Die Roggentalumrahmung

Eine landschaftlich reizvolle und sehr aussichtsreiche Kammtour über drei Gipfel, die bei Überschreiten der Weitalpspitze Orientierungssinn und Trittsicherheit verlangt. Am Westgrat der Hochplatte einige ausgesetzte drahtseilgesicherte Stellen. Sehr hübsch ist die abschließende Überschreitung der Hochblasse mit dem wenig bekannten Abstieg auf dem Westrücken. (Autor: Günther Laudahn)
14 km
1200 m
7.00 h
Ausgangspunkt für die Tour ist der große Parkplatz am Hotel Ammerwald in unmittelbarer Nähe der deutsch-österreichischen Grenze, den man über Schongau/Peiting nach der Ortsumfahrung Oberammergau oder über Oberau hinter Ettal in Richtung Linderhof abbiegend kurz nach der österreichischen Zollstelle erreicht; ebenso über Füssen/Reutte auf der Planseestraße. Vom Parkplatz wandern wir 550 Meter auf der Straße oder auf dem Fußweg daneben bis zu einem links abzweigenden breiten Forstweg, der durch Wald und Wiesen an den Fuß des Weitalpspitz-Südrückens heranführt. Der Weg biegt am Eingang des tief eingeschnittenen Roggentals (Schild »Naturschutzgebiet«) nach rechts ab. Wir folgen ihm noch vierzig Meter und steigen auf dem hier beginnenden, nicht markierten, aber deutlich erkennbaren grasigen Pfad empor. Er zieht nun in angenehmer Steigung mit vielen Kehren am breiten, ziemlich steilen bewaldeten Rücken hoch, mal mehr, mal weniger nach rechts ausholend, aber immer wieder an den ins Roggental abfallenden Hang zurückkehrend. Bei 1400 Metern Höhe erreichen wir einen Kahlschlag, ein abgeräumtes Windbruchgebiet, Hinterlassenschaft der Wirbelstürme von Anfang 1990. Der Kahlschlag wird seit 1994 kräftig aufgeforstet. Auf dem jetzt freien Rücken löst sich unser Steig in Trittspuren auf, der Anstieg hier macht aber auch ohne Weg keine Schwierigkeiten. An einem neuen Jagdstand vorbei geht es auf dem licht bewaldeten grasigen Rücken mit hübschem Blick auf die immer mächtiger emporwachsenden Geierköpfe bergan. Bei 1700 Metern stoßen wir auf ein dichtes Latschenfeld, das den oberen Teil des Südrückens bis zum Gipfel überzieht. An der linken Seite bildet sich ein Steiglein aus. Es umgeht den Gipfel und führt unmittelbar zum Weitalpjoch. Wir benützen jedoch einen Pfad, der einige Meter unterhalb der Latschenzone beginnt und zunächst leicht fallend, dann etwas ansteigend den Rücken nach rechts quert. Der auf der Wiese noch kaum erkennbare Pfad wird im Waldbereich gleich wieder deutlich. Nach etwa zweihundert Metern erreichen wir ein breites, zwischen Süd- und Südostrücken eingebettetes Kar, das den weiteren Aufstieg vermittelt. Versuchen Sie nicht, schon vorher am Südrücken aufzusteigen. Natürlich wäre das die kürzeste Möglichkeit, aber die hier ansetzenden Gassen enden alle in dichtem Latschengestrüpp. Am günstigsten ist es nun, nach Erreichen des Kars nicht in dem Hangstreifen unmittelbar neben dem Südrücken aufzusteigen, sondern das Kar noch etwa 150 Meter weiter zu queren. Dort leitet eine deutliche Trittspur durch den schmalen Latschengürtel zum oberen Teil des Kars. Über Gras und Geröll geht es zum steileren oberen Abschluß, der nach links umgangen wird. Eine Steigspur führt hinauf zu einem roten Markierungspunkt. Dahinter zieht ein Schrofenband, das vorsichtiges Gehen erfordert, zum nächsten roten Punkt. Nach fast horizontaler Querung des Hanges auf schmalem Pfad gelangen wir nach links über Grasschrofen, immer gut markiert, zur Kammhöhe und gleich darauf zum kleinen Eisenkreuz auf dem Gipfel der Weitalpspitze. Das Büchlein zeigt, daß die Weitalpspitze nicht eben häufig bestiegen wird und fast immer wohl vom Weitalpjoch her auf unserer Abstiegsroute. Wir haben einen freien Blick auf die Geierköpfe, auf die wuchtige Kreuzspitze links daneben und auf unsere nächsten Gipfelziele, Hochplatte und Hochblasse, die durch den Einschnitt