Die Sextener Rotwand, 2936 m

Rotwandwiesen – Rotwandköpfe – »Rotwand-Klettersteig« – Rotwand – »Ferrata Zandonella SE« – »Ferrata Zandonella S« – »Rotwand-Klettersteig« – Burgstall – Rotwandwiesenhütte (Autor: Eugen E. Hüsler)
La Grande Guerra.
Donnergrollen lag auch vor bald einem Jahrhundert über diesem Winkel der Sextener Dolomiten - Krieg. Besonders heftig wurde dabei um die Rotwand (2965 m), den »Zehner« der berühmten Sextener Sonnenuhr, gekämpft. Noch heute stößt man überall auf Spuren des Grande Guerra: Kavernen, Wege, Schützengräben. Besonders eindrucksvoll sind die Überreste einer größeren Barackensiedlung, der so genannten »Wurzbachstellung«, an der man beim Aufstieg vorbeikommt. Auf den Rotwandwiesen befand sich damals die Zwischenstation einer von Bad Moos ausgehenden Seilbahn, die bis in das Hochkar unter dem Rotwandgipfel führte. Nach dem Verlust der Sentinellascharte bauten österreichische Truppen einen neuen nordseitigen Anstieg zu den Gipfel-stellungen; ihm folgt im Wesentlichen der 1973 eingeweihte Rotwand-Klettersteig.
Auch die Südflanke des Bergstocks ist gespickt mit Überresten ehemaliger Stellungen. Die »Ferrata Zandonella« erschließt die teilweise in extremem Felsgelände errichteten Anlagen der Alpini. Da sie aus zwei Abschnitten besteht, die sich miteinander kombinieren lassen, ergibt sich die Möglichkeit zu einer ganz großen Klettersteigrunde an der Rotwand mit Ausgangspunkt Rotwandwiesen – Sextener Dolomiten total.
Die Rotwand.
Der einzige Gipfel der Sextener Sonnenuhr mit vergleichsweise leichtem Zugang ist die Sextener Rotwand. Und der Anstieg wird zudem noch angenehm verkürzt durch die Rotwandwiesen-Gondelbahn, weshalb sich an Schönwettertagen nicht bloß ein paar Bergdohlen beim großen Kreuz am Ostgipfel treffen. Einen starken Kontrast zu all den Kriegsspuren am Anstieg bildet das herrliche Panorama. In ihm stehen neben allerlei Prominenz wie Großglockner und Drei Zinnen vor allem im Osten viele »namenlose« Berge bis hin zum Triglav (2864 m) in den slowenischen Juliern. Wer erkennt in dem Gipfelmeer den Drachenrücken der Crode dei Longerin (2571 m), die formschöne Cridola (2581 m) oder die mächtige Terza Grande (2586 m)?
Zustieg.
Von der Liftstation (1914 m) führt ein breiter Weg mit geringem Höhenverlust zu der Wegkreuzung oberhalb der Rotwandwiesen. Hier hält man sich rechts und folgt dem Pfad, der gegen die nördlichen Ausläufer der Rotwandköpfe ansteigt, dann auf deren Westflanke wechselt. Mit schöner Aussicht zur Dreischusterspitze und zum Einser erreicht man eine nächste Verzweigung: geradeaus geht’s zur Elferscharte, links weiter am Grat entlang, durch Latschen und über kleine Felsstufen, zuletzt kurz in eine Mulde absteigend.
Der Rotwand-Klettersteig.
Hier quert man hinüber zum Einstieg des »Rotwand-Klettersteigs«. Gut 100 steile Leiternsprossen helfen hinauf in das Geröllkar unter dem Wurzbachgipfel (2675 m). Eine markierte Spur führt zwischen Bergsturztrümmern weiter bergan; Drahtseile leiten durch eine Rinne auf einen Schrofenhang und über ihn in eine namenlose Scharte; links die Überreste der Wurzbachstellung. Hier wechselt der Klettersteig auf die Westseite, steuert nach kurzem Zwischenabstieg (Sicherungen) eine Felsschulter (2698 m) an, wo man erstmals freie Sicht auf das Elfermassiv und den »Alpinisteig« hat. Nicht zu übersehen ist auch die unmarkierte Spur, die durch das weitläufige Kar zum Felsfuß des Rotwandmassivs hinabläuft (siehe Tour 6).
Die Fortsetzung des »Rotwand-Klettersteigs« führt im Geröll (Stellungsreste, Schützengräben) hinauf zur Gipfelwand. Drahtseile erleichtern hier den Anstieg über den gestuften Fels mit einer kurzen, sehr steilen Stelle, die Klettertechnik oder ordentlichen Armzug verlangt. Hoch in den Felsen des Hauptgipfels sind die Überreste der so genannten Vinatzer-Baracken auszumachen. Ihr Name erinnert an die beiden Brüder Christl und Vinzenz Vinatzer, die bei der Verteidigung der Rotwand 1917 ihr Leben ließen.
Von rechts mündet die Südroute der »Ferrata Zandonella«.
Links ansteigend zum großen Kreuz (2936 m), im Ersten Weltkrieg ein österreichischer Beobachtungsposten.
