schmales grasiges Band nach links empor, das von einer mannshohen abdrängenden Felsstufe unterbrochen ist. Sie wird auf kleinen Tritten erstiegen, wobei ein Felszacken solide Griffe bietet. Gleich darauf erreicht man den Grat und über leichte Grasschrofen auf der Nordwestseite den Zinkengipfel. Trotz seiner geringen Höhe ist der Zinken ein guter Aussichtspunkt mit weitem Blick ins Alpenvorland und reizvollen Tiefblicken. Die Aussicht nach Süden in die Allgäuer Berge ist auf die nähere Umgebung beschränkt, nur die Gipfel im Bereich des Tannheimer Tals treten markanter hervor. Wichtig für uns ist der Blick über den Verbindungsgrat hinweg auf den Sorgschrofen-Nordostgipfel, der so nah aussieht und doch eine halbe Stunde entfernt ist, weil man wiederholt in von hier nicht sichtbare Scharten absteigen muß. Gehen wir unsere Gratüberschreitung an. Zunächst steigen wir auf dem Normalweg so weit ab, bis ein Steiglein nach links abzweigt, das den Gipfelfels umgeht und dann wieder steil zum Grat hinaufführt. Schlanke können auch statt der Umgehung schon etwas höher in einer im Fels eingeschnittenen Rinne zu einem engen Spalt aufsteigen und am Klemmblock vorbei auf den Grat gelangen. Das ist zwar ganz interessant, aber eher länger als die Umgehung. Das nun folgende Gratstück ist schmal, doch gut gangbar. Es fällt steil in eine Scharte ab, zu der wir auf Schrofentritten links unterhalb der Gratkante absteigen. Jenseits führt die Pfadspur gleich wieder auf den Grat, den wir nur kurz beibehalten können. Den fast senkrechten Abbruch in die nächste Scharte umgehen wir in einer steilen, aber gutgestuften Schrofenrinne oder, weniger günstig, schon vorher auf erdigen Grastritten. Von der Scharte leitet der nun deutliche Steig erneut auf den Grat und dann am Fuß der Gipfelfelsen zu einem recht steilen, von Schrofen durchsetzten Grashang, über den wir, den Steigspuren folgend, rasch den Gipfel gewinnen. Eine Umgehung dieses Steilhangs ist ohne sehr schwierige Kletterei nicht möglich. Der rechts unmittelbar zum Gipfel ziehende Felsgrat ist nur im unteren Teil gangbar. Eine tief eingerissene, auf der Gipfelseite von überhängendem Fels begrenzte Scharte bildet ein unüberwindliches Hindernis. Die Aussicht vom Nordostgipfel ist ganz ähnlich wie die vom Zinken, nur hat man jetzt einen freien Blick ins Vilstal hinein und auf den nördlichen Teil von Pfronten. Für die Rückkehr nach Unterjoch haben wir nun wieder markierte Wege. Nach einer kleinen schrofigen Einschartung am Gipfel geht es in einer plattigen Rinne hinab zum Nordrücken und später in Linkswendung zum oberen Ende des von Jungholz heraufkommenden Schlepplifts. Hier zweigen verschiedene Wege ab. Wir benützen den auf der nach links am Hang entlangziehenden Skipiste und erreichen nach einigen Minuten das Älpele, eine kleine Hütte, deren helles Dach schon vom Gipfel auffiel. Vom Älpele steigen wir zu einem unterhalb stehenden Wegweiser ab und folgen dort dem Schild »Rundwanderweg Sorgalpe«. Der Weg führt in einer ausholenden Kehre erst durch Wald, dann am freien Hang hinab. Verpassen Sie nicht den schmalen, nicht sehr deutlichen Wiesenpfad, der nach links vom Hauptweg abzweigt. Er trifft hinter dem Zaun am Waldrand – Schild »Sorgalpe« – auf einen breiten Forstweg, der uns in hübscher Waldwanderung an den Nordwesthängen des Sorgschrofenmassivs nach Unterjoch zurückleitet.

Dauer - nur Zinken: 600 m, 2,75 bis 3,5 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied600 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktUnterjoch, Parken am Ortseingang, 1013 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Sorgschrofen Südwestgipfel (Zinken),1613 m - Nordostgipfel (Hauptgipfel), 1636 m.
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