der Roggentalgabel voneinander getrennt sind. Und aus der Tiefe des Tals grüßt das Hotel Ammerwald herauf. Es gilt nun, auf dem Nordrücken zum Weitalpjoch abzusteigen. Unser erstes Ziel ist der latschenbewachsene, nach rechts steil abbrechende etwas niedrigere Vorkopf. Zuerst über leichte Schrofen, dann in kurzen Latschengassen und auf schmalen geröllbedeckten Tritten am Rand der Latschen – hier ist vorsichtiges konzentriertes Gehen unerläßlich – gelangen wir dorthin. Der Rücken fällt jetzt steil ab. Einige Höhenmeter über trockene Zweige, dann in einer gewundenen Rinne, am Schluß über Gras erreichen wir das erwähnte Umgehungssteiglein, das zum Weitalpjoch leitet. Die etwas Orientierungssinn fordernden Abschnitte haben wir nun hinter uns. Vom Joch folgen wir dem markierten und beschilderten Weg zur Hochplatte, der durch einen an das Steinerne Meer in den Berchtesgadener Alpen erinnernden, meist bis in den Juni hinein von Schneezungen durchzogenen Karrengürtel mit seinen Kalkrippen und Spalten an den Gipfelkamm heranführt. Auf der stellenweise schmalen, teils seilgesicherten Schneide ist das Gipfelkreuz bald erreicht. Es steht etwas unterhalb des höchsten Punktes. Die Ammergauer Hochplatte ist zu Recht ein beliebtes Ziel. Die Aussicht ist dank ihrer die Umgebung weit überragenden Höhe umfassend. Nach Süden ist sie ähnlich wie die von der Weitalpspitze, aber nach Nordwesten und Norden schauen wir über die markanten Gipfel von Gabelschrofen, Gumpenkarspitze und Geiselstein weit ins Alpenvorland hinaus. Hübsch ist die nun folgende Überschreitung am felsigen Westgratrücken. Vorsichtiges, trittsicheres Gehen im Felsbereich ist gefragt. Der gut gesicherte Steig umgeht nach dem höchsten Punkt die Grathöhe auf einem schmalen Felsband und zieht dann nach einer kleinen Kletterstelle wieder auf den Kamm, auf dem er mäßig steil zur Einsenkung zwischen Hochplatte und Krähe hinableitet. Hier, am Fensterl, zwei großen Felslöchern – durch das rechte Loch führt ein Steig ins Gumpenkar –, zweigt ein Weg ab, der mit wenig Auf und Ab in zehn Minuten zur Roggentalgabel hinüberzieht. Vor uns liegt jetzt unser letztes Gipfelziel, die Hochblasse. Steigspuren erleichtern den Aufstieg über zwei gutgestufte Schrofenköpfe, und auch der grasige Gipfelaufschwung ist ohne Schwierigkeit schnell geschafft. Die breite Kuppe mit dem kleinen Kreuz lädt zur verdienten Rast ein. Sehr schön und aussichtsreich ist der Abstieg über den langen Westrücken. Der sanft abfallende Grashang geht bald in den latschenbewachsenen gebuckelten Rücken über. Dort beginnt eine durchlaufende Latschengasse mit einem Pfad, der nicht zu verfehlen ist. Man hat ständig einen freien Blick auf die Ammergauer, Tannheimer und Lechtaler Bergwelt. Weiter unten, schon im Waldbereich, knickt der Pfad scharf nach rechts ab. Er löst sich in Trittspuren auf, die ins Köhlebachtal hinabführen. Wir folgen ihnen so weit, bis wir in grasigen Schneisen oder besser noch tiefer im freien Grasgelände nach Westen zum aus dem Köhlebachtal kommenden Weg absteigen können. Von hier ist es zur Jägerhütte und zur benachbarten, von Anfang Juli bis Mitte September einfach bewirtschafteten Jägerhüttenalp nicht mehr weit. Von den Hütten geht es auf dem bequemen Schützensteig an einem Wasserfall vorbei und mit schönem Blick auf die Geierköpfe zum Parkplatz zurück. Dabei kann man die letzte nach rechts ausholende Kehre auf schmalem Steig an einem weißen Grenzstein vorbei abkürzen, wie dies in der Karte angedeutet ist.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1200 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz am Hotel Ammerwald, 1080 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Weitalpspitze, 1870 m – Hochplatte, 2082 m – Hochblasse, 1988 m.
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