Ferrata Zandonella – Via SE.
Drahtseile leiten vom Gipfel zunächst am schrofigen Nordostgrat abwärts, dann rechts in steileres Gelände und über Felsstufen und Rippen ziemlich ausgesetzt hinunter in das Ostkar unter der Rotwand. Einige kurze Passagen sind fast senkrecht, die Sicherungen aktuell (2007) in wenig gutem Zustand. Man quert das Kar auf deutlicher Spur (im Frühsommer Schnee) in die Scharte zwischen dem Torrione Pellegrino und den Guglie (Forcella A, ca. 2680 m). Drahtseile leiten über Felsen steil hinauf zum »Brenta-Band«, das horizontal durch die Südabstürze der Guglie verläuft und faszinierende Ausblicke auf die Kulisse des Vallon Popera vermittelt (Kavernen, Stellungen). Es mündet in eine Rinne, die den Abstieg zum Canalone 2° und weiter in den obersten Vallon Popera ermöglicht.
Ferrata Zandonella – Via S.
In lockerem Geröll steigt man gegen den Felsfuß (Grotte) an und folgt rechts einer undeutlichen Spur zum Einstieg bei einer Kaverne (ca. 2680 m). Den Auftakt macht ein kurzer Überhang, der mit kräftigem Armzug zu meistern ist, dann quert die Route in eine Schlucht. Hier besteht ganz erhebliche Steinschlaggefahr, vor allem durch Vor- oder Absteigende! Die Kletterei in dem zwar steilen, aber griffig-festen Fels macht Spaß; an zwei senkrechten Aufschwüngen sind kurze Leitern montiert. Schließlich mündet die »Ferrata Zandonella« auf ein komfortabel breites Horizontalband mit italienischen Stellungsresten (2840 m). Es empfiehlt sich, dem Band nach links ein Stück bis zu jener Stelle zu folgen, die einen packenden Tiefblick auf die Sentinellascharte bietet. Sie war nach dem Überraschungscoup vom Frühling 1916 in der Hand der Italiener, denen aber der Vorstoß über den Gipfel trotz zahlreicher Versuche nicht gelang.
Die rot-grünen Markierungen des Klettersteigs weisen nach rechts; Drahtseile leiten durch eine steile Rinne hinauf zu einem schmalen Durchlass (ca. 2910 m) unter dem »Trapez«. Jenseits der Scharte geht’s kurz abwärts zum »Rotwand-Klettersteig«.
Abstieg.
Über die nordseitige Ferrata steigt man ab bis in das Geröllkar unter dem Wurzbachgipfel. Hier rechts (Hinweistafel) durch eine steile Rinne – teilweise mit Drahtseilhilfe – hinunter gegen den Felsbug des Burgstall (2168 m). Der Felssporn besaß strategische Bedeutung als Flankenschutz der österreichischen Stellungen rund um den Kreuzbergpass und war entsprechend befestigt. Zuletzt auf gutem Weg zurück zu den Rotwandwiesen und zur Gondelbahn (8.45 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied1400 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
StartortSexten (1316 m)
AusgangspunktRotwandwiesen, Bergstation des von Bad Moos ausgehenden Gondellifts (1914 m). Die Anlage ist von Ende Mai bis Anfang Oktober von 8.30–17.30 Uhr in Betrieb, Ende Juli bis Ende August bis 18 Uhr.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterIn der berühmten »Sextener Sonnenuhr« gilt der Zwölferkofel (3094 m) unbestritten als formschönster Gipfel, was bestätigen wird, wer schon einmal zur Zsigmondyhütte gewandert ist. Der massige Elfer (3092 m) ist schon fast ein Bergmassiv für sich, und der Einser (2698 m) machte erst kürzlich durch einen Bergsturz von sich reden, der das Fischleintal und Sexten vorübergehend unter einer riesigen Staubwolke verschwinden ließ. Rund 60 000 Kubikmeter Gestein rauschten im Herbst 2007 zu Tal.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 010 »Sextener Dolomiten«
VerkehrsanbindungVon Innichen (Bahnhof) nach Sexten (1316 m) und weiter nach Bad Moos (1353 m). Buslinie
GastronomieRudihütte (1914 m) bei der Seilbahnstation, bewirtschaftet während der Betriebszeiten der Gondelbahn (keine Übernachtung). Rotwandwiesenhütte (1900 m), Anfang Juni bis Anfang Oktober; Tel. 0474/71 06 51
Tipps
Gehzeit - Gesamt 8.45 Std. Zustieg Std. 1.15 Std., »Rotwand-Klettersteig« 2.15 Std., »Ferrata Zandonella SE« 1.15 Std., »Ferrata Zandonella S« 1.45 Std., Abstieg über den »Rotwand-Klettersteig« 2.15 Std. Beschränkt man sich auf die Besteigung der Rotwand, ergibt sich eine Gesamtgehzeit von 5.45 Std.
Tourismusbüro
Tourismusverein, I-39030 Sexten, Dolomitenstraße 45; Tel. +39/0474/71 03 10, Fax 71 03 18, info@sexten.it, www.sexten.it

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