Die Höllentalklamm

Auf dem Weg zur Zugspitze.
Mittelschwerer Auf- und Abstieg auf gut befestigten Wanderwegen, in der Klamm auf einem in den Fels gehauenen Steig. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
9 km
650 m
3.00 h
Der gemütliche Hammersbach.
Der Start zu dieser abenteuerlichen Tour ist beim Zugspitzbahnhof im Grainauer Ortsteil Hammersbach. Auf einem breiten Forstweg wandern wir in Richtung Höllental; der Hammersbach fließt gemächlich neben uns – nichts deutet darauf hin, welche Kraft der Bach nur wenig später entfalten kann. Der Weg steigt langsam an. Zu beiden Seiten breitet sich der für das Wettersteingebirge typische Mischwald mit hohen Fichten und Buchen aus. Am Wegesrand wachsen Farne, im Sommer sind auch Akelei und Silbermantel zu sehen.
Der wilde Hammersbach.
Im Verlauf des weiteren Anstiegs können wir auf der linken Seite mehrere kleine Wasserfälle sehen, die über die bewachsenen Felsen vom Henneneck herunterkommen. Der Weg wird im letzten Teil etwas steiler und führt zum Schluss direkt an die Felswände des Vorderen Männl heran. Kurz darauf haben wir die Höllentalklamm-Eingangshütte erreicht. Sie ist auf einem kleinen Felsvorsprung errichtet worden; aus Platzgründen musste man die Toiletten in den Fels hineinbauen. Nach Bezahlen der Eintrittsgebühr (Erwachsene 2,50 Euro, AV-Mitglieder 1,- Euro) können wir in die Klamm eintreten. Sie ist insgesamt 1026 Meter lang, hat zwei Brücken, zwölf Stollen, mehrere Wandstege, und der Ausgang liegt 150 Meter höher. Der Strom für die elektrische Beleuchtung wird durch eine Wasserturbine in der Nähe der Eingangshütte erzeugt.
Äußerst schwieriger Ausbau der Klamm.
In Millionen von Jahren hat sich der Hammersbach in den alpinen Muschelkalk eingegraben und so die Klamm entstehen lassen. Erst zu Beginn des 19. Jh. hat man erste Versuche unternommen, die bis dahin als unpassierbar geltende Schlucht begehbar zu machen. Durch das große persönliche Engagement des Ingenieurs Adolf Zoeppritz und mehrerer einheimischer Bergführer wurde die Klamm zunächst erforscht und vermessen. Dazu mussten sich die Männer von oben über die hohen Felsen hinabseilen; teilweise stiegen sie auch über lange Leitern hinab.
Innerhalb von vier Jahren (1902–05) gelang es den Bautrupps unter der Leitung von Adolf Zoeppritz, mehrere Tunnels in den Fels zu sprengen und den kompletten Weg durch die Klamm passierbar zu machen. Dabei wurden insgesamt 2500 kg Sprengstoff verbraucht, 14 000 kg Eisenteile, 2000 m Wasserrohr und 750 m Drahtseil verbaut, sowie 7000 kg Zement und 70 kg Kohle zum Schmieden aufgewendet. Nach 600 Arbeitstagen konnte am 15. August 1905 die feierliche Einweihung stattfinden.
Immense Schneehöhen.
Der Name der Höllentalklamm hat jedoch nicht mit dem Hölleninferno zu tun, das der Hammersbach zwischen den Felsen verursacht, er stammt vielmehr von »Höhle« oder »Aushöhlen« ab. Es sind übrigens zwei Gebirgsstöcke, zwischen denen das Höllental verläuft: Auf der rechten Seite beim Aufstieg liegt der Waxenstein und links die Alpspitze. Im Winter ist die Klamm durchgehend geschlossen, denn sechs Lawinenzüge entleeren ihre Schneemassen in die enge Schlucht: drei von der Alpspitzseite und drei vom Waxenstein. Dabei wurden schon Schneehöhen von über 70 Meter gemessen.
In der Klamm unterwegs.
Der Weg durch die Klamm ist ausgesprochen spannend. Gleich zu Beginn spannt sich über unseren Köpfen eine schmale Brücke über das tosende Wasser. Von weitem scheint dieser Übergang direkt an der Felswand zu enden. Erst wenn man direkt davor steht, sieht man, dass sich gleich hinter der Brücke ein Tor im Fels öffnet, durch das wir unseren Weg auf der anderen Klammseite fortsetzen können. An einer anderen Stelle hat sich ein riesiger herabgefallener Gesteinsbrocken zwischen den eng zusammen stehenden Felswänden nur wenige Meter über den Köpfen der Wanderer verklemmt. Ein Stück weiter oben führt der Weg durch einen schmalen Tunnel. Durch die in den Fels geschlagenen Fenster können wir das vorbeirauschende Wasser sehen.
Rast in der Höllentalangerhütte.
Am Ende der Höllentalklamm angekommen, sehen wir auf der linken Seite die Reste einer Staustufe, von der Anfang des 19. Jahrhunderts das Wasser über einen Zuleitungskanal zu einem Kraftwerk geleitet wurde, in dem man Strom für den Erzabbau unter den nahe gelegenen Knappenhäusern erzeugt hat. Der Bergbau wurde in den 1920er-Jahren eingestellt.
Von hier sollte man es nicht versäumen, nochmals rund 20 Min. bis zur Höllentalangerhütte aufzusteigen. Im Bereich der Hütte öffnet sich das Tal und gibt den Blick frei auf die Gipfel der Waxensteine, die Riffelwände sowie den Höllentalferner mit der sich dahinter auftürmenden Zugspitze. Der Hammersbach plätschert hier oben gemächlich durch die grünen Weiden – größer könnte der Kontrast zur Klamm gar nicht sein. Zumal wir auf dem Rückweg das ganze Spektakel noch einmal erleben können.

Dauer: 3:30 Std.
Hammersbach – Höllentalklamm-Eingangshütte 1 Std., Höllentalangerhütte 1 Std., Hammersbach 1.30 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied650 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGrainau, Ortsteil Hammersbach
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDurch Felstunnel, über Stege und Felstreppen geht es durch die Höllentalklamm, in der der tosende Hammersbach zu Tal stürzt. Ausruhen können wir anschließend in einer urigen Berghütte.
Hinweise
Für die Wanderung ist gutes Schuhwerk sowie Regenschutz zu empfehlen.Im Winter wegen starker Lawinengefahr geschlossen.
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 07: Werdenfelser Land mit Zugspitze, 1:35 000
Markierungen831 A, Höllentalangerhütte
VerkehrsanbindungMit der Bahn stündliche Verbindung von München nach Garmisch-Partenkirchen und von dort mit der Bayerischen Zugspitzbahn oder dem Eibsee-Bus nach Hammersbach. Mit dem Auto nimmt man entweder von München die Autobahn A 95 bis Garmisch-Partenkirchen und dann die Bundesstraße bis Grainau oder fährt aus Richtung Ulm über die Autobahn A 7 bis Kempten und dann weiter auf der Bundesstraße über Reutte/Tirol nach Grainau. In der Nähe des Bahnhofs Hammersbach ist ein Parkplatz.
GastronomieHöllentalklamm-Eingangshütte, einfache Gerichte, Mitbringsel, Tel.: 08821/88 95, Mitte Mai bis Mitte Oktober täglich geöffnet; Höllentalangerhütte, einfache Gerichte, schöne Terrasse, Tel.: 08821/88 11, Ende Mai bis Anfang Oktober täglich geöffnet, Übernachtungsmöglichkeit
Tipps
Mit Kindern Unterwegs. Waxl, der lustige Bär vom Waxenstein, begleitet alle Kinder von 5 bis 14 Jahren durch das Ferienprogramm: klettern mit der Grainauer Bergwacht, ein Besuch bei den Honigbienen, ein Tag auf einem Bauernhof bei Schafen, Kühen und Kälbern, eine Fahrt mit der Pferdekutsche, grillen am Lagerfeuer, den Wald und seine Bewohner erkunden, lernen, wie man einen Verband anlegt, oder die Wasserwacht am Eibsee besuchen. Anmeldung und genaue Termine bei der Kurverwaltung Grainau, Tel.: 08821/98 18 50. Übergang zum Osterfelderkopf. Wer sich gerne noch im Bereich der Alpspitze aufhalten möchte, kann von der Höllentalangerhütte über die Rinderscharte zum Osterfelderkopf wandern (Gehzeit ca. 1:30 Std.) und von dort mit der Alpspitzbahn ins Tal zurückfahren. Von der Talstation sind es ca. 20 Min. zu Fuß zum Ausgangspunkt der Tour.
Tourismusbüro
Kurverwaltung, Parkweg 8, 82491 Grainau, Tel.: 08821/98 18 50, Fax: 08821/98 18 55, E-Mail: info@grainau.de, Internet: www.grainau.de

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